Erneut Tief, Ängste, Schuldgefühle
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Erneut Tief, Ängste, Schuldgefühle
Hallo :)
Ich bin schon seit über einem halben Jahr hier angemeldet. Damals ging es mir nicht gut und ich habe mir viele Beiträge durchgelesen und jetzt stecke ich wieder in einem Tief. Meine Krankheitsgeschichte hat bewusst vor ca 10 Jahren begonnen. Rückblickend kann ich sagen, dass ich in der Kindheit auch zeitweise an Depressionen gelitten habe. Jedoch war es mir damals nicht so bewusst. Während des Studiums ist meine erste richtige schwerdepressive Phase ausgebrochen. Ich hatte in den letzten 10 Jahren fünf depressive Episoden. Ich bin auch in psychotherapeutischer Behandlung mit medikamentöser Unterstützung. Aktuell nehme ich 75mg Sertralin ein. Ich weiss nicht mal, ob das mir tatsächlich hilft.
Ich habe ein 9 Monate altes Baby und befürchte, dass ich wieder in ein Loch falle. Es gibt öfters mal Tage, an denen ich negativ gestimmt bin, aber durch Ablenkung, Gesellschaft, Spaziergänge, diese bewältige. Allerdings geht es mir seit einigen Tagen psychisch sehr schlecht. Ich heule richtig viel, obwohl es keinen offensichtlichen Grund gibt. Ich liebe es Mama zu sein und möchte die Zeit mit meinem
Kind wieder genießen können. Ich habe solche Schuldgefühle meinem Kind gegenüber, dass er so eine psychisch labile Mutter hat. Das verschlimmert meine Situation. Erst nach stundenlangem unkontrolliertem Weinen, komme ich wieder zu mir. Ich weiss an solchen Tagen nicht, wie ich den Tag überstehen soll. Abends geht es mir meistens besser, jedoch gehe ich mit Bauchschmerzen ins Bett, da ich Angst vor dem nächsten Tag habe. Ich verstehe nicht, warum es mir von einem Tag auf den anderen wieder so schlecht geht. Das lässt mich verzweifeln. Ich möchte doch nur das Muttersein genießen und für mein Kind emotional verfügbar sein. Ich habe große Angst, dass ich mein Kind psychisch schädige. Ich versuche beispielsweise während ich weine ihn noch anzulächeln. Er nimmt mittlerweile Emotionen mehr wahr. Ich weiss, dass Mütter auch weinen dürfen und eine Auszeit brauchen. Dennoch bin ich so wütend, dass ich nicht sorgenfrei sein kann und ich so ein Schicksal habe. Ich beneide andere Menschen. Wann enden diese Phasen? Ich habe einfach keine Kraft mehr. Ich möchte das alles nicht noch einmal durchmachen. Ich weiss nicht einmal, warum ich mich so todtraurig fühle. Dazu muss ich auch sagen, dass ich mich teilweise reinsteigere und es dann die Tage wieder besser wird. Ich habe einfach Angst vor der nächsten Depression. Diese Angst lähmt mich. Bei jedem kleinen Trigger, kommen diese pessimistischen Gedanken und Ängste hoch. Ist es vielleicht eine PTBS oder eine Angststörung? Ich wünschte, ich hätte die Gewissheit, dass ich sowas nicht noch einmal erlebe. Es ist so kräftezehrend, seinen Gefühlen so ausgeliefert zu sein. Diese Verzweiflung und Hilfslosigkeit behindern mich so sehr im Alltag. Ich möchte eine ausgeglichene Mama für mein Kind sein. Es ist für mich das absolute Horrorszenario, wenn ich aus dem Tief nicht so schnell wieder rauskomme, vor allem jetzt als Mutter. Davor hatte ich die größte Angst, als ich entschied ein Kind zu bekommen.
Vielen Dank an alle, die sich Zeitgenommen haben, meinen Text durchzulesen. Ich hoffe, man versteht, was ich meine…
Zaubernuss
Ich bin schon seit über einem halben Jahr hier angemeldet. Damals ging es mir nicht gut und ich habe mir viele Beiträge durchgelesen und jetzt stecke ich wieder in einem Tief. Meine Krankheitsgeschichte hat bewusst vor ca 10 Jahren begonnen. Rückblickend kann ich sagen, dass ich in der Kindheit auch zeitweise an Depressionen gelitten habe. Jedoch war es mir damals nicht so bewusst. Während des Studiums ist meine erste richtige schwerdepressive Phase ausgebrochen. Ich hatte in den letzten 10 Jahren fünf depressive Episoden. Ich bin auch in psychotherapeutischer Behandlung mit medikamentöser Unterstützung. Aktuell nehme ich 75mg Sertralin ein. Ich weiss nicht mal, ob das mir tatsächlich hilft.
Ich habe ein 9 Monate altes Baby und befürchte, dass ich wieder in ein Loch falle. Es gibt öfters mal Tage, an denen ich negativ gestimmt bin, aber durch Ablenkung, Gesellschaft, Spaziergänge, diese bewältige. Allerdings geht es mir seit einigen Tagen psychisch sehr schlecht. Ich heule richtig viel, obwohl es keinen offensichtlichen Grund gibt. Ich liebe es Mama zu sein und möchte die Zeit mit meinem
Kind wieder genießen können. Ich habe solche Schuldgefühle meinem Kind gegenüber, dass er so eine psychisch labile Mutter hat. Das verschlimmert meine Situation. Erst nach stundenlangem unkontrolliertem Weinen, komme ich wieder zu mir. Ich weiss an solchen Tagen nicht, wie ich den Tag überstehen soll. Abends geht es mir meistens besser, jedoch gehe ich mit Bauchschmerzen ins Bett, da ich Angst vor dem nächsten Tag habe. Ich verstehe nicht, warum es mir von einem Tag auf den anderen wieder so schlecht geht. Das lässt mich verzweifeln. Ich möchte doch nur das Muttersein genießen und für mein Kind emotional verfügbar sein. Ich habe große Angst, dass ich mein Kind psychisch schädige. Ich versuche beispielsweise während ich weine ihn noch anzulächeln. Er nimmt mittlerweile Emotionen mehr wahr. Ich weiss, dass Mütter auch weinen dürfen und eine Auszeit brauchen. Dennoch bin ich so wütend, dass ich nicht sorgenfrei sein kann und ich so ein Schicksal habe. Ich beneide andere Menschen. Wann enden diese Phasen? Ich habe einfach keine Kraft mehr. Ich möchte das alles nicht noch einmal durchmachen. Ich weiss nicht einmal, warum ich mich so todtraurig fühle. Dazu muss ich auch sagen, dass ich mich teilweise reinsteigere und es dann die Tage wieder besser wird. Ich habe einfach Angst vor der nächsten Depression. Diese Angst lähmt mich. Bei jedem kleinen Trigger, kommen diese pessimistischen Gedanken und Ängste hoch. Ist es vielleicht eine PTBS oder eine Angststörung? Ich wünschte, ich hätte die Gewissheit, dass ich sowas nicht noch einmal erlebe. Es ist so kräftezehrend, seinen Gefühlen so ausgeliefert zu sein. Diese Verzweiflung und Hilfslosigkeit behindern mich so sehr im Alltag. Ich möchte eine ausgeglichene Mama für mein Kind sein. Es ist für mich das absolute Horrorszenario, wenn ich aus dem Tief nicht so schnell wieder rauskomme, vor allem jetzt als Mutter. Davor hatte ich die größte Angst, als ich entschied ein Kind zu bekommen.
Vielen Dank an alle, die sich Zeitgenommen haben, meinen Text durchzulesen. Ich hoffe, man versteht, was ich meine…
Zaubernuss
Zuletzt geändert von Zaubernuss am 28:09:2024 23:31, insgesamt 1-mal geändert.
Re: Erneutes Tief, Ängste, Schuldgefühle
Hallo Zaubernuss... was für ein schöner Name...
Schön, dass du dich entschieden hast, hier zu schreiben. Der Austausch unter Betroffenen kann unglaublich viel helfen.
Was wir gemeinsam haben: auch ich bin schon immer latent "psychisch auffällig" gewesen. Auch bei mir spielten schon immer Ängste eine Rolle, allerdings trat bei mir dann eine Zwangsstörung in den Fordergrund. Richtig schlimm wurde es dann nach der Geburt meines Sohnes. Erst da wurde offensichtlich, dass da vieles im Argen lag. Mit Therapie und Medikamenten wurde ich wieder gesund. Eine Erhaltungsdosis meines ADs brauche ich aber um stabil zu bleiben.
Mir ist deine Sertralin Dosis aufgefallen... 75 mg sind eine eher geringe Dosis. Wenn man ausgeprägte Symptome hat, ist eine Erhöhung des ADs eine wichtige Option, die unbedingt mit dem Arzt besprochen werden sollte. Wie lange nimmst du denn Sertlin schon? Ich vermute stark, dass du unterdosiert bist.
Schön, dass du dich entschieden hast, hier zu schreiben. Der Austausch unter Betroffenen kann unglaublich viel helfen.
Was wir gemeinsam haben: auch ich bin schon immer latent "psychisch auffällig" gewesen. Auch bei mir spielten schon immer Ängste eine Rolle, allerdings trat bei mir dann eine Zwangsstörung in den Fordergrund. Richtig schlimm wurde es dann nach der Geburt meines Sohnes. Erst da wurde offensichtlich, dass da vieles im Argen lag. Mit Therapie und Medikamenten wurde ich wieder gesund. Eine Erhaltungsdosis meines ADs brauche ich aber um stabil zu bleiben.
Mir ist deine Sertralin Dosis aufgefallen... 75 mg sind eine eher geringe Dosis. Wenn man ausgeprägte Symptome hat, ist eine Erhöhung des ADs eine wichtige Option, die unbedingt mit dem Arzt besprochen werden sollte. Wie lange nimmst du denn Sertlin schon? Ich vermute stark, dass du unterdosiert bist.
Liebe Grüße von
Marika
Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Marika
Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
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- Beiträge: 6
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Re: Erneutes Tief, Ängste, Schuldgefühle
Hallo liebe Marika,
vielen lieben Dank für deine schnelle Antwort.
Ich nehme Sertralin seit letztem Jahr Mai ein und war zwischenzeitlich auf 150mg eingestellt. Das Medikament habe ich in meiner Schwangerschaft begonnen einzunehmen, da es am besten geeignet in der Schwangerschaft und Stillzeit ist. Davor nahm ich Fluoxetin 40mg ein.
Ich habe das Sertralin seit Anfang Januar2024 schleichend runterdosiert und war sogar kurz davor es auf 50mg zu senken. Ich möchte ungern die Dosis wieder erhöhen. Ich weiss, dass das Medikament kaum in die Muttermilch geht, jedoch habe ich trotzdem Bedenken, dass irgendwann die Studien das Gegenteil beweisen.
Mich regt es einfach auf, dass ich so bin, wie ich bin. Ich wünschte, wir alle würden nicht ausgeprägte Symptome haben. Mir wäre es sogar lieber, dass ich 10 Jahre früher sterbe und dafür diese depressiven Phasen nicht durchmachen muss. Das schränkt die Lebensqualität so stark ein. Jedes Mal wenn ich denke es wird besser, zeigt mir das Leben das Gegenteil…
vielen lieben Dank für deine schnelle Antwort.
Ich nehme Sertralin seit letztem Jahr Mai ein und war zwischenzeitlich auf 150mg eingestellt. Das Medikament habe ich in meiner Schwangerschaft begonnen einzunehmen, da es am besten geeignet in der Schwangerschaft und Stillzeit ist. Davor nahm ich Fluoxetin 40mg ein.
Ich habe das Sertralin seit Anfang Januar2024 schleichend runterdosiert und war sogar kurz davor es auf 50mg zu senken. Ich möchte ungern die Dosis wieder erhöhen. Ich weiss, dass das Medikament kaum in die Muttermilch geht, jedoch habe ich trotzdem Bedenken, dass irgendwann die Studien das Gegenteil beweisen.
Mich regt es einfach auf, dass ich so bin, wie ich bin. Ich wünschte, wir alle würden nicht ausgeprägte Symptome haben. Mir wäre es sogar lieber, dass ich 10 Jahre früher sterbe und dafür diese depressiven Phasen nicht durchmachen muss. Das schränkt die Lebensqualität so stark ein. Jedes Mal wenn ich denke es wird besser, zeigt mir das Leben das Gegenteil…
Re: Erneutes Tief, Ängste, Schuldgefühle
Das verstehe ich natürlich, allerdings was nützt es wenn die Dosis zu gering ist und du daher nicht stabil wirst? Es bist nicht "du, die so ist", es ist die Erkrankung! Und dieser Umstand erfordert einfach eine gute Behandlung.
Sertralin ist bestens erprobt, wie du selber sagst. Dass du nicht erhöhen willst, ist verständlich, allerdings wahrscheinlich die falsche Entscheidung. Such doch nochmal das Gespräch mit deinem Arzt!
Sertralin ist bestens erprobt, wie du selber sagst. Dass du nicht erhöhen willst, ist verständlich, allerdings wahrscheinlich die falsche Entscheidung. Such doch nochmal das Gespräch mit deinem Arzt!
Liebe Grüße von
Marika
Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Marika
Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
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Re: Erneutes Tief, Ängste, Schuldgefühle
Ich habe für nächste Woche einen Termin beim Psychiater angefragt und werde über die Dosierung sprechen. Ich hoffe so sehr, dass ich auch jahrelang stabil bin und so wie du anderen Mut zusprechen kann :)!
Re: Erneutes Tief, Ängste, Schuldgefühle
Das ist ein sehr guter Plan! Ich verstehe absolut deine Bedenken wegen dem Stillen, aber du darfst deinen Ärzten vertrauen. Das wichtigste ist, dass du stabil wirst. Das scheint im Moment noch nicht der Fall zu sein, daher ist es nötig die Dosierung zu evaluieren. 
Liebe Grüße von
Marika
Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Marika
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schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
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Re: Erneutes Tief, Ängste, Schuldgefühle
Vielen lieben Dank Marika
Ich halte dich auf dem Laufenden :)
Ich halte dich auf dem Laufenden :)
Re: Erneut Tief, Ängste, Schuldgefühle
Hallo Zaubernuss, oh man du arme, ich hoffe dir geht’s schon ein bisschen besser? Ich denke du musst eine ganz schön starke Person sein wenn du das schon so lange mitmachst! Dann schaffst du das jetzt auch! Ich denke ja immer umso mehr Erfahrungen man mit sich selbst macht umso schneller kann man bei neuen Tiefs auf bisherige Strategien zurück greifen. Hast du da schon welche? Ich kann mir vorstellen dass du zu schnell runter dosiert hast und einfach nochmal ein bisschen länger mit der höheren Dosis verbringen musst. Wenn du sanfter runter willst, kann man sich auch in der Apotheke Tabletten mischen lassen mit Zwischenstufen. Das macht man oft für Kinder die zb keine 400 mg Ibuprofen nehmen können (erwachsene müssen es nur meist selbst bezahlen). Vielleicht bringt das was :)
Alles liebe Merke
Alles liebe Merke