Immer noch Tiefs und Zwangsgedanken

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Louisa94
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Immer noch Tiefs und Zwangsgedanken

Beitrag von Louisa94 »

Hey ich muss hier grade mal was loswerden. Letztes Jahr im August habe ich mein 3. Kind bekommen was auch ein absolutes Wunschkind war, leider jedoch durch eine traumatische Geburt und auch ein turbulentes Wochenbett hatte ich die heftigsten aggressiven Zwangsgedanken und eine depressive Epsiode. War insgesamt 10 Wochen in der Tagesklinik und bin mit einem Medikament eingestellt worden was man auch beim Stillen nehmen kann. Bin seit Mitte Dezember wieder zuhause und bin in ambulanter Therapie wo es aber auch nur sehr schleppend voran geht, da diese Sitzungen irgendwie auch zu selten sind. Die letzten beiden Tage geht es mir schon wieder total schlecht und allgemein habe ich immer noch fast durchgehend Zwangsgedanken. Immer wenn ich in der Nähe von meinem Kleinen bin oder ihn hochnehme immer schießen mir die schlimmsten Dinge in den Kopf. Das ist so anstrengend das auszuhalten. Ich habe auch gegen mich diese Zwangsgedanken manchmal weiß ich überhaupt nicht mehr ob es wirklich Zwangsgedanken sind oder vielleicht doch heimlich ein Wunsch von mir da ich einfach mit 3 Kindern überfordert bin. Ich könnte nur noch heulen. Werde ich irgendwann wieder normal ? So kann das doch jetzt nicht noch Jahre so weiter gehen da drehe ich durch. Ich habe als das Gefühl ich muss mich beherrschen um nichts umzusetzen. Ich hoffe ich treffen jemanden dem es ähnlich ging und mir Hoffnung machen kann 😭
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Marika
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Re: Immer noch Tiefs und Zwangsgedanken

Beitrag von Marika »

Hallo Luisa!

Lass dich mal fest drücken. Zwangsgedanken sind eine langwierige und harte Nuss. Ich hatte sie auch als Hauptsymptom und es hat gedauert bis ich endlich stabil war.

Mich würde interessieren was du für ein AD nimmst und welche Dosis? In welchem Abstand sind deine Sitzungen und was für eine Form der Therapie machst du? ❤️
Liebe Grüße von
Marika

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Louisa94
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Re: Immer noch Tiefs und Zwangsgedanken

Beitrag von Louisa94 »

Hey Marika, danke für deine Antwort!
Es fühlt sich so real an so als würde ich es wirklich umsetzen es ist so schlimm das dauerhaft auszuhalten ohne irgendwann durchzudrehen! Ich nehmen Sertralin 100 mg aber auch schon sehr lange. Was anderes geht nur wenn ich abstillen würde aber glaube das würde mich dann auch wieder in ein tiefes Loch werfen. Ich mache eine ambulante Therapie bei einer Verhaltenstherapeutin aber sie ist jetzt nicht speziell auf Zwangsgedanken geschult und die Abstände sind auch sehr groß hatte schon seit 3 Wochen keine Sitzung mehr und die nächste ist erst in 3 Wochen weil wir dann erstmal weg sind und krankheitsbedingt musste ich den letzten Termin absagen. Es ist zum heulen. Hat das bei dir auch alles so lange gedauert und haben die Gedanke auch so real gewirkt ? Grade wenn zuhause alles stressig ist denke ich dass ich das alles nicht mehr schaffe und aushalte und die Gedanken erst recht umsetze.
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Marika
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Re: Immer noch Tiefs und Zwangsgedanken

Beitrag von Marika »

Ja es hat insgesamt 2 Jahre bei mir gedauert. Aber ich muss dazu sagen, dass ich schon davor zwanghaft war. Das trägt zu einem längeren Verlauf bei.

100 mg sind tatsächlich nicht sehr hoch und das kann auch der Grund sein, warum du nicht weiter kommst. 3 Wochen Abstände in der Therapie sind auch lange. Also Insgesamt trittst du auf der Stelle. Bei mir war eine recht hohe AD Dosis nötig. Ich habe dafür aber auch abgestillt. Auf jeden Fall würde ich über die AD Dosis reden mit deinem Arzt.

Die ZG fühlen sich tatsächlich sehr real an, das macht sie ja so grausam. Weil man immer denkt, man tut gleich, was sich da einem an Gedanken aufdrängt. Das ist aber nicht der Fall, aber der Leidensdruck ist enorm.
Liebe Grüße von
Marika

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Louisa94
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Re: Immer noch Tiefs und Zwangsgedanken

Beitrag von Louisa94 »

Oh Gott 2 Jahre Wahnsinn! Da hast du echt viel durchgemacht. Kannst stolz auf dich sein. Ich hatte bereits als Kind sowohl einen Zwang als auch Zwangsgedanken mit Zwangshandlungen dies wurde damal therapiert und war echt kaum mehr Thema bis zur Geburt letztes Jahr im August. Ich habe solche Angst denn die letzten Tage richten sich die ZG auch noch extrem gegen mich. Aber auch echt die schlimmsten Dinge es macht mich noch verrückt. Hattest du auch zwischendurch depressive Episoden ? Wann waren diese weg ? Wurde das dann zeitgleich besser ? Bin ich ein hoffnungsloser Fall ? Ich habe echt solche Angst. Ich werde auf jeden Fall nochmal in die Tagesklinik gehen und auch wegen der Medikation schauen hier ist es nur so schwer eine Termin bei einem Psychater zu bekommen
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Marika
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Re: Immer noch Tiefs und Zwangsgedanken

Beitrag von Marika »

Guten Morgen Liebes!

Durch die ZG wurde ich depressiv. Immer wenn ich eine bessere Phase hatte in denen die ZG besser waren, ließ auch die Depression nach. Mein Psychiater hat das so beschrieben, dass die Zwangssymptomatik mich depressiv gemacht hat. Das kommt bei Zwängen sehr häufig vor und typisch ist dann eben, dass beides auch zusammen besser wird.

Genau wie du hatte ich schon als Kind ZG und neutralisierende Zwangshandlungen. Aber es wurde nie diagnostiziert, ich habe es nie jemanden erzählt und als Kind still gelitten. Im jungen Erwachsenen Alter war es besser, oft sogar ganz weg. Ich dachte kaum mehr daran. Aber 5 Wochen nach der Geburt brach die Hölle los.

Ich möchte dich bestärken, nochmal wegen der Medikation zu fragen. Bei Zwängen ist oft eine höhere Dosis nötig und mit 100 mg Sertralin ist das nicht gegeben. Du hast zuwenig Wirkung, aber dein Körper muss das AD trotzdem stemmen und deine Leber muss abbauen... dann sollte man doch wenigstens eine gute Wirkung haben bzw. gesund werden, oder? Du kannst dich auch hier informieren: www.embryotox.de Das sind die Fachleute was Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit angeht. Sie können dich sehr gut wegen der Dosis beraten. Natürlich besteht auch die Möglichkeit abzustillen, dann ist eine Dosis Anpassung natürlich nach ärztlicher Beratung immer möglich.

So wie du es beschreibst, weiten sich die ZG aus. Das zeigt meiner Meinung nach, dass du weder mit dem Medikament, noch mit der Therapie richtig eingestellt bist. Hier eine weitere Anlaufstelle: www.zwaenge.de Hier wird man auch bei der Therapeutensuche beraten.

Nimm das ganze nochmal aktiv in die Hand! Du bist überhaupt kein hoffnungsloser Fall, nur wahrscheinlich nicht richtig eingestellt. ❤️
Liebe Grüße von
Marika

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