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Erschüttert

Verfasst: 07:04:2026 6:15
von Jen
Guten Morgen zusammen,

ich weiß gar nicht, ob ich das hier teilen darf, aber ich muss es mit euch teilen, da es mich beschäftigt.

Ich war in der Klinik mit 2 sehr netten Damen im Zimmer und wir haben uns gut verstanden. Irgendwie teilt man ja sein Leid miteinander, lange Zeit.
Mit der einen davon hatte ich noch Kontakt über Social Media, weil sie so einen krassen Sprung aus der Depression hatte und mich das so sehr gefreut hat. Und diese Dame die hat mir gestern geschrieben, dass die andere Dame den freitod gewählt hat für sich.

Mich erschüttert das gerade sehr.

Ich möchte noch dazu sagen, dass Sie keinen ‚normale‘ Depression hatte.
Die Dame hatte vor längerer Zeit einen Hirntumor und der lag an einem kritischen Teil des Hirns. Seither hat dieser Teil, der unteranderem für unsere Gefühle zuständig ist, nicht mehr richtig gearbeitet.
Sodass auch Medikamente nie richtig gewirkt hatten oder anders wie sie eigentlich sollten.
Sie hatte da 10 Jahre damit rumgemacht und wurde immer wieder anders eingestellt und nichts hat nachhaltig geholfen, aufgrund dieser Schädigung.

Ich wollte das einfach hier lassen.

Liebe Grüße Jen

Re: Erschüttert

Verfasst: 07:04:2026 8:38
von Marika
Liebe Jen!

Das tut mir unendlich leid. Solche Geschichten sind immer wieder furchtbar traurig und für uns mit unseren Geschichten nochmal heftiger. Mir erging es vor Jahren mal ähnlich: ein Schulfreund hatte zum wiederholten Mal eigenmächtig die Medikamentöse Therapie und alles andere abgebrochen und sich von irgendeinem "Guru" behandeln lassen. Ich habe eindrücklich noch mit ihm geredet, als ich ihn auf der Straße getroffen habe, ohne Erfolg. Er lebte 2 Wochen später nicht mehr.

Liebe Jen, dieses Erlebnis darf dich beschäftigen, es ist völlig klar dass es dich mitnimmt. Mir ging es damals auch so. Es braucht Zeit, denn dieses Thema ist unsere Achilles Ferse. Aber - und das schreibst du eh selber - es ist nicht deine Geschichte und es waren völlig andere, tragische Voraussetzungen gegeben. Es sagt also überhaupt nichts über deinen Verlauf aus.

Wie geht es dir sonst, liebe Jen? ❤️

Re: Erschüttert

Verfasst: 07:04:2026 11:59
von Jen
Heute fühle ich mich irgendwie leer. Was mir natürlich riesige Angst macht.

Aber ich hab einiges über mich lernen dürfen in letzter Zeit und ich habe auch das tiefe Gefühl, dass ich näher bei mir bin, seit der Krise. Ich hab wirklich viel über mich gelernt und auch ein großes Thema für mich ausmachen können, nämlich das ich einen ungesunden Bezug zum Arbeiten habe und der sich nicht durch eine neue Stelle oder anderen Arbeitsbereich auflöst, sondern durch Therapie.

Trotzdem schwingt die Angst vor so einer großen Krise immer mit.

Ich gönne mir viele Pausen und Ruhe, aber in mir würde gerne auch wieder etwas mehr in Aktion kommen.

Re: Erschüttert

Verfasst: 07:04:2026 14:07
von Jen
Und ich hab es zugelassen, diese leere, diese schwere und es wurde leichter. Es ist nicht weg, aber es wurde leichter.

Als Reminder für mich und auch alle Anderen hier.

Re: Erschüttert

Verfasst: 08:04:2026 8:47
von alibo79
Guten Morgen Jen!
Mir würde es genauso ergehen, denn gerade unser Erkrankung ist ein wirklich sensibles Thema. Wir verknüpfen das oft mit. Vielen düsteren Tagen Wochen Monaten und fühlen uns dann schnell mal an diese Zeit erinnert. Bei mir ist das auch so, wenn ich im Fernsehen, Berichte und Dokumentationen sehe. Über Menschen mit psychischen Erkrankungen, den es sehr schlecht geht oder die in einer Klinik sind, muss ich immer gut abwägen. Wie viel ich mir davon zumute, ohne dass ich mich zu sehr damit belaste.
Bei mir war es zum Beispiel so, dass von einer guten Mitarbeiterin der Mann auch Depressionen hat und in den letzten Jahren mehrmals erkrankt war und aktuell auch wieder in einer Klinik ist. Zum Glück auf dem Wege der Besserung, aber er war zeitweise auch wirklich sehr krank. Und natürlich habe ich das immer mitbekommen und ich habe auch Anteil genommen und auch zugehört und versucht Trost zu spenden. Aber auch da musste ich immer wieder in mich reinhören um zu schauen, ob mir das gut tut oder ob das gerade zu viel ist für mich und mich deswegen runterzieht oder zu sehr triggert.
Deine Gefühle dürfen alle da sein und es ist auch völlig in Ordnung, sich nach solchen Nachrichten nicht gut zu fühlen und es ist mit Sicherheit richtig diese Gefühle auch zuzulassen und mal reinzuhören was sie einen sagen wollen.