Neu hier - leider lang
Verfasst: 13:02:2009 22:18
Ich bin 32 Jahre alt und meine erste Tochter wurde im Oktober letzten Jahres geboren.
Meine Mutter hat mich und meinen Bruder schon immer psychisch ich nenn´s mal unter Druck gesetzt, wir beide haben immer sehr darunter gelitten und tun es heute noch. Ich hatte immer Angst, bloß nicht zu werden wie sie. Als mein Mann und ich beschlossen zu heiraten und dann auch ein Haus 60 km entfernt von meiner Mutter kauften, wurde ihr Telefon- und Psychoterror immer stärker. Eine Woche nach unserem Umzug erfuhr ich dann, daß ich schwanger bin. Obwohl ich noch ein Jahr vorher unbedingt ein Kind wollte, war es jetzt ein Schock. Wir hatten doch noch so viel im Haus zu tun, die später mal als Kinderzimmer vorgesehenen Zimmer waren gerade frisch als Arbeitszimmer eingerichtet, wir hatten all unser Geld ins Haus gesteckt und außerdem wollten wir doch noch im gleichen Jahr heiraten.
Wir konnten doch jetzt kein Kind bekommen. Und ich hatte Angst vor der Reaktion meines Mannes (damals noch Freundes). Er freute sich sehr. Ich mich nicht, was ich aber nach außen nicht zeigte. Umso länger die Schwangerschaft andauerte, um so mehr hoffte ich, daß Kind sei krank oder habe eine Behinderung, da wir uns entschlossen hatten, es dann nicht zu bekommen.
Ich hatte furchbare Angst vor dem Kind und davor es nicht lieben zu können und so zu werden wie meine Mutter. Die machte uns fast wahnsinnig, rief alle paar Tage an, wollte jedes Detail wissen und die Hochzeit wollte sie dann ganz bestimmen, was ich anziehe, wo wir feiern und was wir essen und sogar, wen wir einladen. Es war furchtbar. Ich weinte fast nur noch. Natürlich konnte ich meinem zukünftigen Mann nicht sagen, daß auch die Angst vor dem Kind, mich soviel weinen ließ.
Ich schob es immer auf die Hormone und die Schwangerschaft. Zum Glück glaubte mir mein Umfeld das.
Die Hochzeit bestand dann zu 90% aus Angst, ob alles gut ging, da es einige familiäre Zusammentreffen gab, die ziemlich schief hätten gehen können (z.B. mein Vater und der Rest meiner Familie).
Danach hörte der Terror meiner Mutter aber nicht auf. "Eine Tochter muß doch in der Schwangerschaft jedes Detail mit ihrer Mutter besprechen, jede Kindsbewegung, alles. Das ist doch normal und üblich." Sie konnte und kann nicht verstehen, daß unser Verhältnis aber nicht normal und üblich ist und nie war.
Ich weinte immer mehr und meine Angst wurde immer größer. Eine Beziehung zu dem Kind konnte ich überhaupt nicht aufbauen. Es zeigte auch nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen würde, was das Ganze noch verschlimmerte. Da das Kind sich nicht drehte, mußte ein Kaiserschnitt geplant werden. Darüber wurde ich aber erst 4 Wochen vor der errechneten Geburt informiert. Meine Mutter, die ja unbedingt bei der Geburt dabei sein wollte (was wir aber nicht wollten), nervte jetzt fast täglich. Wir machten dann heimlich eine Woche vor dem errechneten Termin den Termin zum Kaiserschnitt.
Mir wurde etwas von einer sanften Methode erzählt und da ich schon einen größeren Bauchschnitt wegen einer Bauchspeicheldrüsen-OP gemacht bekommen hatte, dachte ich, ich wüßte, was ungefähr auf mich zukäme.
Die letzten Tage vor dem Termin weinte ich fast ständig. Mein Umfeld dachte, ich habe Angst vor der Geburt und dem Kaiserschnitt. Nein, ich hatte Angst vor dem Kind und vor meinen nicht vorhandenen Gefühlen. Würde es gesund sein? Würde ich damit zurecht kommen? Würde ich auch so eine schlechte Mutter werden?
Der Kaiserschnitt war dann ein ziemlicher Horror. Sanfte Methode - ich dachte die reißen mich mitten durch und ich falle gleich vom OP-Tisch. Ich hielt mich so stark am Tisch fest, daß ich als alles vorbei war, meine Hände und Arme kaum noch bewegen konnte. Und ich schämte mich. Der Raum war voller fremder Menschen und Männer und ich lag nackt da. Es war furchtbar.
Dann endlich war das Baby da - ein Mädchen! Mist, mein Mann wollte doch einen Jungen, oh nein!!! Aber es war gesund. Mein Mann freute sich total. Ich freute mich nur, daß alles vorbei war.
Aber jetzt ging es erst richtig los: Angeblich war die Kleine zu schwach zum saugen und ich hatte falsche Brustwarzen. Sie wurde schon am zweiten Tag mit der Flasche gefüttert. Und ich mußte abpumpen. Da kam aber kaum was. Daß das am Anfang ok ist, sagte mir keiner. Die "Besuchermaßen" strömten nur so in mein Einzelzimmer und immer dann, wenn die Kleine gerade gefüttert werden mußte oder ich abpumpen sollte. Ich kam mir vor wie ein gehetztes Tier. Alle sagten mir, was ich zu tun oder zu lassen hätte. Meine Mutter blieb immer zwei Stunden und drückte das Kind immer ins Bett, weil sie so nervös von der Geburt war und soviel zappelte und schrie (ist wohl, wie ich jetzt weiß, bei Kaiserschnittkindern nicht ungewöhnlich). Meine Mutter meinte, daß Kind sei jetzt schon hyperaktiv und übernervös (sie ist Psychotherapeutin) und wir müßten endlich mal zur Ruhe kommen. Ich dachte mir nur: „Warum wohl, weil Du mich in der Schwangerschaft wahnsinnig gemacht hast und ich wegen Dir so viel geweint hab“.
Ich war eine Woche im Krankenhaus. Obwohl ich Privatpatient bin, kümmerte sich niemand um mich. Ich hatte nach zwei Tagen immer noch den Katheder drin und mußte darum betteln, ihn gezogen zu bekommen. Auch die PDA-Kanüle war so lange drin. Untersucht wurde ich erst nach 6 Tagen, als ich darum bettelte, nach Hause zu dürfen. Andere Mütter sah ich nur im Säuglingszimmer, wenn sie ihre Kinder abgaben, weil sie zu einer Untersuchung mußten. Ich wurde nie untersucht. Und statt des toll angekündigten Frühstücksbuffets bekam ich mein Frühstück immer aufs Zimmer.
Ich wollte nach Hause zu meinem Mann und hoffte, daß die Hebamme uns mit dem Stillen besser helfen könnte. Jede Säuglingsschwester sagte nämlich was anderes und ich wußte inzwischen gar nicht mehr, was richtig und was falsch war. Die anderen Mütter saßen alle da und stillten ihre Kinder. Nur ich saß an dieser blöden Pumpe und die Schwestern oder mein Mann gaben der Kleinen die Flasche. Durch den Katheder und dadurch daß ich damit nicht rumlaufen durfte, konnte ich erst am dritten Tag beim Wickeln meiner Tochter zu sehen und hatte sie bis dahin auch noch nicht nackt gesehen.
Nach 6 Tagen bin ich auf eigene Verantwortung abends nach Hause gegangen. Meine Mutter machte wieder Terror. Sie hatte doch das Haus schmücken wollen, bevor ich nach Hause komme. Sie hatte eine ganze Woche Zeit, aber nein, sie war jetzt eingeschnappt, weil ich einen Tag früher nach Hause gekommen war und weil sie mich nicht abholen durfte. Ich finde aber, der Vater sollte sein Kind und seine Frau nach Hause holen oder nicht?
Die Stilprobleme blieben. Ich hatte wunde Brustwarzen, hatte eine elektrische Pumpe nach Hause bekommen und versuchte es dennoch immer wieder mit der Kleinen. Es ging und ging aber nicht. Irgendwann nach glaub ich zwei Wochen hatte sie es dann raus, wie es geht. Sie wollte aber immer noch mal die Flasche, obwohl sie über eine halbe Stunde pro Seite trank. Wie sollte ich das hinkriegen??? Ich mußte doch so bald wie möglich wieder arbeiten, zwar zu Hause aber trotzdem.
Immer wieder gaben wir ihr auch so die Flasche, weil wir weg mußten und nicht die Zeit hatten, die Kleine über eine Stunde zu stillen. Erst als es viel zu spät war und bei mir kaum noch Milch kam, wurde mir gesagt, daß man auf die Art und Weise quasi abstillt.
Jetzt kämpfe ich um jeden Milliliter und hänge ziemlich oft an der Handpumpe, die ich mir gekauft habe. Ich nehme Globulis und trinke Stilltee, aber sehr viel hilft es nicht. Mehr als 20-30 Milliliter Muttermilch pro Mahlzeit kriegt die Kleine nicht, leider. Und ich wollte doch die empfohlenen 6 Monate stillen. Wieso nur wird man so schlecht beraten und aufgeklärt????
Und obwohl meine Tochter jetzt fast 4 Monate alt ist, habe ich immer noch keine super Beziehung zu ihr aufbauen können.
Die erste Zeit war alles ok. Sie schlief ja viel. Als sie anfing länger wach zu sein, die Hebamme nicht mehr kam und ich wieder anfangen mußte zu arbeiten, fing es an, schlimm für mich zu werden. Ich merkte immer mehr, daß den Haushalt fast nur noch mein Mann machte, obwohl er ja derjenige ist, der voll arbeitet. Ich müßte wahrscheinlich meinen Tag straff durchorganisieren, aber ich schaffe´s einfach nicht. Es wird mir zunehmend alles zu viel, obwohl die Kleine wirklich lieb ist, schon seit sie 6 Wochen alt ist, fast 12 Stunden pro Nacht schläft und eigentlich sehr fröhlich ist.
Immer wenn mein Mann da ist, kümmert er sich fast komplett um die Kleine. Wenn ich alleine bin mit ihr, fühle ich mich total überfordert. Wenn sie nicht aufhört zu schreien, werde ich wütend, schreie sie an, hebe sie grob aus ihrem Bettchen etc. Wirklich weh getan habe ich ihr noch nicht. Aber ich habe wahnsinnige Angst davor. Ich versuche immer mich unter Kontrolle zu halten, was aber immer schwerer wird. Ich beiße mich dann selber, brülle ganz laut, schlage gegen Kissen oder ähnliches, um mich abzureagieren. Das darf nicht sein. Ich muß mich doch zusammenreißen können!!! Aber es klappt kaum noch. Ich habe inzwischen sogar das Gefühl oder bilde mir ein, daß sie Angst vor mir hat. Bei meinem Mann oder Schwiegereltern lacht sie sofort, wenn sie sie sieht. Mich guckt sie nie mehr als ein paar Sekunden an und lachen tut sie nur manchmal, wenn ich Spaß mit ihr mache.
Ich schäme mich für meine Gedanken: „Die Kleine wäre ohne mich besser dran.“ Oder „Wäre sie doch nie geboren.“
Leider streiten mein Mann und ich uns auch immer öfter, weil ich sehr oft schlecht gelaunt bin, meine Stimmung sich sehr oft von jetzt auf gleich ändert und ich ihn ohne Grund auf einmal anmotze. Das tut mir dann auch sofort leid, aber ich bleibe dann für den Moment trotzdem aggressiv ihm gegenüber.
All meine Ängste aus der Schwangerschaft sind wahr geworden: Ich bin eine schlechte Mutter und ich bin auf dem besten Weg, meinen Mann zu verlieren.
Manchmal liege ich stundenlang in den Armen meines Mannes und weine und weine und weine. Er ist dann immer so hilflos und versucht alles, um mich zu trösten. Ich traue mich nicht, ihm zu sagen, daß ich Hilfe brauche. Er tut das Ganze auch immer etwas ab mit „Das wird schon werden. Du bist keine schlechte Mutter, wir schaffen das schon.“
Zur Rückbildung traue ich mich auch nicht. Dort wird man immer so schief von den anderen Müttern angesehen, wenn man nicht voll stillt. Obwohl meine Tochter schon 4 Monate alt ist, war ich erst 2x dort.
Ich weiß, daß ich Hilfe brauche, aber ich weiß nicht, wie das gehen soll.
1. Ich muß arbeiten und habe weder Geld noch Zeit, eine Therapie zu machen.
2. Meine Krankenkasse übernimmt Psychotherapien nicht. Sie hat auch die Schwangerschaftsgymnastik, den Geburtsvorbereitungskurs und die Rückbildung nicht übernommen. Wovon soll ich also die Therapie bezahlen?
3. Ich will doch wenigstens noch ein bißchen Stillen. Da kann ich doch nix nehmen.
4. An welchen Arzt wende ich mich? Meine Frauenärztin hier im Ort wird das bestimmt abtun und sagen, ich solle mich zusammenreißen. Meine andere Frauenärztin ist so weit weg und wenn ich zu der gehe, müßte ich meinem Mann sagen, wieso. Und ob die mir dann helfen kann, weiß ich auch nicht.
5. Hier in der Nähe gibt es eine Selbsthilfegruppe von Schatten und Licht. Aber wie kann ich da hingehen, ohne meinem Mann zu sagen, wieso? Und dort sind ja schon wieder fremde Menschen. Da traue ich mich wieder nicht alleine hin. Und reicht das als Hilfe überhaupt???
Ich hab im Moment das Gefühl, daß es für alle besser wäre, wenn ich einfach nicht mehr da wäre. Ich bin so wütend über mich selbst, über meine Schwäche. Wieso kann ich kaum noch meine Fröhlichkeit nach außen aufrechterhalten und meine Traurigkeit für mich behalten???
Ich hoffe, das alles wird wieder irgendwie, auch wenn ich im Moment keinen Weg sehe. Vor allem für meine kleine Maus und meinen wirklich tollen und liebevollen Mann hoffe ich es, denn die beiden haben es nicht verdient, eine ständig weinende, fertige Mami an den Beinen zu haben. Außerdem möchte ich nicht, daß meine Tochter später, wie ich es erlebt habe, glaubt nicht gewünscht und geliebt zu sein. Und mein Mann hat meine schlechte Laune und meine wenige Mithilfe zu Hause und mit der Kleinen auch nicht verdient.
Aber ich weiß im Moment nicht mehr, wie es weitergehen soll.
Sorry, daß ich so viel geschrieben habe.
Gruß
Frosch76
Meine Mutter hat mich und meinen Bruder schon immer psychisch ich nenn´s mal unter Druck gesetzt, wir beide haben immer sehr darunter gelitten und tun es heute noch. Ich hatte immer Angst, bloß nicht zu werden wie sie. Als mein Mann und ich beschlossen zu heiraten und dann auch ein Haus 60 km entfernt von meiner Mutter kauften, wurde ihr Telefon- und Psychoterror immer stärker. Eine Woche nach unserem Umzug erfuhr ich dann, daß ich schwanger bin. Obwohl ich noch ein Jahr vorher unbedingt ein Kind wollte, war es jetzt ein Schock. Wir hatten doch noch so viel im Haus zu tun, die später mal als Kinderzimmer vorgesehenen Zimmer waren gerade frisch als Arbeitszimmer eingerichtet, wir hatten all unser Geld ins Haus gesteckt und außerdem wollten wir doch noch im gleichen Jahr heiraten.
Wir konnten doch jetzt kein Kind bekommen. Und ich hatte Angst vor der Reaktion meines Mannes (damals noch Freundes). Er freute sich sehr. Ich mich nicht, was ich aber nach außen nicht zeigte. Umso länger die Schwangerschaft andauerte, um so mehr hoffte ich, daß Kind sei krank oder habe eine Behinderung, da wir uns entschlossen hatten, es dann nicht zu bekommen.
Ich hatte furchbare Angst vor dem Kind und davor es nicht lieben zu können und so zu werden wie meine Mutter. Die machte uns fast wahnsinnig, rief alle paar Tage an, wollte jedes Detail wissen und die Hochzeit wollte sie dann ganz bestimmen, was ich anziehe, wo wir feiern und was wir essen und sogar, wen wir einladen. Es war furchtbar. Ich weinte fast nur noch. Natürlich konnte ich meinem zukünftigen Mann nicht sagen, daß auch die Angst vor dem Kind, mich soviel weinen ließ.
Ich schob es immer auf die Hormone und die Schwangerschaft. Zum Glück glaubte mir mein Umfeld das.
Die Hochzeit bestand dann zu 90% aus Angst, ob alles gut ging, da es einige familiäre Zusammentreffen gab, die ziemlich schief hätten gehen können (z.B. mein Vater und der Rest meiner Familie).
Danach hörte der Terror meiner Mutter aber nicht auf. "Eine Tochter muß doch in der Schwangerschaft jedes Detail mit ihrer Mutter besprechen, jede Kindsbewegung, alles. Das ist doch normal und üblich." Sie konnte und kann nicht verstehen, daß unser Verhältnis aber nicht normal und üblich ist und nie war.
Ich weinte immer mehr und meine Angst wurde immer größer. Eine Beziehung zu dem Kind konnte ich überhaupt nicht aufbauen. Es zeigte auch nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen würde, was das Ganze noch verschlimmerte. Da das Kind sich nicht drehte, mußte ein Kaiserschnitt geplant werden. Darüber wurde ich aber erst 4 Wochen vor der errechneten Geburt informiert. Meine Mutter, die ja unbedingt bei der Geburt dabei sein wollte (was wir aber nicht wollten), nervte jetzt fast täglich. Wir machten dann heimlich eine Woche vor dem errechneten Termin den Termin zum Kaiserschnitt.
Mir wurde etwas von einer sanften Methode erzählt und da ich schon einen größeren Bauchschnitt wegen einer Bauchspeicheldrüsen-OP gemacht bekommen hatte, dachte ich, ich wüßte, was ungefähr auf mich zukäme.
Die letzten Tage vor dem Termin weinte ich fast ständig. Mein Umfeld dachte, ich habe Angst vor der Geburt und dem Kaiserschnitt. Nein, ich hatte Angst vor dem Kind und vor meinen nicht vorhandenen Gefühlen. Würde es gesund sein? Würde ich damit zurecht kommen? Würde ich auch so eine schlechte Mutter werden?
Der Kaiserschnitt war dann ein ziemlicher Horror. Sanfte Methode - ich dachte die reißen mich mitten durch und ich falle gleich vom OP-Tisch. Ich hielt mich so stark am Tisch fest, daß ich als alles vorbei war, meine Hände und Arme kaum noch bewegen konnte. Und ich schämte mich. Der Raum war voller fremder Menschen und Männer und ich lag nackt da. Es war furchtbar.
Dann endlich war das Baby da - ein Mädchen! Mist, mein Mann wollte doch einen Jungen, oh nein!!! Aber es war gesund. Mein Mann freute sich total. Ich freute mich nur, daß alles vorbei war.
Aber jetzt ging es erst richtig los: Angeblich war die Kleine zu schwach zum saugen und ich hatte falsche Brustwarzen. Sie wurde schon am zweiten Tag mit der Flasche gefüttert. Und ich mußte abpumpen. Da kam aber kaum was. Daß das am Anfang ok ist, sagte mir keiner. Die "Besuchermaßen" strömten nur so in mein Einzelzimmer und immer dann, wenn die Kleine gerade gefüttert werden mußte oder ich abpumpen sollte. Ich kam mir vor wie ein gehetztes Tier. Alle sagten mir, was ich zu tun oder zu lassen hätte. Meine Mutter blieb immer zwei Stunden und drückte das Kind immer ins Bett, weil sie so nervös von der Geburt war und soviel zappelte und schrie (ist wohl, wie ich jetzt weiß, bei Kaiserschnittkindern nicht ungewöhnlich). Meine Mutter meinte, daß Kind sei jetzt schon hyperaktiv und übernervös (sie ist Psychotherapeutin) und wir müßten endlich mal zur Ruhe kommen. Ich dachte mir nur: „Warum wohl, weil Du mich in der Schwangerschaft wahnsinnig gemacht hast und ich wegen Dir so viel geweint hab“.
Ich war eine Woche im Krankenhaus. Obwohl ich Privatpatient bin, kümmerte sich niemand um mich. Ich hatte nach zwei Tagen immer noch den Katheder drin und mußte darum betteln, ihn gezogen zu bekommen. Auch die PDA-Kanüle war so lange drin. Untersucht wurde ich erst nach 6 Tagen, als ich darum bettelte, nach Hause zu dürfen. Andere Mütter sah ich nur im Säuglingszimmer, wenn sie ihre Kinder abgaben, weil sie zu einer Untersuchung mußten. Ich wurde nie untersucht. Und statt des toll angekündigten Frühstücksbuffets bekam ich mein Frühstück immer aufs Zimmer.
Ich wollte nach Hause zu meinem Mann und hoffte, daß die Hebamme uns mit dem Stillen besser helfen könnte. Jede Säuglingsschwester sagte nämlich was anderes und ich wußte inzwischen gar nicht mehr, was richtig und was falsch war. Die anderen Mütter saßen alle da und stillten ihre Kinder. Nur ich saß an dieser blöden Pumpe und die Schwestern oder mein Mann gaben der Kleinen die Flasche. Durch den Katheder und dadurch daß ich damit nicht rumlaufen durfte, konnte ich erst am dritten Tag beim Wickeln meiner Tochter zu sehen und hatte sie bis dahin auch noch nicht nackt gesehen.
Nach 6 Tagen bin ich auf eigene Verantwortung abends nach Hause gegangen. Meine Mutter machte wieder Terror. Sie hatte doch das Haus schmücken wollen, bevor ich nach Hause komme. Sie hatte eine ganze Woche Zeit, aber nein, sie war jetzt eingeschnappt, weil ich einen Tag früher nach Hause gekommen war und weil sie mich nicht abholen durfte. Ich finde aber, der Vater sollte sein Kind und seine Frau nach Hause holen oder nicht?
Die Stilprobleme blieben. Ich hatte wunde Brustwarzen, hatte eine elektrische Pumpe nach Hause bekommen und versuchte es dennoch immer wieder mit der Kleinen. Es ging und ging aber nicht. Irgendwann nach glaub ich zwei Wochen hatte sie es dann raus, wie es geht. Sie wollte aber immer noch mal die Flasche, obwohl sie über eine halbe Stunde pro Seite trank. Wie sollte ich das hinkriegen??? Ich mußte doch so bald wie möglich wieder arbeiten, zwar zu Hause aber trotzdem.
Immer wieder gaben wir ihr auch so die Flasche, weil wir weg mußten und nicht die Zeit hatten, die Kleine über eine Stunde zu stillen. Erst als es viel zu spät war und bei mir kaum noch Milch kam, wurde mir gesagt, daß man auf die Art und Weise quasi abstillt.
Jetzt kämpfe ich um jeden Milliliter und hänge ziemlich oft an der Handpumpe, die ich mir gekauft habe. Ich nehme Globulis und trinke Stilltee, aber sehr viel hilft es nicht. Mehr als 20-30 Milliliter Muttermilch pro Mahlzeit kriegt die Kleine nicht, leider. Und ich wollte doch die empfohlenen 6 Monate stillen. Wieso nur wird man so schlecht beraten und aufgeklärt????
Und obwohl meine Tochter jetzt fast 4 Monate alt ist, habe ich immer noch keine super Beziehung zu ihr aufbauen können.
Die erste Zeit war alles ok. Sie schlief ja viel. Als sie anfing länger wach zu sein, die Hebamme nicht mehr kam und ich wieder anfangen mußte zu arbeiten, fing es an, schlimm für mich zu werden. Ich merkte immer mehr, daß den Haushalt fast nur noch mein Mann machte, obwohl er ja derjenige ist, der voll arbeitet. Ich müßte wahrscheinlich meinen Tag straff durchorganisieren, aber ich schaffe´s einfach nicht. Es wird mir zunehmend alles zu viel, obwohl die Kleine wirklich lieb ist, schon seit sie 6 Wochen alt ist, fast 12 Stunden pro Nacht schläft und eigentlich sehr fröhlich ist.
Immer wenn mein Mann da ist, kümmert er sich fast komplett um die Kleine. Wenn ich alleine bin mit ihr, fühle ich mich total überfordert. Wenn sie nicht aufhört zu schreien, werde ich wütend, schreie sie an, hebe sie grob aus ihrem Bettchen etc. Wirklich weh getan habe ich ihr noch nicht. Aber ich habe wahnsinnige Angst davor. Ich versuche immer mich unter Kontrolle zu halten, was aber immer schwerer wird. Ich beiße mich dann selber, brülle ganz laut, schlage gegen Kissen oder ähnliches, um mich abzureagieren. Das darf nicht sein. Ich muß mich doch zusammenreißen können!!! Aber es klappt kaum noch. Ich habe inzwischen sogar das Gefühl oder bilde mir ein, daß sie Angst vor mir hat. Bei meinem Mann oder Schwiegereltern lacht sie sofort, wenn sie sie sieht. Mich guckt sie nie mehr als ein paar Sekunden an und lachen tut sie nur manchmal, wenn ich Spaß mit ihr mache.
Ich schäme mich für meine Gedanken: „Die Kleine wäre ohne mich besser dran.“ Oder „Wäre sie doch nie geboren.“
Leider streiten mein Mann und ich uns auch immer öfter, weil ich sehr oft schlecht gelaunt bin, meine Stimmung sich sehr oft von jetzt auf gleich ändert und ich ihn ohne Grund auf einmal anmotze. Das tut mir dann auch sofort leid, aber ich bleibe dann für den Moment trotzdem aggressiv ihm gegenüber.
All meine Ängste aus der Schwangerschaft sind wahr geworden: Ich bin eine schlechte Mutter und ich bin auf dem besten Weg, meinen Mann zu verlieren.
Manchmal liege ich stundenlang in den Armen meines Mannes und weine und weine und weine. Er ist dann immer so hilflos und versucht alles, um mich zu trösten. Ich traue mich nicht, ihm zu sagen, daß ich Hilfe brauche. Er tut das Ganze auch immer etwas ab mit „Das wird schon werden. Du bist keine schlechte Mutter, wir schaffen das schon.“
Zur Rückbildung traue ich mich auch nicht. Dort wird man immer so schief von den anderen Müttern angesehen, wenn man nicht voll stillt. Obwohl meine Tochter schon 4 Monate alt ist, war ich erst 2x dort.
Ich weiß, daß ich Hilfe brauche, aber ich weiß nicht, wie das gehen soll.
1. Ich muß arbeiten und habe weder Geld noch Zeit, eine Therapie zu machen.
2. Meine Krankenkasse übernimmt Psychotherapien nicht. Sie hat auch die Schwangerschaftsgymnastik, den Geburtsvorbereitungskurs und die Rückbildung nicht übernommen. Wovon soll ich also die Therapie bezahlen?
3. Ich will doch wenigstens noch ein bißchen Stillen. Da kann ich doch nix nehmen.
4. An welchen Arzt wende ich mich? Meine Frauenärztin hier im Ort wird das bestimmt abtun und sagen, ich solle mich zusammenreißen. Meine andere Frauenärztin ist so weit weg und wenn ich zu der gehe, müßte ich meinem Mann sagen, wieso. Und ob die mir dann helfen kann, weiß ich auch nicht.
5. Hier in der Nähe gibt es eine Selbsthilfegruppe von Schatten und Licht. Aber wie kann ich da hingehen, ohne meinem Mann zu sagen, wieso? Und dort sind ja schon wieder fremde Menschen. Da traue ich mich wieder nicht alleine hin. Und reicht das als Hilfe überhaupt???
Ich hab im Moment das Gefühl, daß es für alle besser wäre, wenn ich einfach nicht mehr da wäre. Ich bin so wütend über mich selbst, über meine Schwäche. Wieso kann ich kaum noch meine Fröhlichkeit nach außen aufrechterhalten und meine Traurigkeit für mich behalten???
Ich hoffe, das alles wird wieder irgendwie, auch wenn ich im Moment keinen Weg sehe. Vor allem für meine kleine Maus und meinen wirklich tollen und liebevollen Mann hoffe ich es, denn die beiden haben es nicht verdient, eine ständig weinende, fertige Mami an den Beinen zu haben. Außerdem möchte ich nicht, daß meine Tochter später, wie ich es erlebt habe, glaubt nicht gewünscht und geliebt zu sein. Und mein Mann hat meine schlechte Laune und meine wenige Mithilfe zu Hause und mit der Kleinen auch nicht verdient.
Aber ich weiß im Moment nicht mehr, wie es weitergehen soll.
Sorry, daß ich so viel geschrieben habe.
Gruß
Frosch76