Neu hier - vielleicht etwas Hoffnung für Angehörige.
Verfasst: 13:04:2009 22:21
Hallo Ihr,
meine Frau (stille mitleserin) hat mich auf dies Forum und besonders auf ein Thema eines Angehörigen aufmeksam gemacht. Nun habe ich mich daraufhin auch Angemeldet und möchte hier mal eine Geschichte zu PPP beitragen und manch Angehörigen ein wenig Hoffnung machen und auch selber noch ein wenig Hilfe suchen.
Vorgeschichte
Zur vorgeschichte möchte ich nur kurz erwähnen das meine Frau bereits länger an "kleinen" Depressionen zum Sommer hin leitet was 2003 zu einem 5 Wöchigen Krankenhausaufenthalt in der geschlossenen Abteilung einer Psychatrischen Klinik führte. Seit diesem Vorfall nehmen wir die Krankheit als solche auch an. Ich denke manch einer schätz die Situation falsch ein, man will ja nicht als "Verrückt" dastehen. Es wird im öffentlichen Leben einfach totgeschwiegen.
Die Schwangerschaft und Geburt
Nach knapp 4 Jahren haben wir es endlich geschafft :
Wir sind Schwanger !
Leider waren die ersten 5-6 Wochen gar nicht schön. Nachdem wir erfahren haben das es Zwillinge werden und meine Frau auch beide Herzen hat schlagen sehen haben wir leider einen Verloren. Laut Arzt nichts ungewöhnliches, ein "Vanishing Twin" - für uns doch ein großer Schock. Aber dennoch haben wir nach Vorn gesehen und nach der 12. SSW durfte meine Frau eine tolle Schwangerschafft geniessen.
Auch die Geburt, nach 10 Tagen über Termin eingeleitet am darauffolgenden Tag (Dienstag) war sehr Schön. Leider kam die Placenta nicht freiwillig herraus und es musste eine Ausschabung durchgeführt werden. Am folgenden Samstag durfte ich die beiden dann nach Hause holen - Endlich eine "richtige" Familie. Dachte ich bis dato.
Die Woche Zuhause
Nachdem wir nun zuhause waren war natürlich alles total ungewohnt und anstrengend. Obwohl Noah ein Musterkind war war es doch eine Grenzerfahrung. Leider hat es mit dem Stillen nicht so wirklich geklappt. Aber von der Hebamme und der Öffentlichkeit gedrängt wurden alle Tricks versucht Abpumpen, Stillhütchen, Kohl, Retterspitz Kirchkernkisschen und so weiter. Geschlafen haben wir in der Woche eigentlich so gar nicht. Sie gepumpt ich gefüttert, Anlegen mit Hütchen, Wickeln...
Und immer wieder mit den selben ergebniss das der kleine weiter abnimmt. So waren wir über die 10 % Gewichtsverlust nach Geburt hinaus und meine Frau verfiel langsam in einen Zustand den ich so nicht deuten konnte. Die Hebamme sagte wir sollen die Intervalle verkürzen, max 3h zwischen den Mahlzeiten. Wobei die Mahlzeit meist ca. 1 h dauerte blieb eigentlich keine Zeit mehr für irgendwas, am allerwenigsten Schlaf. Ich weiss gar nicht wie oft ich in der Woche losgeschickt wurde irgendwelche Hilfsmittel zu holen. Meine Frau verfing sich immer wieder in einer Schleife sie könne ihr Kind ernähren und wurde immer hektischer.
Die Situation Spitze sich zu. Am Samstag, 1 Woche zuhause, kam es dann das selbst beim Abpumpen keine Milch mehr kam. Meine Frau war inzwischen in eine Art Wahn verfallen, warf mir Dinge an den Kopf die unter normalen Umständen zur Scheidung führen würden und ich wusste nicht mehr weiter. Wir haben dann versucht die 2003 behandelnde Psychotherapeutin zu Kontaktieren, sie hatte aber wohl Wochenende (Nur AB). Rief aber dennoch zurück (wohl aufgrund der Hektischen Stimme meiner Frau) und meinte ich solle meine Frau beruhigen und am Montag dann einen Termin machen. Zum Glück (oder auch nicht) kündigte sich meine Schwägerin an und ich bat sie Säuglingsnahrung mitzubringen. Diese Aussage setzte meiner Frau nun natürlich endgültig zu und sie war eigentlich nur noch am Schreien. Als ich kurz auf Toilette war kam ein geschrei aus dem Kinderzimmer "Atme ! Atme!" - ich bin dann sofort dorthin gerannt und der kleine war Wohlauf, jedoch am Weinen weil Mama so schrie. Sie sagte er habe nicht geatmet und sei Blau angelaufen. Als ich kam war aber eigentlich alles in Ordnung. Am frühen Abend kam dann die Schwägerin mit der Säuglingsnahrung und konnte meine Frau einigermassen beruhigen sodass dann doch Milch kam. Nun konnten wir auch einigermassen vernünftig miteinander reden und haben die Intervalle von 3h auf 4h hochgesetzt, der kleine hat mitgemacht und am Sonntag hatte ich das Gefühl es sei überstanden. Durch das mehr an Schlaf ging es meiner Frau wieder besser und wir haben einen kleinen Spaziergang gemacht, alles Toll - oder doch nicht ? Kurz danach ist ihr Kreislauf zusammengebrochen und wir mussten den Ärztlichen notdienst rufen. Als dieser kam ging es bereits wieder und es sei wohl nicht so schlimm, Kreislaufkoller.
Die Katastrophe
In der Nacht Sonntag auf Montag passierte es dann. Nachts um 12 war noch alles in Ordnung. Um 4 Uhr dann zur nächsten Mahlzeit war meine Frau nach dem Stillen nicht mehr ansprechbar. Sie rannte mit dem Fotoapparat in der Wohnung rum und Knippste wild darauf los, legt alle möglichen Klamotten im Schlafzimmer aus und redete seltsam. Ich habe daraufhin der Schwiegermutter eine SMS geschickt ob sie am Morgen vor der Arbeit nicht vorbeikommen könne. Währenddessem drehte meine Frau total ab. Glaubte sie sei Harry Potter und könne Zaubern, redete unentwegt irgendwelchen Stuss. Meinte sie müsse in einverständniss mit Gott die Welt retten (was ihrer meinung noch ein wenig Zeit hätte) und schloss sich im Badezimmer ein. Ich habe dann meine und ihre Eltern angerufen da ich mich mit dieser Situation überfordert fühlte. Ich habe ja schon die ganze Woche gemerkt das was nicht stimme, konnte es aber nicht deuten und musste mich ja auch um den kleinen Kümmern. Die Eltern kamen dann auch und meine Frau war überhaupt nicht mehr Ansprechbar. Sie war total weg in einer anderen Welt. Wollte einen guten Freund herzaubern (sie war ja Harry Potter) oder auch Türen umfärben wobei Gott jedoch meinte die Farbe sei OK.
Ich habe mich in dieser Situation etwas distanziert und mich um den kleinen gekümmert. Die Schwiegermutter rief den Arzt welcher am Nachmittag ja bereits schonmal da war.
Er sah nur eine Lösung, einweisung in die geschlossene Station einer Psychatrie. Viele Tränen liefen, Mutter und Kind trennen. Meiner Frau aber war es in dieser Situation egal, sie war noch immer mit Harry Potter und Gott beschäftigt.
Den kleinen haben dann meine Eltern mitgenommen und ich bin mit Ihr im Notarzwagen gefahren. Erste massnahmen Tavor. Was anderes fällt den Ärzten wohl nicht ein. Später am Tag kam dann der eigentlich behandelden Arzt. Dieser lernte meine Frau, nun beruhigt durch Tavor, kennen. Sie war sehr ruhig und wir schilderten die Situation. Um das Stillen nicht zu gefährden wurde dann Tavor gleich wieder abgesetzt und auf Pflanzliche mittel umgestiegen. Die Milch musste dann 2 Tage verworfen werden.
Der Schock
Das umstellen verlief wohl nicht so wie vom Arzt erwartet. Hatte meine Frau in der Nacht alles was sie in die Finger bekommen konnte entweder gewaschen oder Zerstört. Auch der Nachtschwester eine unvergessliche Nacht bescherrt wurde der Entschluss gefasst das wir Abstillen müssen um eine geeignete Medikation zu finden. Sie war anfangs nicht wirklich Ansprechbar. Sie wusste auch gar nicht wo sie war und was passiert war.
Der weg in die Gesundung
Meine Frau bekam nun Zyprexa und wurde mit Homeopatischen mitteln abgestillt. Der kleine wurde zwangsläufig auf die Flaschennahrung umgestellt und ich war plötzlich alleinerziehnder Vater. Ab hier war es ein steiniger Weg. Anfangs wusste man nie wie man sie beim täglichen Besuch vorfinden würde. Anfangs hatte sie immer wieder alles mögliche unter wasser gesetzt, Wandlampen demontiert und mit Gott gesprochen. einmal bekam sie sogar einen Liebesbrief eines Mitpatienten den sie geküßt hatte. Warum weiss man heute nicht mehr. Das sind allerdings dinge wo ich heute noch dran leide. Man merkte jedoch das sie auf einem Weg der Gesundung war. War sie in der 1. Woche eigentlich fast gar nicht ansprechbar wurde es im laufe der Zeit besser. Sie wurde immer öfter und länger klarer. Interesierte sich mehr und mehr für den Kleinen. und ab ende der 2. Woche durfte sie zuhause Urlaub machen. Nach 3,5 Wochen wurde sie dann entlassen mit der bedingung das sie sich um einen Psychater für die Medikation und einem Psychologen zur weiterführenden Therapie kümmert. Dies konnte sie selbst aus der Klinik herraus schon bewerkstelligen sollte aber auch zuhause noch den vollen Nachtschaf haben.
In dieser Zeit war ich insgesamt 8 Wochen zuhause (4 Wochen Urlaub, 4 Wochen Haushaltshilfe) und habe den kleinen nie Abgegeben. Es war für mich zugleich die Schlimmste und Schönste Zeit meines Lebens und muss sagen das ich schon ein bisschen Stolz auf mich bin und unseren Männerhaushalt so gut in den Griff bekommen habe. Auch meine Frau ist Stolz auf mich und sie hat gesehen das ich mich ebenso um den kleinen Kümmern kann wie sie. Ich denke diese einsicht ist sehr wichtig sodass wir nie Diskussionen über die Methoden des anderen hatten was den kleinen Betrifft.
Happy End ?
Nachdem sie nun aus der Klinik entlassen war konnten wir endlich eine richtige Famillie sein. War taten nun das was man so nach der Geburt normalerweise tut und haben es genossen. Ich habe noch 1,5 Wochen weiter die Nachtschichten übernommen damit sie ihren Nachtschlaf bekommt. Sie hat im gegenzug meine Praktiken zur versorgung der kleinen Angenommen. In der 1. Nacht als sie die Nachtschicht übernehmen sollte fragte ich sie am nächsten Morgen (gegen 5 Uhr) was der kleine genommen habe ? Genommen ? Nix, war nicht wach - wir voller Angst rüber in sein Zimmer lächelt er uns an und schläft seit dieser Nacht durch.
Wie gesagt es war die Schlimmste und zugleich Schönste Zeit meines Lebens und kann nun da wir es Überstanden haben aufatmen und möchte hiermit allen Mut machen die noch in der Krise stecken. Für uns Väter ist es eine Herrausforderung in der auch eine Chance steckt. Meine Frau ist in ihrem wesen ein eher Perfektionistischer Mensch - ich denke sie hätte mich als Vater nie so Akzeptiert wie sie es nun machen musste. Auch bin ich glücklich durch diese Situation eine Bindung zu meinem kleinen aufgebaut zu haben die es sonst nie gegeben hätte. Manchmal vermisse ich die Nachtschichten unserer Männer WG.
Heute, 1 Jahr danach sind wir eine richtige Familie mit einer wunderbaren kleinen Kackbratze die uns immer wieder zum Lachen bringt (und wohl auch bald laufen wird).
Mfg Markus
P.S. tut mir leid das der Bericht so lang geworden ist, aber Danke für das lesen.
meine Frau (stille mitleserin) hat mich auf dies Forum und besonders auf ein Thema eines Angehörigen aufmeksam gemacht. Nun habe ich mich daraufhin auch Angemeldet und möchte hier mal eine Geschichte zu PPP beitragen und manch Angehörigen ein wenig Hoffnung machen und auch selber noch ein wenig Hilfe suchen.
Vorgeschichte
Zur vorgeschichte möchte ich nur kurz erwähnen das meine Frau bereits länger an "kleinen" Depressionen zum Sommer hin leitet was 2003 zu einem 5 Wöchigen Krankenhausaufenthalt in der geschlossenen Abteilung einer Psychatrischen Klinik führte. Seit diesem Vorfall nehmen wir die Krankheit als solche auch an. Ich denke manch einer schätz die Situation falsch ein, man will ja nicht als "Verrückt" dastehen. Es wird im öffentlichen Leben einfach totgeschwiegen.
Die Schwangerschaft und Geburt
Nach knapp 4 Jahren haben wir es endlich geschafft :
Wir sind Schwanger !
Leider waren die ersten 5-6 Wochen gar nicht schön. Nachdem wir erfahren haben das es Zwillinge werden und meine Frau auch beide Herzen hat schlagen sehen haben wir leider einen Verloren. Laut Arzt nichts ungewöhnliches, ein "Vanishing Twin" - für uns doch ein großer Schock. Aber dennoch haben wir nach Vorn gesehen und nach der 12. SSW durfte meine Frau eine tolle Schwangerschafft geniessen.
Auch die Geburt, nach 10 Tagen über Termin eingeleitet am darauffolgenden Tag (Dienstag) war sehr Schön. Leider kam die Placenta nicht freiwillig herraus und es musste eine Ausschabung durchgeführt werden. Am folgenden Samstag durfte ich die beiden dann nach Hause holen - Endlich eine "richtige" Familie. Dachte ich bis dato.
Die Woche Zuhause
Nachdem wir nun zuhause waren war natürlich alles total ungewohnt und anstrengend. Obwohl Noah ein Musterkind war war es doch eine Grenzerfahrung. Leider hat es mit dem Stillen nicht so wirklich geklappt. Aber von der Hebamme und der Öffentlichkeit gedrängt wurden alle Tricks versucht Abpumpen, Stillhütchen, Kohl, Retterspitz Kirchkernkisschen und so weiter. Geschlafen haben wir in der Woche eigentlich so gar nicht. Sie gepumpt ich gefüttert, Anlegen mit Hütchen, Wickeln...
Und immer wieder mit den selben ergebniss das der kleine weiter abnimmt. So waren wir über die 10 % Gewichtsverlust nach Geburt hinaus und meine Frau verfiel langsam in einen Zustand den ich so nicht deuten konnte. Die Hebamme sagte wir sollen die Intervalle verkürzen, max 3h zwischen den Mahlzeiten. Wobei die Mahlzeit meist ca. 1 h dauerte blieb eigentlich keine Zeit mehr für irgendwas, am allerwenigsten Schlaf. Ich weiss gar nicht wie oft ich in der Woche losgeschickt wurde irgendwelche Hilfsmittel zu holen. Meine Frau verfing sich immer wieder in einer Schleife sie könne ihr Kind ernähren und wurde immer hektischer.
Die Situation Spitze sich zu. Am Samstag, 1 Woche zuhause, kam es dann das selbst beim Abpumpen keine Milch mehr kam. Meine Frau war inzwischen in eine Art Wahn verfallen, warf mir Dinge an den Kopf die unter normalen Umständen zur Scheidung führen würden und ich wusste nicht mehr weiter. Wir haben dann versucht die 2003 behandelnde Psychotherapeutin zu Kontaktieren, sie hatte aber wohl Wochenende (Nur AB). Rief aber dennoch zurück (wohl aufgrund der Hektischen Stimme meiner Frau) und meinte ich solle meine Frau beruhigen und am Montag dann einen Termin machen. Zum Glück (oder auch nicht) kündigte sich meine Schwägerin an und ich bat sie Säuglingsnahrung mitzubringen. Diese Aussage setzte meiner Frau nun natürlich endgültig zu und sie war eigentlich nur noch am Schreien. Als ich kurz auf Toilette war kam ein geschrei aus dem Kinderzimmer "Atme ! Atme!" - ich bin dann sofort dorthin gerannt und der kleine war Wohlauf, jedoch am Weinen weil Mama so schrie. Sie sagte er habe nicht geatmet und sei Blau angelaufen. Als ich kam war aber eigentlich alles in Ordnung. Am frühen Abend kam dann die Schwägerin mit der Säuglingsnahrung und konnte meine Frau einigermassen beruhigen sodass dann doch Milch kam. Nun konnten wir auch einigermassen vernünftig miteinander reden und haben die Intervalle von 3h auf 4h hochgesetzt, der kleine hat mitgemacht und am Sonntag hatte ich das Gefühl es sei überstanden. Durch das mehr an Schlaf ging es meiner Frau wieder besser und wir haben einen kleinen Spaziergang gemacht, alles Toll - oder doch nicht ? Kurz danach ist ihr Kreislauf zusammengebrochen und wir mussten den Ärztlichen notdienst rufen. Als dieser kam ging es bereits wieder und es sei wohl nicht so schlimm, Kreislaufkoller.
Die Katastrophe
In der Nacht Sonntag auf Montag passierte es dann. Nachts um 12 war noch alles in Ordnung. Um 4 Uhr dann zur nächsten Mahlzeit war meine Frau nach dem Stillen nicht mehr ansprechbar. Sie rannte mit dem Fotoapparat in der Wohnung rum und Knippste wild darauf los, legt alle möglichen Klamotten im Schlafzimmer aus und redete seltsam. Ich habe daraufhin der Schwiegermutter eine SMS geschickt ob sie am Morgen vor der Arbeit nicht vorbeikommen könne. Währenddessem drehte meine Frau total ab. Glaubte sie sei Harry Potter und könne Zaubern, redete unentwegt irgendwelchen Stuss. Meinte sie müsse in einverständniss mit Gott die Welt retten (was ihrer meinung noch ein wenig Zeit hätte) und schloss sich im Badezimmer ein. Ich habe dann meine und ihre Eltern angerufen da ich mich mit dieser Situation überfordert fühlte. Ich habe ja schon die ganze Woche gemerkt das was nicht stimme, konnte es aber nicht deuten und musste mich ja auch um den kleinen Kümmern. Die Eltern kamen dann auch und meine Frau war überhaupt nicht mehr Ansprechbar. Sie war total weg in einer anderen Welt. Wollte einen guten Freund herzaubern (sie war ja Harry Potter) oder auch Türen umfärben wobei Gott jedoch meinte die Farbe sei OK.
Ich habe mich in dieser Situation etwas distanziert und mich um den kleinen gekümmert. Die Schwiegermutter rief den Arzt welcher am Nachmittag ja bereits schonmal da war.
Er sah nur eine Lösung, einweisung in die geschlossene Station einer Psychatrie. Viele Tränen liefen, Mutter und Kind trennen. Meiner Frau aber war es in dieser Situation egal, sie war noch immer mit Harry Potter und Gott beschäftigt.
Den kleinen haben dann meine Eltern mitgenommen und ich bin mit Ihr im Notarzwagen gefahren. Erste massnahmen Tavor. Was anderes fällt den Ärzten wohl nicht ein. Später am Tag kam dann der eigentlich behandelden Arzt. Dieser lernte meine Frau, nun beruhigt durch Tavor, kennen. Sie war sehr ruhig und wir schilderten die Situation. Um das Stillen nicht zu gefährden wurde dann Tavor gleich wieder abgesetzt und auf Pflanzliche mittel umgestiegen. Die Milch musste dann 2 Tage verworfen werden.
Der Schock
Das umstellen verlief wohl nicht so wie vom Arzt erwartet. Hatte meine Frau in der Nacht alles was sie in die Finger bekommen konnte entweder gewaschen oder Zerstört. Auch der Nachtschwester eine unvergessliche Nacht bescherrt wurde der Entschluss gefasst das wir Abstillen müssen um eine geeignete Medikation zu finden. Sie war anfangs nicht wirklich Ansprechbar. Sie wusste auch gar nicht wo sie war und was passiert war.
Der weg in die Gesundung
Meine Frau bekam nun Zyprexa und wurde mit Homeopatischen mitteln abgestillt. Der kleine wurde zwangsläufig auf die Flaschennahrung umgestellt und ich war plötzlich alleinerziehnder Vater. Ab hier war es ein steiniger Weg. Anfangs wusste man nie wie man sie beim täglichen Besuch vorfinden würde. Anfangs hatte sie immer wieder alles mögliche unter wasser gesetzt, Wandlampen demontiert und mit Gott gesprochen. einmal bekam sie sogar einen Liebesbrief eines Mitpatienten den sie geküßt hatte. Warum weiss man heute nicht mehr. Das sind allerdings dinge wo ich heute noch dran leide. Man merkte jedoch das sie auf einem Weg der Gesundung war. War sie in der 1. Woche eigentlich fast gar nicht ansprechbar wurde es im laufe der Zeit besser. Sie wurde immer öfter und länger klarer. Interesierte sich mehr und mehr für den Kleinen. und ab ende der 2. Woche durfte sie zuhause Urlaub machen. Nach 3,5 Wochen wurde sie dann entlassen mit der bedingung das sie sich um einen Psychater für die Medikation und einem Psychologen zur weiterführenden Therapie kümmert. Dies konnte sie selbst aus der Klinik herraus schon bewerkstelligen sollte aber auch zuhause noch den vollen Nachtschaf haben.
In dieser Zeit war ich insgesamt 8 Wochen zuhause (4 Wochen Urlaub, 4 Wochen Haushaltshilfe) und habe den kleinen nie Abgegeben. Es war für mich zugleich die Schlimmste und Schönste Zeit meines Lebens und muss sagen das ich schon ein bisschen Stolz auf mich bin und unseren Männerhaushalt so gut in den Griff bekommen habe. Auch meine Frau ist Stolz auf mich und sie hat gesehen das ich mich ebenso um den kleinen Kümmern kann wie sie. Ich denke diese einsicht ist sehr wichtig sodass wir nie Diskussionen über die Methoden des anderen hatten was den kleinen Betrifft.
Happy End ?
Nachdem sie nun aus der Klinik entlassen war konnten wir endlich eine richtige Famillie sein. War taten nun das was man so nach der Geburt normalerweise tut und haben es genossen. Ich habe noch 1,5 Wochen weiter die Nachtschichten übernommen damit sie ihren Nachtschlaf bekommt. Sie hat im gegenzug meine Praktiken zur versorgung der kleinen Angenommen. In der 1. Nacht als sie die Nachtschicht übernehmen sollte fragte ich sie am nächsten Morgen (gegen 5 Uhr) was der kleine genommen habe ? Genommen ? Nix, war nicht wach - wir voller Angst rüber in sein Zimmer lächelt er uns an und schläft seit dieser Nacht durch.
Wie gesagt es war die Schlimmste und zugleich Schönste Zeit meines Lebens und kann nun da wir es Überstanden haben aufatmen und möchte hiermit allen Mut machen die noch in der Krise stecken. Für uns Väter ist es eine Herrausforderung in der auch eine Chance steckt. Meine Frau ist in ihrem wesen ein eher Perfektionistischer Mensch - ich denke sie hätte mich als Vater nie so Akzeptiert wie sie es nun machen musste. Auch bin ich glücklich durch diese Situation eine Bindung zu meinem kleinen aufgebaut zu haben die es sonst nie gegeben hätte. Manchmal vermisse ich die Nachtschichten unserer Männer WG.
Heute, 1 Jahr danach sind wir eine richtige Familie mit einer wunderbaren kleinen Kackbratze die uns immer wieder zum Lachen bringt (und wohl auch bald laufen wird).
Mfg Markus
P.S. tut mir leid das der Bericht so lang geworden ist, aber Danke für das lesen.