Ich möchte mich vorstellen
Verfasst: 13:02:2010 23:18
Hallo,
ich bin sehr froh, dass es diese Seite gibt! Manche der Erfahrungsberichte habe ich schon mehrmals gelesen, irgendwie tut es gut, zu wissen, dass man nicht die einzige ist. Und dass andere es geschafft haben. Ein bißchen was zu mir:
Mein Sohn kam im Juni 2009 zur Welt. Die ersten 1 1/2 Wochen waren richtig schön, wir haben unser neues Familienleben genossen usw. Dann musste mein Mann wieder arbeiten. Durch seinen Job war er immer von 10-24 Uhr außer Haus, hatte entweder zwei volle Tage frei oder meistens einen vollen Tag und zwei Tage bis 18 Uhr. Das heißt, ich war furchtbar viel alleine am Anfang, von Aufstehen bis zum Schlafengehen. Alleine sein mit meinem Sohn war einfach nur furchtbar für mich! Und so habe ich angefangen zu organisieren. Sonntag kam der Dienstplan für die nächste Woche (also ab dem nächsten Tag, ganz kurzfristig). In der Woche habe ich meine Oma (wohnt ca. 90 km entfernt) hergebeten, allerdings war es nicht gut, wenn meine Oma da war, wenn mein Mann frei hatte, musste in meiner Planung auch berücksichtigt werden. Am Wochenende ging ich zu meinen Eltern, allerdings wollte ich ihnen auch nicht zu sehr auf die Nerven fallen, also musste evtl meine Oma doch schon früher kommen. Kompliziert? Ja, das war es, aber ich wollte ums Verrecken nicht alleine sein.
Ich lebte von Ereignis zu Ereignis (Ende August hatte mein Mann eine Woche Ferien, Ende September fuhr ich mit meinen Eltern und Sohn in den Urlaub, ...) Mitte November sollte mein Mann fünf Wochen lang herrliche Arbeitszeiten haben: Mo-Fr 7-16 Uhr. Konnte es kaum erwarten, abends endlich mal nicht alleine zu sein, meinen Kopf ausschalten zu können ob der ganzen Planung etc. Und plötzlich kam etwas dazwischen und er arbeitete sieben Tage lang doch von 8-21 Uhr (außergewöhnliche Veranstaltung). Ich war furchtbar erkältet und enttäuscht und einfach nur fertig. Mir schwante damals schon, dass es wohl von alleine nicht besser werden würde und nun war ich endlich soweit, mir Hilfe zu holen. Ich rief bei der Wochenbettdepressions-Hotline an, die mir eine Nummer eines hiesigen Krankenhauses gab. Es bedurfte erst noch eines zweiten Zusammenbruchs, ehe ich diese Nummer anrief. Gleich am nächsten Tag bekam ich einen Termin und ging mit meiner Oma und meinem Sohn hin. Die Psychologin schickte mich erst mal sofort weiter in die Psychiatrische Ambulanz und ich bekam Cipralex verschrieben. Abstillen ging bei mir ganz schnell - ich hatte mir eine Woche Zeit gegeben (hatte ne Milchpumpe zuhause), hab aber schon vier Tage später das letzte Mal
gestillt und dann nur noch zwei Mal ausgestrichen und dann sofort mit den Tabletten begonnen. Das war Ende November. Beim nächsten Termin überlegten wir, wie mir am besten geholfen werden konnte.
Ich muss dazu sagen, dass ich trotz allem die ganze Zeit weiterstudierte. Ich war bis 6 Tage vor der Entbindung (3 Tage vor ET) im Hörsaal und schrieb 8 Wochen nach der Geburt drei Prüfungen. Als mein Sohn drei Monate alt war, ging das nächste Semester los. Vielleicht war es ein bißchen viel, aber hätte ich mein Studium nicht gehabt, wäre ich schon viel früher durchgedreht. So hatte ich zumindest einige Atempausen und es machte mir weiterhin viel Spaß.
Durch das Studium war und ist der Gedanke an einen Klinikaufenthalt für mich immer noch zwiespältig.
Dann wurde die Psychologin leider krank und der nächste Termin fand erst drei Wochen später einen Tag vor Weihnachten statt. Aber am 22.12. hatte ich erst noch einen Termin beim Arzt wegen den Tabletten. Er meinte, falls es mir während der Feiertage schlecht ginge, könnte ich im Krankenhaus bei mir in der Nähe um stationäre Aufnahme bitten. Ich wollte das. Ich war einfach nur noch fertig und wollte meinen Eltern nicht mehr zur Last fallen. Ich fuhr gleich nach dem Gespräch ins andere Krankenhaus, wo ich nur noch heulte (wie immer eigentlich), aber ich konnte nur ohne meinen Sohn aufgenommen werden. Und mein Vater hatte gerade einen Tag zuvor seine erste Chemotherapie (Mitte Dezember wurde bei ihm Lungenkrebs festgestellt) begonnen, ich wollte meine Eltern nicht mit meinem Sohn behelligen. Meine Mutter holte mich ab und kümmerte sich um meinen Sohn, auch in der Nacht.
Am nächsten Tag hatte ich den Termin bei meiner Psychologin und sie meinte auch, vielleicht wäre es besser, auch ohne meinen Sohn, wenn ich wenigstens kurz zur Ruhe käme. Also bin ich wieder ins Krankenhaus und wurde auf die Akutstation aufgenommen (eigentlich die falsche Station). Das Prozedere machte mir große Angst - alle Tabletten und Handy usw. abgeben, ab 15 Uhr erst Anrufe aus dem Aufnahmezimmer, eingesperrt (ich bekam zwar kurze Zeit später die Erlaubnis, mich alleine auf dem Krankenhausgelände zu bewegen, aber es macht schon Angst). Ich ging in mein Zimmer und weinte und versuchte zu schlafen. Eine Schwester kam irgendwann und meinte, ich solle mich nicht zurückziehen, sondern lieber reden. Sie war wohl so alt wie ich (27 Jahre alt) oder sogar jünger. Ich wusste zwar nicht worüber, wollte aber unbedingt und wir verabredeten uns für später nach ihrem Rundgang.
Um 15 Uhr informierte ich meine Mutter und sie kam gegen 16 Uhr nach ihrer Arbeit zu mir. Wir redeten und sie bot mir an, meinen Sohn komplett zu nehmen und mein Mann würde dann nach der Arbeit zu meinen Eltern fahren und die Nachtschicht übernehmen und ich könne mich zu Hause entspannen. Ein kurzer Aufenthalt in der Klinik, aber ich wusste, dass ich zu Hause noch schneller zur Ruhe käme.
So verging Weihnachten und Sylvester, ich war jeden Tag bei meinen Eltern, aber meine Mutter kümmerte sich um meinen Sohn und ich konnte jederzeit gehen, wenns mir zuviel wurde. Nach Sylvester musste meine Mutter dann wieder zur Arbeit. Da mein Sohn schon in die Krippe ging, war für den Vormittag gesorgt, mein Mann brachte ihn um 10 Uhr, meine Mutter holte ihn gegen 14 Uhr. Nach einiger Zeit nahm ich ihn abends wieder zu mir, sodass mein Mann wenigstens wieder zuhause
schlafen konnte. Seit Februar hat er nun normale Arbeitszeiten und jedes
Wochenende frei, aber mir gehts immer schlechter.
Die Tabletten helfen nicht, ich nehme sie seit Ende November, seit Weihnachten nehme ich 20 mg Cipralex. Früher hatte ich mal Amitriptylin genommen, das war ein Riesenunterschied (obwohl natürlich auch die Umstände damals anders waren).
Ich hatte mich erst mal für eine ambulante Therapie (mit meinem Sohn) entschieden. Jetzt war ich zwei mal da, aber die Psychologin meint, eigentlich wäre ich ein Fall für die Klinik, alle 10 Tage eine Stunde reicht nicht. Theoretisch glaube ich, das wäre genau das, was ich brauche. Allerdings sträube ich mich die ganze Zeit dagegen, weil ich unbedingt weiterstudieren möchte. Möglicherweise möchte ich mir so ein Stück heile Welt bewahren.
Wenn man mich von außen sieht wie ich mit meinem Sohn umgehe, dann halten mich alle für eine tolle Mutter. Ich liebe meinen Sohn auch sehr und leide sehr darunter, dass ich mir trotzdem wünschte, er wäre nicht da. Ich bin immer für ihn da, spiele mit ihm, kuschele mit ihm, tröste ihn, alber mit ihm herum, bringe ihn zum Lachen und es ist immer eine Riesenanstrengung. Ich habe überhaupt keine Freude an ihm, obwohl ich, seit ich denken kann, unbedingt Mama werden wollte. Vier Kinder hatten wir uns vorgestellt.
Ich denke, ich sollte in eine Klinik gehen, vor allem für meinen Sohn, denn es zerreißt mir das Herz, dass ausgerechnet er eine Mutter wie mich hat. Er kann doch nichts dafür.
ich bin sehr froh, dass es diese Seite gibt! Manche der Erfahrungsberichte habe ich schon mehrmals gelesen, irgendwie tut es gut, zu wissen, dass man nicht die einzige ist. Und dass andere es geschafft haben. Ein bißchen was zu mir:
Mein Sohn kam im Juni 2009 zur Welt. Die ersten 1 1/2 Wochen waren richtig schön, wir haben unser neues Familienleben genossen usw. Dann musste mein Mann wieder arbeiten. Durch seinen Job war er immer von 10-24 Uhr außer Haus, hatte entweder zwei volle Tage frei oder meistens einen vollen Tag und zwei Tage bis 18 Uhr. Das heißt, ich war furchtbar viel alleine am Anfang, von Aufstehen bis zum Schlafengehen. Alleine sein mit meinem Sohn war einfach nur furchtbar für mich! Und so habe ich angefangen zu organisieren. Sonntag kam der Dienstplan für die nächste Woche (also ab dem nächsten Tag, ganz kurzfristig). In der Woche habe ich meine Oma (wohnt ca. 90 km entfernt) hergebeten, allerdings war es nicht gut, wenn meine Oma da war, wenn mein Mann frei hatte, musste in meiner Planung auch berücksichtigt werden. Am Wochenende ging ich zu meinen Eltern, allerdings wollte ich ihnen auch nicht zu sehr auf die Nerven fallen, also musste evtl meine Oma doch schon früher kommen. Kompliziert? Ja, das war es, aber ich wollte ums Verrecken nicht alleine sein.
Ich lebte von Ereignis zu Ereignis (Ende August hatte mein Mann eine Woche Ferien, Ende September fuhr ich mit meinen Eltern und Sohn in den Urlaub, ...) Mitte November sollte mein Mann fünf Wochen lang herrliche Arbeitszeiten haben: Mo-Fr 7-16 Uhr. Konnte es kaum erwarten, abends endlich mal nicht alleine zu sein, meinen Kopf ausschalten zu können ob der ganzen Planung etc. Und plötzlich kam etwas dazwischen und er arbeitete sieben Tage lang doch von 8-21 Uhr (außergewöhnliche Veranstaltung). Ich war furchtbar erkältet und enttäuscht und einfach nur fertig. Mir schwante damals schon, dass es wohl von alleine nicht besser werden würde und nun war ich endlich soweit, mir Hilfe zu holen. Ich rief bei der Wochenbettdepressions-Hotline an, die mir eine Nummer eines hiesigen Krankenhauses gab. Es bedurfte erst noch eines zweiten Zusammenbruchs, ehe ich diese Nummer anrief. Gleich am nächsten Tag bekam ich einen Termin und ging mit meiner Oma und meinem Sohn hin. Die Psychologin schickte mich erst mal sofort weiter in die Psychiatrische Ambulanz und ich bekam Cipralex verschrieben. Abstillen ging bei mir ganz schnell - ich hatte mir eine Woche Zeit gegeben (hatte ne Milchpumpe zuhause), hab aber schon vier Tage später das letzte Mal
gestillt und dann nur noch zwei Mal ausgestrichen und dann sofort mit den Tabletten begonnen. Das war Ende November. Beim nächsten Termin überlegten wir, wie mir am besten geholfen werden konnte.
Ich muss dazu sagen, dass ich trotz allem die ganze Zeit weiterstudierte. Ich war bis 6 Tage vor der Entbindung (3 Tage vor ET) im Hörsaal und schrieb 8 Wochen nach der Geburt drei Prüfungen. Als mein Sohn drei Monate alt war, ging das nächste Semester los. Vielleicht war es ein bißchen viel, aber hätte ich mein Studium nicht gehabt, wäre ich schon viel früher durchgedreht. So hatte ich zumindest einige Atempausen und es machte mir weiterhin viel Spaß.
Durch das Studium war und ist der Gedanke an einen Klinikaufenthalt für mich immer noch zwiespältig.
Dann wurde die Psychologin leider krank und der nächste Termin fand erst drei Wochen später einen Tag vor Weihnachten statt. Aber am 22.12. hatte ich erst noch einen Termin beim Arzt wegen den Tabletten. Er meinte, falls es mir während der Feiertage schlecht ginge, könnte ich im Krankenhaus bei mir in der Nähe um stationäre Aufnahme bitten. Ich wollte das. Ich war einfach nur noch fertig und wollte meinen Eltern nicht mehr zur Last fallen. Ich fuhr gleich nach dem Gespräch ins andere Krankenhaus, wo ich nur noch heulte (wie immer eigentlich), aber ich konnte nur ohne meinen Sohn aufgenommen werden. Und mein Vater hatte gerade einen Tag zuvor seine erste Chemotherapie (Mitte Dezember wurde bei ihm Lungenkrebs festgestellt) begonnen, ich wollte meine Eltern nicht mit meinem Sohn behelligen. Meine Mutter holte mich ab und kümmerte sich um meinen Sohn, auch in der Nacht.
Am nächsten Tag hatte ich den Termin bei meiner Psychologin und sie meinte auch, vielleicht wäre es besser, auch ohne meinen Sohn, wenn ich wenigstens kurz zur Ruhe käme. Also bin ich wieder ins Krankenhaus und wurde auf die Akutstation aufgenommen (eigentlich die falsche Station). Das Prozedere machte mir große Angst - alle Tabletten und Handy usw. abgeben, ab 15 Uhr erst Anrufe aus dem Aufnahmezimmer, eingesperrt (ich bekam zwar kurze Zeit später die Erlaubnis, mich alleine auf dem Krankenhausgelände zu bewegen, aber es macht schon Angst). Ich ging in mein Zimmer und weinte und versuchte zu schlafen. Eine Schwester kam irgendwann und meinte, ich solle mich nicht zurückziehen, sondern lieber reden. Sie war wohl so alt wie ich (27 Jahre alt) oder sogar jünger. Ich wusste zwar nicht worüber, wollte aber unbedingt und wir verabredeten uns für später nach ihrem Rundgang.
Um 15 Uhr informierte ich meine Mutter und sie kam gegen 16 Uhr nach ihrer Arbeit zu mir. Wir redeten und sie bot mir an, meinen Sohn komplett zu nehmen und mein Mann würde dann nach der Arbeit zu meinen Eltern fahren und die Nachtschicht übernehmen und ich könne mich zu Hause entspannen. Ein kurzer Aufenthalt in der Klinik, aber ich wusste, dass ich zu Hause noch schneller zur Ruhe käme.
So verging Weihnachten und Sylvester, ich war jeden Tag bei meinen Eltern, aber meine Mutter kümmerte sich um meinen Sohn und ich konnte jederzeit gehen, wenns mir zuviel wurde. Nach Sylvester musste meine Mutter dann wieder zur Arbeit. Da mein Sohn schon in die Krippe ging, war für den Vormittag gesorgt, mein Mann brachte ihn um 10 Uhr, meine Mutter holte ihn gegen 14 Uhr. Nach einiger Zeit nahm ich ihn abends wieder zu mir, sodass mein Mann wenigstens wieder zuhause
schlafen konnte. Seit Februar hat er nun normale Arbeitszeiten und jedes
Wochenende frei, aber mir gehts immer schlechter.
Die Tabletten helfen nicht, ich nehme sie seit Ende November, seit Weihnachten nehme ich 20 mg Cipralex. Früher hatte ich mal Amitriptylin genommen, das war ein Riesenunterschied (obwohl natürlich auch die Umstände damals anders waren).
Ich hatte mich erst mal für eine ambulante Therapie (mit meinem Sohn) entschieden. Jetzt war ich zwei mal da, aber die Psychologin meint, eigentlich wäre ich ein Fall für die Klinik, alle 10 Tage eine Stunde reicht nicht. Theoretisch glaube ich, das wäre genau das, was ich brauche. Allerdings sträube ich mich die ganze Zeit dagegen, weil ich unbedingt weiterstudieren möchte. Möglicherweise möchte ich mir so ein Stück heile Welt bewahren.
Wenn man mich von außen sieht wie ich mit meinem Sohn umgehe, dann halten mich alle für eine tolle Mutter. Ich liebe meinen Sohn auch sehr und leide sehr darunter, dass ich mir trotzdem wünschte, er wäre nicht da. Ich bin immer für ihn da, spiele mit ihm, kuschele mit ihm, tröste ihn, alber mit ihm herum, bringe ihn zum Lachen und es ist immer eine Riesenanstrengung. Ich habe überhaupt keine Freude an ihm, obwohl ich, seit ich denken kann, unbedingt Mama werden wollte. Vier Kinder hatten wir uns vorgestellt.
Ich denke, ich sollte in eine Klinik gehen, vor allem für meinen Sohn, denn es zerreißt mir das Herz, dass ausgerechnet er eine Mutter wie mich hat. Er kann doch nichts dafür.