Hallöchen,
ich kann mich auch bei euch einreihen, obwohl "Angststörung" so nicht wirklich diagnostiziert wurde. Bei uns in Österreich muss man immer noch den Begriff "Anpassunsstörung" bei einer PPD verwenden - leider. Aber mein Doc meinte zu mir, dass ich auf jeden Fall eine PPD mit akuten Angst-und Panikattacken hatte.
Angst hat in meinem Leben immer schon eine große Rolle gespielt - ein erlerntes Verhaltensmuster aus der Kindheit und dazu ein hochsensibles Nervenkostüm haben den besten Mix für die spätere PPD mit akuten Ängsten gelegt. Ich war immer schon schüchtern und ängstlich bis überängstlich, hat aber bis zur Geburt meines Sohnes mein Leben noch nicht extrem beeinflußt. Mit dem Ausbruch der PPD wurde diese Angst dann krankhaft.
Ich kenne das natürlich auch: Unruhe - ein so beklemmendes Gefühl als würde gleich "was passieren", obwohl alles o.k. ist. Das Gefühl zu versagen - "ich schaffe das sicher nicht" - ist mir ebenfalls wohlbekannt. Dann auch konkrete Ängste um die Gesundheit z.B., oder um mein Kind - ebenfalls sehr, sehr massiv. Ich konnte die Ängste im Zuge meiner 2 jährigen Therapie aber soweit verringern, dass sie mir nicht mehr meine Lebensqualität nehmen. Zum einen gelang das durch die Stärkung meines Selbstbewußtseins und zum anderen am aktiven Üben in der kognitiven Verhaltenstherapie. Da mußte ich mich aktiv und bewußt in für mich angstmachende Situationen begeben und die Angst dann aushalten. Das konnten schon so banale Dinge sein wie: über einen großen Platz gehen wo mich von den neben an liegenden Cafes "alle anschauten" und ich mir einbildete sicher zu stolpern, oder mit meinem Sohn einfach ALLEINE in die Stadt gehen, Autozufahren, mit meinem Sohn alleine für ein paar Stunden daheim sein, Nachts "alleine" sein, wenn mein Mann mal weg war. Klingt für gesunde Menschen völlig absurd, für viele von uns sind das aber extreme Situationen, die am Anfang regelrechte Angst-und Panikattacken auslösen können.
Ich bin durch eine harte Schule gegangen mit meinem Thera - aber es mußte sein. Mein Gehirn hat durch dieses "MIT DER ANGST KONFRONTIEREN" gelernt, diese unrealistischen Ängste auch als solche zu erkennen und in der Folge diese gar nicht mehr zu produzieren. Das Gehirnareal wo die Angst empfunden wird, wird duch solche Übungen dahingehend beeinflußt, weniger aktiv zu sein, denn bei uns ist es überaktiv. Das AD wiederrum hat den Botenstoffwechsel wieder ins Lot gebracht - stimmt der nicht, kommt es zu einer Art "Fehlinformationen". Alles was von Außen kommt (alles was wir sehen, hören, riechen, schmecken usw.) wird ja an das Gehirn geleitet und sollte durch die Botenstoffe (kann man sich wie Briefträger die die Post verteilen vorstellen) an die richtigen Gehirnarele weiter geleitet werden. Sind die Botenstoffe nun zu wenig vorhanden - also zu wenig "Briefträger" da

, kommt es klarer Weise zu fehlern - die Post kommt am falschen Ort oder gar nicht an, was wiederrum zu fehlgeleiteten Emotionen, Gefühlen und Gedanken - sprich zu Ängsten, Panik und Depressionen führt.
Ach mei, jetzt hab ich wieder viel zu viel geschrieben. Ich hoffe ich habe dich nicht allzu sehr verwirrt mit den Ganzen. Eigentlich ist meine Botschaft eine einfache: Die Ängste kann man sehr gut mit Konfrontation (am besten in einer Therapie) und evlt. einem AD in den Griff bekommen. Es dauert zwar und das Üben ist oft hart, aber es lohnt sich alle mal. Ich bin heute gesund, brauche kein AD mehr und kann über Plätze gehen ohne zu Stolpern, alleine mit meinen Sohn daheim sein, alleine in die Stadt gehen, auch mal vor anderen sprechen usw.....
Liebe Grüße von