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Kann mir mal jemand helfen, mein Hirn zu überlisten?

Verfasst: 15:08:2010 10:27
von scaramouch
Hey liebe Mädels,

was ich immer ganz schrecklich finde, ist, wenn ich beim Psychologen sitze oder bei einer anderen Fachperson und die fragen mich: Frau H. bitte beschreiben Sie doch mal kurz, was Sie fühlen!

:?: :?: :?: Das WILL ich doch auch, aber wie kann man etwas in Worte fassen was man selbst überhaupt nicht begreift???

Ich kann es nicht beschreiben wie ich mich fühle, aber ich weiss auch das es wichtig ist, damit man mir helfen kann.
Ich denk oft, vielleicht kommt das was ich sage, ganz anders bei denen an, als das was ich TATSàCHLICH habe. Wisst ihr was ich meine?

Ich fühle mich, als ist alles nicht real. Unwirklich halt. und in manchen Momenten, zum Beispiel, wenn ich einen Termin irgendwo habe, mache ich mich fertig und kurz bevor es los geht, packt mich die Angst. Da denk ich dann immer, ich bin verrückt, ich kann nirgends hin gehen.

Wenn ich daheim bin, hab ich das Gefühl, das Leben geht draussen weiter und hier bei mir steht alles still.
Wie kann alles so normal sein überall, aber es fühlt sich nicht so an???

Entgegen aller Ratschläge und Beteuerungen, dass ich nicht verrückt bin, denke ich es trotzdem immer noch.

Wie kann ich denn denken, dass meine Kinder Halluzinationen sind und ich in Wirklichkeit gar keine habe?

:( Und alle Therapeuten usw. sagen immer, es sei so selten, jemanden mit einer PPD und dieser Derealisation zu treffen. Gestern habe ich gelesen das auch eine sog. Depersonalisation vorkommen kann :shock: da lief mir gleich ein Schauer übern Rücken, dass mich das auch noch treffen könnte oder so.

Was ist bloss in meinem Kopf los?

Lg
scara

Verfasst: 15:08:2010 16:37
von Marika
Hey du,

es ist schwer, ich weiß. Was in unseren Köpfen oft los ist? Ein bis ins Detail ausgeklügeltes System ist durcheinander gekommen. Das hilft dir auch nicht, ich weiß.

Wenn dich dein Thera fragt, wie du dich fühlst - antworte mal genau das, was du hier geschrieben hast! Das ist wie ich finde eine gar nicht mal so ungenau Beschreibung, vor allem das mit dem "Zeit still stehen". Dieses Gefühl kenne ich von mir, in der schwersten Zeit. Mir kam es vor, als würde "da draußen" alles normal laufen, die Leute lebten, aber ich kam mir wie eine Gefangene in mir selber vor. Da gab es keine Zeit, keinen Raum, da gab es nur Schwärze, Angst, Unsicherheit und Tränen - oft einfach nur die alles verschlingende Hoffnungslosigkeit. Die Außenwelt lief wie ein unrealier Film vor mir ab, als säße ich hinter einer Scheibe. Das war ein ganz schrecklicher Zustand. Mit der Zeit wurde das aber immer weniger, aber es hat gedauert - leider kann ich nicht mehr sagen wie lange, ich schätze mal ein halbes Jahr.
Sehr oft ist es ein Symptom der Depression - die "Sprachlosigkeit", dieses Unvermögen auszudrücken, was man fühlt. Weil man alles zur selben Zeit zu fühlen scheint und am Ende doch irgendwie nur von dieser schrecklichen Leere umklammert wird.

Mir fiehl es am Anfang sehr schwer, meinen Zustand zu beschreiben, oft fühlte sich mein Hals wie zugeschnürt an. Es war sehr mühsam für mich, mich auf mein Inneres - meine Gefühle - zu konzentrieren, aber von Sitzung zu Sitzung wurde es besser.

Was evlt. auch ein Thema für dein Sitzungen wäre - dein Erlebniss als Kind, dass du letzlich im "internen Forum" geschildert hat. Das ist ein ganz schweres Trauma und ich könnte mir vorstellen, dass hier deine Derealisierung ihren Ursprung hat. Wenn dem so ist, könnte hier mit einer EMDR Behandlung (wird bei Traumata eingesetzt und habe ich selber auch gemacht) viel geholfen werden, wenn du stabiler bist. Hast du das in der Therapie schon erwähnt, oder hast du es vor?

Liebe Grüße von

Verfasst: 15:08:2010 16:53
von scaramouch
Hallo Marika

nein, bisher habe ich das noch nicht angesprochen. Werde ich aber bei der nächsten Sitzung am Mittwoch machen.
Ich habe Angst, dass dadurch allerdings die PPD in den Hintergrund tritt und auf einmal nur noch darüber gesprochen wird...
Ich bin garantiert traumatisiert davon, aber erst die Geburt vor 7 Monaten hat mich in diese Sch... katapultiert :-(
Jetzt wo ich angeschlagen bin, kommt natürlich auch alles von vor 20 Jahren wieder hoch.
Du kannst so toll beschreiben wie du dich damals gefühlt hast. Das bewundere ich sehr an dir Marika.
Ich möchte eines Tages auch so sein.
Aber die Hoffnung schwindet immer mehr.
Ich versuche ständig, mal nicht den ganzen Tag von der PPD bestimmen zu lassen und abends stelle ich dann fest, dass ich es doch wieder zugelassen habe.

Lg
Corinna

Verfasst: 15:08:2010 17:04
von Marika
Corinna, du kannst nichts dafür - du läßt dich nicht von der PPD überrumpeln - sie tut es einfach! Das kannst du nicht mit dem Willen beeinflussen. Das ist das gemeine - als würde mal x-mal gegen eine Wand knallen.

Du ich glaube es wäre sehr wichtig, dass du dein Erlebniss anschneidest. Denk mal: Wenn das nicht passiert wäre, evlt. hättest du gar keine PPD entwickelt. In meiner Therapie konnte ich mit der Zeit verstehen, wie extrem auch lang vergangene traumatische Erlebnisse ins Hier und Jetzt reinspielen. Wenn also der "Knopf" von früher nicht gelöst wird, kann auch die PPD nicht vollständig verschwinden. Beides hängt zusammen - die PPD hat wohl einen ganz großen und mächtigen Verursacher: Dein Trauma - somit liegt hier auch ein ganz großes Gewicht. Du mußt das so sehen: Gelingt es das Trauma zu lösen, gelingt auch die Heilung der PPD. Du mußt am Fundamet beginnen, nicht am Gibel "des Hauses", verstehst du was ich meine?

Ich habe beides getan: Das Trauma gelöst und dadurch viel besser im "Hier und Jetzt" erstens die PPD und ihre Symptome verstanden (ich verstand WARUM ICH ZG hatte - du dann möglicherweise warum du diese Derealisierung hast) und erst mit dem Verstehen konnte ich wirklich richtig daran arbeiten. Bei mir war es also eine Kombi aus Tiefenpsychologischer Therapie (schaut in die Vergangenheit) und Verhaltenstherapie! Ich bin überzeugt, dass mich nur eines von beiden alleine nicht gesund gemacht hätte.

Liebe Grüße und viel Glück am Mittwoch - versuch es an zu sprechen, ich mein dass das ganz ganz wichtig wäre. Deine Therapeuten sollten davon wissen, um dir bestmöglichst helfen zu können. Wie gesagt, es gibt ja auch noch die EMDR Therapie.

P.S. Ich habe mal etwas vergleichbares erlebt wie du als Kind, aber nicht annähernd in der Schwere, es ging allerdings um das gleiche. Ich habe aber bisher hier noch nie darüber geschrieben, mein Therapeut allerdings wußte es.

Liebe Grüße von