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Gedachte Selbstverletzung
Verfasst: 28:02:2011 9:58
von Nachtschatten
Hallo ihr Lieben,
vor einiger Zeit habe ich "etwas Neues" an mir entdeckt, leider. Es passiert nicht immer, aber ab und zu.
Wenn mein Sohn ab und mal einen Schreianfall bekommt, weil etwas nicht nach seiner Nase geht, dann werde ich zwischendurch auch mal richtig sauer. Kommt immer auf die jeweilige Tagesform von mir an. Mal kann er brüllen und ich reagiere total gelassen aber manchmal, da kommt einfach die Wut in mir hoch. Naja und wenn ich dann so wütend bin und merke, dass ich die Situation nicht kontrollieren und ich ihn icht beruhigen kann dann passiert folgendes:
Ich habe das extreme Bedürfnis, z.B. meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen, mich mit einem einem Gegenstand zu schlagen oder ähnliches. Ich fühle mich mies und unfähig, weil ich mein Kind nicht beruhigen kann. Ich ärger mich über meine eigene Wut. Ich sollte doch als Mutter gelassen auf so etwas regieren. Warum bin ich wütend auf mein Kind? Er schreit doch nur, weil er sich nicht anders mitteilen kann.
Das macht mir echt zu schaffen. Ist hier vllt. noch jemand, der auch solche Gedankengänge hat?
Liebe Grüße,
Nachtschatten
Verfasst: 28:02:2011 10:14
von Marika
Hallo meine Liebe,
ich kenne das, aus meiner ganz dunklen Zeit der Depression. Ich konnte dann auch so genervt oder wütend und überfordert sein, dass ich mir am liebsten selbst "weh getan" hätte. Das hat mir enorme Angst gemacht. Als ich diesem Sommer wieder an einer depressiven Episode erkrankt bin, habe ich mich sogar mal vor Verzweiflung so im Gesicht gekratzt, dass ich geblutet habe und es nicht mal gleich gemerkt.
Das war ein großes Schockerlebniss für mich, wo ich dann wußte - ich muss wieder was tun - ich nahm mein AD wieder. Ich hatte dann enorm Angst, dass ich etwa eine andere Erkrankung wie z.B. Boderline haben könnte. Aber mein Psychiater hat gleich Entwarnung gegeben. Solche Gedanken kommen wirklich in tiefster Verzweiflung die durch eine Depression kommen kann.
Ich möchte dir noch ein Wort zum "Geduldig sein" sagen: Das wird ja von uns Mamas verlangt - aber noch mehr verlangen wir SELBER ES VON UNS und zwar in einem Masse, dass unerreichbar ist. Das Schreien des eigenen Kindes setzt besonders bei der Mutter eine enorme Anzahl von Stresshormonen frei - das ist wissenschaftlich bewiesen. In Studien konnte gezeigt werden, dass der messbar höchste Stresslevel bei Müttern zu sehen ist, deren Baby schreit und sich nicht beruhigen läßt. Da können alle Manager usw. einpacken mit ihrem Stress.

Es ist also eine VÖLLIG NORMALE NATÜRLICHE REAKTION!!!! Die VERARBEITUNG dieser Stressituationen ist aber eine andere Sache, die man lernen kann!!!!!
Später schreib ich dir noch mehr, wenn du magst!!!
Verfasst: 28:02:2011 22:42
von nic
Ich oute mich an dieser Stelle mal als "autoagressiv".
Habe mir jahrelang immer wieder den Oberarm aufgeschnitten, wenn ich wütend war. Zum Schluß immer auf mich, weil ich EGAL WAS nicht auf die Reihe bekomen habe.
Aber ich muss sagen im Zuge der Depression hatte ich das Verlangen nicht ein einziges Mal, verwunderlicherweise.
Aber ich kenne das Geführ SEEEEHR gut.
Tipp: Beiss in eine Chilischote... das wirkt Wunder. Ehrlich!
Liebe Grüße
N!c - die sich schon lange Jahre nicht mehr schneidet...
Verfasst: 01:03:2011 8:54
von Marika
Hallo Nic,
ja genau - ich hatte das die Sorge, dass ich auch autoagressiv bin oder Boderline haben könnte. Bei mir ist es nicht so, denn in gesundem Zustand kommt mir sowas nicht Ansatzweise in den Sinn. In den depressiven Phasen aber wenn Angst und Verzweiflung - dem Kind nicht gerecht zu werden - ganz groß werden, mußte ich das erleben.
Bei mir liegt eine gestörte Stressverarbeitung vor, die aber im Zuge der Depression kam. Das ist dann die Unterscheidung zu z.B. autoagressiv hat mir der Psychiater erklärt.
Wie auch immer liebe Nachtschatten, es geht bei dir sicher auch darum, negative Gefühle zuzulassen, denn es gibt keine Mama auf der ganzen Welt die ständig geduldig, gut gelaunt und ruhig ist und nie ausflippt - das geht gar nicht, denn wir sind doch auch MENSCHEN mit ganz normalen menschlichen Emotionen. Und wie gesagt - einen höheren Stresslevel einer Mutter deren Baby schreit und schreit wurde bisher niergens gemessen!!!!!!!!!!

Das sollt uns eigentlich auch mal zu denken geben und uns erkennen lassen, was für eine imense Leistung wir Tag für Tag erbringen!!!!!
Seit ich wieder gesund bin (mit AD) habe ich solche Gedanken überhaupt nicht mehr!

Verfasst: 01:03:2011 14:19
von Nachtschatten
Danke für eure Antworten
@nic: Der Tipp mit der Chillischote hört sich strange an, aber ich habe sie bereits auf meiner Einkaufsliste.
@Marika: Ja, genau das ist mein Problem, negative Gefühle zulassen.

Ich bin ein "in mich Reinfresser" was negative Gefühle angeht. Bei guten Gefühlen habe ich gar keine Probleme, die lasse ich immer und gerne raus. Aber bei so Sachen wie Wut, Ärger etc., da geht nicht wirklich viel raus. Ich habe in meinem Inneren einen Käfig, da sperre ich die meisten negativen Gefühle ein. Naja, wird immer wieder mal ziemlich voll dadrin und dann geschieht wohl genau so etwas. Ist echt gruselig.
Diese autoagressiven Gedanken habe ich auch nur unter extremen Stressbedingungen. Wenn ich "klar" bin, würde mir soetwas auch niemals in den Sinn kommen. Meine kleine Schwester ist Borderlinerin. Ihre Arme und Beine sehen aus, als ob sich ein Metzgerazubi daran versucht hat. Das ist auch ne verdammt harte Sache mit ihr gewesen damals
Ja, ich denke wir Mütter müssen verdammt viel stemmen. Das sollten wir uns wirklich mal bewusst machen.
Liebe Grüße,
Nachtschatten
Verfasst: 01:03:2011 21:50
von Feuervogel
Nachtschatten hat geschrieben:
Ich bin ein "in mich Reinfresser" was negative Gefühle angeht.
Ja das bin ich auch und mittlerweile, fresse ich es im wahrsten Sinne des Wortes in mich rein. Das macht sich ganz schön auf der Waage bemerkbar.
Zu den autoaggressiven Gedanken: In ähnlicherweise habe ich das auch in der schlimmsten Phase erlebt. Ich habe mir dann die Haare mit der Schere so verschnitten, dass ich wie ne naja "Bekloppte" eben aussah! Es war meine Form der Selbstdemütigung.
Was ausser der Chilichote helfen kann, ist ein Haushaltsgummi am Handgelenk zu tragen und schnippsen zu lassen, wenn das Bedürfnis nach Selbstverletzung zu groß wird. Oder einen Eiswürfel an eine empfindliche Hautstelle zu legen. Das sollten aber eher Erste-Tipps im akuten Notafall sein.
Begleitend wäre es sicher hilfreicher eine Entspannungstechnik zu lernen, das senkt das vorhandene Stressniveau und du wirst belastbarer. Mit zu nehmnder Belastbarkeit sank bei mir auch der enorm unrealistische Anspruch IMMER gelassen, geduldig und ruhig zu sein!