Die schlimmste Zeit meines Lebens

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Celeste
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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Celeste » 15:10:2019 8:21

Guten Morgen ihr Lieben,

heute morgen ist es wieder besonders schlimm 🙁 Irgendwie ist es morgens immer am schlimmsten - will nicht aufstehen, mir ist übel, tiefe Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit gepaart mit Verzweiflung und Angst.

Ich verstehe das nicht. Ich nehme nun schon seit fast 6 Wochen Citalopram ( seit einer Woche 40mg ). Es schmerzt so sehr :(

Heute muss ich meine Psychiaterin anrufen um meine Blutergebnisse zu besprechen. Mal schauen.
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
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Marika
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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Marika » 15:10:2019 8:46

Hallo Celeste,

am Morgen ist es typischer Weise am schlimmsten, weil dort der Serotoninspiegel im Gehirn den niedrigsten Wert des Tages hat. Das ist deshalb so, weil dieser Botenstoff in der Nacht natürlicherweise bei allen Menschen verstoffwechselt wird und morgens somit am niedrigsten ist. Im Laufe des Tages erhöht er sich wieder und die Symptome werden besser. Bei uns ist dieser ganz normale nächtliche Vorgang allerdings fatal, da wir meist eh schon wegen unserer Erkrankung einen zu niedrigen Spiegel von Serotonin und/oder anderen Botenstoffen im Gehirn haben.

Es ist sehr gut, dass du messen hast lassen, wieviel vom Citalopram ankommt. Das kann tatsächlich sehr verschieden sein. Es kann auch sein, dass es einfach noch Zeit braucht, bis die 40 mg endlich greifen - eine Woche ist noch sehr kurz. Ich hatte auch mit recht hohen Dosen meines AD´s ein Jahr lang immer wieder zum teil heftige Tiefs und brauchte tatsächlich eine sehr hohe Dosis um stabil zu werden. Möglich ist auch, ein anderes AD... Es gibt also noch viele Möglichkeiten und eine davon wird es für dich geben, damit es aufwärts geht. Berichte uns bitte, was bei der Messung heraus gekommen ist....
Liebe Grüße von
Marika

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Celeste
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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Celeste » 15:10:2019 8:52

Liebe Marika,

danke für deine Antwort. Es ist morgens die Hölle. Also eigentlich Tag und Nacht Hölle, aber morgens eben am schlimmsten. Deine Erklärung klingt sehr logisch. Aber wie du schon sagst, sehr fatal für uns.
Meine Psychiaterin meinte, dass die 40mg schneller greifen, da ein Grundspiegel schon aufgebaut ist. Hoffentlich muss ich nicht umgestellt werden.
Was hattest du denn für Medis?
Hattest du morgens beim aufwachen auch dieses zittern?
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Marika
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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Marika » 15:10:2019 9:06

Guten Morgen... :D

Ja - das Morgentief hatte ich massiv - es war grauenhaft sich jeden Tag aus dem Bett zu quälen und dann unter Übelkeit, kalt Schwitzen, Atemnot, Zittern - manchmal war auch eine saftige Panikattacke dabei... usw... versuchen in die Gänge zu kommen. Ganz am Anfang meiner Erkrankung hatte ich 3 Medis: Escitalopram, Mirtazapin und Tavor... alle samt in Höchstdosis... Mit Tavor ging es recht gut - logisch, dieses Medi drückt die Angst auch einfach weg. Ich nahm es 4 Wochen, bis Escitalopram gegriffen hat und habe es dann ausgeschlichen. Natürlich musste ich dann wieder mehr kämpfen, denn ein AD kann sehr viel, aber halt nicht alles und vor allem nicht von heute auf morgen.

Mir hat sehr geholfen, einen Tagesplan ein zu halten. Ich habe mir schon am Abend davor den nächsten Tag auf ein Blatt geschrieben und da genau BESCHRIEBEN was ich wann wie mache und dabei darauf achten keinen Leerlauf entstehen zu lassen. Das hat wirklich geholfen und es wurde nach und nach besser!
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Celeste » 15:10:2019 9:12

Ohje, ich bin nicht mal in der Lage einen klaren Gedanken zu denken geschweige denn einen Plan einzuhalten. Werde es aber versuchen. Warst du denn alleine mit Kind?
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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Marika » 15:10:2019 9:19

Die ersten paar Wochen war ich fast nie alleine, meine Eltern und Verwandten haben super unterstützt, mein Mann musste arbeiten. Das hat natürlich auch enorm viel gebracht.

Versuch einen groben Plan zu erstellen, am besten Abends, da geht's dir besser als am Morgen. Aufschreiben und gut sichtbar aufhängen...
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Celeste » 15:10:2019 9:32

Ich danke dir von Herzen liebe Marika ♥️ Ich werde berichten, was die Psychiaterin später sagt.

Warst du eigentlich stationär?
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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Celeste » 15:10:2019 11:26

So ihr Lieben ...
habe mit der Psychiaterin telefoniert. Die Blutergebnisse sind noch nicht da. Aber sie meinte, dass nach einer Woche 40mg eine Besserung eintreten sollte. Sie will umstellen. Aber sie fing schon wieder an mit dieser stationären Geschichte. Man könnte das mit der Umstellung besser händeln, wenn man das stationär macht. So langsam macht mich diese Frau wütend. Wer von euch hat zuhause umgestellt? Sie möchte auf Venlafaxin umstellen.
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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Marika » 15:10:2019 13:07

Umgestellt habe ich zwar nicht, aber ich war die ganze Zeit daheim, obwohl es mir sehr, sehr schlecht ging. Ich hatte immer jemanden bei mir und bin 2x wöchentlich bei meinem Psychiater gewesen. So ging das sehr gut.

Könnte dein Mann evtl. Urlaub nehmen? Oder kannst du sonst Unterstützung organisieren? Ich persönlich kenne viele die daheim umgestellt haben... Es kann sehr gut funktionieren, aber es kommt immer auf die Gesamtsituation an.

Mein Psychiater hat immer gesagt, wenn nach 2 Wochen bei einer Erhöhung keine Besserung da ist, würde er wechseln. Wann kommen die Blutergebnisse?

Wie sieht dein Mann das Thema Klinik?
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Celeste » 15:10:2019 13:12

Mein Mann hat Elternzeit genommen und ist erstmal 3 Monate Zuhause. Habe hier also vollste Unterstützung.
Er ist auch der Meinung, dass eine stationäre Aufnahme es bei mir verschlimmern würde. Brauche meine Familie und mein gewohntes Umfeld.

Blutergebnisse kommen morgen, aber erst am Montag wieder Gespräch.
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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Marika » 15:10:2019 13:41

Wenn dein Mann eh da ist, könnte man es ja daheim probieren. Ich möchte jetzt nicht einem ärztlichen Ratschlag widersprechen, aber ich verstehe völlig deinen Wunsch daheim zu bleiben. Und da dein Mann da ist, habt ihr gute Voraussetzungen. Du hast als mündige Erwachsene völliges Mitspracherecht und wenn du erst Mal zu Hause bleiben und es versuchen willst, dann setz es durch. Wenn es nicht geht, kannst man immer noch handeln.
Liebe Grüße von
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Tina-Fr
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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Tina-Fr » 15:10:2019 20:19

Liebe Celeste
Habe gerade deine Geschichte gelesen und kenne alles,was du beschreibst.
Meine Tochter konnte damals wegen eines (bis dahin unerkannten) Herzfehlers nur schwer trinken und ich war dauerbeschäftigt mit stillen,abpumpen,zu füttern.
Schlafen ging schon in der SS schwer,danach überhaupt nicht mehr. Ich bin dann in einen ähnlichen Zustand gefallen.
Ich war damals 4 Monate stationär mit Kind, habe dort mit Sertralin begonnen. mir persönlich hat es nicht so viel gebracht,ich fühlte mich dort nicht so gut betreut und dachte immer "ich brauche mehr Therapie:".Aber:es gab durchaus andere Mamas,denen es geholfen hat. Das ist also tatsächlich individuell.
Ich habe dann zuhause ambulant auf Venlafaxin ( nach dem Abstillen) umgestellt.
Ich muss sagen,ich hatte da deutlich mehr Nebenwirkungen als bei Sertralin und es hat auch etwas gebraucht,bis ich was gemerkt habe.
Aber damit bin ich da wieder rausgekommen. Vielleicht kannst du mit deinem Mann auch einen Stufenplan besprechen. Erstmal so Venlafaxin probieren,aber wenn es nach der Eindosieringszeit dann nix hilft,dann wirklich nochmal stationär überlegen? Manchmal hilft es ja,wenn man mal mehrere Optionen offen hat.
Je nach Muki-Klinik gibt es eh beträchtliche Wartezeiten...d.h. Du könntest schon mal gucken-absagen geht ja immer, gibt genug Nachrückerinnen.
Ich wünsche dir alles alles Gute.
3/2017 Geburt unserer Tochter :-)
Danach massive Schlafstörungen und Entwicklung einer Angststörung
7-10 /2017 stationärer Aufenthalt mit meiner Tochter
8 /2017 Beginn Sertralin 100mg. 3/2018 Umstellung auf Venlafaxin 112,5 mg.
2/2019 Venlafaxin angesetzt wg. 2. Kinderwunsch
7/2019 Beginn Sertralin 75mg
04/2020 Geburt unserer 2. Tochter :-)

Celeste
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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Celeste » 16:10:2019 7:35

Guten Morgen ihr Lieben,

die Nacht war ok. Nur träume ich seit der Erkrankung ,anders‘. Ist das bei euch auch so? Kommt das von den Medikamenten oder von der Erkrankung?

Hinzu habe ich momentan verstärkt Angst, an einer Psychose zu erkranken oder erkrankt zu sein :? Wie merkt man sowas? Was fühlt man dabei? Kann mir jemand Auskunft darüber geben?

Ich wünsche euch einen super schönen Tag und an alle, die wie ich, in der akuten Phase stecken: Bleibt stark ♥️
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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von November17 » 16:10:2019 7:44

Liebe Celeste,

ich kann dir keine Details dazu geben, aber was ich immer wieder aus dem Forum mitnehmen konnte war "wenn du glaubst und fürchtest eine Psychose zu bekommen, dann hast du keine". Bei einer Psychose würdest du dich wohl nicht fragen, ob du sie hättest sondern es würde dir vorkommen als seien die anderen um dich "krank" und nicht du selber. Deine empfundene Realität wäre die echte.

Liebe Mädels korrigiert mich, wenn ich es nicht so richtig ausgedrückt habe und ergänzt mich bitte.

Lg

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Melli79
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Re: Die schlimmste Zeit meines Lebens

Beitrag von Melli79 » 16:10:2019 7:52

Genau so ist es!!
Ich weiß nicht wie oft mein Psychiater mir das sagen musste bis ich es geglaubt habe!

Man würde sich nicht in Frage stellen oder Angst davor haben. Man hätte in dem Moment nicht mal die Einsicht das man krank ist.

Celeste es ist "nur" die Angst!

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