Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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sternschnuppe_
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Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von sternschnuppe_ » 30:05:2018 12:24

Hallo an euch alle,

ich hatte vor ein paar Wochen eine Fehlgeburt und seit dem quälen mich die ZG richtig. Es sind natürlich auch noch aggressive ZG gegen meine Lieben. Ich habe schon viele Beiträge hier im Forum gelesen, weil sie einen wirklich helfen aber der Zweifel nagt trotzdem ständig im Hintergrund. Was, wenn ich es doch tue? Vielleicht werd ich verrückt und drehe einfach durch? Vielleicht tu ich es, damit diese nervigen Gedanken endlich mal eine Ende haben.

Dabei will man auf keinen Fall jemanden Schaden. Ich war schon immer ein friedliebender, harmoniebedürftiger, schüchterner Mensch, der auch Tiere sehr liebt und nicht mal einer Fliege was zu Leide tun kann. Ich war auch schon immer sehr fantasievoll, was diesbezüglich wohl auch nicht gerade von Vorteil ist. Auch denke ich, dass es an Selbstvertrauen und Selbstliebe fehlt und ich zudem noch hochsensibel bin.

Zur Zeit hab ich auch das Gefühl, je mehr ich da rein rutsche, umso unsinngere Sachen denkt sich mein Hirn aus, als würde es nur auf potentielle Gefahren und Trigger lauern und aus den einfachsten Dingen Horrorgegenstände und -situationen machen.

Woher weiß ich, dass es wirklich nicht zur Umsetzung kommt, es fühlt sich manchmal so real an und dann auch zum Teil diese schrecklichen Bilder, die sich aufdrängen. Ich will das doch gar nicht, nur einfach ein normales, schönes Leben, besonders auch mit Kindern haben, ohne diesen Mist.

Ich hab auch schon viel darüber gelesen, Bücher wie "Der Kobold im Kopf", aber ich hab das Gefühl, zwar theoretisch viel über den Zwang zu wissen aber dieses Wissen anzuwendem fällt mir unheimlich schwer. Zumal ich selbst bei dem Buch an der einzigen Stelle, wo beschrieben wird, wann der Autor denkt es wird gefährlich, ins Grübeln gerate.

Nach Therapeuten suche ich schon aber die haben in meiner Gegend immense Wartezeiten :roll: Überleg, ob ich zumindest zu meinem Arzt gehen kann, damit er mir erstmal ein AD verschreibt...
Wie kommt es eigentlich, dass zu wenig Botenstoffe vorhanden sind? Geht das wirklich nur mit einem AD zu kompensieren?

Bin zurzeit echt ratlos, wenn ich mein Wissen über den Zwang wenigstens etwas anwenden könnte.

Liebe Grüße an euch,

Susi

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Geli
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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von Geli » 01:06:2018 14:45

Liebe Susi,

mit den Botenstoffen muss man sich wie ein Mobile vorstellen.
Auch Hormone beeinflussen diese. Deshalb können gerade bei Schwangerschaft, Entbindung oder auch Pubertät, Menstruation, Wechseljahre diese im Ungleichgewicht sein.

Und dann kommt es noch auf einen selbst an. Du beschreibst, dass du überhaupt kein Mensch bist, der aggressiv oder übel denkt und harmoniebedürftig ist. Und genau diese auch sensiblen Menschen trifft es dann, dass sie so einen Blödsinn in den Kopf bekommen. Vielleicht steckt auch die Hochsensibilität bei dir da mit drin. Es gibt da ja ein gutes Buch, kennst du das?
"Zart besaitet" heißt das.

Versuch mal, einen schnelleren Termin über den Hausarzt zu bekommen. Er kann dir einen Zettel mit Code der Kassenärztlichen Vereinigung geben. Diesen Code nennst du dann dem Psychiater. Frag einmal nach.
Oder über einen Service deiner Krankenkasse, dass die für dich den Termin machen. Wirkt oft Wunder. Auch bei anderen Ärzten wie HNO oder so, wo man ja überall lange warten muss.
Versuch mal dein Glück.

Ansonsten: Gibt es eine psychiatrische Ambulanz in einer Klinik bei euch in der Stadt? Oder auch, wenn es gar nicht geht, kann man auch zu solchen psychiatrischen Stationen in der Notaufnahme gehen, die Tag und Nacht offen sind.
Besprich dich auch mit deinem Hausarzt.

Wenn man solche schlimme und ständige Zwangsgedanken hat, dann rate ich dir auf jeden Fall, auf diesem Weg Hilfe zu suchen. Such nicht den Fehler bei dir selbst. Genau wie bei Menschen mit nicht funktionierendem Herz-/Kreislaufsystem z.B., die ein Medikament nehmen müssen und in Behandlung gehen, so ist es auch mit dem Stoffwechsel, Botenstoffen im Gehirn. Und die wirken zudem noch blöderweise auf unsere Stimmung.
Lieben Gruß von mir

* Auszeit als Ausgleich - fühlen, was tut mir gut *
Irisches Segenswort:
"Mögen gute Tage deinen Weg begleiten, freundliche Menschen dir begegnen, und die Sehnsucht führe dich zum Ziel."
-----------------------
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Schilddrüsen-Hormon (nie die Präparatfirmen wechseln!)
Gesprächstherapie
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_________
2014: Depression, Medikament Opipramol, seit 07/15: Escitalopram

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Marika
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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von Marika » 04:06:2018 8:05

Hallo meine Liebe,

ich möchte dir gerne auch noch antworten. Dieses Zitat von dir sagt so ziemlich alles aus:

"Dabei will man auf keinen Fall jemanden Schaden. Ich war schon immer ein friedliebender, harmoniebedürftiger, schüchterner Mensch, der auch Tiere sehr liebt und nicht mal einer Fliege was zu Leide tun kann. Ich war auch schon immer sehr fantasievoll, was diesbezüglich wohl auch nicht gerade von Vorteil ist. Auch denke ich, dass es an Selbstvertrauen und Selbstliebe fehlt und ich zudem noch hochsensibel bin."

Genau diese Menschen die von ihrem Naturell her friedlich, sensibel, introvertiert sind, befällt der Zwang am ehesten und am liebsten. :wink: Ein wichtiger Grund ist auch, dass solche Menschen meistens viel zu hohe Moralsiche Ansprüche an sich selber haben, den anderen aber meist wiederum viel zu tolerant sind. :wink: Ich weiß dass, weil ich auch so war und dies ein großer Knackpunkt für meine Gesundung dargestellt hat.

Du hast schon viel gelesen, das ist sehr gut. Jetzt fehlt dir tatsächlich noch ein Therapeut, der sich mit dir zusammen dem Zwang aktiv stellt. Vielleicht wirst du hier fündig:

http://www.zwaenge.de/

Diese Gesellschaft hilft auch bei der Therapeuten Suche und ein paar Frauen hier, sind darauf hin fündig geworden.

Der Zweite Punkt wäre ein AD, wie du eh schon selber überlegt hast. Von mir weißt du sicher, dass das AD ein ganz wichtiger Faktor war, um gesund zu werden. Ohne AD ist es zum jetzigen Zeitpunkt der Forschung recht schwer, Zwänge und ZG langfristig zu kurieren. Klar ist die Therapie sehr, sehr wichtig und bringt extrem viel, das AD hält einen dann aber zusätzlich stabil. Ich persönlich würde mich immer wieder für das AD entscheiden, aber das ist natürlich eine ganz individuelle Entscheidung, die du für dich persönlich treffen musst.

Du hast noch gefragt, warum es zu einem Botenstoffmangel kommen kann. Zum einen können es äußere Einflüsse sein, wie z.B. Schicksalsschläge, die die Gehirnchemie durcheinander bringen und so Depressive oder zwanghafte Symptome hervorrufen können. Der zweite wichtige Faktor bzw. Grund ist wie Geli schon geschrieben hat - die Hormone. Und da gibt es ja viele: Schilddrüsenhormone, Sexualhormone, Hormone während er Schwangerschaft und Geburt bzw. im Wochenbett, Pubertät, Wechseljahre... usw. Auch eine genetische Disposition kann gegeben sein - bei mir z.B. kamen alle 3 Faktoren zusammen.
Alle diese Situationen bzw. Lebensphasen sind speziell bei uns Frauen mit imensen Umbrüchen im Hormonstoffwechsel verbunden. Und diese Hormonschwankungen wirken sich auch massiv auf die Botenstoffe im Gehirn aus und können dazu führen, dass der Körper die Botenstoffe einerseits zu langsam nachproduziert und meist zusätzlich noch zu schnell verstoffwechselt. So kann es schnell zu einem Mangel kommen. Gerade in der Schwangerschaft werden viele, viele Hormone in der Planzenta gebildet. Bei der Geburt wird die Planzenta dann abgestossen was zu einem abrupten und massiven Hormonchrash führt. Bekannt sind dann die "Heultage" bzw. der "Babyblues". Normalerweise kann der Körper das dann aber selber wieder auf "normal" schalten und alles ist gut. Bei ca. 20 % allerdings ist das Botenstoffsystem nachhaltig beschädigt und es kommt zu einer PPD oder PPP. Bei einer Fehlgeburt die du leider durchmachen musstest kommt beides zusammen: Bereits gebildete Schwangerschaftshormone sind plötzlich weg und natürlich die traumatische Erfahrung.

Meine Frage wäre noch: hattest schon mal vorher ZG, also z.B. in der Pubertät? Bei mir war das so, ich bin somit also prädestiniert für Zwänge im Rahmen meiner PPD. Ich frage das im Bezug auf eine evlt. AD Einnahme: Wenn du ZG schon vorher hattest, ist eher eine AD Gabe angezeigt, wenn die ZG jetzt erstmalig aufgetreten sind ist die Chance höher, dass diese auch ohne AD therapierbar sind.
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

sternschnuppe_
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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von sternschnuppe_ » 04:06:2018 21:17

Hallo Geli und Marika,

erst einmal vielen lieben Dank für eure Antworten!
Ich habe jetzt erstmal eine Therapeutin gefunden, sie ist zwar Heilpraktikerin und Privat aber ich habe sie direkt über eine Liste der Homepage hier gefunden. Den ersten Termin habe ich nächste Woche.

Eure Erklärungen haben mir geholfen, das mit den Botenstoffen besser zu verstehen. Hab auch schon überlegt, nochmal meine Schilddrüse checken zu lassen, da ich auch immer recht lange Zyklen habe.

Ich denke, das mit der Hochsensibilität kommt bei mir auf jeden Fall hin. Als würde man auch jedes Gefühl sehr intensiv wahrnehmen und bei Geräuschen bin ich auch empfindlich, wo es andere gar nicht juckt und natürlich noch viele andere Kleinigkeiten mehr, da spielt ja so Vieles mit rein.

Bei mir ist es ähnlich wie bei dir, Marika, ich hatte diese blöden Zwangsgedanken bereits als Kind das erste Mal aber sie gingen meistens von alleine wieder aber bissl unterschwellig bleibt die Angst vor gewissen Situationen. Hab es damals auch meiner Mutti erzählt, die hat mich beruhigt und es glaub nicht halb so schlimm wahrgenommen wie ich, also wie so ziemlich alle Menschen ohne Zwängen. Ich hatte auch letztens ein mulmiges Gefühl es meinem Mann zu erzählen, weil er normalerweise auch eher Gewaltfilme usw. meidet aber auch er hat sehr lieb reagiert. Dann meinte er auch sowas wie, du hast doch bestimmt schon mal drüber nachgedacht, jemanden eine rein zu hauen. Da hab ich wirklich überlegt... ich glaub ich wollte schon immer meine Gedanken kontrollieren und alles "böse", "negative", "schlechte" nicht denken. Wir haben dann den Zwang auch ein wenig ins Lächerliche gezogen, das tat ganz gut.
Mit den hohen moralischen Ansprüchen, ganz besonders an uns selbst, hast du wirklich recht.
Letztens ist mir in den Sinn gekommen, warum wir immer nur an uns zweifeln, uns nicht vertrauen. Bei anderen Personen würde man aber nicht auf die Idee kommen, dass die sowas machen könnten. Bei mir ist auch diese Hintergrundangst ein schlechter Mensch zu sein.

Ich habe noch ein interessantes Buch gefunden, wo es nicht um Zwänge direkt geht, sondern das sogenannte "innere Kind". Ich konnte mich sofort mit dem Streben nach Perfektionismus, also ja keine Fehler machen und den Streben nach Harmonie wiederfinden.
Auf jeden Fall seid ihr eine große Motivation, dass man auch damit irgendwann ein schönes Leben führen kann und dass es einen die Zwänge nicht für immer vermiesen müssen, auch wenn es nicht von heute auf morgen geht und sicher viel Arbeit Bedarf. Aber man wünscht sich einfach ein normales, schönes Leben.

Habt einen schönen Abend,
Susi

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Marika
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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von Marika » 05:06:2018 8:42

Liebe Susi,

ich freue mich sehr, dass wir dir helfen können. Du bist sehr reflektiert und siehst genau hin - das ist genau der richtige Weg um nachhaltig den Zwang zu vertreiben. Denn wohlgemerkt: nicht die negativen Gedanken müssen gehen, sondern der Zwang dahinter diese immer wieder zu denken!!!
Weil: "negative" Gedanken hat jeder, es gehört zur menschlichen Natur dazu. Wir müssen eigentlich nur lernen, diese zu aktzeptieren und zu verstehen, dass sie nicht gleibbeteutend sind mit "das will ich jetzt tun". Aber ich glaube, das hast du bereits verstanden.

Sehr gut ist auch, dass du mit deinem Mann darüber reden kannst. Das konnte ich auch immer und er hat mir genau das selbe gesagt wie deiner.

Hochsensibel bin ich übrigens auch, aber das sehr gerne. Denn diese Eigenschaften sind wunderbar - klar, sie haben auch Schattenseiten und wir sind anfälliger für Zwänge, aber diese friedvolle, leise, träumerische und liebevolle Persönlichkeitsstruktur kann unglaublich viel im Zwischenmenschlichen Bereich erreichen. Ich habe in den Jahren gelernt mich zwar einerseits zu schützen, aber andereseits habe ich gemerkt, dass ich Menschen sehr sehr gut gleich einschätzen kann, Stimmungen wahr nehme die andere nicht spüren und ein großes Einfühlungsvermögen habe. Das alles möchte ich nie mehr missen, es kommt mir sogar in meinem Beruf als Verkäuferin immer wieder zu gute!

Ein tolles Buch hast du da gefunden, mach weiter so und ließ alles was dich interessiert. Gerade das hat mir auf meinem Weg extrem geholfen. :D
Liebe Grüße von
Marika

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sternschnuppe_
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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von sternschnuppe_ » 05:06:2018 16:49

Liebe Marika,

du hast recht, durch den Zwang denkt man immer "ich will das tun" bzw. eher dieses unsichere "was, wenn ich soetwas auch nur wollen könnte". Als würde alleine ein Gedanke unser ganzes Wollen widerspiegeln, dabei hatte ich oft auch schon unsinnige Gedanken, die ich schnell beiseite schieben konnte. Vermutlich, weil sie für mich weniger wichtige Lebensbereiche betrafen. Man sagt ja, dass der Zwang sich die empfindlichste Stelle sucht und genau das Gegenteil von dem ist, was wir wirklich wollen.

Ich hoffe ich kann auch noch den Zwang "verlernen", also dieses immer und immer wieder nachdenken. Es ist auch als wäre man dann wie festgefahren. Andere Themen kommen kaum noch durch.

Das stimmt, es hat auch sehr viele schöne Seiten, ich glaube, wenn man lernt diese mehr zu nutzen und sich aber auch selbst zu schützen, ist es eine ganz besondere Gabe. Manchmal nur anstrengend, wenn man sofort merkt, dass andere schlecht gelaunt sind. Man nimmt das sehr schnell auf.

Bist du auch kreativ?

Einen schönen Tag dir noch,
Susi

sapsap

Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von sapsap » 05:06:2018 19:59

hallo susi,

nun antworte ich dir auch mal auf deinen beitrag.
ich kann nur sagen, dass das 1 zu 1 ist, was ich erlebt habe und immer noch erlebe. Ich leide seit knapp 4,5 monaten an aggressiven ZG meinem Kind gegenüber, Zwangsgrübeleien, grosser angst und allem was dazu gehört.
auch ich kenne das gefühl, dass es sich handlungsnah und real anfühlt. bei mir war es z.T. ein so massiver drang einen solchen gedanken umzusetzen, dass es sich tatsächlich schon sehr oft so anfühlte, als wäre es um ein haar passiert. ich finde es immer wieder sehr beruhigend, wenn mir menschen, auch solche vom fach, sagen, dass nichts passiert. nur mein kopf will es nicht glauben.
und auch mich triggerte genau diese stelle im buch 'der kobold im kopf'.
du bist also nicht allein. ich weiss, wie schrecklich das ist. wie verzweifelt man ist und wie sehr man aus sich raus möchte, um sowas weder denken noch fühlen zu müssen. diese ständige angst ist wirklich unerträglich.
ich weiss, das hilft dir wenig, aber es erleben so viele mütter. in deinem gehirn herrscht quasi ein daueralarm. und allein die tatsache, dass du sagst, du willst es nicht und auch tatsächlich so fühlst - das beweist, dass du es nie, niemals in die tat umsetzen wirst.

wenn du dich austauschen möchtest, freue ich mich natürlich auch über eine PN von dir. ich arbeite derzeit in einer stationären therapie an dem ganzen mist.

ganz liebe grüsse!
katharina

sternschnuppe_
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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von sternschnuppe_ » 05:06:2018 21:53

Liebe Katharina,

ich verstehe genau was du mit diesem vermeintlichen "Handlungsdrang" meinst. Am Ende haben wir einfach eine zu gute Fantasie, auch wenn das jetzt blöd klingt.

Es tut mir sehr leid, dass du auch mit diesen doofen Zwangsgedanken gegen deinen Sohn zu kämpfen hast. Es trifft ja immer gerade die gewissenhaften, sanften Mamis, die alles für ihr Baby tun würden. Mit dem Daueralarm hast du recht, das hab ich auch schon gelesen... Wie eine kaputte Alarmanlage, die alles als Bedrohung sieht.

Hast du denn jemanden aus deiner Familie oder eine gute Freundin, die dich etwas unterstützen können, wenn dein Partner so lange weg ist? Manchmal hilft gerade Ablenkung und Rückhalt. Das Gefühl nicht ganz alleine damit zu sein.

Du kannst mir auch gern jederzeit schreiben!
Hab' noch einen schönen Abend :)

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Marika
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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von Marika » 07:06:2018 8:40

Liebe Susi,

du hast gefragt, ob ich kreativ bin - ja, ich würde mich schon so sehen. Vor allem aber bin ich phantasievoll, träumerisch, sensibel, gutmütig... :D :D :D
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von sternschnuppe_ » 07:06:2018 17:55

Liebe Marika,

genau diese Eigenschaften würde ich mir auch nachsagen. Scheint wirklich Menschen wie uns eher zu treffen oder?

Du hast geschrieben, dass ihr in der Therapie als erstes die Gründe gesucht habt. Waren die dann größtenteils in der Kindheit zu finden? Dient der Zwang dann sozusagen als Symptom für andere, unbewusste Ängste?

Liebe Grüße,
Susi

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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von Marika » 09:06:2018 10:49

Hallöchen,

bei mir waren es mehrer Faktoren, wie bei den meisten. Ich bin eine sensible Natur, dann meine Kindheit in der ich einerseits überbehütet wurde aber auch dann wieder z.B. Nachts mit meinen Ängsten alleine gelassen wurde. Ich bin ein Kind der 70er Jahre und war es halt noch so, dass das Kind im eigenen Bett schlafen musste auch wenn es Angst hat. Ich bin auch manchmal aufgewacht und es war niemand im Haus - obwohl meine Eltern nur eine Tür weiter bei den Nachbarn waren, war das ein Trauma für mich. Dann ist mein Papa auch leicht zwanghaft - das habe ich von ihm übernommen. Es war also eine Mischung aus Überbehütung und ganz viel Liebe - und dann doch wieder alleine sein. Das Überbehüten hat mich daran gehindert meine eigenen Erfahrungen zu machen, ich konnte kein Selbstvertrauen entwickeln. Kinder neigen dann bereits dazu, mit Zwängen sich diese vermeintliche Sicherheit zu holen. So war es auch bei mir. Ja und dann gibts noch eine genetische Disposition - mein Opa mütterlicher Seits hatte auch Depressionen. Somit war mein Cocktail gemischt. :wink:

Insofern kann man schon sagen, dass der Zwang entwickelt wird um sich SICHERHEIT in Angstmachenden Situationen zu geben. Das fatale ist aber, dass das eben nicht gelingt. Ein ganz gemeiner Kreislauf wird so in Gang gesetzt und aufrecht erhalten.

Nachdem ich diese Zusammenhänge erkannt und verstanden hatte, konnte ich recht gut und auch besser am Zwang selber verhaltenstherapeutisch arbeiten. Trotzdem hat es lange gedauert... Aber ich war sehr erfolgreich würde ich mal meinen...

Ein kleines Bespiel? Gestern war ich mit meinem Mann auf einem Konzert, wir wollten was zum Trinken. Früher wäre mein Mann gegangen, oder ich schon mal gar nicht auf ein Konzert aus Angst... :roll: Aber gestern ging ICH sogar die Getränke holen... freiwillig und ganz alleine... :wink: Das wäre vor 10 Jahren niemals möglich gewesen.... :lol:
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von sternschnuppe_ » 09:06:2018 16:13

Hallo Marika,

ich denke mal, bei mir ist das mit dem Überbehüten auch einer der Faktoren. Aber natürlich spielen da viele Dinge zusammen aber ich denke, weil einen viele Dinge abgenommen wurden, konnte man das Selbstvertrauen nicht entwickeln. Zumal meine Mutti selbst ein sehr ängstlicher Mensch ist und in vielen Dingen dadurch auch abhängig. Das hab ich immer versucht zu vermeiden, also zumindest einfach selbstständiger zu sein aber diese Ängstlichkeit hab ich schon immer in mir.

Allerdings ist es doch paradox, wenn wir Sicherheit haben wollen, dass wir uns selbst als Bedrohung sehen? Das verstehe ich nicht so richtig. Man entwickelt den Zwang aus Angst vor Unsicherheit aber wieso haben wir dann quasi Angst vor uns selbst?

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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von Marika » 09:06:2018 21:00

Weil wir uns weder vertrauen noch etwas zutrauen!!!
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von Marika » 10:06:2018 9:38

Darum sehen wir in uns selbst eine Bedrohung. Mit den ZG nun schauen wir eigentlich ob wir denn noch Angst haben vor diesen Bildern im Kopf. Wenn ja hoffen wir damit eine Bestätigung zu haben, dass wir das nie tun würden. Nur leider geht das ganze in eine Negativspirale über. Das Bild macht wieder neue Angst, neue Angst erzeugt neue ZG und so weiter.... Das alles geschieht natürlich nicht bewusst sondern selbständig im Gehirnareal hinter der Stirn - dem "frontalen Kortex" und lässt sich erst mal so gar nicht stoppen. Nur durch gezieltes Üben kann diese Überaktivität in diesem Areal eingebremst und auf ein normales Level gebracht werden.

Denn jeder Mensch hat solche Gedanken, die normaler Weise ja genau von diesem Gehirnareal ausgefiltert werden. Nur klappt das bei uns nicht richtig, es wird nicht mehr gefiltert und als "Gedankenmüll" erkannt. Alles kommt durch und das erzeugt Angst. Und der Zwang bzw. die ZG ernähren sich von der Angst. Daher gilt es diese zu unterbrechen.

Zwänge und ZG sind immer der Versuch SICHERHEIT zu erlangen. Auch kleine Kinder haben zwanghafte Phasen, was aber normal ist. Sie geben sich dadurch Sicherheit. Nur wenn es überhand nimmt, dann kann es zu einem schädlichen Verhaltensmuster werden.
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Immer wieder diese blöde Zwangsgedanken...

Beitrag von sternschnuppe_ » 10:06:2018 16:09

Stimmt - da bin ich so gar nicht drauf gekommen :?
Vermutlich wäre es schon ein enormer Fortschritt Vertrauen in sich selbst zu gewinnen. Aber das kommt ja auch nicht über Nacht.

Ich glaube bei mir ist noch ein weiterer Grund, dass ich mich zu sehr mit meinen Gedanken identifiziere. Lange Zeit, habe ich angenommen, dass alle meine Gedanken sozusagen ich bin. Leider habe ich nie gelernt, sie einfach nur zu beobachten und ziehen zu lassen und mich somit von ihnen zu distanzieren.

Dafür werde ich auch noch einige Übungen brauchen, schließlich produziert das Hirn auch viel Müll.

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