Kriese und Zerissenheit

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Suchenende
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Kriese und Zerissenheit

Beitrag von Suchenende »

Hallo ihr Lieben,
nach langem hadern und vieleb Formulierungsversuchen habe ich mich heute durchgedrungen mich hier vorzustellen. Ich lese seit ein paar Wochen leise mit und bin immer wieder unendlich dankbar bin für viele Beiträge.In vielem finde ich mich wieder und ermahnen mich anschließend selbst mich nicht zu sehr zu vergleichen. Aber irgendwie suche ich insbesondere die Verbundenheit zu anderen Müttern da ich dass, Gefühl habe (m)eine Kriese /Erkrankung , den Schmerz als Mutter zu empfinden ist etwas anderes als alles was ich von vorher kenne.

Aktuell befinde ich mich in meiner 2.Kriese schwere Kriese nach der Geburt meiner Tochter 2022, v.a. schwere Depressionen ist die "Arbeitsdiagnose" .... Wie beim ersten Mal 2023 bin ich trotz langem ambulanten "Kampf" wieder stationär gelandet. Leider habe ich eine lange z.T. sehr unschöne Psychiatrische Vorgeschichte im Kinder und Jugendalter. Vielleicht eine Ausrede aber auch ein Grund warum ich immer wieder innerlich dagegen ankämpfen auf eine Diagnose festgelegt zu werden - der Große Wunsch als Mensch gesehen zu werden - verbunden mit der Hoffnung endlich mal zu "den Gesunden" zu gehören wohl wissend darum dass es die "Gesunden" nicht gibt und ich mich damit auch aktuell irgendwie wieder selbst blockiere.

Meine Größte Angst war und ist immer die Verbindung zu meiner Tochter zu verlieren/sie nicht schützen zu können.
Dabei hab ich diesmal "den Fehler" gemacht sehr sehr lange alle Warnzeichen zu ignorieren und mir selbst die ganze Zeit zu sagen ich schaffe dass allein..

Fing im Sommer damit an dass ich Escitalopram reduziert habe. (Weil ich dachte ich fühl mich gut ) Gleichzeitig wieder voll in Agitation gerutscht. (Schlafprobleme, extreme Unruhe, körperliche Symptome)Wollte aber unbedingt noch mein Praktikum "durchziehen" (auch da nicht wirklich geschafft Grenzen zu ziehen /mich überfordert), Als das Geschafft war und ich mich "erholen" wollte dann komplett meine Beziehung in Frage gestellt. Auch weil ich so "schlau" war und zu meinem Ergotherapieausbildungs wissen + Erfahrungswissen, noch ganz viele tolle Ratgeber und Fachliteratur gelesen habe.

Weil dass "nicht gereicht hat" dann nochmal meine eigenen schwierige Vergangenheit und Familiengeschichte studiert.

Bin kein bisschen stolz drauf - sondern einfach nur noch traurig, verwirrt und orientierungslos- dolle wütend auf mich selbst. Sämtliche Hilfe die ich versucht habe zu organisieren konnte ich schlecht bis gar nicht an nehmen. Mein Umfeld insbesondere meine Familie hat mich super lange versucht zu tragen und zu verstehen . Medikamente insbesondere Escitalopram habe ich in ärztlicher Absprache wieder erhöht, Zum schlafen kurzer Versuch Zoipedem, dann Quetiapin. Seit einer Woche zusätzlich Tavor. Seit dem 27.12 Versuche ich jetzt zur "Ruhe" und zu mir zu kommen. Versuche die Klinik nicht als Feind zu begreifen generell irgendwie von Tag zu Tag zu kommen und zu überleben.

Würde gern die Zeit zurück drehen aber dass kann ich leider nicht.

Habe damals, vor 2 Jahren auch intensiv nach Hilfe gesucht, viel im Forum gelesen, zum Familienzelt Kontakt aufgenommen und ein paar Mal die Selbsthilfegruppe besucht. Mich kostet es immer ganz viel Kraft um Hilfe zu bitten weil ich Angst habe auf Grund meiner Psychischen Vorgeschichte und weil ich viel theoretisch Wissen zu Familien, Dynamiken, und Erkrankungen habe vieles aber emotional gar nicht umgesetzt bekomme. Mich irgendwie oft und in Kriese besonders dass Gefühl begleitet "nirgendwo" hin zu passen.

Entsprechend auch die Angst nicht ins klassische "postpartle Bild " /Forum zu passen.

Aber ich trage auch den großen Wunsch in mir diesmal Sachen anders zu machen. Vielleicht ist der Schritt hier zu schreiben einer davon.

Mir selbst kommt dieser Beitrag zerissen und wirr vor.
Werde auch oft gefragt was ich brauche und selbst dass, zu beantworten gelingt mir gerade selten. Danke trotzdem wenn ihr euch die Zeit nehmt ihn zu lesen.

Ganz viel Kraft an alle die gerade irgendwie Kämpfen!
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Marika
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Re: Kriese und Zerissenheit

Beitrag von Marika »

Hallo liebe Suchende!

Ganz herzlich Willkommen hier bei uns! Keine Sorge, du "passt" auf jeden Fall hier her... :wink: Viele hier haben eine Vorgeschichte, ich auch. Es tut mir sehr leid, dass es dich wieder erwischt hat. Aber wie ich lese, bist du bereits in guten Händen. Als erstes habe ich mir beim Lesen deiner Geschichte und Gedanken gedacht: cool down, du musst nicht alles jetzt lösen. Ich glaube im Moment darfst du die Medikation im geschützten, stationären Rahmen wirken lassen. Die Klarheit über Veränderungen, Neues usw. kommt mit der Zeit Schritt für Schritt.

Du hattest enormen Stress, gerade auch mit deiner Ausbildung. Jetzt muss und darf sich dein System erstmal erholen und wie du es selbst sagst: Die Klinik ist dein Freund, der dir dabei den Raum gibt, dich selbst wieder zu finden. Das braucht jetzt Zeit und Geduld. Es ist ausreichend von Tag zu Tag zu gehen, mehr braucht es im Moment nicht.

Darf ich fragen, wieviel mg Escitalopram du nimmst? Dieses AD ist auch mein Medikament, ich muss es in kleiner Dosis dauerhaft nehmen, so bleibe ich gesund und stabil!

Schön, dass du da bist!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Suchenende
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Re: Kriese und Zerissenheit

Beitrag von Suchenende »

Vielen Dank Marika,

Ja cool down und weniger ist mehr Versuch ich mir schon länger immer wieder selbst zu sagen - noch
.. mit mäßigem Erfolg.

Aktuell wieder 15mg Escitalopram (seit 2Wochen) bin damit eigentlich auch lange/immer wieder gut gefahren. Ärger mich selbst dass ich im Sommer wieder dran gerührt habe und nicht bei geblieben bin.
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Marika
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Re: Kriese und Zerissenheit

Beitrag von Marika »

Ja ich weiß, es ist nicht leicht, einfach ruhig abzuwarten. Vielleicht hilft es dir kleine Ziele zu stecken um nicht die ganz großen Brocken ständig im Fokus zu haben. Also Ziele innerhalb eines Tages. Mir haben z.b. Achtsamkeitsübungen geholfen, mehr im hier und jetzt zu bleiben.

15 mg sind schon mal eine gute Dosis und steigern kann man immer noch. Merkst du schon eine Verbesserung?
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
alibo79
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Re: Kriese und Zerissenheit

Beitrag von alibo79 »

Guten Morgen,
Herzlich willkommen hier in Forum! Dein Name als suchende passt sehr gut zu deiner Geschichte. Es macht wirklich den Eindruck, als wärst du zu fuß unterwegs und würdest nach Lösungen suchen und hättest irgendwie den Weg verloren. Gerade in der Phase wo man krank ist und sehr instabil, hat man ja ganze Zeit das Gefühl nach Lösungen zu suchen um seine Symptome irgendwie erträglich zu machen. Das war bei mir nicht anders. Mein Kopf hat ständig überlegt, was ich denn jetzt ändern muss um möglichst schnell den ganzen Mist loszuwerden. Letztendlich hat aber nur ganz viel Geduld und eine langsame Veränderung meines lebensstils dazu geführt, dass ich nach und nach mich besser gefühlt habe.
Auch ich habe eine lange psychische Vorgeschichte seit meiner Kindheit und trage so meine Päckchen mit mir rum. Und dieses Gefühl nirgendwo richtig Reinzupassen, sich mal wirklich normal zu fühlen oder auch das Stigma zu haben ,, Dass ist die, die einen an der Waffel hat, möchte ich natürlich gerne loswerden. Ich weiß nicht wie das bei dir ist, ob du so gar nicht Anschluss findest bzw. Ob du einen Freundes oder bekanntenkreis hast, wo du dann doch reinpasst? Wenn man mal genau hinschaut, ist es doch so, dass viele Menschen hier oder dort ihre Probleme haben und ihre Eigenarten und man vielleicht gar nicht so viel anders ist.
Ein Beispiel von mir. Ich habe Anfang Januar unsere Nachbarschaft zu Besuch bekommen. Das wird hier traditionell so gemacht, dass man zu den Nachbarn geht und frohes neues Jahr wünscht und sich irgendwo trifft und zusammen Kaffee trinkt und etwas zu essen anbietet. Dieses Jahr habe ich mich gemeldet, weil ich Zeit hatte und habe mir im Vorfeld bisschen Gedanken gemacht, weil ich kein schickes Geschirr habe, sondern bei uns alles ganz einfach gehalten ist. Und bisschen wie in einer studentenwohnung ist. Für mich fühlte sich es so an, das andere es immer zu Hause ganz schick haben. Letztendlich war es so, dass mir alle gesagt haben. Es war so gemütlich und nett bei uns, weil alles einfach gehalten war und unkompliziert gemacht wurde und sie sich richtig wohlgefühlt haben.
Was ich damit sagen möchte ist, dass wir uns oft viel zu klein machen. Und das Gefühl haben man ist nicht richtig. Man ist nicht toll genug und dass das ganz oft einfach unsere Gedanken sind und unser Umfeld das ganz anders wahrnimmt und sieht.

Zum Medikamenten absetzen ist eine Geschichte sehr ähnlich mit meiner. Ich habe im Sommer Herbst 2020 auch meine Medikamente ausgeschlichen und gleichzeitig bei der Arbeit Stunden aufgestockt und wieder nachtdienste angefangen. Da hat meine zweite Episode auch nicht lange auf sich warten lassen. Rückwirkend denke ich auch wie dämlich ich denn da gewesen bin. Und jetzt mit Abstand sehe ich wie ich die zweite Episode gerutscht bin und kann es nicht wirklich verstehen, warum ich damals zum gehandelt habe. Aber ich war mir sicher, dass ich geheilt bin und dachte, das schaffe ich jetzt mit meinem Vorwissen über meine Erkrankung. Aber ich habe es trotzdem damals falsch eingeschätzt. Es ist wahrscheinlich ein wenig lehrgeld, was wir dafür bezahlen müssen. Und andersrum bringt es uns ja noch wieder neue Erkenntnisse über uns und unsere Erkrankung.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
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