Es nervt!

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

Moderator: Moderatoren

Jen
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Re: Es nervt!

Beitrag von Jen »

Hallo Nici,

ja ich nehme die 10mg Escitalopram und Quetiapin zum schlafen, bei Bedarf.

Also die Wochen waren gut und ich hatte so oft das Gefühl, nur zuhause rumliegen und den Haushalt schmeißen erfüllt mich einfach überhaupt nicht.
Ich wollte einfach raus in die Welt und ein geiles Leben führen. Ein entspanntes. Das kommt bei mir immer, ich brauch eine Aufgabe im Leben. Nur Mutter sein ist es nicht.

Hab mich da auch ausgerichtet. In Frieden und immer in Verbindung mit meinem Therapeuten.

Ich war deswegen ja auch 7 Wochen in der Klinik, aufgrund meines Jobs, bzw. meiner Einstellung zum Arbeiten. Das Thema verschwindet ja nicht in 7 Wochen und die Ängste sind ja unterbewusst trotzdem da.

Ich leiste immer mehr, als ich kann und denke ich genüge nicht.

Und dann drehe ich mich etwas im Kreis, nur zuhause erfüllt mich nicht und ein Job bringt Panik.

Was tun?

Ich möchte es für mich gerne schaffen, meinem System die Sicherheit zu geben, dass ich gehen darf, bevor es kippt und Arbeit auch Freude machen kann. Das kenne ich leider nicht.
Bei dem Job hatte ich das Gefühl, dass mein System das lernen darf. Zumindest nur mal mit dem Gedanken zu spielen.

Irgendwie so, schau es geht auch anders. Ohne Termindruck, ohne müssen. Einfach aus Freude.

Jeder Mensch ist doch auf der Welt, aus einem Grund.
Es gibt einen Seelenplan. Meiner kann’s doch nicht sein, sich von einer Depression in die nächste zu hangeln.

Liebe Grüße
12/20 1. Geburt PTBS / Ängste
5 mg Escitalopram - abgesetzt

Nach Rückfall Herbst 2025 wieder 10 mg Escitalopram
Nici
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Re: Es nervt!

Beitrag von Nici »

Guten Morgen liebe Jen!

Das verstehe ich total! Was du beschreibst kenne ich sehr gut! Es hat mich auch nie erfüllt nur zu Hause zu sitzen. Deshalb bin ich auch nach dem ersten Geburtstag meines Sohnes für ein paar Stunden arbeiten gegangen. Mir tut es auch nicht gut nur zu Hause zu sein. Ich brauche die Ablenkung und das Gefühl anderweitig gefordert zu werden.
Seit Jahren arbeite ich an zwei Wochentagen insgesamt 20 Stunden. Es tut mir sehr gut, aber an manchen Tagen denke ich, dass ich noch einen dritten Tag dazu nehmen könnte.
Haus und Garten erfüllt mich nicht auf Dauer und mein Sohn braucht mich nicht mehr so sehr, er wird im Sommer schon 15 Jahre alt.
Allerdings war ich die letzten Wochen in denen es mir nicht gut ging froh, dass ich momentan nicht mehr arbeite.

Liebe Grüße
Nici

15mg Escitalopram
7,5mg Mirtazapin
Jen
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Re: Es nervt!

Beitrag von Jen »

Nici, danke für dein offenes Ohr!
Das tut mir sehr gut!

Es ging um 6-8 Stunden die Woche. Manche Wochen auch nur 4, je nach Bedarf.
12/20 1. Geburt PTBS / Ängste
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Nici
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Re: Es nervt!

Beitrag von Nici »

Na klar, ich bin gerne für dich da!

Der Job für den du dich beworben hast wäre von den Stunden her für den Anfang optimal. Hauptsache man kommt ein paar Stunden raus.

Ich habe 2020 den Job gewechselt. Ich war zu dem Zeitpunkt psychisch nicht stabil aber ich habe es trotzdem durchgezogen. Ich habe mir vorher so viele Gedanken darüber gemacht, aber es hat funktioniert. Ein Rückzieher war nicht möglich, eine ehemalige Kollegin hatte mich abgeworben. Eigentlich wollte sie mich 2018 schon zu sich in die Firma holen, aber damals habe ich es mir absolut noch nicht zugetraut.

Liebe Grüße
Nici

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alibo79
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Re: Es nervt!

Beitrag von alibo79 »

Liebe Jen, ich habe gerade wenig Zeit aber ich Versuche dir später zu antworten.
Aber ich möchte dir sagen dass ich dich gut verstehen kann und deine Themen auch genau meine Themen sind.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
Jen
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Re: Es nervt!

Beitrag von Jen »

Leute Hand aufs Herz - ich hab ein Trauma von meinem langjährigen Job im Familienbetrieb. Das war mehr als toxisch und grenzüberschreitend.

Ich dachte einfach, wenn ich woanders hingehe, ist das Problem gelöst. War ja aber dann nicht so.
Das Thema mit meinem Vater beleuchte, aber das geht tiefer. Viel tiefer!!!

Bin gerade selbst etwas baff!

Kein Wunder kommen da so heftige Gefühle hoch, das ist Trauma bedingt!

Meine letzten Tiefpunkte waren ausschließlich wegen dem Arbeiten. Stress klar, aber es liegt auch am arbeits-
Trauma.
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alibo79
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Re: Es nervt!

Beitrag von alibo79 »

Liebe Jen,
ich weiß nicht, ob ich dir mit meiner Nachricht wirklich weiterhelfen kann, denn bei mir gibt es sehr ähnliche problematische Themen und die perfekte Lösung habe ich dafür auch noch nicht gefunden.
Bei mir ist es jahrelange, geringe wertschätzung meiner Arbeit und meines Engagements bei der Arbeit und zu Hause, die mein selbstwertgefühl arg erschüttert haben. Ich glaube, dass ich im Prinzip schon wertgeschätzt wurde, aber es wurde mir leider zu wenig gezeigt. Vielleicht habe ich es auch nicht gesehen. Aber in meinen Augen hätte man seitens meines Chefs oder meines schwiegervaters, mit dem ich Konflikte hatte, mir viel mehr wertschätzung entgegenbringen müssen. Es war bei mir immer selbstverständlich, dass ich mich bis zur aufopferung kaputt arbeite. Ich habe immer super gearbeitet. War bei meinen Kunden mega beliebt. Habe Stunden gekloppt ohne Ende bloß wenn es dann darum ging, das adäquat zu bezahlen oder mir auch an anderer Stelle Zugeständnisse zu machen, bin ich auf taube Ohren gestoßen. Inzwischen hat sich da viel geändert bei meinem Job und auch zu Hause. Trotzdem sitzen diese alten Gefühle tief. Sobald irgendetwas mit Unfrieden bei der Arbeit oder zu Hause los ist triggert das viele Gefühle bei mir. Ich kann dir gar nicht sagen, warum dann so viel Angst hochkommt bzw. Sorgen um die Zukunft, denn bisher hat sich immer alles zum guten gewendet.
Es ist ein langwieriger Prozess immer wieder lernen zu müssen. Wie weit kann ich mir etwas zumuten? Wann muss ich sagen Stopp und auch die negativen Gefühle dabei auszuhalten.
Ähnlich wie bei dir ist es bei mir auch so, dass zu Hause sein Kinder Haus und Garten mich überhaupt nicht erfüllt. Ich bin gerne zu Hause, aber ich brauche meine Aufgaben und auch hier und da eine kleine challenge. Denn nur zu Hause langweilt mich auf die Dauer, bringt mir zu wenig action. Und zudem ist es ja so, wenn man einen Job macht und bei seinen Kunden beliebt ist, bekomme ich dadurch ja auch ein positives Feedback. Zu Hause wird ja leider alles was man macht oft als selbstverständlich hingenommen.
Aktuell versuche ich gerade mal zu Hause alles liegen zu lassen, was nicht meins ist. Das heißt, jeder Krempel, der von meinen Kindern von meinem Mann irgendwo liegen gelassen wird, bleibt auch dort liegen. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte, aber ich hatte es satt immer hinter allen her zu räumen. Das weiße Orakel zu sein. Das weiß wo irgendwelche Turnschuhe sind Brillen oder Zettel. Oder diejenige, die sich um alles kümmert, das Termine eingehalten werden Essen da ist Wäsche gemacht ist und so weiter. Ich weiß nicht, ob das gesehen wird oder gemerkt wird. Ich befürchte manchmal, dass es keinem auffällt, dass irgendwelche Dinge nicht gemacht sind, aber ich wollte das mal probieren.
Ich finde es sehr mutig, dass du ein vorstellungsgespräch wahrgenommen hast, denn gerade bist du ja noch nicht so lange auf dem Weg der Genesung und das zeigt schon sehr viel Stärke, die du hast, dass du über so etwas nachdenkst. Ich weiß nicht, ob ich mich das getraut hätte. Und vielleicht ist das ja wirklich eine gute Möglichkeit Arbeit zu testen ohne Unmengen Stunden Arbeiten zu müssen und trotzdem eine Aufgabe zu bekommen, Die abwechslungsreich ist und dir positives Feedback gibt.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
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Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
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Margarita_1989!
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Re: Es nervt!

Beitrag von Margarita_1989! »

Hallo alibo. Das, was du von zuhause aus schilderst, ist bei uns genauso. Hier wohnen Leute genauso wie ich, aber keiner weiß, wo was liegt. Wo ist die Schere? Welchen Strampler zieh ich dem Kleinen an? Usw usw. Hier sah es aus... Ich hab mich mit dem Kleinen ausgeruht, Mittagsschlaf gemacht... Gott sei Dank geht das Schlafen wieder richtig gut und mein Körper schreit regelrecht danach. Der Gatte kam und sagt, immer wenn ich dich Anrufe, schlaft ihr... Du musst doch was im Haushalt machen usw... Ich kümmere mich um den Kleinen. Er lässt mich nix machen, habe gerade mal einen Waschgang machen können und zack schon wieder wach. Er ist jetzt 8 Monate und verlangt sehr nach mir. Tja nach der Arbeit musste er mal ordentlich sitten, dass ich mal was in Ruhe machen kann. Es ist echt krass, was alles von uns verlangt wird und wie selbstverständlich alles ist. Ich mach meinen Job eig schon auch gern, habe tolle Kollegen. Die Arbeit mit den S macht mir Spaß und auch von ihnen bekomme ich immer liebes Feedback. Heute hatte ich wieder ein abgrundtiefes Tief. Hoffe, dass ich bis September noch weitere Fortschritte mache :(
Jen
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Re: Es nervt!

Beitrag von Jen »

Aber liegt nicht da auch irgendwie ein Schatz?

Sich selbst dafür mal wertzuschätzen? Könnt ihr das? Scheiß egal was alle anderen sagen?

Ja ich hab mich heute den ganzen Tag um meinen Sohn gekümmert PUNKT. Das ist nämlich die krasseste Arbeit überhaupt.

Aber da hakt es bei mir schon. Ich rede mich dann selbst schlecht, was ist das schon? Andere arbeiten noch nebenher.
Anstatt wir uns selbst dafür würdigen, dass wir so eine wichtige Aufgabe übernehmen und sehr gut machen!!

Und ich glaube solang ich mich nicht selbst
dafür wertschätzen kann, wird es schwierig den Kreislauf zu durchbrechen.

Was machen andere tatsächlich anders? Sie lassen die Kommentare nicht so sehr an sich ran, haben eine andere Wahrheit, stehen zu sich. Wissen was sie können.

Liebe Grüße an euch
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Mayte
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Re: Es nervt!

Beitrag von Mayte »

In Die Zeit gibt es gerade ein Interview mit der Philosohin Manon Garcia in dem sie die Situation beschreibt von der ich auch erzählt. Wichtig is glaube ich zu erkennen dass es kein individuelles Problem ist. Das sind die Auswirkungen einer patriarchalen Gesellschaft. Wir brechen alle an unterschiedlichen Achsen, aber am Ende gibt es nicht das eine, was andere angeblich besser machen. Das hilft vielleicht nicht in dem Moment wo es einem gerade schlecht geht. Da braucht man individuell eine Strategie. Aber man kann mit diesem Vergleichen aufhören, wirklich. Alle Mütter in dieser Gesellschaft kennen diese Themen, selbst wenn man wie in meinem Fall eine sehr ausgeglichene Verteilung in der Partnerschaft hat. Trotzdem lebe ich mit dieser Dreifachbelastung von Mutterschaft, Partnerschaft und Vollzeitarbeit und die Decke ist immer irgendwo zu kurz. Jetzt wird auch noch mein Vater alt… Ich sehe gerade kaum den Weg wie das alles gehen soll und dabei noch reguliert bleiben 🙈
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Re: Es nervt!

Beitrag von Mayte »

Manon Garcia schreibt: die Krankenkassen zahlen lieber beständig Kuren für Mütter statt dass mal politisch an einer Gesellschaftsstruktur gearbeitet wird die Elternschaft und erwerbsarbeit realistisch macht. Ist voll bei mir gelandet.
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Re: Es nervt!

Beitrag von Mayte »

Und ja, wir sollten uns sehr dafür wertschätzen was ein Alltag mit Kleinkind heisst. Aber wenn man strukturell als Frau dazu erzogen wird (als Tendenz) sich nur wertvoll zu fühlen wenn es Anerkennung von außen und am besten noch über Männer gibt muss das ja an diesem Punkt scheitern. Sorry, dass ich mich hier so aufrege, aber das ist halt echt ein richtig gordischer Knoten. Und dann wird man krank. Und alle sind so: ach verstehe ich jetzt nicht warum sie nicht glücklich ist …
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Re: Es nervt!

Beitrag von Mayte »

Und jetzt noch ein PS: natürlich kann man das so machen (wenn man so verfasst ist) die Kinder ins Zentrum zu stellen und Momfluencerin zu werden und darüber sich Anerkennung zu holen, aber ich weiß auch nicht ob das für Kinder an Ende so toll ist, der Lebensinhalt der Mutter zu sein… vielleicht ein paar Jahre. Aber danach?
Eine Arbeit zu haben gibt eine ja nicht nur anders Wirksamkeit, sondern ist auch die Versicherung gegen Altersarmut. Also finde ich schon ziemlich wichtig. Und natürlich kann man krank oder völlig mit mental load danieder gestreckt nicht arbeiten.
Ach…
Jen
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Re: Es nervt!

Beitrag von Jen »

Mayte - mag das sehr! Was für eine power! Richtig gut!

Meiner Meinung nach, ist es für Mütter bei denen die Kinder die Erfüllung sind, spätestens beim Auszug kritisch.
Was dann? Mittelpunkt weg! Dann kann hier eine Krise entstehen.

Also feier ich jede Frau, die sich auf den 1. Platz stellt und trotzdem ist es schwierig, weil wir es kaum kennen. Also ich so gut wie nicht.
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Re: Es nervt!

Beitrag von Jen »

Leute!

Mein Körper manövriert sich gerade wieder in eine Krise!
Ich komm aus der Angst und Panik einfach kaum mehr raus.
Angefangen hat alles mit diesem Job, ich kann die Panik aber nicht abstellen.
Dabei muss ich den Job ja überhaupt nicht nehmen, aber alles in mir hat nur noch Panik.

Hilfe 😞
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