Ich wende mich heute an euch, weil sich meine psychische Situation in den letzten etwa zwei Wochen massiv zugespitzt hat und ich gerade sehr dringend Hoffnung und vielleicht auch Erfahrungen von anderen Betroffenen brauche.
Ich hatte bereits vor der Schwangerschaft psychische Probleme und in der Vergangenheit Panikattacken, schwierige familiäre Situationen und traumatische Erfahrungen. Trotzdem war ich ungefähr fünf Jahre lang stabil. Die Schwangerschaft mit meinem zweiten Kind war allerdings sehr turbulent und von sehr viel psychischem Stress begleitet.
Seit ungefähr zwei Wochen habe ich das Gefühl, dass plötzlich alles eskaliert. Ich habe zunehmend starke depressive Symptome: Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit, innere Leere und teilweise das Gefühl, überhaupt nichts mehr fühlen zu können. Besonders belastend ist für mich, dass ich dadurch teilweise kaum Freude an meinen Kindern empfinden kann oder mich im Umgang mit ihnen völlig überfordert fühle. Den Alltag bekomme ich gerade auch nicht mehr alleine bewältigt. Die Vorstellung wieder alleine zu sein und die Tagesstruktur zu gewährleisten, macht mich fertig.
Dazu kommen massive Ängste, die sich häufig aus stundenlangem Grübeln und starken Zwangsgedanken entwickeln. Ich habe teilweise aufdringliche Bilder oder Gedanken wie „Was wäre, wenn ich jetzt …?“ Diese Gedanken machen mir große Angst und sind absolut unerwünscht. Gerade weil ich meine Kinder über alles liebe und ihnen nur das Beste wünsche, erschrecken mich solche Gedanken umso mehr.
Was mich zusätzlich sehr belastet, ist ein Gedanke, für den ich mich unglaublich schäme: Ich habe mir beide Kinder sehr gewünscht. Ich habe eigentlich ein eher traditionelles Bild von Familie und habe mir gewünscht, eine Mutter zu sein, die möglichst viel zu Hause bei ihren Kindern ist. Gleichzeitig musste ich bei meinem ersten Kind aus finanziellen Gründen bereits nach etwa anderthalb Jahren wieder arbeiten gehen und werde auch beim zweiten Kind voraussichtlich nach anderthalb Jahren wieder arbeiten müssen. Eigentlich war das nie das Leben, das ich mir für mich vorgestellt habe.
Und jetzt frage ich mich in meinem aktuellen Zustand manchmal ernsthaft: Ist das überhaupt mein Leben? Bereue ich es, Mutter geworden zu sein? Bereue ich es, Kinder zu haben? Bereue ich, meine eigenen Kinder?
Diese Gedanken machen mir große Angst und ich schäme mich dafür. Gleichzeitig frage ich mich, ob es wirklich mein eigener Wunsch ist, der sich da gerade zeigt, oder ob meine Depression mir gerade die Vorstellung von Jahrzehnten voller Verantwortung so überwältigend und ausweglos erscheinen lässt.
Denn eigentlich wollte ich genau dieses Leben. Ich wollte meine Kinder. Ich wollte Familie. Und trotzdem fühlt es sich momentan teilweise so an, als würde ich vor meinem eigenen Leben stehen und nicht wissen, wie ich es schaffen soll.
Ich muss auch dazu sagen, dass ich seit der Geburt meines großen Sohnes die meiste Zeit allein mit den beiden Kindern bzw. mit ihm allein war und nie wirklich kontinuierliche Unterstützung hatte. Auch jetzt habe ich keine dauerhafte Entlastung im Alltag. Ich glaube, dass sich über die Jahre einfach unglaublich viel Erschöpfung angesammelt hat und jetzt mit der Geburt des zweiten Kindes alles zusammengebrochen ist.
Ich denke außerdem ständig über die Zukunft nach und frage mich: Wie soll ich das alles schaffen? Im Moment kann ich mir kaum vorstellen, meinen großen Sohn in den nächsten Monaten regelmäßig in den Kindergarten zu bringen und wieder abzuholen, Zeit mit ihm zu verbringen oder ihm gerecht zu werden. Gleichzeitig wird mein kleiner Sohn zunehmend anspruchsvoller und schreit mehr, und ich habe dann das Gefühl, dass ich keine Kraft, keine Motivation und keine Freude mehr habe.
Dann kommt sofort der nächste Gedanke: „Was stimmt nicht mit mir? Ich bin eine schlechte Mutter.“ Und genau dieser Gedanke macht wiederum die Angst und Verzweiflung noch schlimmer. Es entsteht ein richtiger Teufelskreis aus Grübeln, Angst, Zwangsgedanken, Überforderung und Schuldgefühlen.
Ich habe mir inzwischen Hilfe geholt. Mein Partner und meine Mutter unterstützen mich momentan sehr. Mein Partner wohnt normalerweise etwa eine Stunde entfernt und ist unter der Woche meistens nicht da, aber seit letzter Woche ist er bei mir und hilft mir. Außerdem habe ich eine Haushaltshilfe beantragt und bin in Psychotherapie.
Leider fühle ich mich bei meinem jetzigen Therapeuten bisher überhaupt nicht richtig aufgehoben. Ich hatte erst zwei Sitzungen, aber ich habe das Gefühl, dass er meine Situation nicht wirklich ernst nimmt und mich teilweise wertend anschaut. Mir fehlt momentan dieses Gefühl von Sicherheit und Verständnis. Auf meine Frage, was ich machen soll, wenn es mir im bevorstehenden Urlaub psychisch sehr schlecht geht, war seine Antwort beispielsweise nur, dass ich im schlimmsten Fall zurückfliegen und den Urlaub abbrechen könne.
Ich weiß natürlich, dass eine Therapie nicht nach zwei Sitzungen beurteilt werden kann. Trotzdem habe ich gerade große Zweifel, ob er der richtige Therapeut für mich ist. Ich glaube, dass ich mich bei einer Therapeutin möglicherweise besser aufgehoben fühlen würde.
Medikamentös nehme ich seit sechs Tagen Sertralin, aktuell noch 25 mg. Am Donnerstag soll ich auf 50 mg erhöhen. Ich weiß, dass die Wirkung nicht nach wenigen Tagen beurteilt werden kann, aber ich habe so große Angst, dass es bei mir nicht besser wird.
Was mich besonders verzweifeln lässt: Ich habe fast jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit ein massives Tief. Gegen Mittag, Nachmittag und teilweise abends kommen wieder starkes Grübeln, Ängste und Panik. In diesen Momenten denke ich dann: „Das wird nie wieder besser. Meine Motivation kommt nie zurück. Ich werde mich nie wieder normal fühlen.“
Ich lese deshalb regelmäßig Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen. Das hilft mir tatsächlich sehr, weil ich dort immer wieder lese, dass es besser werden kann und dass solche Zustände nicht für immer bleiben. Gleichzeitig brauche ich gerade einfach Menschen, die mir vielleicht aus eigener Erfahrung sagen können:
Kennt jemand diese extreme Verschlechterung in der Postpartum-Zeit?
Hatte jemand ebenfalls so starke Ängste, Zwangsgedanken, Leere und das Gefühl, seinen Kindern nicht mehr gerecht werden zu können?
Oder auch nichts zu fühlen?
Hat jemand ebenfalls zeitweise gedacht, das Leben als Mutter nicht mehr zu wollen oder die Mutterschaft zu bereuen, obwohl die Kinder absolut gewollt waren?
Und vor allem: Hat es bei euch wieder aufgehört? Wann habt ihr gemerkt, dass es langsam bergauf geht?
Ich wünsche mir gerade einfach ein bisschen Hoffnung von Menschen, die selbst einmal an diesem Punkt standen und heute wieder sagen können: „Ja, es wurde tatsächlich besser.“
Ich bin gerade einfach nur fertig und erschöpft und habe große Angst, dass dieser Zustand bleibt. Vielleicht brauche ich gerade einfach Menschen, die mir sagen können, dass ich mich nicht für immer so fühlen werde.