PPD ,Angstzustände, Zwangsgedanken

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Ramona_Maria89
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PPD ,Angstzustände, Zwangsgedanken

Beitrag von Ramona_Maria89 »

Hallo zusammen, ich bin 37 Jahre alt und habe zwei Kinder. Mein großer Sohn ist 5 Jahre alt, mein kleiner ist gerade 5 Monate alt.

Ich wende mich heute an euch, weil sich meine psychische Situation in den letzten etwa zwei Wochen massiv zugespitzt hat und ich gerade sehr dringend Hoffnung und vielleicht auch Erfahrungen von anderen Betroffenen brauche.

Ich hatte bereits vor der Schwangerschaft psychische Probleme und in der Vergangenheit Panikattacken, schwierige familiäre Situationen und traumatische Erfahrungen. Trotzdem war ich ungefähr fünf Jahre lang stabil. Die Schwangerschaft mit meinem zweiten Kind war allerdings sehr turbulent und von sehr viel psychischem Stress begleitet.

Seit ungefähr zwei Wochen habe ich das Gefühl, dass plötzlich alles eskaliert. Ich habe zunehmend starke depressive Symptome: Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit, innere Leere und teilweise das Gefühl, überhaupt nichts mehr fühlen zu können. Besonders belastend ist für mich, dass ich dadurch teilweise kaum Freude an meinen Kindern empfinden kann oder mich im Umgang mit ihnen völlig überfordert fühle. Den Alltag bekomme ich gerade auch nicht mehr alleine bewältigt. Die Vorstellung wieder alleine zu sein und die Tagesstruktur zu gewährleisten, macht mich fertig.

Dazu kommen massive Ängste, die sich häufig aus stundenlangem Grübeln und starken Zwangsgedanken entwickeln. Ich habe teilweise aufdringliche Bilder oder Gedanken wie „Was wäre, wenn ich jetzt …?“ Diese Gedanken machen mir große Angst und sind absolut unerwünscht. Gerade weil ich meine Kinder über alles liebe und ihnen nur das Beste wünsche, erschrecken mich solche Gedanken umso mehr.

Was mich zusätzlich sehr belastet, ist ein Gedanke, für den ich mich unglaublich schäme: Ich habe mir beide Kinder sehr gewünscht. Ich habe eigentlich ein eher traditionelles Bild von Familie und habe mir gewünscht, eine Mutter zu sein, die möglichst viel zu Hause bei ihren Kindern ist. Gleichzeitig musste ich bei meinem ersten Kind aus finanziellen Gründen bereits nach etwa anderthalb Jahren wieder arbeiten gehen und werde auch beim zweiten Kind voraussichtlich nach anderthalb Jahren wieder arbeiten müssen. Eigentlich war das nie das Leben, das ich mir für mich vorgestellt habe.

Und jetzt frage ich mich in meinem aktuellen Zustand manchmal ernsthaft: Ist das überhaupt mein Leben? Bereue ich es, Mutter geworden zu sein? Bereue ich es, Kinder zu haben? Bereue ich, meine eigenen Kinder? 😭

Diese Gedanken machen mir große Angst und ich schäme mich dafür. Gleichzeitig frage ich mich, ob es wirklich mein eigener Wunsch ist, der sich da gerade zeigt, oder ob meine Depression mir gerade die Vorstellung von Jahrzehnten voller Verantwortung so überwältigend und ausweglos erscheinen lässt.

Denn eigentlich wollte ich genau dieses Leben. Ich wollte meine Kinder. Ich wollte Familie. Und trotzdem fühlt es sich momentan teilweise so an, als würde ich vor meinem eigenen Leben stehen und nicht wissen, wie ich es schaffen soll.

Ich muss auch dazu sagen, dass ich seit der Geburt meines großen Sohnes die meiste Zeit allein mit den beiden Kindern bzw. mit ihm allein war und nie wirklich kontinuierliche Unterstützung hatte. Auch jetzt habe ich keine dauerhafte Entlastung im Alltag. Ich glaube, dass sich über die Jahre einfach unglaublich viel Erschöpfung angesammelt hat und jetzt mit der Geburt des zweiten Kindes alles zusammengebrochen ist.

Ich denke außerdem ständig über die Zukunft nach und frage mich: Wie soll ich das alles schaffen? Im Moment kann ich mir kaum vorstellen, meinen großen Sohn in den nächsten Monaten regelmäßig in den Kindergarten zu bringen und wieder abzuholen, Zeit mit ihm zu verbringen oder ihm gerecht zu werden. Gleichzeitig wird mein kleiner Sohn zunehmend anspruchsvoller und schreit mehr, und ich habe dann das Gefühl, dass ich keine Kraft, keine Motivation und keine Freude mehr habe.

Dann kommt sofort der nächste Gedanke: „Was stimmt nicht mit mir? Ich bin eine schlechte Mutter.“ Und genau dieser Gedanke macht wiederum die Angst und Verzweiflung noch schlimmer. Es entsteht ein richtiger Teufelskreis aus Grübeln, Angst, Zwangsgedanken, Überforderung und Schuldgefühlen.

Ich habe mir inzwischen Hilfe geholt. Mein Partner und meine Mutter unterstützen mich momentan sehr. Mein Partner wohnt normalerweise etwa eine Stunde entfernt und ist unter der Woche meistens nicht da, aber seit letzter Woche ist er bei mir und hilft mir. Außerdem habe ich eine Haushaltshilfe beantragt und bin in Psychotherapie.

Leider fühle ich mich bei meinem jetzigen Therapeuten bisher überhaupt nicht richtig aufgehoben. Ich hatte erst zwei Sitzungen, aber ich habe das Gefühl, dass er meine Situation nicht wirklich ernst nimmt und mich teilweise wertend anschaut. Mir fehlt momentan dieses Gefühl von Sicherheit und Verständnis. Auf meine Frage, was ich machen soll, wenn es mir im bevorstehenden Urlaub psychisch sehr schlecht geht, war seine Antwort beispielsweise nur, dass ich im schlimmsten Fall zurückfliegen und den Urlaub abbrechen könne.

Ich weiß natürlich, dass eine Therapie nicht nach zwei Sitzungen beurteilt werden kann. Trotzdem habe ich gerade große Zweifel, ob er der richtige Therapeut für mich ist. Ich glaube, dass ich mich bei einer Therapeutin möglicherweise besser aufgehoben fühlen würde.

Medikamentös nehme ich seit sechs Tagen Sertralin, aktuell noch 25 mg. Am Donnerstag soll ich auf 50 mg erhöhen. Ich weiß, dass die Wirkung nicht nach wenigen Tagen beurteilt werden kann, aber ich habe so große Angst, dass es bei mir nicht besser wird.

Was mich besonders verzweifeln lässt: Ich habe fast jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit ein massives Tief. Gegen Mittag, Nachmittag und teilweise abends kommen wieder starkes Grübeln, Ängste und Panik. In diesen Momenten denke ich dann: „Das wird nie wieder besser. Meine Motivation kommt nie zurück. Ich werde mich nie wieder normal fühlen.“

Ich lese deshalb regelmäßig Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen. Das hilft mir tatsächlich sehr, weil ich dort immer wieder lese, dass es besser werden kann und dass solche Zustände nicht für immer bleiben. Gleichzeitig brauche ich gerade einfach Menschen, die mir vielleicht aus eigener Erfahrung sagen können:

Kennt jemand diese extreme Verschlechterung in der Postpartum-Zeit?

Hatte jemand ebenfalls so starke Ängste, Zwangsgedanken, Leere und das Gefühl, seinen Kindern nicht mehr gerecht werden zu können?
Oder auch nichts zu fühlen?

Hat jemand ebenfalls zeitweise gedacht, das Leben als Mutter nicht mehr zu wollen oder die Mutterschaft zu bereuen, obwohl die Kinder absolut gewollt waren?

Und vor allem: Hat es bei euch wieder aufgehört? Wann habt ihr gemerkt, dass es langsam bergauf geht?

Ich wünsche mir gerade einfach ein bisschen Hoffnung von Menschen, die selbst einmal an diesem Punkt standen und heute wieder sagen können: „Ja, es wurde tatsächlich besser.“

Ich bin gerade einfach nur fertig und erschöpft und habe große Angst, dass dieser Zustand bleibt. Vielleicht brauche ich gerade einfach Menschen, die mir sagen können, dass ich mich nicht für immer so fühlen werde. ❤️
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Marika
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Re: PPD ,Angstzustände, Zwangsgedanken

Beitrag von Marika »

Herzlich Willkommen hier bei uns!

Vielen Dank für deine Geschichte, ich kann dich sehr gut verstehen. Mein Hauptsymptom waren aggressive Zwangsgedanken gegen mein Kind, Angst und Panikattacken.

Sehr gut, dass du bereits in Behandlung bist. Das Sertralin ist noch niedrig dosiert, daher merkst du auch noch nichts. Das wird schon noch ein bisschen dauern.

Auch ich habe damals ein ähnliches Medikament bekommen und eine Therapie begonnen. Es hat zwar gedauert, aber mit der Zeit wurde es besser und besser. Sehr wichtig war für mich auch die Unterstützung meiner Familie. Aber auch eine Haushaltshilfe ist sehr gut. Einige Betroffene hier haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Gerade mit 2 Kindern finde ich es ganz wichtig, dass da jemand ist, der für dich da ist.

Es ist völlig normal, dass es verschiedene Phasen am Tag gibt, das kennen hier die Allermeisten. Es schwankt hin und her. Das ist sehr kräftezehrend. Das wird aber besser, sobald das AD wirkt. Es dauert 2 bis 4 Wochen bis man erste mini Verbesserungen durch das AD merkt. Es braucht etwa 8 Wochen bis es das ganze Wirkungspektrum entfaltet hat und dann muss man schauen, welche Dosis passt. Man braucht also viel Geduld. Bei mir war es so, dass nach ich nach 12 Wochen erstmals kurz alleine sein konnte mit meinem Baby. Insgesamt war mein erstes Jahr nach Behandlungsbeginn eine große Herausforderung, weil gute und schlechte Phasen sich abwechselt haben. Man merkt aber trotzdem dass die Richtung Insgesamt stimmt, da die guten Phasen mit der Zeit immer länger und stabiler werden.

Du hast bereits alles richtig gemacht. Und ich bin mir sicher, dass es bald erste Verbesserungen gibt. Besonders wenn das AD dann erhöht wird.

Ich hoffe du fühlst dich hier wohl, frag alles was dir auf der Seele brennt! ❤️
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Ramona_Maria89
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Re: PPD ,Angstzustände, Zwangsgedanken

Beitrag von Ramona_Maria89 »

Liebe Marika, ich danke dor für deine Antwort. Ich merke, dass mir Zusprache und positive Beispiele von Betroffenen richtig gut tun. Die wirklich schlimmen Symptome dauern bei mor jetzt ca 2,5 Wochen, sertralin nehme ich nun seit acht tagen. Ich merke aber auch, dass sich etwas tut. Habe wieder "klarere" Momente, indenen ich denke, "hey, es ist doch alles nicht so aussichtslos" und dann wieder diese schweren Einbrüche gegen Nachmittag hin. Depressive Gedanken->Zwangsgedanken->Angstzustände->>> es wird niemals besser. Ich frage mich, werde ich jemals wieder so sein können wie vorher? Ganz normal mein Alltag mit meinen Kindern leben? Das ist meine größte Angst. Darf ich dich fragen, weil du sagst du konntest nach 12 Wochen erstmalig immer wieder kurz allein mit deinem Baby sein. Meinst du alleine, weil du es nicht ausgehalten hättest oder alleine den Alltag bewältigen? Und wie hast du das dann gemacht? Wer war die ganze Zeit bei dir? Ich bin morgens von ca 8:30 Uhr bis um 12 Uhr alleine mit dem Baby und das klappt eigentlich ganz gut. Ich könnte mir aber nicht vorstellen den ganzen Tag und schon gar nicht am Nachmittag wenn es mir immer so schlecht geht könnte mir auch nicht vorstellen, den Alltag der Kinder geradezu alleine zu regeln. Aber ich frage mich, wie lange soll das so gehen? Mein Umfeld kann ich auch nicht unbegrenzt beanspruchen. Das macht mir große Sorgen. Inzwischen weiß ich wieder, dass Zwangsgedanken nicht gefährlich sind. Ich hatte sowas schon mal in abgeschwächter Form vor einigen Jahren, da ging es mir schon schlecht, aber das ist damals mit heute nicht zu vergleichen. Aber ich musste auch damals lernen, dass das nur Gedanken sind, die nicht umgesetzt werden. Aber wenn man dann so drin ist bekommt man so Panik, und ich sag nur jetzt oft, ich will das nicht tun und ich werde es auch nicht tun, aber habe doch immer wieder noch die Angst die Kontrolle zu verlieren, weil ich einfach momentan mit der Situation überfordert bin. Ich verliere sehr schnell meine Nerven, was eigentlich voll untypisch für mich ist ist dass ich auch öfters schon laut geworden bin gegenüber mein größeren Sohn und ich habe ein Brettchen zerschlagen. Das macht mir richtig Angst. Wobei ich jetzt schon wieder etwas ruhiger bin, der bevorstehende Urlaub macht mir etwas sorgen aber ich sehe trotzdem auch als Chance. Und ich habe immer wieder kleine Lichtblicke. Mit meinem Therapeuten ist es nicht so gut muss ich sagen, er ist ein Mann und ich habe deshalb schon ein bisschen wenig Vertrauen zu ihm und auch im Gespräch kommt bei mir nichts wirklich an ich habe mir eine andere Therapeutin gesucht und auch bekommen, die hat allerdings nur alle zwei Wochen Zeit und auch nur für ein Jahr begrenzt. Ich hoffe das wird trotzdem was bringen. Aber sie wirkt wirklich extrem verständnisvoll und wohlwollend, bei ihr fühle ich mich sicher, bei ihm nicht wirklich. Ich habe so Angst verrückt zu werden und dass ich keine gute Mutter mehr für meine Kinder sein kann. Liebe Grüße
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Marika
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Re: PPD ,Angstzustände, Zwangsgedanken

Beitrag von Marika »

Guten Morgen!

Dass du schon kleine erste Lichtblicke merkst ist toll. Da kommt noch viel, viel mehr. Und dass du jetzt eine Therapeutin gefunden hast der du vertraust und dich wohl fühlst, ist auch wunderbar. Das Vertrauensverhältnis zwischen euch ist ja sehr wichtig. Ich hatte meine Therapie bei meinem Psychiater, also bei einem Mann ... aber es hat sehr gut gepasst. Machst du eine Verhaltenstherapie oder mehr tiefenpsychologisch? Ich hatte eine Kombination aus beidem: zuerst ein paar Sitzungen tiefenpsychologisch um zu schauen woher alles kommt, dann aber recht zügig Verhaltenstherapeutisch. Dort habe ich aktiv gelernt wie ich mit den ZG umgehen muss. Das hat mir sehr, sehr geholfen. Mein AD war Escitalopram das ebenfalls extrem dazu beigetragen hat wieder gesund zu werden.

Meine Erkrankung war so schwer, dass ich zunächst völlig unfähig war auch nur die kleinsten Dinge alleine zu machen... nicht mal duschen oder essen. Die aggressiven Zwangsgedanken gegen mein Baby und die Angst- und Panikattacken haben mich völlig gelähmt. Meine Familie hat sich abgewechselt: morgens waren meine Eltern bei mir, sie wohnten gleich nebenan. Nachmittags dann oft meine Tante, meine Cousinen haben den Kleinen oft für eine Runde im Kinderwagen abgeholt. Am Abend kam dann mein Mann bis morgens. Er war und ist selbständig, daher beruflich extrem eingespannt. Ich bin damals komplett zusammengebrochen, daher war es nötig, dass immer jemand bei mir war. In den ersten Wochen sah ich meinen Psychiater tatsächlich sogar 2x in der Woche. Ich wurde auf 3 Medikamente eingestellt, ein AD das schlafanstossend wirkt, ein AD dass speziell gegen die ZG, die Angst und Panik wirken sollte und ein starkes Beruhigungsmittel für die ersten Wochen, bis meine ADs angefangen haben zu wirken. Ich war in der ersten Zeit völlig gelähmt vor lauter Angst, die ZG auszuführen, denn so fühlen sich diese Biester ja leider an. Dass es aber nicht so ist, wusste ich dann zwar bald vom Verstand her, aber es sich auch zu verinnerlichen und zu fühlen war harte Arbeit in der Therapie. Nach etwa 3 Monaten haben wir angefangen, dass ich zuerst mal versuchte 1 Stunde alleine zu bleiben mit dem Baby, dann kam wieder jemand. Ich hätte aber immer sofort anrufen können, wenn es nicht gegangen wäre, dann wäre meine Mama sofort da gewesen. Wir haben also richtig trainiert. Das alles unter der Anleitung meines Psychiaters. Bald konnte ich dann schon jeden Morgen alleine meistern und habe mir angewöhnt mit dem Kleinen raus unter Leute zu gehen. Da habe ich sogar andere Mama kennen gelernt und diese Freundschaft bestehen zum Teil bis heute. Ein straffer Tagesplan, den ich jeden Vorabend schreiben musste, hat ebenfalls geholfen. Du siehst: Schritt für Schritt musste ich mich da wieder raus wurschteln.

Ich musste gerade schmunzeln: ich bin zwar introvertiert, sensibel, eher zurückhalten und kann nicht mal einer Fliege was zu leide tun... ich kann daneben aber echt auch ungestüm und aufbrausend sein. Bei mir ist auch schon mal eine Tasse an der Wand gelandet ...😅 Das ist kein Widerspruch zu den ZG, sondern logisch wenn man es näher betrachtet. Wir mit ZG haben oft sehr hohe moralische Ansprüche, möchten nie unangenehm auffallen, sagen viel zu selten "nein" wenn man unsere Grenzen überschreitet. Das alles schlucken wir quasi runter...aber irgendwann muss das raus... so wurde mir das erklärt. Also ist ein Schlüssel für mich gewesen, zu lernen meine Grenzen klar abzustecken, zu lernen nein zu sagen usw...

Du wirst auf jeden Fall wieder deinen ganz normalen Alltag leben können. Allerdings wird auf dem Weg dahin sicher der ein oder andere Knackpunkt auftauchen, denn man lösen muss. Ich empfinde mich als "Neue Marika" ich bin heute gesünder und stärker als vor der Krise... vor allem selbstbewusster, ich stecke meine Grenzen heute sehr straff und sage oft nein. Ich habe gelernt meine Bedürfnisse und Wünsche zu sehen und die Rücksichtnahme darauf von meiner Umwelt einzufordern.

Wie sieht es bei dir aus, wie würdest du dich charakterisieren?
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
alibo79
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Re: PPD ,Angstzustände, Zwangsgedanken

Beitrag von alibo79 »

Auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. Marika hatte ja schon ganz viel geschrieben und ich kann mich in vielen Dingen anschließen. Auch ich bin zweimal sehr schwer krank gewesen und trotz dieser beiden sehr schweren Episoden, bin ich wieder in die Stabilität gekommen und kann meinen Alltag nachgehen und mein Leben genießen. Meine Kinder sind inzwischen schon größer, aber auch jetzt habe ich Tage, an denen ich mal aus der Haut fahre, weil ich das x te mal sagen muss, dass die Schuhe weggepackt werden, dass sie brotdosen aus dem Ranzen kommen oder auch einfach die Wäsche ins Zimmer gebracht wird. Wenn das dann über Tage geht und ich Dinge zehn mal sagen muss bis meine pubertiere das erledigen, werde ich auch schon mal laut. Obwohl ich sonst auch ein eher ganz sanftes Wesen bin, dass Konflikten lieber aus dem Weg geht und schnell mal klein bei gibt.
Als meine Kinder klein waren, war es nicht anders. Sie haben mich manchmal bis zur weißglut gebracht. Und gerade wenn man krank ist und dadurch die Kapazitäten nicht sehr groß sind, kommt man einfach schnell an die Grenzen. Deswegen ist es gut sich jede Unterstützung zu holen, die man bekommen kann und vor allen Dingen Pausen für sich selber einzubauen.
Ein Therapeut oder eine Therapeutin, bei der man sich sicher aufgehoben fühlt, ist sehr viel wert. Ich hatte auch einen Mann als Therapeuten. Trotzdem konnte ich mich da doch sehr fallen lassen und er war ein bisschen wie ein elternersatz in der Zeit, in der ich sehr sehr krank war. Denn auch bei mir gab es in der Vergangenheit schwierige Situationen und Umstände in unserer Familie und mir fehlte manchmal ein Elternteil, was wirklich da ist und mir auch Sicherheit gibt. Gerade in der Zeit, wo ich sehr instabil war, kam ich mir vom Gefühl her oft wie ein kleines Kind vor, was in der großen weiten Welt völlig überfordert ist und überhaupt keinen sicheren Hafen mehr hatte.
Wir haben viel tiefen Psychologie gemacht um zu schauen woher meine ganzen Gefühle kommen und auch warum ich so bin wie ich bin und warum ich in manchen Situationen so reagiere.
Auch wie bei dir sind bei mir schon viele Jahre psychische Erkrankungen vorhanden. Eigentlich schon seit meiner Kindheit und auch bei uns ist in der Familie eine genetische Disposition da. Aber trotzdem kann man einen Weg finden, damit zu leben und vor allen Dingen ein gutes Leben führen.
Melde dich gerne, wenn du etwas auf den Herzen hast
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
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