Derealisation nach der Geburt

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Mamasein
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Derealisation nach der Geburt

Beitrag von Mamasein »

Hallo ihr Lieben,

Gibt es hier im Forum vielleicht jemanden der ebenfalls Erfahrungen mit Derealisation/ Dissozation nach der Geburt gemacht hat? Ich fühle mich mit diesem Thema unglaublich einsam, da ich nirgendwo bisher dazu etwas gelesen habe. Die Geburt meiner Tochter ist jetzt fast 1 Jahr her und ich hatte vor der Schwangerschaft schon lange mit revidierenden Depressionen zu tun, war 1 Jahr lang stabil und habe sogar meine Therapie nach 4 Jahren erfolgreich abgeschlossen. Unser Kinderwunsch war sehr schwierig, ich hatte 10 aufeinanderfolgende Abgänge / sehr frühe Fehlgeburten und als es dann geklappt hat war ich einfach nur voller Sorge und in der Erwartung meine Tochter jederzeit verlieren zu können. Ich glaube bereits dort hat sich bei mir im Kopf etwas getan und ich habe mich innerlich von der Schwangerschaft distanziert.. ich wollte die Schwangerschaft auch ganz zwanghaft vor jedem außer meinem Mann geheimhalten- aus Angst dass jemand es mitbekommen würde, wenn ich mein Baby verliere. Meine Geburt verlief für mich sehr traumatisch und ganz anders als geplant. Ursprünglich wollte ich im Hebammenkreißsaal ohne jegliche Interventionen entbinden - am Ende wurden es 26 Stunden Wehen, Wehenstürme mit nur wenigen Sekunden Wehenpausen, einer unglaublich unempathischen Hebamme welche mich allein ließ und schlecht behandelte und final nach viel Tortur ein sekundärer eiliger Kaiserschnitt. Als meine Tochter geholt und mir gezeigt wurde, habe ich sie nicht als mein Kind erkannt. Ich habe darüber natürlich kein Wort vor den Ärzten verloren, aber ich habe mir gedacht - nein dass ist nicht mein Kind. Meine Tochter kam unerwartet groß und fast 4kg schwer zur Welt. Ich bin sehr klein und zierlich, mein Mann ist ebenfalls schlank und auch nicht sonderlich groß. Das hat irgendwie zusätzlich dazu geführt dass ich sehr verwirrt war (Schwangerschaftsdiabetes hatte ich nicht). Im Wochenbett hatte ich eine Wochenbettdepression. Ich habe mich mit der Mutterrolle überfordert gefühlt, wollte weglaufen, hatte das Gefühl meine Tochter braucht mich sowieso nicht. Aber über all diesen Themen schwebte das Gefühl "Ich bin keine Mutter", "Ich kann nicht realisieren dass ich Mutter bin und dass meine Tochter ein Mensch ist". In meinem Kopf hat es bis heute nicht Klick gemacht, dass meine Tochter echt und real ist. Ich habe so eine starke innere Distanz zu ihr als würde mich etwas davon abhalten es wirklich emotional zu realisieren. Rational weiß ich natürlich dass ich schwanger war, sie auf die Welt gebracht habe und ich dadurch ihre Mutter und sie meine Tochter ist. Aber emotional ist alles blockiert und es fühlt sich unwirklich an. Hinzu kommt, dass ich emotional generell komplett taub bin. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Gefühle empfinde und zb meine Tochter liebe, aber ich kann es nicht spüren oder bewusst wahrnehmen. Ich bin seit 5 Monaten wieder in Therapie, um das zu bearbeiten aber es tut sich bisher überhaupt nichts. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als dass es Klick macht und ich meine Tochter als echten Mensch erkenne, als meine Tochter und dass ich irgendwann diese Mutterliebe auch spüren kann. Aktuell ist jeder Tag einfach nur ein Durchhalten und wie eine To-Do Liste die ich aus Verantwortungsgefühl abarbeite. Ich weiß rational, dass ich diese ganzen Dinge wie Kuscheln, Stillen, Spielen, Trösten aus Liebe tun muss, weil ich es jeden Tag immer wieder von Vorne mache und für meine Tochter durchhalte. Aber es fühlt sich so erdrückend an, alles zu tun und es "richtig" zu machen aber es nicht "richtig" zu fühlen und zu realisieren. Gibt es jemanden der das nachvollziehen kann oder dem es ähnlich ging? Was hat euch geholfen? Wann wurde es besser?
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Marika
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Re: Derealisation nach der Geburt

Beitrag von Marika »

Ein Liebes Hallo!

Vieles von dem was du schreibst habe ich ähnlich erlebt. Eine sehr lange Geburt, ein Kaiserschnitt, eine nicht gerade einfühlsame Hebamme. Das Gefühl als man mir meinen Sohn zeigte: Das kann nicht mein Kind sein. Die Tage und Wochen danach waren dann so, als müsste ich diese wichtige Aufgabe sehr gut erledigen, aber Gefühle hatte ich keine... nicht mal einen Babyblues. Es war so unwirklich. Nach 5 Wochen allerdings brach der Tsunami über mich herein: schreckliche Zwangsgedanken, Angst und Panikattacken. Auch ich bin vorbelastet.

Ich bin dann sehr schnell Gott sei Dank bei einem sehr guten Psychiater gelandet. Der hat mich medikamentös eingestellt und ich habe eine Therapie begonnen. Mein Weg war ein langer. Allerdings waren die ersten kleinen Erleichterungen dann nach ein paar Wochen mit Medikamenten. Die haben bei mir sehr gut angeschlagen, aber sie brauchen Zeit um richtig zu wirken. Ich musste mich langsam mit ganz viel Unterstützung von meiner Familie Schritt für Schritt wieder ins Leben kämpfen. Das erste Jahr ab Behandlungsbeginn war eine enorme Herausforderung, weil ich dann schon gute Phasen hatte aber auch noch Tiefs. Das ist im Verlauf zwar normal, aber mühsam.

Ich lese in deinem Beitrag nichts von Medikamenten. Ist das schon mal angesprochen worden, da 5 Monate Therapie noch nichts gebracht haben? ❤️
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Nat86
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Re: Derealisation nach der Geburt

Beitrag von Nat86 »

Liebe Mamasein,

es tut mir leid, dass Du so einen schweren Weg hattest. Ich hatte „nur“ eine Fehlgeburt vor meiner Tochter und war dadurch schon verunsichert in der Schwangerschaft mit meiner Tochter. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie das für dich gewesen sein muss. Ich hatte nicht mit Derealisation zu tun, aber ich kenne die tauben Gefühle und die daraus resultierenden Schuldgefühle sehr gut. Bei mir lag es an der schweren Depression, die alle positiven Emotionen erstickte. Erst nach dem 1. Geburtstag meines Kindes als es mir wieder besser ging, kamen die Gefühle für mein Kind und wuchsen stetig. Trotz unserer sehr schwierigen Anfangszeit aufgrund meiner Krankheit haben wir eine sehr gute Bindung und ich bin ihre Nr. 1 Bezugsperson. Sie ist heute 4,5 Jahre alt.

In der Krankheit war mir meine Tochter häufig lästig, weil ich mit mir selbst nicht klarkam und jeder Tag ein Kampf für mich war. Dennoch war ich immer gut zu ihr, auch wenn mir alles schwerfiel. Alle haben mir gesagt, dass ich eine gute Mutter bin, aber ich tat alles aus Verantwortungsbewusstsein und weil sie mir leid tat, nicht weil ich sie liebte. Denn dazu war ich damals gar nicht fähig.

Solange du dein Kind zugewandt und angemessen behandelst, machst du nichts falsch. Medien etc. bedienen das Narrativ, dass die Mutter ihr Baby vom 1. Augenblick an liebt, aber so ist es nicht immer, auch nicht bei gesunden Müttern. Die Liebe wächst und das wird sie auch bei Dir, wenn es dir wieder besser geht.

Ich habe nicht rauslesen können, wie du dich sonst fühlst? Kannst du Freude empfinden? Wie bewertest du deine aktuelle Situation. Nimmst du Medikamente?

LG,
Nat
Viele Grüße von Nat
Made1003
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Re: Derealisation nach der Geburt

Beitrag von Made1003 »

Hey liebes, ich kann dir auch sagen wo mein Nervensystem im Alarm war ging es mir genauso also vieles was du beschreibst habe ich auch so erlebt ich konnte nix empfinden für mich war auch einfach nur jeden Tag durchhalten und funktionieren ohne Gefühle ohne Nix ich fande das so schlimm meine Tochter kam mir auch fremd vor und manchmal kamen so schlimme Gedanken wie meine Tochter ist nicht mein Kind und mein Sohn ist nicht mein Sohn oder mein Mann ist nicht mein Mann oder sie sind alle Monster ganz ganz schlimm ich wusste das alles ist nicht real aber trotzdem hatte ich so schreckliche Angst ganz schlimm und ich habe meine Umgebung und alles andere als unreal gesehen ganz schlimm wirklich :(
Mamasein
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Re: Derealisation nach der Geburt

Beitrag von Mamasein »

Marika hat geschrieben: 17:09:2026 6:43
Hallo, lieben Dank für deine Antwort!
Medikamente nehme ich keine und bisher wurde es auch noch nicht wieder angesprochen. Ich habe viele Vorerfahrungen mit Medikamenten - insgesamt habe ich 5 verschiedene Medikationen verschrieben bekommen. Die einen habe ich länger eingenommen, die anderen wegen Nebenwirkungen nur kurz. Ich habe keins der Medikamente wirklich gut vertragen bzw. auch keinen wirklichen positiven Effekt gehabt und habe aufgrund dessen echt Angst vor einer neuen Medikation und vor allem vor den möglichen Nebenwirkungen..
Mamasein
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Re: Derealisation nach der Geburt

Beitrag von Mamasein »

Nat86 hat geschrieben: 17:09:2026 10:05 Ich habe nicht rauslesen können, wie du dich sonst fühlst? Kannst du Freude empfinden? Wie bewertest du deine aktuelle Situation. Nimmst du Medikamente?

LG,
Nat
Hallo, lieben Dank für deine Worte und deine Erfahrungen. Wie schön zu lesen, dass es besser geworden ist!

Bei mir sind alle Emotionen wie ausgeschaltet. Wenn ich etwas spüre dann ist es primär Wut oder Trauer, wenn ich mal Freude empfinde dann ist es für eine kleine Sekunde und sofort ist es wieder vorbei. Ich kenne das aus früheren Zeiten schon von mir und ich halte das einfach durch und warte darauf, dass es wieder besser wird. Noch nie hatte ich aber so einen starken Leidensdruck wie jetzt, weil ich mir so sehr wünsche Liebe für meine Tochter zu spüren und mich über sie zu freuen und aus den positiven Gefühlen wieder Kraft zu schöpfen für alle anstrengenden Momente wie die schlaflosen Nächte oder das Zahnen. Aktuell fühlt sich alles einfach nur anstrengend an ohne "Gegenleistung" durch die Emotionen die man dabei empfinden soll. Dazu habe ich solche Schuldgefühle, weil ich keine Gefühle für meine Tochter habe und zb nicht Mitleid mit ihr habe, wenn sie weint. Ich denke mir oft, dass sie das nicht verdient hat und sie eine Mutter verdient hätte die sie liebt anstatt mich. Ich mache alles für sie und habe mein gesamtes Leben 24/7 auf sie und ihre Bedürfnisse ausgerichtet, ich lasse sie nie weinen und reagiere sofort, weil ich weiß dass es wichtig ist und weil ich ihr nicht schaden will. Aber ich tue es aus purer Verantwortung.
Medikamente nehme ich keine, durch meine Vorerfahrungen damit habe ich echt Sorge und Angst davor mich wieder einstellen zu lassen..
Mamasein
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Re: Derealisation nach der Geburt

Beitrag von Mamasein »

Made1003 hat geschrieben: 17:09:2026 20:20 Hey liebes, ich kann dir auch sagen wo mein Nervensystem im Alarm war ging es mir genauso also vieles was du beschreibst habe ich auch so erlebt ich konnte nix empfinden für mich war auch einfach nur jeden Tag durchhalten und funktionieren ohne Gefühle ohne Nix ich fande das so schlimm meine Tochter kam mir auch fremd vor und manchmal kamen so schlimme Gedanken wie meine Tochter ist nicht mein Kind und mein Sohn ist nicht mein Sohn oder mein Mann ist nicht mein Mann oder sie sind alle Monster ganz ganz schlimm ich wusste das alles ist nicht real aber trotzdem hatte ich so schreckliche Angst ganz schlimm und ich habe meine Umgebung und alles andere als unreal gesehen ganz schlimm wirklich :(
Hey, dankeschön für deine Erfahrungen. Wie geht es dir mittlerweile? Ist es besser geworden? Ist es einfach von alleine weggegangen oder hat dir etwas bestimmtes geholfen, damit die Gedanken verschwunden sind?
Made1003
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Re: Derealisation nach der Geburt

Beitrag von Made1003 »

Also ich bin seit zwei Monaten in einer Mutter Kind Tagesklinik das hat mir schon sehr geholfen und ich nehme setralin 200mg hat mir auch sehr geholfen also mein Nervensystem war echt Extrems überfordert ich konnte nicht mehr ich dachte wirklich ich werde verrückt. Also mir geht’s jetzt nicht zu 100% gut Ängste habe ich immer noch oft auch ne innere Unruhe und auch zwangsgedanken habe ich auch noch aber diese Derealisation habe ich jetzt nicht mehr gehabt seitdem ich in der Klinik bin und das setralin angefangen habe… Ich hatte aber noch 2 Wochen Tavor also 0,5 einmal am Tag das hat mir auch sehr geholfen das mein Nervensystem einfach mal runterkommt…
alibo79
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Re: Derealisation nach der Geburt

Beitrag von alibo79 »

Ein herzliches hallo, auch von mir hier im Forum .
Das was du beschreibst kennen ganz viele Frauen hier. Auch bei mir war es damals so, dass es eigentlich nur noch Trauer und hoffnungslosigkeit gab. Ein Gefühl von Freude war überhaupt nicht mehr vorhanden. Erst nach Wochen konnte ich hier und da mal ein Hauch von Freude spüren, die aber gleichzeitig auch immer noch mit Trauer und einem kloß im Hals überlagert wurde. Das waren manchmal ganz eigenartige Empfindungen. Wenn ich über etwas gelacht habe, weil es ja eigentlich lustig war, aber trotzdem dabei eine tiefe Trauer empfunden habe.
Auch bei mir war es so, dass ich meine Kinder irgendwie versorgt habe, weil es in meiner Verantwortung lag, dass sie essen bekommen gewickelt werden in den Schlaf begleitet werden. Aber auch ich habe das alles nur gemacht, weil es eben gemacht werden musste. Es hat sich aber für mich wie eine riesige last angefühlt und eigentlich wollte ich nur noch ganz alleine sein, mich um keinen kümmern müssen und mir die Decke über den Kopf ziehen.
Bei mir hat es auch eine ganze Zeit lang gedauert, bis es langsam besser wurde, aber es ist besser geworden und die schönen Gefühle sind wieder gekommen und auch die Freude an den Kindern. Es ist natürlich im Eltern sein, nicht immer alles rosarot sondern es gibt Momente voller Liebe. Aber es gibt genauso Momente voller Wut genervt sein eigene Bedürfnisse, die nicht erfüllt werden, und eine aneinanderreihung von Aufgaben für die Familie.
Meine Kinder sind schon größer und gerade jetzt bin ich ganz alleine zu Hause, weil alle unterwegs sind. Und ich muss dir sagen. Ich genieße die Ruhe gerade sehr.
Du hattest einen sehr schwierigen weg mit den vielen fehlgeburten und einer anstrengenden Geburt, die hinter dir liegen. Das hat mit Sicherheit Spuren hinterlassen und auch wenn euer Kind ein riesiges wunschkind ist, dürfen auch Gefühle da sein, die man vielleicht nicht so erwartet hat.
Magst du von deinen vorherigen Depression erzählen und warum du bisher keine Medikamente nehmen möchtest?
Ich habe auch eine lange Liste an psychischen auffälligkeiten hinter mir. Bereits in der Kindheit gab es Ängste und auch später in der Pubertät Zeiten, die an leichte Depressionen erinnern neben diversen anderen Dingen. Trotzdem ist es mir möglich heute ein gutes Leben zu führen. Und das wird es auch bei dir wieder geben. Aktuell ist es schwierig und eine prostatale. Depression ist auch oft sehr hart, aber auch du wirst da rauskommen!!
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
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