Belastungserprobung - Erfahrungen!

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Sarah388
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Belastungserprobung - Erfahrungen!

Beitrag von Sarah388 »

Hallo Zusammen,

Ich bin gerade wieder in der Klinik nach einem sehr schwierigen Wochenende. Ich hatte viele Angstgedanken, dass ich mich nie an dieses neue Leben mit Baby gewöhnen kann. Dann waren wir noch auf einem Geburtstag, bei dem ich versucht habe, so zu tun als gehe es mir gut. Dass ich fast die ganze Zeit Panik hatte, muss ich wohl nicht erklären :,-(

Ich bin jetzt seit 6 Wochen stationär und es gibt immer noch viele Rückschritte, was mir total Angst macht. Gerade die Wochenenden sind oftmals schwierig für mich. Wird das jemals besser?

Letzte Woche wurde bei mir das Quetiapin erhöht, ich schlafe jetzt auch wie ein Stein (nehme es abends und dazu Mirtazapin), aber tagsüber kommen die blöden Gedanken, Zweifel und Ängste.
alibo79
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Re: Belastungserprobung - Erfahrungen!

Beitrag von alibo79 »

Hey Sarah,
Ja, das wird alles besser werden. Auch du wirst aus diesem noch rauskommen. Es wird wahrscheinlich einfach noch ein bisschen Zeit brauchen denn eine post partale Depression ist eine schwere Erkrankung. Du hattest ja auch schon früher Depressionen und Episoden gingen die nie so lange. Warst du da sehr schnell wieder stabil gewesen?
Du musst bedenken, dass du ja jetzt mit Kind in einer ganz neuen Situation bist und auch deine Hormone sich erstmal einspielen müssen.
Die Wochenenden waren für mich auch sehr lange eine große Herausforderung. Für normale Rhythmus im Alltag fällt weg. Man hockt alle zusammen und geht sich auf die Nerven. Und es war auch bei mir, so dass ich das permanent bereit stehen für die Kinder extrem anstrengend fand. Was genau fällt dir aktuell an den Wochenenden schwer? Kannst du genau sagen, was dir Angst macht? Oder ist es diese allgemeine Angst, die einen bei Depressionen sehr schnell im Griff hat? Die eigentliche kann ich erklärbar ist und hauptsächlich durch den ganzen gedankenstrudel im Kopf entsteht.
Wenn ich an die Wochenenden bei mir zurück denke und was mir da besonders schwer gefallen ist, war wirklich diese Spagat zwischen den eigenen Bedürfnissen nach Ruhe und Pause Stille und abgeschiedenheit und dann zu der krasse Kontrast, dass die Kinder bespaßung wollten, Essen gemacht werden musste und man irgendwie zusammen den Tag rumkriegen sollte.
Mir hat es am Wochenende geholfen. Struktur einzuführen. Daran konnte ich mich gut orientieren und wusste z.b, dass ich bis mittags durchhalten muss und dann gibt es eine ausgiebige mittagspause und danach war ich dann wieder für eine gewisse Zeit etwas belastbarer, aber gerade am Anfang die ersten Wochen war es eigentlich immer ein harter Kampf.
Und du kannst dir überlegen, ob du solche Sachen wie eine geburtstagsfeier oder irgendwelche Verabredungen, die dir nicht gut tun. Einfach auch mal ab sagst, sowas muss im Moment nicht sein, wenn es dir nicht gut geht. Ich denke dein ganzes Umfeld weiß ja, dass du krank bist und sollte dafür auch Verständnis haben.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
Sarah388
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Re: Belastungserprobung - Erfahrungen!

Beitrag von Sarah388 »

Huhu,

Es ist eine diffuse Angst vor allem. Ich fühle mich einfach dem Alltag gegenüber nicht gewappnet und habe so Angst, dass das gar nicht mehr besser wird.

Frühere Episoden dauerten auch mal ein halbes Jahr oder länger, aber waren gefühlt nicht so hartnäckig und schlimm.

Ich werde natürlich auch unsicherer im Umgang mit dem Kleinen, aber ich habe oft einfach keine Kraft. Gefühlt werden alle nach und nach hier entlassen und bei mir ist es noch lange nicht gut und das macht mir total Sorgen :,-(
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Marika
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Re: Belastungserprobung - Erfahrungen!

Beitrag von Marika »

Hallo Sarah!

Wenn ich an meine ersten 6 Wochen nach Behandlungsbeginn denke: mein AD wurde gerade erhöht, ein anderes weg gelassen und mein Notfallmedikament ausgeschlichen. Es war immer jemand bei mir - 24 Stunden. Alleine ging gar nichts. Die Angst und die Zwangsgedanken waren noch zu heftig. Die ersten 3 Monate ging es genau so. Erst danach versuchten wir langsam auch kleine Abschnitte einzubauen, die ich alleine mit dem Baby versuchte zu meistern.

Gerade die Wochenenden waren immer eine Herausforderung. Da ging es mir meist schlechter als unter der Woche. Denn am WE fehlt tatsächlich die Struktur und auch die Vorhersehbarkeit, was einem ja etwas mehr Sicherheit gibt. So habe ich es empfunden. Unter der Woche konnte ich mir Tagespläne schreiben, ich wusste was nacheinander ansteht. Am Wochenende war ich ständig in der Schwebe, das hat mir Angst gemacht und die Symptome verschlimmert.

6 Wochen sind noch so kurz, das braucht einfach noch Zeit. Auch bis die Medikamenten Erhöhungen gut greifen. Es geht in kleinen Schritten vorwärts, schau du kannst wieder schlafen... das ist ein Meilenstein auf dem das ganze System aufbaut.

Wie Alibo schreibt: eine PPD ist eine schwere Erkrankung. Dazu kommt die Hormonelle Komponente, eine Geburt die eine absolute Grenz Erfahrung ist, das Baby dass das eigene Leben völlig verändert. Keine andere Psychische Erkrankung hat so gravierende und einschneidende Aspekte. Bitte halte dir das vor Augen, eine PPD braucht Zeit, Geduld und ganz viel liebevolle Unterstützung.

Du schaffst das, gib dir Zeit! ❤️
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
alibo79
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Re: Belastungserprobung - Erfahrungen!

Beitrag von alibo79 »

Bei meiner PPD war ich ca. 6 Monate in einer tagesklinik und zu dem Zeitpunkt war ich ja vorher auch schon krank gewesen. Es hat bei mir doch einige Wochen gedauert, bis ich im Alltag so halbwegs klar gekommen bin. Das heißt aber nicht, dass es mir da gut ging, sondern es war nicht mehr so völlig vernichtend wie am Anfang. Auch ich kenne dieses Gefühl, dass alle um mich herum in der Klinik entlassen werden, nur ich bleibe zurück. Das hat einerseits Angst in mir ausgelöst, dass ich unverhofft sehr schnell entlassen werde und es mir zu dem Zeitpunkt ja noch überhaupt nicht gut ging. Dann hatte ich Angst, dass ich der einzige hoffnungslose Fall bin, weil alle anderen ja viel schneller genesen. Und drittens hat das Angst in mir ausgelöst. Weil vertraute Personen aus der Klinik auf einmal weg waren und allein. Das hat schon wieder Unruhe in mir ausgelöst und Angst, weil eine vertrauensebene gefühlt wieder weggebrochen ist.
Auch mir hat lange Zeit die Kraft gefehlt um für die Kinder zu sorgen. Ich hatte sechs Monate oder länger eine haushaltshilfe und meine Eltern haben mich unterstützt. Später habe ich meine Kinder mehr in betreuungseinrichtungen gelassen, als ich das eigentlich gewollt habe, aber es war für den Moment das richtige für mich, um weiterhin zu Kräften zu kommen.
Ich hatte nach der postpartalen Depression, eine weitere depressive Episode, nachdem ich meine Medikamente abgesetzt habe. Die fühlte sich auch anfänglich echt schrecklich an. Aber viel war dadurch begründet, dass ich einfach wusste, wie schrecklich eine schwere Depression ist und ich dachte, dass ich das nicht noch einmal durchstehe. Aber auch hier bin ich wieder rausgekommen und mein Mann als außenstehende Person sagte mir mal, dass ich für ihn doch besser dadurch gekommen bin, weil ich wusste wie es funktioniert. Du schreibst ja, dass du schon eher Depressionen gehabt hast und auch wieder rausgekommen bist. Kannst du dich noch erinnern, was dir zu dem Zeitpunkt geholfen hat? Kannst du ähnliche Mechanismen der selbsthilfe auch jetzt anwenden?
Hast du für dich schon was rausgefunden, was dir gut tut, was dir die Ängste nimmt und womit du wieder deine Akku auffüllen kannst?
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Sarah388
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Re: Belastungserprobung - Erfahrungen!

Beitrag von Sarah388 »

Also das ist auch etwas, was mir total Angst macht. Damals bin ich nach der Trennung von meinem Exfreund wieder vorübergehend bei meinen Eltern eingezogen und hatte mein Studium abgeschlossen, aber noch keinen Job.

Besser wurde es dann erst als ich mir wieder eine eigene Wohnung gesucht und einen Job begonnen hatte.

Ich hab jetzt natürlich total Angst, dass es wieder so gravierende Änderungen bedarf, um mir wieder gutzugehen :,-(

Dass ich es nie schaffe, für meinen Sohn da zu sein, obwohl wir ihn uns so gewünscht haben.

Ich schaffe es gerade auch gar nicht groß, mich um die Beziehung zu meinem Mann zu kümmern, weil ich so mit mir beschäftigt bin. Dabei war vor der Geburt alles gut und wor haben uns so auf den Kleinen gefreut. Ich verstehe mich selbst nicht mehr und das macht mich total fertig :-(
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Marika
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Re: Belastungserprobung - Erfahrungen!

Beitrag von Marika »

Liebe Sarah!

Diese Erkrankung verändert für eine bestimmte Zeit alles, es darf und muss jetzt ausschließlich um dich gehen. Du bist in Behandlung, die Medikamente brauchen aber Zeit, die musst du dir unbedingt geben.

Auch ich bin damals ganz schwer erkrankt, ich hatte abgeschlossen und war überzeugt, ich würde für immer "weg gesperrt" werden. Mein Sohn hatte ich gedanklich schon meinen Eltern übergeben und meinen Mann sah ich schon die Scheidung einreichen. Nichts davon ist eingetreten, sondern ich wurde Schritt für Schritt gesund. Uns als Familie hat offene Kommunikation und Information über die Erkrankung geholfen.

Diese drastischen Maßnahmen von damals werden nicht eintreten, du bist in besten Händen und wirst gesund werden! ❤️
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Belastungserprobung - Erfahrungen!

Beitrag von alibo79 »

Erstmal brauchst du im Moment dich, um gar keine Beziehung zu kümmern. Außer um die Beziehung zu dir selbst. Du bist schwer krank geworden und es muss sich um dich gekümmert werden und du bist diejenige die aktuell liebevolle Pflege braucht. Natürlich muss sich um euren Sohn gekümmert werden. Das ist ganz klar, aber du darfst dich jetzt erstmal in den Vordergrund stellen.
Auch bei mir war es so, dass mein Mann sich erstmal liebevoll um mich kümmern musste, bis ich soweit war, dass ich genügend Kapazitäten hatte auch wieder Liebe zurückzugeben.
Und natürlich gaukelt dir die Depression vor, was alles schlimmes passieren kann und sieht überall die großen Probleme und alles schwarz. Ich glaube ganz viele deiner Ängste und Gedanken entstehen Aus dieser verzehrten sichtweise die einen die Depression einredet. Bei meiner zweiten Episode war es genau dasselbe. Ich wusste, was ich damals durchmachen musste, als ich an der postparteien Depression erkrankt bin. Und genau darin hat sich die erneute Episode und die Depression festgebissen und das war ein ganz großer Punkt, wo meine Ängste immer wieder genährt worden. Je stabiler, ich wurde und je mehr sich die Depression gelichtet hat , ich gute Erfahrungen machen durfte, habe ich gemerkt, dass ich stärker bin, als sie Depression und auch wie verzerrt sie mich denken lässt. Bei dir projiziert die Depression ihre Ängste auch auf die vergangenen Erfahrungen, die du gemacht hast. Sie redet dir ein, dass du tiefgreifende Veränderung machen musst, um gesund zu werden. Aber das ist in den seltensten Fällen so. Und ich habe so viele Frauen hier kennengelernt, da brauchte es einfach Zeit. Geduld, Medikamente, Therapie und ganz viel selbstfürsorge und selbstliebe und wieder langsam gesund zu werden.
Das wird alles bei dir auch wieder kommen. Da bin ich mir wirklich sehr, sehr sicher. Vielleicht noch nicht diese Woche. Vielleicht auch nicht diesen Monat. Vielleicht wirst du auch erst zum Ende des Jahres einen deutlichen Ruck nach vorne merken, aber er wird kommen. Und zurzeit Versuch nicht zu weit in die Zukunft zu denken, sondern vielleicht wirklich nur von Tag zu Tag oder von vormittags bis mittags und von mittags bis abends. Du kannst wieder gut schlafen. Damit ist schon ein wichtiger Baustein vorhanden, um wieder Reserven aufzufüllen. Was gibt es denn aktuell, was dir ein klein wenig Freude bereitet? Oder was war es vor deiner Erkrankung, was dir Freude und spaß gemacht hat? Ist es möglich, dass du das wieder in deinen Alltag einbinden kannst? Ein Hobby eine gute Freundin zum quatschen, Sport oder andere Aktivitäten?
Übrigens auch ich habe gedacht, dass ich manche Sachen nie mehr schaffen kann, aber mit ganz viel Geduld und ganz kleinen Schritten konnte ich mir meinen Alltag zurück erkämpfen. Ich kam mir manchmal vor, wie jemand der wieder ganz neu laufen lernen musste, ich habe nie gedacht, dass ich es schaffe wieder in meinen Job zurückzukehren, der mir sehr wichtig war und immer noch ist, aber auch das schaffe ich wieder. Es ist so viel möglich, das braucht nur einfach ganz viel Zeit.
Und die Zeit ist das, was ich hier im Forum wirklich immer gelesen habe, dass viele Frauen erstmal sich selber eingestehen müssen und akzeptieren müssen, dass manche Dinge einfach Geduld und ihre Zeit brauchen und man mit Gewalt nichts beschleunigen kann. Und das war wirklich für uns alle hier denke ich mit das schwierigste. Diese Geduld aufzubringen und sich durch diesen dichten Nebel langsam vorzukämpfen. Du wirst das auch schaffen!!
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
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Sarah388
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Re: Belastungserprobung - Erfahrungen!

Beitrag von Sarah388 »

Hallo Marika, hallo alibo,

Danke für eure Antworten!

Das "beruhigt" mich in der Tat, denn solche Gedanken habe ich auch. Ich werde nie für mein Baby da sein können. Unsere Beziehung wird kaputtgehen.

Ich soll in 2 Wochen in die Tagesklinik wechseln, auch das macht mir natürlich Angst und Sorgen. Werde ich das packen? Gleichzeitig weiß ich auch, dass es ja irgendwie weitergehen muss.

Die Kunsttherapie tut mir hier sehr gut. Generell kreativ sein. Das war ich vorher auch sehr.

Ich weiß theoretisch, dass mein Kopf / die Depression mir vieles einredet, aber es ist sooo schwierig, es dann trotzdem umzusetzen, wenn ihr wisst, was ich meine.
alibo79
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Re: Belastungserprobung - Erfahrungen!

Beitrag von alibo79 »

Natürlich kenne ich das. Was meinst du, wie viele Stunden ich innerliche Diskussionen mit meinem Kopf machen musste. Weil er mir irgendetwas eingeredet hat und mich fest davon überzeugt hat, dass das eintreten wird. Jeden Morgen der gleiche Kampf mit dem Aufstehen, dem überwinden, den Tag zu beginnen, obwohl ich irgendwann wusste, dass es dann ja besser wird.
Ich gehe regelmäßig joggen. Auch das habe ich versucht in der Depression weiter durch zu ziehen. Und da war es auch so, dass mein Kopf die ersten 20 Minuten mindestens pausenlos Probleme gewälzt hat. Wie es denn wohl mit meiner Zukunft jetzt ausgeht, während ich vor mich hin getrottet bin. Aber als ich dann fast zu Hause war, war es dann jedes Mal so, dass die Welt dann doch ein bisschen fröhlicher wieder ausgesehen hat und nicht mehr alles ganz Raben schwarz war. Aber die Diskussionen, die ich auf dem Weg bis nach Hause mit meinem Kopf führen musste, war echt anstrengend.
Später als ich stabiler wurde und auch diese gedankengänge besser erkennen konnte war es bei mir oft so, dass ich irgendwann total genervt davon war und innerlich die Augen verdreht habe. Wenn mir meinem Kopf wieder irgendeinen Gedanken gerade ins Ohr geflüstert hat. Da war es wirklich so, dass ich gedacht habe das darf doch jetzt nicht wahr sein. Schon wieder kommt dieser negative depressionsgedanke und ich habe den erkannt und trotzdem hat der Kopf ihn gedacht. Für kurzen Moment oder auch wenn einen längeren Moment wieder so ein düsteres Gefühl in mir ausgelöst auch wenn ich wusste, dass das nicht meine eigenen Gedanken sind, waren sie immer wieder aufgeploppt. Oft hat da wirklich gut Ablenkung geholfen oder auch beim autofahren z.b Musik anmachen und sich darauf fokussieren. Aber das war dann wirklich schon zu Zeiten, wo ich deutlich stabiler gewesen bin. Am Anfang hat mein Kopf wirklich nonstop negative gedankenkreise gezogen.
Mir hat damals in der tagesklinik auch die Ergotherapie mit der Zeit richtig spaß gemacht. Ich habe da auch einige schöne Projekte gemacht. Manches hat mir mehr spaß gemacht als anderes. Aber was mir besonders gut gefallen hat, war, dass ich dort Seiden Malerei machen konnte und das war etwas, was ich als junges Mädchen lange Zeit gemacht habe und was mir wirklich spaß gemacht hat. Das war richtig. Schön, wieder einem ganz alten Hobby nachzugehen und etwas hübsches für mich herzustellen.
Eine andere Sache, die ich in der tagesklinik entdeckt habe, war puzzeln. Das habe ich vorher nie gemacht und die hatten so riesen Puzzle mit 1000 Teilen oder mehr. Und darin konnte ich mich auch wirklich verlieren und auch nicht mehr ganz so diesen negativen Gedanken nachhängen.
Ich bin mir sicher, dass du in der tagesklinik schnell guten Anschluss findest, da sind ja oft auch Menschen, die vorher in der Klinik waren. Und natürlich gibt dir das auch noch mal ein bisschen mehr Struktur und langsam den Übergang zum Alltag zu finden.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
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