Einbildung oder zu sehr reinsteigern???

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Maike

Einbildung oder zu sehr reinsteigern???

Beitrag von Maike »

Ist das normal, dass man Gedanken hat, sich das alles einzubilden oder zu denken, dass man sich da so sehr reinsteigert?
Unser Sohn, Mika, ist im Oktober geboren und ich leide seither an einer postportalen Depression. Hab das Gefühl, dass zwischen Mika und mir etwas fehlt (Geburt endete mit Kaiserschnitt und Sofortverlegung auf Intensiv für den Kleinen. Hab ihn erst am nächsten Tag das erste mal gesehen). Ich kümmer mich um ihn und möchte ihn auch nicht mehr abgeben, aber ich habe das Gefühl einfach nur zu funktionieren. Ich gehe mit fremden Kindern ganz anders um, als mit meinem eigenen, viel "offener" und "freier". Darunter leide ich sehr! Genauso, dass mir meine Hebamme so viel Kraft gibt, dass ich Angst vor dem Tag habe, wenn sie sich von uns verabschiedet. Ich möchte einfach wieder glücklich sein und das kann ich nicht...und genau das tut so weh, weil doch alles geplant war!
Ich gehe damit sehr offen um, rede mit vielen darüber und alle sagen mir, dass man mir das überhaupt nicht anmerkt. Aber dann bin ich auch immer abgelenkt! Es hat mir noch keiner gesagt, dass ich mich da doch vielleicht ein wenig reinsteiger, aber trotzdem kommen dann genau diese Gedanken auf. Dass das, wie ich mit Mika umgehe, vielleicht doch ganz normal ist oder dass mir der Abschied von meiner Hebamme so schwer fällt, weil ich sie einfach so gerne habe und das gar nichts mit dem zu tun hat....!?
Oh mann, ich möchte den Knopf an meinem Kopf finden, den man ausschalten kann...damit ich nicht mehr so viel DENKE :?
Caro

Beitrag von Caro »

Liebe Maike,

glaub mir, das sind '(meiner Meinung nach) alles typische Anzeichen der Depression.
Das, was Du schreibst, hätte vor1,5 Jahren auch von mir kommen können. ich habe mir auch so oft vorwürfe gemacht, ich würde mich das alles nur einreden, es dadurch noch schlimmer machen etc etc.

Auch das mit der Hebamme kann ich so gut nachempfinden: bei mir war meine Nachsorgehebamme diejenige, die als erste professionelle Hilfe war. Ich habe diese Hilfe sehr lange in Anspruch genommen, hatte große Angst mich von ihr "zu verabschieden" - letztendlich ist eine Freundschaft daraus geworden und wir sehen uns regelmäßig privat. Aber das ist wohl eher ein Ausnahme-Beispiel. Aber auch so kann es kommen!

Hast Du Hilfe? Machst Du eine Therapie? Nimmst Du Medikamente?

Ich wünsche Dir alles Gute und ein gutes neues Jahr!!!!!!!

Gruß,
Caro
Chippi78

Beitrag von Chippi78 »

Liebe Maike!
Kann mir sehr, sehr gut vorstellen wie es dir geht. Ich finde mich in deinem Text ganz oft wieder. Wir haben eine ganz ähnliche Geschichte, denke ich. Hatte auch einen Kaiserschnitt und dann war mein Kleiner auf der Neo für ein paar Tage. Mir ist auch gleich aufgefallen, dass da was nicht ganz richtig ist - das Gefühl für meinen Sohn hat nicht gepasst, obwohl es jetzt schon viel besser ist und ich ihn auch nie wieder missen möchte...
Auch das kommt mir ganz bekannt vor, dass einem die Leute wenig anmerken. Ich bin aber auch so, dass ich da nichts verstecke und mit vielen ganz offen darüber rede. Käme mir irgendwie blöd vor, die glückliche Mutter zu spielen und die Leute sollen ruhig wissen, dass es nicht jeder Frau gleich blendend geht.
Das mit den Kindern anderer kenn ich auch und das irritiert mich auch total. Wo wir uns unser Kind doch sooo gewünscht haben und er so willkommen war von Anfang an. Ich kann mir noch immer nicht vorstellen, dass das jetzt mein Kind ist. Das da in mir so lange gestrampelt hat und das ich so geliebt hab. Vielleicht auch weil ich immer so müde bin und deshalb irgendwie nicht klar denken kann. Kennst du das auch? Wie gehts dir mit dem schlafen?

Oh Mann, wir haben da noch einen steinigen Weg vor uns, liebe Maike. Aber wir schaffen das, da bin ich sicher (jedenfalls im Moment)...
Einen guten Rutsch und alles gute im neuen Jahr!
Maike

Beitrag von Maike »

Vielen Dank für Eure Antworten. Das baut einem doch immer ein wenig auf.

@Caro: Ja, ich nehme Medikamente (citalopram-biomo) seit Anfang November und Ende Januar gehe ich zum ersten Mal zur Gesprächstherapie zu einer Psychotherapeutin. Diese Zeit muß ich jetzt noch mit mir selber ausmachen, aber das schaffe ich schon. Es geht mir ja nicht schlechter als zum Anfang, wo ich wirklich nur geweint habe. Das weinen hat nachgelassen (nur manchmal überkommt es mich noch), aber ich denke sehr viel nach. Von daher suche ich ja immer noch den Knopf zum ausschalten :-) ! Meine Hebamme, die mich aber auch während der gesamten Schwangerschaft, über die Geburt bis jetzt zur Nachsorge betreut hat, war auch meine erste professionelle Hilfe. Sie hat mich neben meiner Familie und Freunden aufgefangen und mir gezeigt, dass ich traurig sein darf und das ich das raus lassen muß. Sie hat mir den Weg über mein Frauenarzt zu einer Psychologin gezeigt. Wenn es mir gut geht, dann kann ich mit den Gedanken leben, dass sie sich irgendwann von mir verabschieden wird (ihre Besuche laufen ja schon über ein ärztliches Attest, weil meine Wochenbettzeit vorbei ist), wenn es mir schlecht geht, dann darf ich gar nicht daran denken. Dass sich zwischen Euch eine Freundschaft aufgebaut hat, finde ich echt schön und beneidenswert, das wird hier bestimmt nicht passieren, aber vergessen werde ich sie wohl nie!!!

@ Chippi78: Dass ich Schlafprobleme habe kann ich nicht sagen. In der Schwangerschaft konnte ich nicht schlafen, aber danach war das weg. Mika schläft mit seinen 12 Wochen auch nachts durch, von daher kann ich mich auch nicht beschweren:-)! Aber dieses "müde" sein kenne ich trotzdem, dann wenn ich einen ganz schlechten Tag habe. Dann fühle ich mich so kaputt und fertig, dass ich mich in einem tiefen Loch verbuddeln möchte...ich sehe mich da richtig drin sitzen...der Ausgang (das Ziel) so unendlich weit entfernt.

Ich glaube auch, dass noch ein langer Weg vor uns liegt, aber solange wir den Mut nicht verlieren, werden wir auch diesen gehen! Und meine Freundin hat mal zu mir gesagt, ich muß mich über die kleinen Erfolge freuen...und damit hat sie auch recht. Auch wenn das an schlechten Tagen nur ein kleiner Trost ist!

Ich wünsche Euch auch von Herzen ein guten Rutsch ins neue Jahr! (hab gar kein Bock auf Silvester und bin froh, wenn ab morgen alles vorbei ist:-))!

Liebe Grüße
Maike
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