Neuer Denkansatz gefragt

Austausch alltäglicher Sorgen oder Freuden

Moderator: Moderatoren

Antworten
Leuchtkäfer

Neuer Denkansatz gefragt

Beitrag von Leuchtkäfer »

Hallo Ihr Lieben,

ich brauche Euch mal, um ein bißchen mit mir/für mich nachzudenken.
Mir geht es im Alltag recht gut, daß meine Vergangenheit mich sehr beschäftigt, wißt Ihr ja. Eine Sache hat sich seit den ersten Depressionszeichen von vor über einem Jahr nicht geändert: Es gibt mir einen Stich, wenn ich höre: "Die und die ist schwanger/hat gerade entbunden".
Ich fühle mich immer irgendwie ertappt, wenn mir jemand das erzählt und durchschaut. Außerdem bin ich neidisch. Ich weiß ganz genau, daß ich in die Köpfe der Schwangeren nicht reingucken kann und sicher nicht jede von denen glücklich rundum gesund schwanger ist. Mit den Frauen kann ich nur noch gehemmt oder gekünstelt umgehen.
Was ist da los? Ich komme nicht dahinter. Es stört mich sehr, zumal zwei gute Freundinnen schwanger sind, mit denen ich einfach normal sein will.
Habt Ihr Ideen? Geht einigen von Euch das auch so?

Liebe Grüße und Danke fürs Nachdenken,
Leuchtkäfer
gwen

Beitrag von gwen »

Hallo, das geht mir genauso.
Letzte Woche noch hat mir eine Freundin erzählt, dass sie schwanger ist. Als ich wieder allein war musste ich erstmal ein paar Tränen verdrücken. Ich fühl mich in dem Hinblick irgendwie als Versager, frage mich, warum andere das perfekte Glück hinkriegen und wir nicht. Warum andere sich voller Vorfreude und Glück auf ein zweites Kind einlassen können und ich beim gedanken daran schon Versagensängste bekomme. Das bei den anderen rational gesehen auch nicht alles perfekt sein kann, weiß ich. Aber meine Emotionen kommen trotzdem.
Ich versuche mir dann zu sagen, dass mein Leben gut ist, so wie es ist ( und objektiv von außen betrachtet ist es das auch), das die schlimmste Zeit hinter mir liegt und mein Glück nicht von einem weiteren Kind abhängig ist. Das es zwar schade ist, dass ich vieles anders erlebt und durchlebt habe, als ich es mir vor der Ss vorgestellt habe, aber das ich noch viele glückliche Momente mit meinem Kind vor mir habe. Und auch wenn im Nachhinein vieles sehr schlimm war, so gab es doch schöne, kleine Momente, an die ich auch mit Freude zurück denken kann.
Hoffe, es hilft ein klitzekleines bisschen
lg
g
AmoebeMS

Beitrag von AmoebeMS »

Hallo Leuchtkäfer,

weißt du, so wie du nicht in die Köpfe der anderen blicken kannst, so können es diese auch nicht bei dir. Soviel zum Thema „Ertappt und Durchschaut fühlen“.

Ich nehme mal stark an, dass deine Freundinnen über deine Situation im Unwissen sind. Falls dem so ist, spielst du ihnen in einer gewissen Weise schon etwas vor. Logisch. Das soll in keiner Weise ein Vorwurf sein, nein, ich sehe es sogar eher als dein gutes Recht, nur darfst du dich dann darüber auch nicht wundern, dass du so fühlst, sondern es als gegeben hinnehmen und akzeptieren. Ich bin mir sicher, dass du dich zusammen mit ihnen freust, nur dass dir deine eigene – ich will mal sagen – Vergangenheitsbewältigung zu schaffen macht. Ist das möglich?

Was bedeutet eigentlich in diesem Zusammenhang das Wort „Neid“ für dich? Bist du neidisch, dass sie schwanger sind? Hier kannst du natürlich, bestenfalls mit Hilfe deines eigenen Mannes :wink:, rasch Abhilfe schaffen. Grins. Schreib doch noch ein bissi mehr dazu, wenn du magst, Leuchtkäfer. Aber vergiss nicht wie Gwen es schon schrieb dir selbst auch öfter mal zu sagen, dass das Leben gut ist, so wie es ist. Vielleicht kommt dann auch irgendwann für dich der Punkt, an dem du wieder öfter am Tag an den nächsten Tag und die Zukunft denkst und nicht mehr ganz so oft in die Vergangenheit blickst. Genau das wünsche ich dir von Herzen.

LG AmoebeMS
Elisabeth11

Beitrag von Elisabeth11 »

Hallo!

Meiner Ansicht nach passiert hier etwas, was wir ja eigentlich sehr gut kennen.
Wie war das denn bei euch, wenn zum Beispiel ihr gerade verlassen wurdet und im Freundeskreis heiraten die Leute bzw. sind gerade glücklich verliebt? Oder jemand bekam seinen Traumjob/schloss die Uni ab/schaffte eine Schularbeit auf Sehr gut, während ihr noch arbeitslos ward, Jahre des Lernens vor euch hattet, leider durchgefallen seid?
Ist euch das nie passiert? Mir schon, oft genug, und jedesmal war ich neidisch auf der einen Seite, beleidigt auf der anderen, konnte mich nicht ehrlich für die Erfolge der anderen freuen und hatte deshalb auch irgendwie ein schlechtes Gewissen. Aber das ist eben menschlich. Leuchti, wenn du reinen Tisch machen würdest, dann könntest du wenigstens sagen "seid mir nicht bös, wenn ich mich nicht uneingeschränkt freuen kann, ich wünsch euch das Beste, aber ich finde es so schade, dass mir diese schönen Erfahrungen fehlen". Natürlich ist es dein gutes Recht, deine KH für dich zu behalten, keine Frage, aber man spart sich durch Offenheit auch viel gekünsteltes Umgehen mit anderen - abgesehen davon, dass man den anderen auch die Möglichkeit gibt, auszubrechen aus dem "Schwanger sein und gebären ist ein immerwährendes Glück"-Theater.

Und zuletzt: es wird besser, das kann ich dir sagen. In dem Fall gilt, wie fast immer: die Zeit heilt alle Wunden.

Lg E
Feebie

Beitrag von Feebie »

Hallo Leuchtkäferchen,

ich kann mal wieder deine Gedanken und Gefühle sehr gut nachvollziehen. Mir ging es genauso.

Neid spielt dabei eine große Rolle, aber anders als normaler Neid. Man will ja das sie glücklich sind, man gönnt es ihnen auch, aber gleichzeitig wird man so sauer! Ich habe dann auch alle netten Floskeln von mir gegeben, wenn ich mußte, aber innerlich hatte ich total dicht gemacht und bin der Situation so schnell wie möglich entkommen.

Ich finde es auch fürchterlich schwer die Gegenwart von Babys zu ertragen. In unserem Mütterkreis war einen schnell wieder Schwanger geworden und so muss ich da einmal die Woche durch, aber ich habe null Emotion diesem Mädchen gegenüber. Ich blocke halt, damit es nicht so weh tut.

Meine beste Freundin hat inzwischen auch ein Baby (seit Dez) und mit ihr konnte ich mich zum ersten mal freuen. Zwar auf Distanz (300km) aber zum Ende hin fieberte ich doch sehr mit. Ich konnte mich sogar mit ihr freuen. Das Baby auf den Arm zu nehmen war trotzdem schwer, aber das Gute war, das diese Freundin zumindest ansatzweise weiß, was mit mir los war. Und sie selbst sprach mich Tage nach meinem Besuch an und fragte, wie es war das Baby auf dem Arm zu haben. Sie meinte, ich hätte so "nostalgisch" dabei ausgesehen. Nettes Wort und es paßte, aber es tat gut, ihr einfach sagen zu können, das es mir nicht so gut getan hat.

Was ich damit sagen will ist, vielleicht öffnest du dich wirklich ein wenig diesen Müttern. Du musst ja nicht gleich alles rausbrechen lassen. Der vorgeschlagene Satz hier klingt doch ganz gut. Und vielleicht interessiert die Freundinnen ja, was mit dir war. Es wird den Umgang mit ihnen erleichtern und du wirst dich wieder freuen sie zu sehen.

Ich drücke dir die Daumen!!!
Liebe Grüße,
Feebie
Leuchtkäfer

Beitrag von Leuchtkäfer »

Danke für Eure Worte,

die beiden, die schwanger sind wissen von der Depression! Beide sogar ziemich genau, was los war und ist. Es stimmt aber, da ich in gewisserweise trotzdem Theater spiele, weil ich mich genau so einen Satz, wie Elisabeth ihn vorgeschlagen ht, nicht zu sagen traue. Ich habe Angst, daß sie mich dafür blöd finden, daß ich so denken. Ich finde mich ja selber doof dafür...
Tja, was wäre mir dann eigentlich damit geholfen. Ich glaube kaum, daß das Gefühl weggehen würde, wenn ich das sage...
Ich weiß, daß ich gerade sehr in der Vergangenheit lebe, aber ich habe nicht so richtig die Kraft dagegen zu kämpfen und immer nach vorne zu sehen. Es soll einfach mal so gut sein...
Grüße von Leuchtkäfer
Feebie

Beitrag von Feebie »

Hallo Leuchtchen,

was damit geholfen wäre? Das weiß man nicht so genau, aber sie würde vielleicht etwas Rücksicht nehmen. Nicht in diese "hutschi-gutschi"-Wortlaute verfallen und alles rosarot malen und immer wieder sagen, wie toll alles ist. Wir wissen ja auch aus Erfahrung, das es vermutlich nicht die ganze Zeit so knallrosa bei ihnen bleiben wird.

Aber was es evtl. noch bringt, ist möglicherweise auch Trost. Den wünscht du dir doch auch und vielleicht ist mindestens eine von ihnen sensibel genug um dich mal in den Arm zu nehmen und zu sagen das es ihr leid tut, das du ihre Freude nie erleben durftest.

Und manchmal tut es auch einfach nur gut auch traurig daneben zu sitzen, während sie lachen. Du darfst traurig gucken und du darfst auch weinen, weil es weh tut andere so glücklich zu sehen, wo du auch so glücklich sein wolltest. Aber du mußt dann nicht noch Theater spielen und deine Gefühle verstecken. Die Tränen einsam zu weinen macht es auch nicht einfacher!

Erlaube es dir doch einfach mal so zu fühlen, zu denken und zu sein, wie du bist. Du bist liebenswürdig und sehr nett, auch in deiner Trauer!

Halt´ dich mal ganz fest,
Feebie
Antworten