Ich brauch euch

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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scaramouch

Ich brauch euch

Beitrag von scaramouch »

Hallo ihr Lieben

also, ich habe es tatsächlich geschafft mit meinen Kindern heil bei meinen Eltern anzukommen.
Aber diese Zugfahrt war die Schlimmste meines Lebens. Von Panik und zittern bis Schweissausbrüche und Schwindel war alles dabei und ich dachte zwischendurch immer wieder, ich sterbe.
Es kamen auch wieder ZGs, wie zum Beispiel, dass ich nicht fähig bin auf meine Kinder aufzupassen und das ich sie weg geben muss...

Als wir dann endlich da waren und ich meine Mama am Gleis stehen sah, habe ich mich trotzdem nicht gefreut. Ich hab mich leer gefühlt und einfach fix und fertig. So habe ich auch ausgesehen...

Jetzt sitz ich hier und am liebsten möchte ich wieder nach hause. Mein Mann ist ja leider daheim geblieben und er ist meine wichtigste Bezugsperson, ich weiss nicht wie ich es 1 Woche ohne ihn aushalten soll.

Natürlich hört Mama auch zu aber sie hat einfach nur Mitleid mit mir und das bringt mir nicht viel.

Ich weiss auch noch nicht was ich mit der Zeit hier anfangen soll.

Mädels, wenn ich euch nicht hätte...

Ich fühl mich so komisch irgendwie. Dieses Derealisieren ist auch wieder da.

Bin ich vielleicht doch verrückt?

Liebe Grüsse
scara
selina

Beitrag von selina »

Hey scara,

lass dich mal drücken!Du bist nicht gestorben das ist doch schon mal positiv oder :wink: kleiner scherz* Nein im ernst-es ist normal das es dir etwas mulmig ist heute.Das ist aber morgen oder übermorgen weg denn du musst dich an die neue Situation gewöhnen!Bei mir ist das auch so ,egal wo ich hingehe auch wenns meine MAma ist es ist immer ne kleine umstellung und eingwöhnungsphase da!In diesem Sinne geb ich dir erst mal n Rat.:Trink ordentlich kaffee,smoke a cigarette, schmeiss dich mit allem auf die Couch und zieh dir das Fernsehprogramm rein :) und wenn was ist einfach schreiben!
Lotesse

Beitrag von Lotesse »

Hallo Scara,

Du hast die Fahrt lebend überstanden und bist mit beiden Kindern heil angekommen. Verbuch das auf jeden Fall auf der Erfolg-Seite!!! Du kannst verdammt stolz auf Dich sein, trotz Panik und Angst den weiten Weg gemacht zu haben!!

Red mit Deiner Mom, dass Mitleid nicht das ist, was Du braucht. Sag ihr, was sie für Dich tun kann.

Ansonsten kann ich mich nur Selina anschließen: relax. Mit süßem Nichtstun kann man eine Woche schnell rumkriegen!

Alles Gute,
Lotesse
mariposa227

Beitrag von mariposa227 »

hallo scara,

ich finde es toll, dass du die bahnfahrt gewagt hast!! erstmal daumen hoch!! was genau ist es, vor dem du angst hast? dass dir im zug keiner helfen kann, wenn du was hast oder so?
ich will nämlich im dezember (ist noch ein wenig hin) mit der bahn fahren. gott sei dank nur 2 stunden, aber ich krieg jetzt schon panik. bei mir ist es der gedanke, dass ich nicht raus kann wie z.b. aus dem bus.
obwohl ich vor dem bahnfahren selber keine angst habe, nur vor der tatsache, dass wenn ich herzrasen bekomme, ja keiner helfen kann. ist es das bei dir auch?
wie weit musstest du denn fahren?
scaramouch

Beitrag von scaramouch »

Ich musste 4,5 Stunden fahren. Von Basel nach Köln, einmal umsteigen.

Nein, ich habe eigentlich keine Angst das mit mir was passiert.
Ich habe schreckliche Panik davor, dass ich nicht gut genug auf die Kinder acht gebe. Das ich zum Beispiel die Grosse unterwegs verliere und so.
Das ich halt verrückt bin....
Geli
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Beitrag von Geli »

Hallo Scara,

ich kenne das auch - diese nicht enden wollende innere Panik, das Gefühl nicht da und fremd zu sein.
Du nimmst ja ein AD - hast du für solche Fälle ein zusätzliches, was du vorher nehmen kannst?
Mir hat immer geholfen, dass ich mir trotzdem ganz doll auf die Schulter geklopft habe, dass ich es angegangen bin, mutig war und es auch geschafft habe. An einem Ort, so wie du jetzt bei deiner Mutter, war wieder meine kleine sichere Oase. Dir kann nichts passieren - du hast das super geschafft und die Woche dort und auch zurück, schaffst du doch dann locker. Du bist stark, das hast du dir selbst gezeigt.

Ich habe seitdem immer die Rescue-Notfalltropfen oder -lutschbonbons dabei. Die habe ich auch schon einen Tag vorher auf jeden Fall genommen oder dann auch unterwegs z.B. im Zug, beim Autofahren usw. - in so Situationen, wo ich verstärkt mit solchen Attacken zu tun habe. Die Blüten wirken ja auch der seelischen Ebene - bei Gemütsschwankungen - die Rescue sind gerade bei solchen Aktionen angesagt und unterstützen.
Diese Fahrt aber und auch das Gefühl, was du jetzt hast, gehören mit zu deiner Genesung dazu - solche Aktionen brauchst du. Und sie machen groß - mach dich nicht klein, weil du das so wackelig geschafft hast - jede noch so kleine Aktion ist Größe für dich.

Ich wünsche dir eine schöne Woche bei deiner Mutter. Genieß es so viel wie möglich und du kannst jetzt schon stolz sein auf dich!
Lieben Gruß von mir

* Auszeit als Ausgleich - fühlen, was tut mir gut *
Irisches Segenswort:
"Mögen gute Tage deinen Weg begleiten, freundliche Menschen dir begegnen, und die Sehnsucht führe dich zum Ziel."
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PPD: 2001
Schilddrüsen-Hormon (nie die Präparatfirmen wechseln!)
Gesprächstherapie
Mutter-Vater-Kind-Kur
_________
2014: Depression, Medikament Opipramol, seit 07/15: Escitalopram
laraben

Hi

Beitrag von laraben »

Hallo Scara,

suuuuper das du die Reise angetreten hast. Auch wenn es schlimm war, es ist wichtig das du es gemacht hast. Du wirst sehen beim nächsten mal ist es dann bestimmt nicht mehr so schlimm und es wird bestimmt immer besser je öfter du das machst, weil du merkst das dir ja nix passiert. Es sind nur deine Gedanken die diese Symptome auslösen, das musst du dir immer wieder sagen. Versuche dir viel gutes zu tun, wie Selina schon geschrieben hat. RELAXEN :-) Das tut der Seele immer gut.

lg laraben
smaugerl

Beitrag von smaugerl »

hallo scaramouch,

toll, das du die Reise geschafft hast - du wirst sehen, es wird auch bei deiner Rückfahrt keine "gröberen" Probleme geben - genieß den Urlaub un tu dir Gutes - und wir sind ja auch noch für dich da!!

lg
smaugerl
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Marika
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Beitrag von Marika »

Hallo,

ich habe gerade gesehen, dass ich deine PN noch gar nicht beantwortet habe, bitte entschuldige, irgendwie ist mir die durch die Lappen gegangen.

Ich finds super, dass du diese Reise gemacht hast - ein ganz wichtiger und großer Schritt war das, du kannst super stolz auf dich sein!!!!

Auch wenn dein Gefühl jetzt nicht so toll ist, du kannst da durch kommen und es aushalten. Leider müssen wir viel aushalten bei der Erkrankung, aber nicht umsonst: Dein Gehirn lernt dadurch, baut neue Verbindungen auf, wird quasi umstrukturiert. Denn du hast etwas getan, was dir Angst macht - bist über deinen Schatten gesprungen - und das ist es, was das Gehirn braucht, um neurologisch sich neu bzw. sich "gesund zu strukturiren". Denn deine Angst, die Kinder zu verlieren ist "nur" in deinem Kopf mega groß - die Wahrscheinlichkeit, dass das wirklich passiert, ist verschwiendend gering. Ein "kalkulierbares Risiko" nennt das mein Psychiater, das wir jeden Tag 100 x unbewußt eingehen - schon alleine, wenn wir auf die Straße gehen.

Um diese Angst zu verlieren, müßen wir uns ihr stellen und sie aushalten. Auch mir kommen immer mal wieder solche Situationen in die Quere, wo ich über meinen Schatten springen muss, aber es lohnt sich. Das sind die Schritte die dich weiterbringen!

Liebe Grüße von
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
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