Ich ertrage das nicht

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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scaramouch

Ich ertrage das nicht

Beitrag von scaramouch »

Hallo meine Mädels

Tag 3 bei meiner Familie...

Es ist unglaublich, wie normal alles ist - ausser MIR!!!

Ich treffe hier so viele alte Bekannte und Familienmitglieder und sie sind alle so wie eh und je. Das bestätigt mir aber auch immer wieder, wie anders ich geworden bin.

Das Hauptproblem war ja schon immer das sich alles so unwirklich anfühlt. Es war so viel besser geworden, aber momentan wieder ganz schlimm...
Ich bin hier und weiss auch das ich wirklich hier bin aber es fühlt sich nicht so an. Was stimmt mit meinem Kopf nicht das ich einfach nicht begreife, dass ich tatsächlich hier bin?
Ich liege im Bett in meinem alten Kinderzimmer und dann kommen Gedanken wie "Bilde ich mir das nur ein? Wo bin ich denn vom Kopf her gerade?"
Aber ich weiss die Antwort nicht.

Man sagt mir ich sähe ja so toll aus und habe ja so zwei süsse Kinder, aber selbst das fühlt sich nicht echt an.
Wieso derealisiere ich sogar das ich die beiden habe? Ich schäme mich so dafür :oops:

Nach aussen hin bin ich scheinbar sehr normal, ich versorge die Kinder, fahre einkaufen mit dem Auto, gehe mit Bekannten was trinken usw. und es passiert nichts, alles klappt wie früher auch. Aber ich weiss nicht, warum alles ist wie ein Film oder ein Traum.

Jetzt verlässt mich mal wieder die Hoffnung das ich jemals wieder gesund werde...Ich will nicht mehr so leiden. Ich will leben!!!
Leuchtkäfer

Beitrag von Leuchtkäfer »

Liebe Scara,

was Du gerade bei Deiner Familie erlebst, ist ganz normal. Du bist in einer Umgebung, die Dir aus der Zeit vor der Depression sehr vertraut ist, bist mit Menschen zusammen, die Du von "früher" kennst. Dein Gefühl ist im Moment aber ganz anders: Du bist unsicher, ängstlich, bist eben in einer Depression. klar fühlt es sich dann unwirklich an, wenn Du ganz normale Dinge tust, denn Gefühl und Verhalten passen nicht zusammen. Ich nehme auch mal an, daß kaum einer von Deiner Erkrankung weißt, oder? Das macht ja auch nichts.
Sieh es mal von der anderen Seite: Du schaffst es, einen ganz ormalen Tag zu verleben. Dir geht es nicht toll dabei, aber es klappt. Das ist ein ganz großer Schritt. Es ist auch ein Ansatz in der Verhaltentherapie über Taten und Handlungen auf längere Sicht, die Psyche wieder zu stabilisieren. D.h., Du tust normale Dinge und irgendwann enpfindet Dein Gefühl sie auch wieder als normal.

Das dauert aber seine Zeit. Ich fand die Besuche bei meinen Verwandten in der schlimmen Zeit auch ganz schrecklich. Ich habe mich gefühlt wie im falschen Film. Das wird aber alles besser, je besser es Dir geht. Ganz, ganz sicher. Es hat jetzt auch schon positive Seiten: Deine Kinder sehen ihre Oma, sie bemerken, daß Du ganz normale "Mama-Sachen" mit ihnen machst und profitieren sicher davon.

Halt durch, Scara. Es müssen nicht die schönsten Tage da werden, aber Du wirst durch sie weiterkommen im Gesundwerden. Vor allem ist es kein Zeichen eines Rückschlags, daß es Dir dort so schwer fällt, es ist ganz normal.

Liebe Grüße von Leuchtkäfer
Hani

Hallo

Beitrag von Hani »

Mir geht es genauso unszwar seit 2008-
alles was du beschreibst hört sich auch nach meinem Zustand an,
du bist nicht alleine!

Die Täglichen Aufgaben kannst du Gefühllos erledigen
du kommst dir in deiner Umgebung nicht Vertraut vor
möchtest am liebsten alles sein lassen kannst aber nicht
weil du Verantwortung hast, je mehr du dich mit deinem Sorgen
Beschäftigst desto tiefer sinkst du- stimmst?


Glaub mir es ist nicht leicht aber es wird alles irgendwann besser vor allem
wenn du deine Sorgen hier schreibst fühlst du dich von den anderen gut
aufgehoben weil jeder hier diese Probleme kennt, ich hoffe wir alle
kommen von der Krankheit raus, müssen nur den weiten Weg schaffen!

Viel Glück und liebe Grüße
Hani
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