Mittendrin statt nur dabei...

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

Moderator: Moderatoren

Antworten
zwaengler79

Mittendrin statt nur dabei...

Beitrag von zwaengler79 »

...wo soll ich nur anfangen? das einzige was ich mit 100%iger sicherheit sagen kann, ist dass ich furchtbar unglücklich bin. und wisst ihr was das schlimmste ist, als kind war ich auch noch nie wirklich glücklich weil ich emotional ziemlich vernachlässigt wurde. echt krass, ich sitze hier am pc und frage mich, ob ich schon jemals in meinem leben glücklich war und mir fällt nichts dazu ein. ständig frage ich mich ob ich mein kind liebe. ich denke schon, aber ich spüre es nicht. wie fühlt sich liebe überhaupt an. warum habe ich wieder dauerhaft die aggressiven zg meiner kleinen gegenüber, vor allem wenn wir alleine sind. heut morgen hab ich sie gebadet, da hab ich ständig gedacht: ich könnte sie ja jetzt ertränken. gestern abend als sie eingeschlafen ist dachte ich: erstick sie doch mit dem kissen...usw. alles was ich weiß ist, dass ich das nicht mehr lange aushalte. letztes jahr insgesamt zehn monate in der klapse (sorry für den ausdruck) und die scheiß zg begleiten mich nach wie vor täglich. und das schon seit meiner jugend!!! vielleicht bin ich ja wirklich ein monster? is doch nicht normal dass man schon im jugendalter ständig solche abmurks-gedanken hat. ich will so nimmer! ich will endlich mal leben. jetzt bin ich 31 und ich komme aus diesem loch einfach net raus. ich hab das gefühl schon immer da drin zu sitzen. was soll ich nur tun. beten? hilft das? hallo, is da oben einer der mich hört und der sieht wie verzweifelt ich bin? während ich schreibe laufen mir dicke tränen die wangen entlang. keiner hat gesagt dass das leben leicht ist, aber wenn man so wie ich aufgewachsen ist und gelernt hat nur pessimistisch und unzufrieden zu sein weil es andere so vorgelebt haben, dann hat man doch gar keine chance sich da wieder rauszuziehen. oder? ja, ich will damit sagen dass ich glaube dass meine eltern zum größten teil an meinem unglück schuld sind. hätten sie mir gezeigt was es heißt zu lieben, dann wäre ich heute nicht so ein emotional verkrüppeltes etwas. seit es mir letztes jahr so schlecht ging, is meine kleine in ner pflegefamilie weil ich alleinerziehend bin und mich letztes jahr nicht mal mehr um mich selbst kümmern konnte. und wenn ich sehe wie toll die pfelegeltern mit ihr umgehen und was sie alles mit ihr unternehmen denke ich immer automatisch, warum hatte ich nicht so eine kindheit. warum hat mich keiner geliebt? und dann frag ich mich immer, was ich denn meinem kind bieten kann im gegensatz zu den pflegeeltern und mir fällt auf, dass ich niemals so eine tolle mutter sein werde wie die pflegemutter und ich frage mich, ob es besser wäre mein kind für immer dort zu lassen. was will mein kind mit einer mutter, die nicht lieben kann? ich hasse mich so!
scaramouch

Beitrag von scaramouch »

Hey....
es tut mir unheimlich leid, dass du so verzweifelt bist, besser gesagt das du auch so verzeifelt bist- ich bin es auch und noch viel viel mehr Frauen auf der ganzen Welt.
Ich bin sehr ergriffen von dem was du schreibst und möchte dir am liebsten anbieten mich anzurufen.
Ich weiss nur nicht ob es dir etwas bringen würde.
zwaengler79

hey scaramouch

Beitrag von zwaengler79 »

danke für deinen beitrag. wieso bist du so unglücklich? und warum hat man es als gebranntes kind doppelt so schwer in dieser welt? ich kann nur hoffen, dass es nach dem tod auch für mich und all die anderen unglücklichen hoffnung gibt!
selina

Beitrag von selina »

So darfst du nicht denken!Es gibt kein Tod, denn di eSeele lebt immer weiter da bin ich mir sicher.Einen Tod gibt es ja , es stirbt nur unsere Hülle wir werden nie sterben!
mimi

Beitrag von mimi »

hallo!!
auch mir tut es sehr leid, dass es dir so schlecht geht.
bist du schon in behandlung? wenn nicht dann such dir ganz schnell hilfe. fürs erste sind wir hier da und hören dir jeder zeit zu. aber proffesionelle hilfe ist sehr, sehr wichtig.
fühl dich mal ganz toll gedrückt!!
du bist sicher keine schlechte mutter, keiner von uns ist oder war es. es ist leider die krankheit, die uns das glauben machen will, aber glaub mir auch du bist eine gute mutter.
sieh die unterbringung bei pflegeeltern als chance dein leben in den griff zu bekommen und gesund zu werden. dann kannst du wieder ganz mutter sein und auch glücklich. ganz sicher. es haben soviele die hier schon geschrieben haben geschafft! und du wirst es auch schaffen!!! du wirst sicher wieder gesund!! such dir aber bitte hilfe!! ich habe es dank dem schon weit geschafft und mir geht es schon wieder gut!!
glg
bambam

Beitrag von bambam »

Hallo Du!

Deine Worte haben mich gerade sehr berührt und ich hätte dich jetzt am liebsten in den Arm genommen - auch wenn sich das Kitschig anöhren mag...

Deine Kindheit scheint wirklich heftig gewesen zu sein und ich bin der Meinung, dass du dies aufarbeiten musst...

Ich bin wahrlich kein Experte - aber tu etwas für dich! Und: du liebst dein Kind - das sieht man schon alleine an den Zeilen, die du geschrieben hast!


Liebe Grüße,
Bambam
laraben

Hallo

Beitrag von laraben »

Auch mich hat dein Beitrag sehr berührt, lass dich erstmal ganz fest drücken.
Ich bin auch der Meinung das du dir dringend professionelle Hilfe holen musst. Du musst einiges aufarbeiten...
Hast du schonmal ein AD genommen? Vielleicht hilft es dir erstmal aus dieser Hoffnunglosigkeit heraus zu kommen.
LG laraben
mici

Beitrag von mici »

Hallo Zwaengler,

Es tut mir leid, was Du für furchtbare Gedanken hast!
Sag mal, was haben sie denn damals mit Dir in der Klinik unternommen? Konnten sie Dir dort wenigestens ein bisschen helfen? Und wie sieht Deine momentane Lebenssituation aus? Erzähl doch noch ein bisschen, was es konkret über Dich zu wissen gibt, damit wir uns noch ein besseres Bild machen können von Deiner Situation!
Vorerst kann es Dir vielleicht ein kleiner Trost sein, dass es Deine Tochter gut hat bei den Pflegeeltern. Doch wo ist eigentlich der Vater? Und wie alt ist Deine Tochter jetzt?

Lieben Gruß,

MICI
Benutzeravatar
Marika
power user
Beiträge: 11270
Registriert: 04:06:2005 16:05

Beitrag von Marika »

Hallo,

auch von mir die Frage: Bist du in Behandlung, machst du eine Therapie? Erzähl bitte mehr von dir, ja!

P.S: Viele Menschen mit ZG haben dieses Leiden bereits seit der Kindheit, mich eingeschlossen. Es ist sogar eine ganz typische Entwicklung, dass ZG sich bereits in jungem Alter bilden. Es gibt klasse Therapieformen dafür, hast du schon mal was getan in der Richtung? Und Medikamente?

Liebe Grüße von
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
zwaengler79

@ all

Beitrag von zwaengler79 »

es tut so gut zu wissen, dass man nicht alleine da steht. danke euch allen, ich fühle mich ganz doll umarmt.

ich bin schon seit jahren in therapie. derzeit mache ich seit über zwei jahren ne vt aber irgendwie wollen sich die zg nicht zähmen lassen. hatte früher mal ne psychoanalyse machen lassen, aber das hat überhaupt nichts gebracht. zur zeit nehme ich seit ca 4 monaten 150mg clomipramin. cipramil, cipralex, trevilor, seroquel....alles schon durch, nichts hilft. ich hab dann dummerweise vor drei wochen selbst das clomipramin um die hälfte reduziert und nun geht es mir wieder schlechter. hab wieder jeden morgen angst nach dem aufwachen und weiß eigentlich nicht wirklich vor was. vielleicht angst davor, dass ich doch irgendwann mal jemandem etwas böses tue.

und nun zu meiner person. ich bin weiblich, 31 jahre alt und lebe in karlsruhe. meine kindheit war nicht der hit, aber darüber zu erzählen würde viel zuviel zeit in anspruch nehmen. die zg habe ich wie bereits schon erwähnt seit meiner kindheit. meine tochter ist jetzt zwei jahre und einen monat alt. sie war damals nicht geplant. ihren vater habe ich vor ca. 5 jahren in der firma kennengelernt. er war damals gerade frisch getrennt von seiner ex mit der er auch ein kind hat, der jetzt fünf jahre alt ist. ich war für ihn eigentlich nur der lückenfüller wenn er sich einsam fühlte. seine freundin hat sich damals von ihm getrennt weil er sich weder um sie noch um das kind gekümmert hat. es war ihm alles zuviel. wir hatten die ganzen jahre über eigentlich nur eine affäre, ich kam nicht von ihm los. bis zu dem zeitpunkt als ich schwanger wurde. das war keine absicht, auch wenn das damals alle behauptet haben. ich hab lang darüber nachgedacht, ob ich das kind behalten soll. für ihn war eine abtreibung ausgeschlossen. tja, und dann hab ich sie letztendlich doch behalten. manchmal frage ich mich, ob das ein fehler war. er stand natürlich nicht zu mir und dem kind. sie war sehr anstrengend, da sie ein schreibaby war. ich habe sie den ganzen tag im tragtuch getragen und nur versucht, sie zu beruhigen und zum schlafen zu bringen. sie konnte tagsüber einfach nicht schlafen. wenn ich dann mal wieder ganz am ende war und zu meinen eltern gesagt habe, ich kann nimmer, kamen dann von meiner mutter sprüche wie: dann musst du sie halt hergeben...usw. echt hammer. damals hab ich meine mutter nach diesem srpuch aus der wohnung geschmissen. obwohl ich die zg schon seit der kindheit habe, hatte ich das erste jahr als meine tochter auf der welt war, keine probleme damit. im dezember 2008 hab ich es dann auch geschafft, mich emotional von ihrem vater zu lösen. und nach mehreren wochen hat er sich plötzlich wieder gemeldet und mir erzählt, er hätte jetzt erst gemerkt, wie sehr er mich vermissen würde. ich hab ihn wirklich oft gefragt, ob er sich sicher ist und er meinte ja. januar 2009 sind wir dann zusammengekommen, und im märz hat er sich dann wieder getrennt weil er mich doch nicht liebt. von da an ging es mit mir total bergab. am anfang war ich nur depressiv, aber irgendwann kamen dann diese zg stärker denn je. ich war in diversen kliniken, zum schluß in freiburg auf der spezialstation für zwänge. insgesamt zehn monate klinik und ich fühl mich immer noch nicht wirklich gut. ich sehe meine tochter jedes wochenende, und vor jedem wochenende habe ich angst sie abzuholen, wegen der gedanken. wenn ich mit ihr alleine bin, habe ich ununterbrochen zg. und manchmal hab ich das gefühl, es passiert gleich. kann das alleine sein mit ihr gar nicht genießen. meine eltern können das gar nicht verstehen. wer soll das auch nachvollziehen können wie das ist mit den zg wenn er keine hat. in meinem scheiß hirn dreht sich alles nur um das thema m..d. kennt das jemand von euch? wenn ja würd ich mich wahnsinnig gern mal mit jemanden über diese gedanken austauschen. wenn es euch unangenehm ist, öffentlich drüber zu sprechen, dann sendet mir einfach eine pn. ich würde mich sehr darüber freuen, wenn ich wüßte dass es noch andere mütter mit den selben abartigen gedanken gint. obwohl ich mir und euch wünschen würde, es wäre nicht so. ich glaube wenn ich einen partner zu meinem kind hätte, wäre es alles nicht so schlimm. aber ich kann mir leider keinen herzaubern. ich befürchte bis an den rest meines lebens dazu verdammt zu sein, single zu sein ;)
Zuletzt geändert von zwaengler79 am 16:08:2010 15:13, insgesamt 1-mal geändert.
mici

Beitrag von mici »

Hi!

Nun mal ganz langsam.... eins nach dem anderen!
1. Du bist 31 und NICHT verdammt dazu, den Rest Deines Lebens Single zu sein! Ok, Du schreibst, Du befürchtest es, das kann ich verstehen. Diese Befürchtungen sind in Deiner Situation auch normal, in der Du gerade gar nicht weißt, wo Dir der Kopf steht vor lauter ZG! Meine Oma ist 85 und hat sich gerade in ihren Skatmitspieler verguckt, das schreib ich nicht aus Scherz, sondern weil es für alle Phasen geeignetere und weniger geeignetere Punkte gibt. Einen PASSENDEN Partner zu finden ist, denke ich mal, in Deiner momentanen Situation nicht der geeignete Zeitpunkt, denn Du kannst ja momentan gar nicht richtig wissen, was eigentlich PASSEND bedeutet. Du bist so sehr am Kämpfen gegen die ZG, dass es bestimmt sehr schwierig ist, zum jetzigen Zeitpunkt jemand Passendes zu finden. Doch das ist ja auch gar nicht Dein vordergründiges Problem, wenn ich Dich richtig verstanden habe. Was ich damit nur sagen wollte ist:
2. Du bist nicht allein! Auch, wenn Du keinen Partner hast, hast Du erstmal uns hier im Forum und wir begleiten Dich gerne durch die harte Zeit! Der Partner kann warten :wink:
3. Du machst seit 2 Jahren VT? Einmal die Woche? Wie ist das Verhältnis zu Deinem Therapeuten? Was meinst Du, woran liegt es, dass sich die ZG nicht zähmen lassen? Hast Du mal "Der Kobold im Kopf" von Lea Bear gelesen? Hat einigen hier sehr geholfen. Sprecht Ihr in der Therapie über Deine Kindheit?
4. Du hast geschrieben, es würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen, uns über Deine Kindheit zu schreiben. Mich persönlich würde das aber sehr interessieren. Ich habe selbst lange Psychoanalyse gemacht und bin jetzt auch wieder dabei und ich muss sagen, dass sich mindestens einige Dinge heute besser ertragen lassen, weil ich über manche Belange aus meiner Kindheit besser Bescheid weiß und sie auch besser einordnen kann.
5. Durch das Verhältnis zu Deiner Mutter, was Du bislang ja nur angedeutet hast, wird mir deutlich, dass es da vielleicht etwas zwischen Euch gibt, was Dich daran hindert, gesund zu werden. Schreib noch ein bisschen zu ihr, natürlich nur, wenn Du magst.
6. Aber ich denke, man kann über gewisse Grundprobleme nicht hinweggehen und hoffen, dass sie sich von alleine erledigen. Du hast zwar viele Therapien hinter Dir, aber an Deinem Verhältnis zu Deiner Mutter hat sich vielleicht noch nicht genug verbessert.
7. Die ZG sind ja, wenn ich das richtig verstanden habe (ich selber hatte keine), nur ein Symptom einer anderen Grunderkrankung. Zwar lassen sich die ZG "zähmen" und insofern die Symptome beheben, aber die Grunderkrankung bleibt.
8. Ich bin jetzt seit etwas mehr als 1,5 Jahren hier im Forum und ich habe schon sehr, sehr viele Frauen über ZG klagen hören. Es gibt fast nichts, was im Zusammenhang mit ZG nicht gedacht wird, M...D ist auch fast immer dabei, wenn ich as richtig überblicke.
9. Also mach Dir keinen Kopf darüber, ob Du besonders schlimme oder seltene ZG hast, dem ist nicht so! Mindestens in diesem Rahmen bist Du also ganz normal, das ist doch schon mal eine gute Nachricht, oder?! :wink:

Lieben Gruß,

MICI
selina

Beitrag von selina »

mici hat recht.Zgs können sich um alles drehen ..... lies mal meine ersten Beiträge meine Zgs gehen auch nur um Mord.....Aber du musst eines lernen zu verstehen Gedanken und Taten sind 2 paar Schuhe das hat mir letztens der Oberarzt der leitenden Psychiatrie in Stuttgart gesagt!Und diverse andere Ärzte auch!Also alle können nun nicht Dumm sein!Leider bin ich im Moment selten aktiv sondern lese meistens nur aber glaubemir eins du wirst wieder Gesund!!!!!!!!!!ICh bin auch nicht gesund aber ich weiss ich werde es und alle anderen hier ebendso! :wink:
Antworten