2. Versuch

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

Moderator: Moderatoren

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Vanessa

2. Versuch

Beitrag von Vanessa »

Hallo,
Ich starte nochmal einen Versuch zwecks Austausch. Auf meinen 1. Beitrag hatte sich leider keiner gemeldet :(
Also: Gibt es hier mehrere Mamas, die schon Monate raus ware
n aus der Depri und dann wieder Angst-Attacken hatten ? Wodurch wurden diese bei Euch ausgelöst ? Wie seit ihr sie wieder losgeworden ?
Es gibt ja viele Ratgeber über Ängste -taugt einer was ?
Ich hatte 2005 eine Depri und dann immer eine höllische Angst vor einem Rückschlag. Bin deshalb nur während der 2. Schwangerschaft bis zur 28 SSW ohne Medikament gewesen. Da hat es mich vorallem im Hinblick auf die Ängste voll erwischt. seitdem nehme ich Amitrypitlin 50 mg. Jetzt ging es mir ein dreiviertel Jahr richtig gut, bis mich kurz nach meinem Geburtstag wieder eine Angst-Attacke erwischte. Bin mit einigen Dingen unzufrieden, privat und beruflich, traue mich aber auch nicht wirklich was zu verändern... :(
Das nervige: Schon wenn mich etwas an die schwierige Zeit in der SS erinnert, fühle ich mich beklommen und dann kommt ganz fix die Angst wieder Angst zu kriegen. Eine richtig blöde Spirale!! Das kann tagelange anhalten, ich bin dann angespannt, das Arbeiten fällt mir schwer, die Kids nerven dann bloß noch und abends sitze ich da und heule nur noch.
Wer kennt sowas- die Angst vor der Angst und hat gelernt damit umzugehen ? Über einen Austausch mit Betroffenen freut sich
Vanessa
Leuchtkäfer

Beitrag von Leuchtkäfer »

Hallo Vanessa,

das kennen hier ganz viele von uns, daß die Ängste immer mal wieder auftauchen. Richtige Tips habe ich nicht für Dich, denn ich habe zum Glück nicht so unter Angst gelitten. Hast Du denn eine Therapie gemacht und dort vielleicht Hilfestellungen an die Hand bekommen, um mit den Ängsten umzugehen? Hast Du Aufzeichungen darüber? Dann kram sie vor und versuch, etwas gegen die Angst zu tun.

Das weiß ich nämlich nur, daß man sich, egal ob es Zwänge, Ängste, Kreiselgedanken oder was auch immer nicht hingeben darf. Es ist wichtig, sich ihnen zu stellen und dagegen zu kämpfen.

Sicher haben einige noch mehr Tips und Erfahrungen,
soweit erstmal alles Gute von

Leuchtkäfer
Birdee

Beitrag von Birdee »

"Ängste verstehen und überwinden" , PAL-Verlag , von Doris Wolff

Hat mir sehr geholfen ,absolut empfehlenswert....

Alles Gute :P
lulla

Beitrag von lulla »

Hallo Vanessa,

Habe seit vielen Jahren immer mal wieder mit Angst und Panikattacken zu tun. Ich bin der Meinung eigentlich hast du dir ein Grund geliefert, warum es bei dir immer mal wieder zu den Ängsten kommt, du bist dann überfordert mit vielen kleinen und großen Problemen in deinem Leben. Ich stelle mir dann immer ein Kessel Wasser vor, wenn der voll ist und alles zu ,heiß, ist dann kocht der Kessel über, und das sind dann die Ängste und oder Panikattacken. Sie sind nur "Helferchen" und wollen dir sagen das was im Ungleichgewicht ist.Sie fühlen sich zwar nicht so an,wie Freunde, aber wenn es dann wieder mal so ist ,gucke bei dir und überlege was im Moment wieder nicht so läuft, mit was du überfordert bist. Es muß nicht immer was ganz dramatisches sein. Das Buch von Doris Wolf ist sehr gut.
Alles Gute
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Marika
power user
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Registriert: 04:06:2005 16:05

Beitrag von Marika »

Hallo,

Bei Ängste und Panikattacken kann man in einer Therapie sehr gut Strategieen lernen, damit diese weniger bis gar nicht mehr kommen. Man kann lernen, woher sie stammen und das hinter liegende Trauma lösen.

Mir hat meine Therapie sehr geholfen, da einen großen Schritt weiter zu kommen uns so manchen "Brocken" los zu werden.

Liebe Grüße von
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Vanessa

Ängste

Beitrag von Vanessa »

Liebe Birdee, Leuchtkäfer,Lulla und Marika
Vielen Dank für eure netten und hilfreichen Antworten. Das Buch werde ich auf jeden Fall im Hinterkopf behalten. Ich habe mir heute eines von einer Bekannten geliehen "Wenn plötzlich die Angst kommt" von einem Roger..? hmm Nachnamen vergessen :oops: . Es scheint auf den ersten Blick nicht schlecht zu sein.
Tja, was die Therapie anbelangt muß ich "gestehen", daß ich bereits seit 2005 eine tiefenpsychologische Therapie mache. Das war zuerst eine Gruppentherapie, die kaum was gebracht hat und ist seit 2006 eine recht intensive Einzeltherapie. Ich habe da auch schon einige Brocken bei Seite geräumt wie Marika so schön gesagt hat. Insbesondere was das sehr schwierige Verhältnis zu meinen Eltern, vorallem zu meiner sehr ehrgeizigen Mutter angeht...Trotzdem habe ich immer wieder mal diese Angstattacken und trotzdem stehe ich denen teilweise immer noch so hilflos gegenüber. Trotz der langen Therapie :( Leider hatte jetzt auch meine Therapeutin einen Unfall, so daß ich sie seit 4 Wochen nicht erreichen kann. Mittlerweile haben die Ängste nicht mehr die Wucht einer Tsunami Welle, aber es ist immer noch heftig. Anfangs hat schon das bloße erwähnen von chronisch Depressiven oder von Suiziden eine riesige Angst hervorgerufen, die mir den Tag gründlich versaut hat. Das ist jetzt deutlich besser, auch Dank dem Forum. Am schlimmsten ist diese Angst vor der Angst. Wenn ich was schönes plane, z.B. eine Freundin übers Wochenende zu besuchen (was ich nächstes WE vorhabe), dann traue ich mich kaum mich darauf zu freuen, weil ich Angst habe, daß mir diese blöde Angst dazwischenkommt und wieder alles versaut...!
Ich weiß das klingt ziemlich verückt...!! Kennt das jemand ? Das ist doch Sch..Mittlerweile denke ich schon, es haben sich richtige Bahnen aus Angstspiralen und Kreiselgedanken in mein Hirn reingefräst. Ein "falscher Gedanke" und ab geht die Post. Das ist doch unglaublich, daß ich zeitweise Angst vor meinen eigenen Gedanken habe..!
Zu den Auslösern, da finde ich Lullas Idee, daß die Angst auf was aufmerksam machen will nicht uninterssant. Vermutlich ist es besser, zu versuchen sich auf das zu konzentrieren was dahinter stecken könnte, als ständig darüber nachzugrübeln ob ich doch wieder depressiv bin und wenn ja ,wie schrecklich das ist .
Angefangen hat es damit, daß ich dachte ich muß nun bald den Arbeitgeber wechseln um beruflich weiterzukommen- aber irgendwie trau ich mich nicht. Teils weil mein Mann nur eine 50 % Stelle hat, die zudem befristet ist und teils weil ich mich irgendwo neu beginnen immer total stresst. Anderseits hocke ich so vielleicht in 5 Jahren immer noch auf dem alten Posten, während sich alle anderen weiterentwickeln , weil sie eben keine solchen Angsthasen sind. Ja, ich weiß- bloß nicht unter Druck setzen.
Abdererseits verstehe ich nicht warum die Vorstellung (nächstes Jahr!)die arbeit zu wechseln bereits so eine Panik in mir hervorruft?
Tja, das werde ich heute wohl nicht mehr rausfinden. Gehe jetzt ins Bett, muß morgen leider arbeiten. Bis bald.
Lg Vanessa
Leuchtkäfer

Beitrag von Leuchtkäfer »

Hallo Vanessa,

ich muß auch heute arbeiten, bist nicht alleine damit an so einem schönen Samstag. Wir Armen!

Ich kenne das, daß Du Angst hast, Dich auf etwas zu freuen, weil Du glaubst, dann kommt sowieso die Angst. Bei mir war es so, daß ich mich nicht freuen wollte, weil ich glaubte, durch meine Freude an sich schon alles zu versauen.
Mir hat folgender Gedankengang sehr geholfen: Es kann passieren, daß irgendwas dazwischen kommt (bei Dir die Angst), ob ich mich nun freue oder nicht. Niemand kann mit Gedanken Dinge bewirken, ich kann nur das Erleben der Dinge für mich ändern. Also, ob mir eine Sache Angst macht, oder nicht. Das habe ich selbst in der Hand. Wenn dann wirklich etwas dzwischen kommt, bei dem, worauf ich mich so gefreut habe, dann hatte ich wenigstens die Vorfreude.
Du nimmst Dir selbst Lebensfreude, wenn Du Dich nicht traust, Dich auf etwas zu freuen. Sag Dir das immer wieder, vielleicht hilft es etwas.

Grüße von Leuchtkäfer
Vanessa

Ängste

Beitrag von Vanessa »

Hallo Leuchtkäfer,
danke für deine Antwort. Ja, das Wetter am Samstag war eigentlich echt mehr zum Freimachen geeignet.. :-)
Im Prinzip hast du natürlich Recht, wenn irgendwas nicht klappt, hatte man wenigstens die Vorfeude. Aber das man das in der Hand hat, ob einem etwas Angst macht oder nicht ? Die Angst entsteht doch oft rasend schnell- ein Satz, eine Situation die einen an die übelsten Deprizeiten erinnert und los gehts mit der Angstspirale. Was man hoffentlich üben kann, ich versuche es jedenfalls, ist nicht wieder so auf zu springen auf das Angst karusell bzw schnell wieder runterzukommen.
Dennoch, diese blöde Angst-vor-der Angst-Geschichte hab ich zur Zeit noch am Hacken, auch diese zwanghafte Selbstbeobachtung, "Wie-gehts-mir-denn-heute bzw ist -denn-auch-wirklich-alles-in-Ordnung". Das ist echt schon neurotisch, glaube ich :( Ich meine vor der Depri hab ich mich doch auch nicht dauernd gefragt wie es mir geht und dieses ständige nachgrübeln warum es mir nicht gut geht, hatte ich auch nicht.
Vereinfachend gesagt: Enzweder geht es mir richtig gut, vorallem dann wenn ich ganz in der Gegenwart lebe, oder ich habe negative Gefühle, die mir sofort Angst machen. Kann ich nicht einfach mal ganz normal schlecht drauf sein, wie hundertmillionen andere auch. Ohne zu denken Oh GottohGottwasistmitmir?
Versuche aber trotzdem mich auf mein Weiberwochenende zu freuen :lol: :lol:
Ganz liebe Grüße Vanessa
PS: Hoffe das war jetzt nicht völlig wirr... Habe meinen kranken Sohn auf dem Schoss, was doch ganz schön ablenkt....
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