Wie helfe ich einer Alkoholikerin???

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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vergissmeinnicht

Wie helfe ich einer Alkoholikerin???

Beitrag von vergissmeinnicht »

Hallo ihr Lieben!

Ich hab ja schon oft über meine katastrophalen Familienverhältnisse geschrieben, meinen Beitrag aber immer wieder gelöscht weil es mir peinlich ist!

aber ich brauch eure Hilfe!

Es geht um meiner grossen Schwester.
Ihre Tochter lebt ja bei mir..am Wochenende ist wieder mal alles eskaliert, Heike will jetzt nicht mehr ihre Mutter besuchen fahren.

Sie arbeitet vormittags, kommt dann mittags heim und legt sich mit einer DOSE ( wie peinlich :oops: ) Bier ins Bett, und es bleibt natürlich nicht bei der Dose..bei der einen..

Das erinnert mich so an unseren Vater.
Meine Eltern liesen sich früh scheiden ( ich danke Gott dafür) und ich ging ihn oft besuchen.
Er lag immer im Bett, lallte, abgedunkeltes Zimmer...

Meine grosse Schwester ist 6 Jahre älter als ich, sie bekam vermutlich viel mehr mit was vor der Scheidung geschah als ich und jetzt macht sie das selbe!!!!!

Ihre Tochter wohnt ja jetzt schon bei mir, sie hat noch einen 16 jährigen Sohn, der in die selben Fussstapfen tritt.
Er ist jetzt schon Stammkunde beim Arbeitsamt, sie unterstützt seine Faulheit und nimmt ihn immer in Schutz, vermutlich hat sie keine Kraft zum kämpfen.
Ihr Sohn hat schon 3!! Lehrstellen abgebrochen..und sie ist zu schwach!!!
Sie kümmert sich um nix..macht ihre paar Stunden arbeit und trinkt dann..
Die Kinder sind sich selbst überlassen, wobei jetzt eh nur noch der eine Sohn bei ihr ist.
Um Heike kümmer ich mich, um ihre Sozialstunden usw , sie bekommt nix auf die Reihe und sieht es nicht!!!

Sie lebt in ihrer eigenen Welt, ich kann sagen was ich will...SIE SIEHT ES NICHT.
DAS REGT MICH SO AUF!!!!!!!!!!!!

Ich würd sie so gern wachrütteln, gibts ja nicht, wo ist ihr Verstand hin?????

Ich hab ihr gesagt dass sie ein Alkoholproblem hat und sich helfen lassen soll und muss!
Jetzt will sie nix mehr von mir hören und es wäre eine Frechheit wie ich sie beleidige....

Ich kann doch nicht zusehen wie sie wegen Alkohol alles verliert!!!!!
Unser Vater hat sich auch zu Tode gesoffen und alles verloren...uns Kinder...sie verliert zumindest eins ( ihre Tochter) auch grad und der Gipfel, in ihren Augen bin ICH!!! schuld!!!!

Am liebsten würd ich sie zwangseinweisen lassen, um sie dann als meine mich beschützende grosse Schwester wieder zurück zu haben...aber das ist schon so lang her...

Es tut mir weh zu wissen dass sie leidet aber sie gibt es ja nicht mal zu!!!!

Was kann ich tun???
Hier gibts doch viele die auch mit Alkohol in der Familie zu kämpfen haben..
Wie dringe ich zu ihr durch??
Ich kann nicht zusehen wie sie ihr Leben wegwirft!!!!

Bitte helft mir!!

Liebe Grüße
VGMN
smaugerl

Beitrag von smaugerl »

hallo vgmn,

tut mir leid zu hören, das du im Moment nicht klarkommst mit deiner Schwester..

ich möchte dir nur ganz kurz sagen, ein Alkoholiker muss selber wollen - wie bei allen anderen Süchten oder Drogen wahrscheinlich auch - es bringt nichts, jeden Tag zu "predigen", deine Schwester muss sich, so hart wie es auch klingt, selber den "Kopf anhauen" - bis dahin wirst du zusehen müssen, wie sie sich das Leben kaputtmacht - auch wenns nicht einfach ist - sei da für sie und ihre Kinder, wenn sie dich braucht. Du machst das eh schon toll mit deiner Nichte. Und du kannst auch deiner Schwester helfen, aber sie muss den ersten Schritt und wirklich bereit sein, sich helfen zu lassen.

ich wünsch dir alles Liebe!

lg
smaugerl
nic

Beitrag von nic »

VGMN!!!

Du brauchst selbst Hilfe. Meine Mutter ist Alkoholikerin... Lass die Finger davon.

Du hast schon ihre Tochter bei Dir aufgenommen, mehr kannst Du wirklich nicht tun.

Manche merken eben erst, dass sie im Rinnstein liegen, wenn sie auf die Bordsteinkante beissen!

Wenn sie dann wieder aufsteht, kannst Du ihr die Hand reichen.

Lass Dich von ihrem Psychoterror bitte nicht verrückt machen.

GRENZ DICH AB!

Bitte, ich weiß wovon ich rede, ich habe dieses Spiel seit 38 Jahren.

Sie ist KEIN Opfer...

Wir sind Schöpfer, nicht Opfer unserer Welt...

Kannst Du Dir das versprechen???


Liebe gutgemeinte Grüße

N!c
Vicky

Beitrag von Vicky »

Liebe VGMN,

Alkis kann man nicht helfen.

Die beste Hilfe, die Du ihr geben kannst, ist sie fallen zu lassen.

Es ist brutal, hart und Du fühlst Dich schuldig, so ist das mit Säufern.

Dein Schwester war Opfer und ist nun selbst Täter!!!

Du mußt Dich distanzieren, sonst gehst Du mit zugrunde.

(Ich weiß wovon ich spreche, habe meine Mutter fallen lassen müssen.
Sie hat sich für den Alkoholismus entschieden und somit gegen mich. Ihre Mutter hat sich zu Tode gesoffen.
Die seelischen Verletzungen, die ich davon getragen habe, sind nicht wieder gutzumachen.)

Laß die Finger davon!!!
Sie ist nicht mehr der Mensch, der sie mal war. Das ist so unendlich traurig, aber es ist wie ein Tod nur noch schlimmer, denn man kann die Person nicht in guter Erinnerung halten. Ein Abschied für immer.

Vicky
scaramouch

Beitrag von scaramouch »

Hallo liebe VGMN

mein Vater hat schon Alkoholprobleme seit ich denken kann, ich war noch sehr sehr klein und habe aus meiner Kindheit ein fürchterliches Trauma davon getragen...
auch heute quält es mich noch, wenn ich sehe, wie er sich gehen lässt und was der Alkohol im Lauf der Jahre mit ihm angerichtet hat.

Ich finde eigentlich, es ist hart, zu sagen, du solltest dich von deiner Schwester abgrenzen. Doch leider sehe ich auch keine andere Möglichkeit.
Ich habe alles versucht, meinen Vater wach zu rütteln und bin dabei beinahe selber kaputt gegangen. Irgendwann musste ich mich und meine Familie selber schützen und habe mich zurückgezogen von ihm.
Trotzdem vergeht kein TAg, an dem ich nicht an ihn denke und mich um ihn sorge, denn er ist mein Papa und ich habe ihn lieb.
Aber er hat mir mitunter die Depression eingebrockt bzw. war einer der grössten Auslöser dafür.
Das erkannte ich aber erst vor kurzem durch meine klasse Therapeutin und meine eigene Arbeit an mir selbst.

Du könntest noch einmal versuchen mit ihr zu sprechen. Sag ihr klar, dass das nun dein letzter Versuch ist sie wachzurütteln und das du dich ab sofort solange zurückziehen wirst, bis sie ihr Leben ändert. Dann musst du es aber auch durchziehen, sonst verlierst du deine Glaubwürdigkeit.
So habe ich es damals bei Papa gemacht. Leider gab es bei uns kein Happy End, aber vielleicht begreift sie es, wenn sie dich verliert.

Alles Gute
scara
Mondlicht0101

Beitrag von Mondlicht0101 »

Mein Vater war Alkoholiker und ist vor 2 Jahren daran gestorben - er hat sich zu Tode gesoffen. Hinterlassen hat er 2 Kinder, die ihr Leben lang aufarbeiten müssen, wass er hinterlassen hat.

Ich verfluche den Alkohol und doch habe ich Mitleid mit diesen Menschen.

Das Schlimmste am Alkoholismus sind nicht mal die Alkoholiker selbst, sondern das, was mit den Angehörigen passiert - Cobhängigkeit, Schuldgefühle, man will retten, helfen - und geht zugrunde.

Ich kann Dir ein Buch empfehlen: Coabhängigkeit.

Wie die anderen schon geschrieben haben, versuche Dich abzugrenzen, Du kannst Ihr leider nicht helfen, sie muss es selbst erkennen und wollen...alles andere ist LEIDER vegebene Liebesmüh.
_________________
vergissmeinnicht

Beitrag von vergissmeinnicht »

Ich danke euch von Herzen!

Das Problem ist, dass es ihr egal ist....

In den Augen meiner Schwester ist sogar Familie wahnsinnig anstrengend und sie will nur ihre Ruhe :roll:

Sie ist froh wenn sie nix hört und nix sieht von uns..

Wir sind 4 Schwestern, wir haben soviel durch.
Unsere Kindheit war ein Krimi.
Ich hab mir oft gedacht wie stark wir wären weil wir alles so weggesteckt haben.
Doch seit einigen Jahren sehe ich wie alle "zerfallen".
Früher waren wir ein gespann wie aus dem Bilderbuch...Mama mit den 4 Töchtern.
Jetzt ist jede von uns fertig...

Die eine sauft, vermutlich auch Bulimie, oder sie isst nix mehr und ernährt sich nur von Bier.
Die zweite hat meiner Meinung nach ein ähnliches Problem, trinkt jedoch nicht soviel..soweit ich das beurteilen kann.
Diese 2 wohnen 165 km von mir entfernt.
Dann gibts noch meine kleine Schwester, sie ist mir nachgezogen und hat Depressionen!

KLASSE!!!

Ich würde mal sagen...verhaut....hat Mama versagt?

Man spricht ja oft von gebrochenen Seelen die nicht mehr heilen und ich hab Angst dass wir dazugehören...

Meine grosse Schwester sinkt..und ich muss zusehen..meine kleine hab ich zum Psychiater geschickt und sie hat auch meine Hilfe angenommen..und viele Gespräche...

Ich kann nicht jede retten..und ich kann unsere Familie ( nicht mehr) retten.
Hab das Gefühl es ist alles zuviel..

Früher ( vor meiner Scheidung) haben wir alle in einem Ort gewohnt, dadurch war es auch leichter zu helfen, zu halten zu verstehen..zusammenhalten..gefangen zu werden...

Ich hab das Gefühl alles zerbricht.

Vermutlich wurde unser Leben zerstört ehe es erst richtig begonnen hat...

Es wird nie wieder so werden wie es mal war..und das tut so weh!!!

Da waren es nur noch 2 fällt mir dazu nur ein, meine kleine Schwester und ich....
Die anderen 2 trinken lieber....

Ich werde wohl weiter kämpfen müssen..für die kleine Sis, für mich..für unsere Familie....

Ich hätte die 2 grossen so gern mitgenommen...hab jedoch das Gefühl unterzugehen wenn ich es weiter versuche und fühle mich dennoch so als würde ich sie "ertrinken" lassen...

Es fühlt sich nicht richtig an...
nic

Beitrag von nic »

Hey VGMN...

ich kann Dich von Herzen verstehen... ich mache gerade das gleiche mit meiner Mutter durch.

Du lässt sie nicht ertrinken, denn sie können selbst schwimmen! So wie Du es auch musstest.

Was haben zwei davon, wenn sie nicht schwimmen wollen? Nix!
Was hast Du davon, wenn Du sie eh nicht retten kannst? Nix!
Was hat der Rest Deiner Familie davon, wenn Du bei dem Versuch die anderen zu retten selbst ertrinkst?

Eine unlösbare Menge an Problemen, die sie dann im Erwachsenenalter depressiv oder abhängig werden lassen.

Kämpfe für die, für die Du verantwortlich bist und unterbrich diese Leidenskette. Nur so kannst Du die Nachfahren Deiner Eltern retten. Und Dich.

Und die "Kleinen" brauchen Dich. Ich finde es toll, was Du für Deine Nichte tust, auch wenn ich mich damals dagegen ausgesprochen habe.
Ich hatte einfach Angst um Dich.

Es tut weh, ich weiß und es fühlt sich nicht richtig an, aber es ist richtig!

Versprochen.

Wünsch Dir ganz viel Kraft und Liebe

N!c
vergissmeinnicht

Beitrag von vergissmeinnicht »

Danke Nic....

Muss jetzt dann arbeiten..
..und darüber nachdenken...du hast Recht ich weiss...

Hab am Mittwoch Termin bei meiner Psychiaterin und das erste Mal in meinen Ldben freue ich mich drauf.

Ich hab soviel zu sagen dass vermutlich 2 Stunden eh nicht reichen werden...

Ich hoffe ich bin dann nicht wieder so verklempt und beschämt und so die Starke spielend...

Es ist irgendwie wie Abschied nehmen....die Familie von früher gibt es nicht mehr.
Meine Schwestern sind opfer und müssen schwimmen...nur wissen sie es nicht dass sie nur schwimmen müssten!!
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