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Erfahrungen mit Medikamenten, Fragen, Infos, Tipps, ...

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Lenchen08

Beitrag von Lenchen08 »

Hallo liebe Zett,

Ich lese in diesem Thread nun schon eine Weile mit und will jetzt auch mal meinen Senf dazugeben.
Wie du in meinem Profil sehen kannst, habe ich Zyprexa fast ein Jahr lang in der Höchstdosis (20 mg) eingenommen. Ich hatte keine Psychose sondern "nur" eine schwere Depression mit massivem Grübelzwang. Dagegen wurde mir das Zyprexa in Kombination mit einem AD verordnet. Ich muss sagen, dass es mir sehr gut geholfen hat. Der Grübelzwang konnte vollständig unterbrochen werden und auch die Depression ist viel besser geworden. Zyprexa war damals mein Rettungsanker.
Leider habe ich in dieser Zeit 25 kg zugenommen, weshalb ich das Zyprexa dann abgesetzt habe und auf Seroquel umgestellte.
Soweit ich weiß, haben Neuroleptika, genau wie AD's, KEIN Abhängigkeitspotential. Bei mir hat das Reduzieren keinerlei Probleme gemacht, obwohl ich mein NL viel länger- und in einer höheren Dosis genommen habe. Ich kann nicht ganz verstehen warum Deine Ärztin da so großen Druck macht.
5 Wochen sind keine lange Zeit und Du scheinst das Medikament ja noch zu brauchen (zumindest so lange bis dein AD richtig greift).
Vielleicht wäre ja auch ein Wechsel auf ein anderes NL möglich. Hast du darüber schon einmal nachgedacht? Es gibt mittlerweile schon viel neuere NL's, die sehr gut helfen und ein viel geringeres Nebenwirkungspotenzial haben.
Seit meinem Rückfall im November 2011 nehme ich auch wieder eine Kombi aus AD und NL (wieder um den Grübelzwang zu unterbrechen und die antidepressive Wirkung des Ad's zu erhöhen) und ich fahre sehr gut damit.

So, das war's erstmal von mir.
Ich hoffe, ich konnte dir etwas die Angst vor dem Neuroleptikum nehmen. Falls Du noch Fragen hast, kannst Du dich gern bei mir melden.

Liebe Grüße von Ulrike
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Marika
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Beitrag von Marika »

Hallo,

ma, das ist ja ein Ding - dir wirds grad echt nicht leicht gemacht.

Wie du bei Lenchen lesen kannst, hat sie sehr gute Erfahrungen gemacht, da sieht man auch, wie unterschiedlich die Menschen sind. Ich hatte auch massvie ZG, Grübelzwang usw... alles konnte alleine mit deinem SSRI "behoben" werden. Auch die Meinungen der Ärzte und Fachleute gehen bei der Medikation für Zwänge auseinander - die einen meinen "unbedingt Neuroleptika" die anderen "nicht mit Kanonen auf Spatzen"... hatten wir eh schon. Beides kann klappen, wie man an Lenchen und mir sieht.

Ich bin etwas ratlos - du willst das Zyprexa nicht mehr und beide Ärzte sagen auch: weg damit. Blöd ist jetzt halt, dass du unter Absetzsymptomen zu leiden scheinst. Kannst du noch weniger als 2,5 mg runter gehen?

Du hast den Ärzten gesagt, dass es dir so schlecht geht, wenn du reduzierst? Wann hast du wieder einen Termin?

Absetzsymptome können sehr unterschiedlich lange dauern, das ist ganz schwer zu sagen. Es können nur Tage sein, aber halt auch Wochen....
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
zett

Beitrag von zett »

Stand der Dinge....

Ich habe jetzt einige Tage nachgedacht und alles nochmal mit meinem Freund besprochen... Er muss das ja alles auch irgendwie mit tragen :wink:

Nachdem ich nun letzten Freitag wieder bei meiner Psychiaterin war und sie wieder sagte, ich soll die Zyprexa am besten im Klo runterspühlen, hab ich mich entschieden, es zu wagen.
Ich habe am Sonntag die Zyprexa komplett abgesetzt und will es schaffen!
Mir geht es mit dem Gedanken sehr gut - ich will das Medikament einfach nicht mehr nehmen. Die Absetzsymptome haben allerdings schon begonnen. Ich habe wahnsinnige Kopfschmerzen und bin zittrig... Manchmal kommt auch ein wenig Panik in mir hoch, allerdings konnte ich das bislang mit dem festen Gedanken " ABSETZSYMPTOM" in den Griff bekommen.
Bitte drückt mir die Daumen, dass das bald vorbei ist und ich ohne Zyprexa auskommen kann!
Sonnenschein84

Beitrag von Sonnenschein84 »

Hallo Zett,

ich drücke dir die Daumen, dass du es hinkriegst und bin zuversichtlich, dass das geht. Es reagiert zwar jeder unterschiedlich auf Medikamente und Dosierungen, aber ich würde vermuten, dass die Absetzsymptome bei deiner geringen Dosierung wirklich schnell vorübergehen.

Ich glaube es ist auch eine gute Voraussetzung, dass du ohne das Medikament auskommen möchtest und kannst.
Ich hab eine kurze Zeitlang 20 mg davon nehmen müssen, wollte es auch so schnell wie möglich reduzieren und dann konnte ich es auch in ziemlich schnellen Schritten ausschleichen. Ich hab eigentlich nie Absetzsymptome gemerkt, sondern nur, dass es mir von mal zu mal besser ging ohne die Tabletten. eine große Rolle hat dabei aber auch der Gedanke gespielt, dass ich eben ohne die Tabletten auskommen wollte.

Also toi toi toi. Liebe Grüße
zett

Beitrag von zett »

Danke Sonnenschein :-) !

Ich will es auch unbedingt schaffen und dieser Gedanke hilft.
Heut ging es mir auch erheblich besser als gestern und ich hoffe, dass es so bleibt!

Liebe Grüße
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Marika
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Beitrag von Marika »

Hallo Zett,

wie gehts dir mittlerweile?

Das war sicher keine einfache Entscheidung. Blöd an der ganzen Geschichte ist halt, dass das Neuroleptikum zuerst als "das Medikament" gehandelt wurde und sich jetzt raustellt: das war ein Fehler. Fehler passieren - aber leider gehen sie halt im Medizinischen Bereich auf Kosten der Patienten, die du nun leider in Form von Absetzsymptomen zu tragen hast. Aber auch die gehen vorbei!

Es ist jetzt aber wichtig: schau wie es dir geht, denn evlt. muss man deine Dosis des Sertralins anpassen! Du nimmst noch die 50 mg? Das ist nämlich eine sehr geringe Dosis. Deine Ärtze wollten da ja noch nichts ändern, behalte das aber im Auge!
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
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zett

Beitrag von zett »

Hallo Marika,

inzwischen geht es mir leider gar nicht mehr gut :?

Ich habe seit gestern Nachmittag eigentlich durchgehend Angst. Ich weiß nicht mal, wovor... Ständig dieses nervöse Gefühl im Bauch, diese unerträgliche Angspanntheit. Manchmal hab ich das Gefühl, dass ich gleich durchdrehe und kann dann nur noch heulen und wie blöde auf und ab laufen...
Meine Psychiaterin sagt ja, ich müsse da durch und dann wirds besser... Keine Ahnung... Das sei eben meine Angsterkrankung... Ich soll mich der Angst stellen...

Fürchterlich!!!
zita

Beitrag von zita »

hallohallo,

hier wurde ja schon sehr viel und wichtiges geschrieben, von mir hier nur mein kurzer erfahrungsbericht: ich habe zyprexa längere zeit genommen u es hat mir sehr gut geholfen. ich habe damals zwischen 2,5 - 7,5 mg genommen. meine einzige nebenwirkung war die gewichtszunahme, das war für mich der grund zu wechseln. heute nehme ich abilify und das schon seit 4 jahren... das nl hilft mir ein - fast - normales leben zu führen. absetzversuche sind immer gescheitert, ich werde dann einfach zu dünnhäutig.

ich will dir damit nur aufzeigen, dass neuroleptikas nicht irgendwelche drogen oder so sind, sodern medis die auf den dopamin-stoffwechsel einwirken und helfen.

bleib dran u sprich mit deinen ärzten, auch du wirst den für dich geigneten weg finden!

lg zita
zett

Beitrag von zett »

Hallo Zita,

ich spreche dem Zyprexa auch nicht die Wirkung ab; NL haben durchaus ihre Berechtigung und geholfen hats mir auch...
Die Psychiaterin ist der Überzeugung, dass ich sie absetzen soll und das hab ich nun gemacht - leider geht es mir nun erstmal wieder deutlich schlechter...
Sie hat natürlich Recht, wenn sie mir erklärt, dass das Zyprexa an meinem Grundproblem nicht arbeitet. Es betäubt die Ängste, aber das ist ja keine Lösung. Ich möchte eigentlich ganz gerne wieder ohne Medikamenten und ohne Ängste leben. Das funktioniert offenbar nur, wenn man sich dem Problem stellt.
Eine sehr, sehr unangenehme Erfahrung, muss ich sagen! Und wenns ganz schlimm ist, möchte ich schon einfach zur Tablette greifen und gut is... Aber dann kann ich nicht gesund werden.
Ich muss da wohl jetzt irgendwie durch.....................
zita

Beitrag von zita »

Hallo Zett,

ich konnte immer erst dann an mir arbeiten, wenn ich einigermaßen stabil war und das war bei mir nur mit medis möglich. Ich habe dann - ohne medis - auch irgendwann nicht mehr eingesehen so hart zu kämpfen, das hat mir alle meine Kräfte geraubt und mir nicht mehr die Chance gelassen, irgendein Problem klar anzugehen.

Ich denke, den für sich richtigen Weg muss wirklich jeder alleine finden und ausprobieren, ich drücke dir die Daumen, dass es Dir bald besser geht.

Lg zita
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Marika
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Beitrag von Marika »

"Irgenwie durch" schon, aber um gesund zu werden, braucht es halt erstmal auch das richtige Medikament und die richtige Dosis davon. Dann kann man effektiv in einer Therapie seine Ängste bearbeiten - also auch, wenn du eine höhere AD Dosis nimmst oder eben ein NL. Die allermeisten Angstpatienten sind anfangs nicht in der Lage sich ihren Ängsten zu stellen, weil sie einfach viel zu stark sind. Da eben setzen dann die Medis an.

Ich finde es sehr seltsam, dass man dich mit dem Absetzen des NL so alleine läßt und nicht mal die Minidosis von 50 g Sertralin anschaut. Ich meine, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Sich den Ängsten stellen ist natürlich richtig - aber NICHT alleine zusammen mit einem Absetzen eines Medikamentes - sondern in BEGLEITUNG einer Fachperson in Rahmen einer Therapie. Ich finde du wirst viel zu sehr alleine gelassen, du brauchst mehr Unterstützung. Machst du eigentlich Therapie, sorry hab das grad nicht mehr im Kopf!
Liebe Grüße von
Marika

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zett

Beitrag von zett »

Hallo meine liebe Marika :-) ,

ich muss auch sagen, dass ich mich ganz schön allein gelassen fühle und die Vorgehensweise nicht so ganz verstehe...
Ich kämpfe nun wie ein Löwe, um jeden Tag zu überstehen und es zerrt so unglaublich dolle an meinen Kräften, aber jetzt mit den NL wieder zu beginnen, halte ich für die denkbar schlechteste Idee. Da hab ich jetzt genug dran rumgeschraubt - Du erinnerst Dich an meinen Ausschleichversuch vor 2/3 Wochen... Nun bin ich seit letzten Sonntag ohne Zyprexa und ich will unbedingt daran festhalten. Ich muss es schaffen!
Die Sertralindosis ist tatsächlich fraglich und ich denke gerade in den vergangenen Tagen oft an Deine Worte... Die Psychiaterin meint ja so gar, dass ich auch das Sertralin bald ausschleichen kann... Echt merkwürdig! Sie sagt, dass dieses Medikament gegen Depressionen hilft und depressiv bin ich ja nicht... Inzwischen hab ich aber nun, auch hier im Forum, erfahren, dass es auch erfolgreich gegen Ängste eingesetzt wird.
Vielleicht sollte ich mir wirklich einen ganz anderen Psychiater suchen.
Als ich versucht hatte, mir eine zweite Meinung zu holen, hieß es ja nur, dass sie sich ungern in den Behandlungsplan einmischen wolle....

Was eine Therapie betrifft.... Ich bin einmal die Woche bei einer Hebamme, die sich speziell mit Traumageburten auskennt, allerdings macht sie keine Verhaltenstherapie... Bislang hatte sie eher einen aufklärenden Ansatz....
Aber am Montag habe ich meinen ersten Termin bei einem Psychologischen Psychotherapeuten. Ich erhoffe mir sehr viel davon!

Gestern muss ich sagen, bin ich quasi ständig durch die Hölle gegangen. Ständige Angst mit mehreren Panikattacken. ABER ich hab es immer wieder geschafft und mit der Zeit hatte ich den Eindruck, dass die Angst etwas abstumpft. Am Abend hatten wir ein Kurstreffen ( Geburtsvorbereitungskurs) im Geburtshaus. Ich war völlig durch den Wind vorher. Wir sind aber trotzdem hingefahren. Und als ich unsere Geburtsgeschichte erzählt habe, war ich hinterher komplett fertig. Totmüde und nicht mehr aufnahmefähig... Aber auch das ging vorbei. Als der Tag geschafft war, habe ich gemerkt, dass ich ein wenig stolz auf mich sein konnte.. Ich dachte plötzlich, "Du kommst auch damit klar!"
Es wird sicher ein schwerer Weg und wie und ob man an dem Medis nun was macht, wird sich zeigen.

Ich muss heute und an dieser Stelle nochmal ausdrücklich betonen, dass ich wirklich froh bin, mich über dieses Forum mit Euch austauschen zu können! Ihr gebt mir das Gefühl, nicht allein zu sein!
Danke!

Ganz liebe Grüße!
zett

Beitrag von zett »

...wie ist das eigentlich mit Alkohol? Ich weiß, dass in der Packungsbeilage vom Sertralin steht, dass man auf Alkohol verzichten sollte.... Aber darf man nicht einmal ein Glas Wein trinken?
engelchen2012

Beitrag von engelchen2012 »

uns wurde in der klinik gesagt, dass man bei antidepressiva und alkohol ziemlich aufpassen muss, da man nie genau sagen kann, wie die beiden zusammen wirken. gegen ein gläschen wein mal zwischendurch ist sicher nichts einzuwenden, ich spar mir sowas aber für nur wirklich ganz wichtige gelegenheiten auf. meine gesundheit ist mir so viel wert, da verzichte ich gerne auf alkohol!

wie machen's die anderen?
Sabrina M.

Beitrag von Sabrina M. »

Ich verzichte ebenfalls auf Alkohol. Mir ist die Kombination auch viel zu heikel. Meiner Meinung nach ist die Gesundheit jetzt am wichtigsten und dafür verzichte ich sehr gerne
Aber das muss natürlich jede für sich selbst entscheiden.
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