Stimmt die Aussage meiner Ärztin?

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inga1983

Stimmt die Aussage meiner Ärztin?

Beitrag von inga1983 »

Hallo,

ich war gestern bei meiner Ärztin, weil es mir im Moment leider wieder schlechter geht. Ich nehme seit der Geburt meines Sohnes im März 2014 täglich 100mg Amitriptylin. Mir ging es damit gut, bis ich vor knapp 5 Wochen abgestillt habe. Seit dem geht es abwärts ins tiefe Tal :cry:

Ich wollte, dass meine Ärztin noch mal meine Medikation überdenkt, da auch eine Dosiserhöhung vom Ami nicht wirklich geholfen hat. Ich wollte gern ein SSRI verschrieben haben. Früher hatte ich schon mal Sertralin. 3 Jahre ging es mir damit super. Dann habe ich es vor der ersten SS abgesetzt und als ich es nach der Geburt wieder nehmen wollte, hat es nicht mehr gewirkt/ angeschlagen.
Meine Ärztin meinte dann gestern, dass Ami die Wunderwaffe gegen Depris wäre und wenn mir das nciht helfen würde, dann brauche ich es mit einem SSRI gar nicht erst zu probieren. Ich solle das Ami weiternehmen und wenn es sein muss, dann solle ich halt morgens Paroxetin dazunehmen. Alle anderen SSRI würden mit dem Ami kombiniert zu EKG-Veränderungen führen. Als ich anmerkte, dass ich das Paroxetin nciht so gerne nehmen will, da ich viel schlechtes davon gehört habe, war ihr das ziemlich egal und ich wurde mit dem Paroxetin-Rezept quasi aus dem Behandlungszimmer geleitet. Ach ja und während ich bei ihr im Zimmer war, fragte sie mich noch allen Ernstes, waum ich mein quengeliges Baby mitgebracht hätte?! Ziemlich unverschämt das ganze (trotz das ich Privatpatientin bin :-) )

Den Arzt zu wechseln ist nicht leicht. Alle völlig überlaufen...

Wie ist denn da eure Erfahrung? Helfen SSRIs wirklich nicht, wenn schon ein trizyklisches AD nicht mehr richtig hilft gegen gedrückte Stimmung mit Unruhe und Angst?

LG Inga
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Marika
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Re: Stimmt die Aussage meiner Ärztin?

Beitrag von Marika »

Hallo du,

ich bin natürlich keine Ärztin, aber ich habe so etwas noch nie gehört und genau das Gegenteil schon vielfach erlebt: nämlich das nach dem Versuch mit einem trizyklischen AD sehr wohl ein SSRI nicht nur gewirkt hat, sondern sogar den Durchbruch gebracht hat. Anders herum natürlich auch!

Jeder Mensch ist ja anders, jede Depression kann an anderes Ungleichgewicht der Botenstoffe als Ursprung haben. Daher braucht es bei den einen ein trizyklisches, bei den anderen ein SSRI. Wäre das Ami "die Wunderwaffe", dann ist es schon seltsam, dass ein Großteil der Betroffenen mit einem SSRI sehr gut fahren. Natürlich gibt es auch genug Menschen, die nur mit einem trizyklischen AD gesund werden, keine Frage - das heißt aber nicht, dass das für alle gilt und es scheint so, dass du auch nicht dazu gehörst. Daher würde alles für einen Versuch mit einem SSRI sprechen.

Ich habe eine liebe Bekannte, die auch lange Ami nahm. Immer wieder Einbrüche, keine Stabilität, die Ärztin weigerte sich lange ein SSRI (Cipralex) zu verschreiben. Die Betroffene litt ohne Ende. Dann endlich doch: es wurde ein SSRI verschrieben ... der Betroffenen geht es nun endlich, endlich gut! Ich schaue mal ob ich sie für dich erreichen kann, dann könnte sie dir ihre Geschichte selber erzählen.

Ganz ehrlich: Ich würde mir trotz der Schwierigkeiten eine 2. Meinung einholen - wenn nötig in deiner psych. Ambulanz, die es in jedem Spital gibt. Die Aussage, warum du dein quängelndes Baby dabei hast, ist im übrigen extrem unverschämt und geht gar nicht.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
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