Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

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Julia1984
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Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

Beitrag von Julia1984 » 02:07:2019 10:33

Hallo!
Ich habe eine generalisierte Angststörung und Depression und bin geplant unter 20mg Paroxetin schwanger geworden.
Hab hier manchmal geschrieben.
Nach der Geburt hatte ich pünktlich zum Milcheinschuss eine schwere Grippe und Eisenmangel, Nach dem der Wochenfluss 10 Wochen nicht aufhörte eine Ausschabung wegen v.a. Plazenta Reste. Zwei Tage später massiver Harnwegsinfekt vom Katheter. Stationär mit Baby...
8 bis 10 Wochen war unser Muckel echt anstrengend wegen Bauchschmerzen, jetzt mittlerweile der reinste Sonnenschein. Ich stille voll und liebe unser neues Leben zu viert.
Seit unserem Urlaub vor drei Wochen bei meinen Eltern überfällt mich nur immer wieder Traurigkeit einfach so. Sie sind 7 Stunden von uns weg gezogen, Papa ist dement. Ich war wegen der Reise sehr angespannt wie es mit Baby läuft, wie ich es wegstecke, mein Papa, Streit mit meinem Mann (alles wieder gut).
Jetzt kommt diese Traurigkeit immer öfter und ich bin völlig erschöpft und möchte schlafen, ausruhen, mich nur um die Kinder und mich kümmern, alles liegen lassen. Dabei fühle ich mich aber schlecht. Es gibt so viel zu tun! Der Haushalt, der Garten etc pp.
Was soll ich jetzt nur tun? Bekomme ich verspätet eine Wochenbettdepression? Ich bin in Therapie, nehme dieses scheiß Paroxetin, was soll ich denn noch machen?
Meint ihr es könnte der Stress sein? Dass es zu viel war? Ich hab so Angst, dass ich wieder abstürze und mein Baby nicht mehr stillen kann. Ich liebe sie so sehr und bin eigentlich glücklich, nur soooooo müde und grundlos Traurig zwischen durch.
Sollte ich vielleicht den Psychiater bitten mich umzustellen?
Danke euch!

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Kikke
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Re: Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

Beitrag von Kikke » 02:07:2019 12:22

Hi,

Als erstes: ich finde nicht, dass du grundlos traurig bist. Ich kann gut verstehen, dass du traurig bist und erschöpft. Das klingt neben dem normalen Mutterwahnsinn alles sehr ansteckend.

Deine Gedanken klingen alle logisch und einfach erschöpft.
Hast du mit deinem Therapeuten über deine aktuelle Gefühlslage gesprochen?

Zur Medikamentenumstellung: sprich auf jeden Fall mit deinem Psychiater und schildere ihm deine Stimmung.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

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Julia1984
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Re: Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

Beitrag von Julia1984 » 06:07:2019 20:24

Liebe Kikke!
Danke für die liebe Antwort. Ja es war echt anstrengend, die letzten Tage hab ich versucht viel zu ruhen. Soweit das halt geht den ganzen Tag alleine mit den Kids. Heute hatte die Große auch noch Geburtstag.
Das viele schlafen hat schon mal gut getan, gestern hatte ich diese traurige Stimmung gar nicht. Aber immer wieder fällt es mich an. Heute, als der gröbste Stress rum war auch. Als ob ich gleich weinen müsste ohne Grund. Dies macht mir so Angst. Also dass es schlimmer werden könnte. Ich hab aber schon normal Antrieb und kann auch herzhaft lachen und mich der Kinder voller Liebe erfreuen.
Beim Psychiater hab ich Anfang August Termin, der Psychologe meint es sei Ja mal völlig normal auch mal solche Stimmung zu haben. Er kennt mich sehr gut, seit drei Jahren...
Hab jetzt mal die Hebamme informiert und um Termin nächste Woche gebeten.
Was hat euch denn geholfen außer Medizin?
Dinge die mir gut tun sagt mein Mann aber ohne mein Baby mag ich kaum was machen (-:
Im Internet hab ich einen Artikel gelesen, dass es völlig häufig ist eine leichte Depression zu entwickeln und dies oft von alleine vergeht.
Ach ich bräuchte einfach manchmal ne Mama die einfach da ist und sagt, dass alles gut wird...
Danke euch

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Kikke
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Re: Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

Beitrag von Kikke » 07:07:2019 7:26

Alles wird gut!
Du machst das super. Es ist toll, dass du alle informierst und dir Termine machst. Versuche es beizubehalten, dich so gut es geht auszuruhen. Es scheint dir ja gut zu tun.
Nach allem was ich so von anderen Müttern in den letzten zwei Jahren gehört habe, ist es wirklich oft, dass sich schlechte Stimmung einschleicht, aus welchem Grund auch immer. Ich kenne ganz viele Fälle, wo die Zeit ihr übriges getan hat und sich die Stimmung von alleine gebessert hat.

Du tust ja alles dafür, dass es dir besser geht. Das wird es auch!

Mir hat Yoga und Singen im Chor unglaublich gut getan. Oder Schwimmen? Vlt gibt es etwas, das du für dich alleine tun kannst. Auch wenn du ohne Baby keine Lust drauf hast, einen Versuch ist es wert
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Julia
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Re: Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

Beitrag von Julia » 07:07:2019 12:33

Hallo Julia,

hast du denn deinen Eisenwert (Ferritin) in letzter Zeit mal wieder prüfen lassen? Vielleicht ist das mitunter ja auch noch ein Grund für deine Erschöpfung. Ich kann es jedenfalls sehr gut nachvollziehen das du erschöpft bist! Das mit dem schlechten Gewissen kenne ich auch weil ja alles liegen bleibt. Aber du bist in dem Moment einfach wichtiger als Haushalt etc.!
Ich finde es auch gut, dass du mit deiner Hebamme sprichst und noch einen Termin beim Psychiater hast!
Ich wünsche dir alles Gute!
Lg
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018 seitdem Escitalopram 15mg
03/2019 Reduktion von Escitalopram 10mg
05/2019 wieder bei 15mg Escitalopram
07/2019 Opipram 50mg abends
10/2019 stationärer Aufenthalt 7 Wochen > Escitalopram 10mg

Julia1984
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Re: Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

Beitrag von Julia1984 » 11:07:2019 22:02

Hallo Kikke und Julia,
es wird besser. Dieses Heul Gefühl kommt immer seltener, die Erschöpfung bleibt. Ersteres war wohl sicher ne Nachwehe vom Besuch bei meinen Eltern, zweiteres ist wohl Mix aus normalem Mama Wahnsinn und dem Paroxetin.
Die Medikation hat irgendwie die letzten Wochen wieder die Nebenwirkungen gezeigt, die ich beim Einschleichen hatte. Wie wenn sie durch die Hormonänderung nach der Geburt auch die Wirkung verändert hätte. Hatte plötzlich wieder Kieferpressen, wahnsinnig viele intensive Träume und dieses Horror schwitzen. Ich schwitze Tag und Nacht egal wie warm es ist. Dachte erst die Hormone aber es ist wohl eine Nebenwirkung von Paroxetin.
Heute hab ich mich nachmittags mit beiden Kids und Baby mitten im Schub völlig übernommen und das erste mal seit Ewigkeiten reagiere ich darauf mit Unruhe. Muss echt ruhiger machen solange Baby quengelig ist oder Entlastung suchen. Hab halt keine Familie und Mann arbeitet viel und lange...
Die Hebamme meldet sich nicht aber gut, erwartet hatte ich nicht viel.
Gut ist, dass mir vieles bewusst ist. Also woher kommt welches Gefühl etc. Das war mir früher oft völlig unklar und machte dann noch mehr Angst. Und ich bin gelassener und halte die Gefühle besser aus. Vergeht wieder bzw killt mich nicht.
Die Unruhe heute Abend hätte ich sicher gut mit Yoga oder autogenem Training weg bekommen, wollte aber lieber hin spüren und es mal aushalten.

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Kikke
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Re: Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

Beitrag von Kikke » 11:07:2019 22:07

Hi,
Ja das klingt alles sehr aufgeräumt. Sehr gut! Toll, dass du den Mut hast, dich der Unruhe zustellen und nicht zu flüchten. Das kann dich nur weiter bringen.
Alles Liebe!
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Re: Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

Beitrag von Julia1984 » 12:07:2019 6:55

Nachts bin ich dann allerdings mit nee leichten Angstattacke aufgewacht. Kenn ich leider wenn es am Tag zuvor zu aufregend war. Dann kamen natürlich die ganzen Horror Szenarien.
Ich bin mal gespannt wie es weiter geht. Heute Nacht hat die Maus in der Federwiege durchgeschlafen bzw. tut es noch und ich bin trotzdem unruhig aufgewacht.

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Re: Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

Beitrag von Kikke » 12:07:2019 7:46

Ja diese Unruhe hat nichts mit dem Schlaf des Kindes zu tun, sondern, wie man damit umgeht.
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Re: Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

Beitrag von Julia1984 » 12:07:2019 18:58

Hatte es jemand mit der Schilddrüse?
Vielleicht kommt mein permanentes Schwitzen daher? Scheinbar ist Schilddrüse öfter nach Geburten entzündet?

Julia1984
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Re: Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

Beitrag von Julia1984 » 16:07:2019 12:42

So, war bei der Gyn und habe Schwitzen und die Weinerlichkeit beschrieben. Sie hat gleich gesagt, dass Schilddrüse kontrolliert werden muss und aber auch, dass das manchmal so ist und man keine Ursache findet. Sie ist echt sehr lieb und meinte, wenn hormonell alles ok ist soll ich mit dem Neurologen über Medikation sprechen. Sie sagte sie hat es ganz oft, dass die Frauen nach der Schwangerschaft eine neue Medikation oder Dosis brauchen weil sich einfach vieles im Körper verändert.
Heute war auch die Hebamme sehr lange da. Sie vermutet, dass ich zum Einen zu viele Termine habe und mache, zum anderen aber einsam wirke. Mh, toll ohne Termine bin ich ja noch einsamer.
Sie will homöopathisch gucken.
Die letzten zwei Tage ist es ganz schlimm. Dieses Gefühl weinen zu müssen kommt immer öfter und bleibt länger. Es kotzt mich so an und macht mir so Angst. Ich bin so Happy mit meinen Mädels, meinem Mann und unseren Leben, das ist doch Kacke und bescheuert während man so herzlich mit seinem lustigen Baby lacht traurig zu sein, ständig müde und nachts nicht schlafen oder Albträume haben etc.
Ich kann nix anderes mehr denken langsam als die Sorge, psychisch abzukacken und eine Last für meinen Mann zu sein )-:

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Re: Nach 4 Monaten Wochenbettdepression?

Beitrag von Kikke » 16:07:2019 13:09

Hey

Ja kacke beschreibt es ziemlich gut. Diese Krankheit ist einfach kacke. Leider sind die Sachen, die du beschreibst, ein Symptom und man muss gucken, wie man damit umgeht.

Wäre es eine Möglichkeit, deine Termine zu entstressen? Also nicht weniger machen, sondern etwas, dass dir auch gut tut? Zb in ein Babycafé gehen, wo die Kinder spielen können und du kannst dich "auskotzen" bei einer Freundin oder so? Oder eine Krabbelgruppe, Spieletreff etc?

Ich kann verstehen, dass man was vorhaben will. Das würde ich auch weiter machen, aber eben vlt die Art des Temins ändern? Verstehst du, was ich meine?

Die Angst, zu einer Belastung zu werden kenne ich. Mein Mann sagte damals zu mir: wir machen alles fürs Team und jetzt bin ich eben dran.
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