Habe Termin gemacht EDIT: So schlau wie vorher :(

Austausch alltäglicher Sorgen oder Freuden

Moderator: Moderatoren

mici

Beitrag von mici »

@ ubure: Wollte nur kurz meinen Senf zur tiefenpsychologischen Therapie dazugeben, da ich ja kürzlich wieder eine aufgenommen habe.

Also, man geht davon aus, dass ein Teil Deines Ich neurotisch ist. Diese Neurosen verursachen Deine Symptome (z.B. eine Depression). Die Ursachen für die Neurosen wiederum können in der Kindheit begründet liegen. Der Therapeut übernimmt im Gespräch den gesunden (also nicht neurotischen Teil Deines Ich). Der Therapeut versucht in Dir Gefühle für die kränkenden Ereignisse der Vergangenheit entstehen zu lassen, die "gesund" sind. Er tut dies mittels einer Technik, die man Übertragung nennt. Oftmals vollzieht sich dieser Prozess in Phasen. D.h. zuerst überträgt der Therapeut z.B. Wut auf Dich. Gegenüber kränkenden Ereignissen empfindest Du nicht mehr nur Ohnmacht und Hilflosigkeit, sondern Wut. Diese wirkt sich positiv und konstruktiv auf den weiteren Therapieverlauf aus, weil Du empfänglich für weitere Gefühle bist. Als nächstes überträgt der Therapeut u. U. Mitgefühl auf Dich. Du erlebst Dich plötzlich sehr sensibel, Du tust Dir selber leid, kannst um Dich etc. trauern. Und schließlich überträgt der Therapeut versöhnliche Gefühle auf Dich. Dieser Prozess dauert natürlich sehr unterschiedlich lang, manchmal bis zu einigen Jahren. Es findet über die Zeit eine positive Ich-Stärkung statt, die es einem ermöglicht, die kränkenden Dinge aus der Vergangenheit nicht mehr als kränkend zu empfinden. Damit gelingt es einem, über Probleme hinwegzukommen.

Ich hoffe, das konnte Dir etwas helfen, ich habe diesen Prozess einerseits als große Chance und große Befreiung erlebt, andererseits als eine der größten Herausforderungen meines Lebens, weil man sich natürlich auch sträubt, bestimmte Gefühle, die übertragen werden soll, anzunehmen. Das nennt man dann Widerstände.

Lieben Gruß,

MICI
lotte

Beitrag von lotte »

Mici: das ist ja fast eine klassische Psychoanalyse.
Das hab ich so nicht erlebt.
Und trotzdem geht eine TP natürlich tiefer als die VT ;)
Deria

Beitrag von Deria »

Liebe mici,

den Text für Sanni über die TP ist super und beschreibt genau das, was ich auch erlebe.
Dabei ist der Therapeut immer an deiner Seite und vor allem auf deiner Seite. In der Analyse ist das Holding (also das ganz drumherum nicht so fest und tragfähig) anders und der Therapeut mehr der stille Zuhörer.
Für mich wäre das gar nichts, weil es in meinen Ohren sehr unlebendig klingt, macht aber Sinn, wenn man von nichts weiß. Und alles aufrollt.
Bei einer TP ist das manchmal nicht nötig; man kommt ziemlich schnell auf den Punkt.

@sanni, nicht der Therapeut wird aufrollen sondern du. Es ist deine Zeit und du entscheidest, was du sagen willst und was nicht. Er wird dir Rückmeldungen geben und an dein Inneres appelieren. Für dich versöhnlich zu werden, für dich zu trauern um nicht Gewesenes..etc.

Und ich finde es auch gut, wenn ein Neurologe mitarbeitet.
Ich habe im Laufe der Zeit viele Medis bekommen, die Thera nicht verschreiben darf, die sie aber gutheißt. Denn viele Symptome können auch therapieresistent bleiben und am Anfang destabilisiert eine Therapie oftmals auch erst bevor sie hilfreich wird.

LG
Deria
Sanni

Beitrag von Sanni »

Hallo,

vielen lieben Dank für den Text liebe mici. Wenn ich dran denke, das Ereignisse an meiner Depression dran schuld sein sollen, die noch vor der Geburt/Schwangerschaft stattfanden, dann wirds mir schlecht. Es gibt einige Dinge, mit denen ich überhaupt nicht im Reinen bin, aber ich weis nicht ob ich ihm das sagen kann. Da sind einige unschöne Dinge dabei, für die ich mich ziemlich schäme. Und dann ist da noch eine alte Liebe, die ich nicht vergessen will.

Och Mensch :(

Lg, Sanni
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