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Qwerty

Beitrag von Qwerty »

Danke für die lieben Rückmeldungen! Es ist komisch, aber ich finde es auch heute noch beruhigigend zu lesen, dass es anderen genau so geht es wie mir ging. Die Zeit ist auf der einen Seite schon eine ganze Weile her, aber auf der anderen Seite trotzdem immer präsent. Die PPD hat mir klar gemacht, dass man zwar viel planen kann, dass aber die entscheidenden Sachen (Gesundheit und Zufriedenheit) nicht bzw. nicht durch Planung alleine zu erreichen sind. Im besten Fall kann man den bestmöglichen Rahmen schaffen... Ich war ja was Stress / Depressionen angeht ein unbeschriebenes Blatt. Ich hatte eine glückliche Kindheit und im Leben eigentlich keine Probleme. Ich habe vielleicht hin und wieder GEDACHT, dass ich Problemen hatte, aber das waren maximal Hindernisse die es zu überwinden gab. Alles was ich mir im Leben vorgenommen hatte, hatte bis dahin super geklappt und ich habe gedacht, dass liegt daran, dass ich das alles so perfekt geplant und und dann toll umgesetzt hatte. Dann hat aber das geplante Kind länger auf sich warten lassen und dann kam auch noch die PPD... Und damit die bittere Einsicht, dass ich im Grunde NICHTS Entscheidendes in der Hand habe. Ich hatte mich sicherlich in der Vergangenheit an der einen oder anderen Stelle nicht alzu dumm angestellt, aber mein "perfektes Leben" (Sermena :wink: ) hatte eigentlich mehr mit Glück als mit Klugheit zu tun. Glück, Gelassenheit, Zufriedenheit, Mutterliebe... alles nicht planbar. Einerseits beängstigend aber andererseits auch beruhigend. Die Einsicht nimmt es auch einen gewissen Druck... d.h. nämlich, dass es nicht an mir liegt, wenn die Situation mal nicht so ist, wie man sie sich gerne wünscht. Es kommt immer anders als man denkt und das muss gar nicht schlecht sein, im Gegenteil, dass kann auch gut sein. Es ist ok, so wie es ist. Man lernt sich, as Umfeld, das Leben anders wahrzunehmen und zu schätzen. Das ist die Parallele zwischen der Krankheit und das Leben mit Kind(er)... Was vorher war, ist heute nicht mehr. Das ist zwar schade, aber es hat auch seine guten Seiten. Das klingt alles so hochtrabend, wenn ich das so lese :oops: Ist aber gar nicht so gemeint. :-)

:arrow: Sanni, ich habe damals auch Pekip und Babyschwimmen und Müttertreff etc. gemacht. Hauptsache RAUS :lol: Freut mich, dass ich Dir Mut machen konnte. Ich weiss genau, wie es ist, wenn man gerade "drin" steckt und die Tage sich ziehen wie Kaugummi. Ich hoffe, dass die positive Tendenz sich fortsetzt und dass es immer besser wird. Lass Dich aber auch von kleineren Dips nicht aus der Bahn werfen. Das kommt vor, gehört dazu und so geht es - wie immer - auch anderen Müttern hin und wieder. Vielleicht nicht ganz so ausgeprägt bei einer Mutter mit PPD aber von der Tendenz her geht es allen Müttern gleich. Es wird ohne Zweifel Momente geben, wo man die Kleinen auf den Mond schiessen und den Job an den Nagel hängen möchtest. Wenn dan wieder Ruhe eingekehrt ist, relativiert man den Tag oder die Phase und stellt fest, dass man sich doch wacker geschlagen hat und die Kleinen ja auch nichts dafür können.
Nimmst Du eigentlich AD / Johanniskraut?

:arrow: Sermena, schön, was Du geschrieben hast... könnte von mir sein: "Ich dachte, dass mein ach so perfektes Leben durch ein Kind noch perfekter wird" :lol: Ja, genau so habe ich gedacht! Und dann war das Kind da und ich dachte nur noch: "wo ist der Reset-Knopf, wie bin ich denn auf die Idee gekommen, dass ich ein Kind möchte, es war doch alles toll, so wie es war, kann jemand die Uhr bitte 10 Monate zurück drehen? Das ist gar nicht toll hier, vorher war alles besser!!!"Es dauert eine Weile, zu akzeptieren, dass ALLES aber wirklich ALLES anders ist als vorher. Ich habe mich innerlich / unbewusst sehr lange und intensiv dagegen gesträubt, wollte es einfach nicht wahr haben.
Möchtest Du weitere Kinder?

:arrow: Schnuti33, danke, lieb von Dir! :D
Sanni1978

Beitrag von Sanni1978 »

Hallo liebe Q,

ja es ändert sich wirklich alles, hätte ich vorher nie für möglich gehalten. Ich dachte immer ein Baby "läuft" so nebenher und man kann alles genauso machen wie vorher.

Sehr naiv, wie ich heute weiß. Dachte immer ein Kind wäre das Tüpfelchen auf dem I.

Aber es wird besser.....

Ja ich nehme seit ca. 2 Wochen Johanniskraut, aber ob es nun hilft oder nicht kann ich nicht beurteilen.
sermena

Beitrag von sermena »

Liebe Q,

ich kann deine Worte sehr gut nachvollziehen. Ich möchte auf gar keinen Fall ein zweites Kind, das liegt ja größtenteil daran, dass ich eine wirklich schwere PPD hatte und so etwas möchte ich nicht nochmal durchmachen. Was mich noch interessiert ist, spürst Du diese so gennante " Übewältigende Mutterliebe" ? Ich liebe meine Tochter, aber ein ganz überwältigendes Gefühl hatte ich bis jetzt seit der Geburt nicht, hatte aber sehr wohl solche Gefühle während der Schwangerschaft. Apropos, ich arbeite auch und fühle mich dadurch viel, viel besser.

Bin auf deinen FB gespannt.

Liebe Grüße

Sermena
Qwerty

Beitrag von Qwerty »

FB? Bedeutet das Feedback? Wahrscheinlich schon, oder? :lol:

Das kann ich sehr gut verstehen, dass Du nicht noch mal eine PPD durchmachen möchtest bwz. das Risiko nicht eingehen möchtest...

Überwältigende Mutterliebe... was ist das genau, gibt es das wirklich, "muss" man das haben?? :lol: Ich hatte die Frage in einem alteren Beitrag mal gestellt. Selina hatte darauf geantwortet:
"fast genauso hab ich meinem Thera das auch gesagt.Seine Worte wahren:Sie streben nach einem Ideal was es nicht gibt!"

Ich glaube wir erwarten viel zu viel die normale "Mutterliebe" ist für uns nicht genug!"
Und genau das ist es... Ich liebe meine Kinder, ganz klar. Manchmal sind die Gefühle ganz stark, manchmal weniger. Das ist abhängig von der Situation. Wenn mein Sohn sich an mich rankuschelt und sagt, dass ich so lieb bin, dann fühle ich schon eine sehr starke Mutterliebe. "Überwältigend" würde ich das nicht nennen, aber für mich sind diese Gefühle absolut gut und stark genug. Ich habe dann überhaupt nicht das Gefühl, dass ich ihn nicht genug liebe oder das etwas fehlt. Es ist dann gut, so wie es ist. Wenn mein Kind aber trotzig ist, mich anbrüllt und die Wohnung zerlegt :wink: , dann bin ich natürlich mehr genervt als "verliebt". Aber die Gewissheit, dass ich ihn liebe ist trotzdem da.

Ich finde es übrigens viel "leichter" mein großes Kind zu lieben, weil wir richtig miteinander kommunizieren können, er mir auch seine Zuneigung und Liebe zeigen kann und ich merke, dass ich wichtig für ihn bin und er mich braucht.

Babies geben natürlich auch schon etwas zurück, aber im Grunde (krass ausgedrückt) sind es lange Zeit nur schreiende Wesen, die dauernd gefüttert und gewickelt werden müssen und mit denen man nicht bzw. wenig "anfangen" kann. Das mag bei anderen Müttern anders sein, die wollen ihre Babies den ganzen Tag küssen und mit ihnen kuscheln und sind sogar traurig, wenn die Kinder keine Babies mehr sind.

Ich bin aber nicht so. Bei meinem Sohn habe ich deswegen gedacht, dass etwas mit mir nicht stimmt, heute weiss ich das ich einfach ein anderer Typ bin und dass auch das in Ordnung ist. Ich liebe meine Kinder auf meine Art und das ist völlig ausreichend. Es gibt nicht "DIE Mutterliebe".

Komisch eigentlich, dass wir uns darüber solche Gedanken machen. Als ich meinen Mann getroffen und mich in ihn verliebt habe, habe ich nie überlegt, ob ich ihn genug oder richtig liebe. Ich liebe ihn einfach über alles und wir passen und gehören zusammen (übrigens schon seit 17 Jahren). Sind das "überwältigende Liebesgefühle"??? Ich glaube nicht, aber trotzdem bin ich mir 100% sicher, habe keine Zweifel daran, dass es passt so wie es ist. Denn ich bin ich und liebe so wie ich liebe... Auch für meine Eltern empfinde ich keine "überwältigenden Liebesgefühle", aber das bedeutet nicht, dass (mir) etwas fehlen würde.

Ich denke, Du hattest während der Schwangerschaft einen enormen Hormonschub und außerdem (wie viele andere Frauen, auch ich) eine völlig unrealistische Idealvorstellung davon, wie die Zeit mit dem Baby sein würde und dadurch hattest Du vermutlich dieses überwältigendes Gefühl, das dir heute "fehlt". Schwangerschaft ist aber eine komplett andere Situation, nach der Geburt merkt man sofort, was das Leben mit Kind wirklich bedeutet. Man kann/will sich auch noch nicht so wirklich von dem Idealbild verabschieden und das macht die ganze Situation ja schon schwer. Anpassungsstörungen eben... zumindest ist das meine persönliche Diagnose meiner damaligen Verfassung.

Wie fühlst Du dich denn sonst? Hast Du selbst das Gefühl, dass Du im Großen und Ganzen wieder gesund bist und ein zufriedenes Leben führst? Ich sage bewusst nicht: "die Alte bist", denn gerade das kann nicht passieren, da das Leben mit Kind nicht mit dem alten Leben ohne Kind zu vergleichen ist und deswegen kann man nie komplett "die Alte" werden. Das geht nur stundenweise im Büro und deswegen tut es wahrscheinlich auch so gut, wieder arbeiten zu gehen. :wink: Man ist dadurch einfach ausgeglichener. Wenn man immer viel und gerne gearbeitet hat ist es schwer sich von heute auf morgen nur noch auf Mutter sein zu konzentrieren. Das tut auch dem Kind nicht gut, wenn die Mutter unzufrieden und unausgeglichen ist.

Bis Du eigentlich noch in Behandlung oder nimmst Du noch Medikamente?

LG
Q
sermena

Beitrag von sermena »

Liebe Q,


FB bedeutet genau Feedback:-). Danke für Deine umfassende Erklärung, wahrscheinlich erwarte ich etwas, was es so nicht gibt. Ja ich bin noch in der Behandlung und nehme noch Medikamente. Ganz 100% die Alte bin ich noch nicht, obwohl es mir im Vergleich zu früher ganz gut geht und ich weiss es nicht, ob das etwas ist was so nicht passieren wird, da sich alles verändert hat. Es kommt bei mir immernoch machmal vor, dass ich mein "altes" Leben vermisse, die Zweisamkeit mit meinem Mann, die Freiheit, die man hatte, die Spontanität und ich habe immer noch das Gefühl, dass mein "altes" Leben unbeschwerter war. Ich bin immernoch nicht ganz in diesem neuen Leben angekommen, obwohl meine Tochter demnächst 3 Jahre alt wird. Wahrscheinlich habe ich auch eine Anpassungstörung. Magst Du mal telefonieren, wenn ja dann schreibe mir ein PN ich melde mich dann.

Vielen dank und liebe Grüße,

Sermena
Andrea

Beitrag von Andrea »

Hallo Qwerty,

ich habe den Beginn Deines Themas gelesen und so einige Parallelen zu meiner aktuellen Situation gefunden.
Auch ich fühle mich momentan zwar gut, aber es ist ein "aushalten", ein funktionieren unseres Alltags. Auch diese Situation hast Du damals beschrieben. Hat sich dies bei dir verbessert ? Was hast Du getan, damit es besser wird ? (Ich hoffe ich habe die Antworten auf meine Fragen nicht überlesen...)

Vielen Dank !!!

Andrea
Qwerty

Beitrag von Qwerty »

Hi Andrea,

ja, das hat sich bei mir gebessert. Ich habe ja in 2009 mein 1. Kind bekommen und es ging mir am Anfang (d.h. nach der Geburt meines Kindes) sehr schlecht, ich war extrem unruhig und angespannt, konnte schlecht schlafen, nix essen etc. Habe dann Cipralex probiert, bin aber nicht damit zurecht gekommen, wurde noch unruhiger davon. Da ich schnell etwas gegen die Unruhe gebraucht habe, habe ich Cipralex ausgeschlichen und dann Apronal bekommen und damit konnte die extreme Unruhe und Nervosität gut bekämpft werden. Eine stimmungsaufhellende Wirkung hatte das Medikament bei mir aber nicht. Der Arzt und ich haben uns gegen eine höhere Dosierung oder ein anderes Medikament entschieden, da wir der Meinung waren, dass die Situation - wie gesagt - gut auszuhalten war und dass ein anderes Medikament bzw. eine höhere Dosierung keine entscheidende Verbesserung gebracht hätte und ich ohnehin lieber ohne Medikament auskommen wollte.
Ich habe dann nach 9-10 Monate angefangen, das Medikament auszuschleichen und das hat gut geklappt. Es gab keine Nebenwirkungen oder Verschlechterung.
Ich habe es parallel auch mit Therapie probiert (2 verschiedene Therapeuten), aber ich hatte dabei immer nur das Gefühl, dass es mir "nichts bringt" und es hat mich einfach nur genervt, dort zu sein :oops:, insbesondere da bei mir keine Vergangenheitsbewältigung "anstand". Vielleicht hätte es mit einer anderen Therapeutin besser geklappt, aber ich hatte einfach keine Lust :oops:
Ich habe einfach gedacht (gewusst?), dass es bei mir eine Frage der Zeit ist, dass ich mich auf die neue Situation einstellen muss und die Zeit habe ich mir genommen. Ich habe aufgehört zu denken "es muss aber spätestens bis da oder da vorbei sein", sondern "es dauert solange es dauert und es wird schon wieder". Und so wurde es nach und nach immer besser. Ich habe ein bisschen über Achtsamkeit gelesen und mir viele über mich selber Gedanken gemacht und mich wahrscheinlich selbst therapiert, oder so :wink: Ich habe aufgehört, mich gegen die Krankheit zu wehren, sondern sie so anzunehmen wie sie ist und trotzdem das Beste aus dem Leben und aus meiner Mutterrolle zu machen. Ich war ja vorher immer perfekt durchorganisiert, hatte alles im Griff und ich habe versucht, diese Rolle irgendwie abzulegen. Woran es genau gelegen hat, weiss ich nicht, aber es wurde mit der Zeit tatsächlich immer ein ganz ganz kleines bisschen besser.
Das ist natürlich nicht der klassische und empfohlene Therapieansatz aber bei mir ist es nun mal so gelaufen...
LG
Q
Antworten