Noch eine Vorstellung (PPD und Psychose)
Verfasst: 25:10:2012 22:19
Alles begann eigentlich in der letzten SSWoche. Vorher musste ich zwar liegen, um eine Frühgeburt zu verhindern aber ich hatte immer einen engen „Kontakt“ zu meinem Kind. Dann gab es so etwas wie einen Übergriff von meinem Vater. Das hatte eine Retraumatisierung zur Folge und ich fühlte mich völlig taub. Das Kind war plötzlich wie ein Alien im Bauch. Ich stand völlig nehmen mir und konnte über den Vorfall auch nicht reden.
Wegen einer vorher unerkannten Blutgerinnungsstörung wurde ich dann auch noch ins KH eingewiesen. Mein Vater ist Allgemeinarzt und bekam Wind davon. Er telefonierte sich quer durchs ganze KH, versuchte den Ärzten Anweisungen zu geben und drohte willkürlich mit Anzeigen. Ich konnte ihn nicht stoppen. Bei den Ärzten drehte sich alles nur noch um diesen verrückten Vater. Als dann die Wehen einsetzten wusste man nicht, ob das Kind ebenfalls eine Blutgerinnungsstörung hat (dann drohen Hirnblutungen bei einer natürlichen Geburt). Also wurde ein Notkaiserschnitt gemacht.
Die Psychose begann eigentlich gleich nach der Geburt. Ich fand mich nicht mehr richtig zurecht, konnte mich an viele Wörter nicht mehr erinnern und war total durcheinander. Dazu kam ein generelles Misstrauen den Menschen um mich herum. Jeder schien verborgene Absichten zu haben und einen zu manipulieren. Ich war der Ansicht, jetzt alles durchschaut und verstanden zu haben.
Auch war ich überzeugt, dass ich meinen Sohn früher oder später verlieren werde, weil jemand ihn beeinflusst und manipuliert und er sich dann von mir abwenden wird. Nachts lag ich weinend neben seinem Bett ob seines späteren Verlustes. Mit der Zeit schoss ich mich auf die Mutter meines Freundes ein und verdächtigte sie, dass sie nur auf den Moment wartete, um mir meinen Sohn wegzunehmen. Das ging so weit, dass ich ihr gedanklich unterstellte, dass sie meinen Tod wünsche.
Eine andere Idee war, dass ich immer gedanklich mit meinem Sohn verbunden sein musste, selbst wenn er schlief. Ich durfte also nie wirklich „abschalten“, da er sich sonst mutterseelenallein fühlen und vor lauter Einsamkeit aufhören zu Atmen könnte. Meine Batterien liefen dadurch ziemlich schnell leer.
Mein Sohn war ein Schreikind und ich glaubte, dass er bei mir leide. Bei den Krankenschwestern war er meistens sofort ruhig (obwohl die ihn so ruppig behandelten). Irgendwann war ich so fertig, dass ich ihn im KH lassen wollte, weil ich dachte, es gehe ihm dort besser.
Ich war sehr verunsichert im Umgang mit meinem Sohn und als ich mit meiner damaligen Therapeutin darüber sprach antwortete sie entrüstet, ich solle bloß keine Gluckenmama werden. Wir hatten sowieso nur noch 2 Sitzungen übrig, deswegen ging ich einfach nicht mehr hin...
Mein Freund konnte meinen Zustand nicht so recht einordnen, ich konnte aber auch nicht darüber reden. Es ging sowieso alles unter im Geschrei unseres Sohnes und den massiven Stillschwierigkeiten, die ich hatte. Als ich nach 4 Wochen endlich voll Stillen konnte trat etwas Entspannung ein: ich konnte meinen Sohn beruhigen! Ich war glücklich, ihm wenigstens körperlich Geborgenheit geben zu können.
Die Psychose wirkte sich körperlich aus, ich lief gebückt. Das zusammen mit dem ständigen Herumtragen meines Sohnes führte dazu, dass sich gleich 4 Bandscheiben in der HWS verschoben und auf den Nerv drückten. Ich durfte meinen Sohn nicht mehr heben, tat es aber trotzdem, weil ich noch nie Hilfe von anderen angenommen hatte. Als ich eine Art Nervenzusammenbruch erlitt sah ich endlich ein, dass ich ihn nicht mehr selbständig versorgen konnte. Eine Haushaltshilfe kam dann für 8 Std. täglich zu uns. Ich brauchte damals meine ganze Kraft, um den suizidalen Gedanken nicht nachzugeben. Wäre mein Sohn nicht gewesen hätte ich mich selbst eingewiesen. Leider konnte ich die Hilfe der HH nicht wirklich annehmen – ich war nun der Überzeugung, dass sie mir meinen Sohn wegnehmen wolle. Das ganze dauerte mehrere Monate...
Der erste Tag mit meinem Sohn alleine war wunderschön. Wir lachten und freuten uns, ich war euphorisch. Das hielt drei Tage an, dann kam der Absturz. Ich hatte depressive Episoden, in denen ich mich nicht mehr rühren konnte. Wenn mein Sohn dann schrie, konnte ich nicht zu ihm kommen. Und ich regierte so furchtbar gereizt auf ihn! Ich brüllte ihn manchmal plötzlich an und einmal kam ich erst wieder zur Besinnung, als ich gerade seinen KiWa schüttelte. Da wusste ich, dass ich Hilfe brauchte.
Ich war vorher schon auf der Suche nach einem Psychotherapeuten gewesen, aber durch die Psychose erschien mir jeder Suspekt. Auf die Empfehlung einer Freundin hin ging ich schließlich zu einem privaten Therapeuten. Auf meine Schwierigkeiten mit meinem Sohn reagierte er allerdings sehr merkwürdig, deswegen sprach ich das Thema nicht wieder an und arbeitete andere (Familien)Themen ab.
Als ich endlich die S&L-Seite mit der Beschreibung der Krankheitsbilder entdeckte, wusste ich sofort was los war und wollte auch gleich in eine Klinik. Eine der Kliniken versprach mir eine baldige Aufnahme. Während der Wartezeit verschlimmerte sich mein Zustand. Hatten sich die Suizidgedanken vorher auf Messer konzentriert waren es nun die Fenster. Ich hatte das dringende Bedürfnis, mich herauszustürzen. Ich konnte das Gefühl, eine schlechte Mutter zu sein, einfach nicht mehr ertragen. Dann richteten sich diese aggressiven Gedanken gegen meinen Sohn. Ich sah ihn nur noch als „Ding“ und spürte keinerlei Gefühl mehr für ihn. Manchmal hatte ich den Impuls, ihn einfach auf dem Boden sitzen zu lassen, zu gehen und ein Zugticket irgendwohin zu nehmen, neu anzufangen. Oder ich wollte den KiWa einfach irgendwo stehen lassen. Ich hatte eine riesige Angst, irgendwann mal aus dem Affekt zu handeln.
Als ich verzweifelt die Klinik wieder anrief gab es dort einen Aufnahmestopp, weil die Oberärztin wegging. Man hatte vergessen, mich zu informieren. Da stand ich nun...
Dann rief ich in Wiesloch an und wurde kurze Zeit später aufgenommen. Das war meine Rettung! Die ersten Tage bekam ich Tavor, damit die Suizidgedanken weggingen. Die Fenster ließen sich dort nicht öffnen, was die anderen Frauen total nervig fanden. Aber mir gab es ein Gefühl der Sicherheit. Nach 6 Wochen gings zurück nach Hause.
Ich bin so froh, diese Hölle hinter mir zu haben! Arbeiten darf ich noch nicht, weil ich noch nicht stressresistent bin. Aber es geht mir sonst eigentlich gut, besser als vor der PPD. Diese Woche hatte ich solch einen schönen Tag mit meinem Sohn, ich fühlte mich wie eine richtige Mama! Ich versuche sehr offensiv mit meiner Erkrankung umzugehen weil ich es wichtig finde, das die Leute von der Existenz dieser PPD erfahren. Und es haben sich viele neue Türen für mich geöffnet, seitdem ich offen um Hilfe fragen kann. Ich bin jetzt bei einem kassenärztlichen Therapeuten und werde vielleicht eine Analyse beginnen (habe drüber unter „Therapien“ geschrieben).
Oh Gott, soviel Text...das liest ja kein Mensch...
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Geburt Sohn 08/2011
Schwere PPD mit psychotischen Episoden direkt nach Geburt
Venlafaxin 225 mg
Seroquel/Quetiapin 225 mg
Zyprexa 1,25 mg (wird ausgeschlichen)
Wegen einer vorher unerkannten Blutgerinnungsstörung wurde ich dann auch noch ins KH eingewiesen. Mein Vater ist Allgemeinarzt und bekam Wind davon. Er telefonierte sich quer durchs ganze KH, versuchte den Ärzten Anweisungen zu geben und drohte willkürlich mit Anzeigen. Ich konnte ihn nicht stoppen. Bei den Ärzten drehte sich alles nur noch um diesen verrückten Vater. Als dann die Wehen einsetzten wusste man nicht, ob das Kind ebenfalls eine Blutgerinnungsstörung hat (dann drohen Hirnblutungen bei einer natürlichen Geburt). Also wurde ein Notkaiserschnitt gemacht.
Die Psychose begann eigentlich gleich nach der Geburt. Ich fand mich nicht mehr richtig zurecht, konnte mich an viele Wörter nicht mehr erinnern und war total durcheinander. Dazu kam ein generelles Misstrauen den Menschen um mich herum. Jeder schien verborgene Absichten zu haben und einen zu manipulieren. Ich war der Ansicht, jetzt alles durchschaut und verstanden zu haben.
Auch war ich überzeugt, dass ich meinen Sohn früher oder später verlieren werde, weil jemand ihn beeinflusst und manipuliert und er sich dann von mir abwenden wird. Nachts lag ich weinend neben seinem Bett ob seines späteren Verlustes. Mit der Zeit schoss ich mich auf die Mutter meines Freundes ein und verdächtigte sie, dass sie nur auf den Moment wartete, um mir meinen Sohn wegzunehmen. Das ging so weit, dass ich ihr gedanklich unterstellte, dass sie meinen Tod wünsche.
Eine andere Idee war, dass ich immer gedanklich mit meinem Sohn verbunden sein musste, selbst wenn er schlief. Ich durfte also nie wirklich „abschalten“, da er sich sonst mutterseelenallein fühlen und vor lauter Einsamkeit aufhören zu Atmen könnte. Meine Batterien liefen dadurch ziemlich schnell leer.
Mein Sohn war ein Schreikind und ich glaubte, dass er bei mir leide. Bei den Krankenschwestern war er meistens sofort ruhig (obwohl die ihn so ruppig behandelten). Irgendwann war ich so fertig, dass ich ihn im KH lassen wollte, weil ich dachte, es gehe ihm dort besser.
Ich war sehr verunsichert im Umgang mit meinem Sohn und als ich mit meiner damaligen Therapeutin darüber sprach antwortete sie entrüstet, ich solle bloß keine Gluckenmama werden. Wir hatten sowieso nur noch 2 Sitzungen übrig, deswegen ging ich einfach nicht mehr hin...
Mein Freund konnte meinen Zustand nicht so recht einordnen, ich konnte aber auch nicht darüber reden. Es ging sowieso alles unter im Geschrei unseres Sohnes und den massiven Stillschwierigkeiten, die ich hatte. Als ich nach 4 Wochen endlich voll Stillen konnte trat etwas Entspannung ein: ich konnte meinen Sohn beruhigen! Ich war glücklich, ihm wenigstens körperlich Geborgenheit geben zu können.
Die Psychose wirkte sich körperlich aus, ich lief gebückt. Das zusammen mit dem ständigen Herumtragen meines Sohnes führte dazu, dass sich gleich 4 Bandscheiben in der HWS verschoben und auf den Nerv drückten. Ich durfte meinen Sohn nicht mehr heben, tat es aber trotzdem, weil ich noch nie Hilfe von anderen angenommen hatte. Als ich eine Art Nervenzusammenbruch erlitt sah ich endlich ein, dass ich ihn nicht mehr selbständig versorgen konnte. Eine Haushaltshilfe kam dann für 8 Std. täglich zu uns. Ich brauchte damals meine ganze Kraft, um den suizidalen Gedanken nicht nachzugeben. Wäre mein Sohn nicht gewesen hätte ich mich selbst eingewiesen. Leider konnte ich die Hilfe der HH nicht wirklich annehmen – ich war nun der Überzeugung, dass sie mir meinen Sohn wegnehmen wolle. Das ganze dauerte mehrere Monate...
Der erste Tag mit meinem Sohn alleine war wunderschön. Wir lachten und freuten uns, ich war euphorisch. Das hielt drei Tage an, dann kam der Absturz. Ich hatte depressive Episoden, in denen ich mich nicht mehr rühren konnte. Wenn mein Sohn dann schrie, konnte ich nicht zu ihm kommen. Und ich regierte so furchtbar gereizt auf ihn! Ich brüllte ihn manchmal plötzlich an und einmal kam ich erst wieder zur Besinnung, als ich gerade seinen KiWa schüttelte. Da wusste ich, dass ich Hilfe brauchte.
Ich war vorher schon auf der Suche nach einem Psychotherapeuten gewesen, aber durch die Psychose erschien mir jeder Suspekt. Auf die Empfehlung einer Freundin hin ging ich schließlich zu einem privaten Therapeuten. Auf meine Schwierigkeiten mit meinem Sohn reagierte er allerdings sehr merkwürdig, deswegen sprach ich das Thema nicht wieder an und arbeitete andere (Familien)Themen ab.
Als ich endlich die S&L-Seite mit der Beschreibung der Krankheitsbilder entdeckte, wusste ich sofort was los war und wollte auch gleich in eine Klinik. Eine der Kliniken versprach mir eine baldige Aufnahme. Während der Wartezeit verschlimmerte sich mein Zustand. Hatten sich die Suizidgedanken vorher auf Messer konzentriert waren es nun die Fenster. Ich hatte das dringende Bedürfnis, mich herauszustürzen. Ich konnte das Gefühl, eine schlechte Mutter zu sein, einfach nicht mehr ertragen. Dann richteten sich diese aggressiven Gedanken gegen meinen Sohn. Ich sah ihn nur noch als „Ding“ und spürte keinerlei Gefühl mehr für ihn. Manchmal hatte ich den Impuls, ihn einfach auf dem Boden sitzen zu lassen, zu gehen und ein Zugticket irgendwohin zu nehmen, neu anzufangen. Oder ich wollte den KiWa einfach irgendwo stehen lassen. Ich hatte eine riesige Angst, irgendwann mal aus dem Affekt zu handeln.
Als ich verzweifelt die Klinik wieder anrief gab es dort einen Aufnahmestopp, weil die Oberärztin wegging. Man hatte vergessen, mich zu informieren. Da stand ich nun...
Dann rief ich in Wiesloch an und wurde kurze Zeit später aufgenommen. Das war meine Rettung! Die ersten Tage bekam ich Tavor, damit die Suizidgedanken weggingen. Die Fenster ließen sich dort nicht öffnen, was die anderen Frauen total nervig fanden. Aber mir gab es ein Gefühl der Sicherheit. Nach 6 Wochen gings zurück nach Hause.
Ich bin so froh, diese Hölle hinter mir zu haben! Arbeiten darf ich noch nicht, weil ich noch nicht stressresistent bin. Aber es geht mir sonst eigentlich gut, besser als vor der PPD. Diese Woche hatte ich solch einen schönen Tag mit meinem Sohn, ich fühlte mich wie eine richtige Mama! Ich versuche sehr offensiv mit meiner Erkrankung umzugehen weil ich es wichtig finde, das die Leute von der Existenz dieser PPD erfahren. Und es haben sich viele neue Türen für mich geöffnet, seitdem ich offen um Hilfe fragen kann. Ich bin jetzt bei einem kassenärztlichen Therapeuten und werde vielleicht eine Analyse beginnen (habe drüber unter „Therapien“ geschrieben).
Oh Gott, soviel Text...das liest ja kein Mensch...
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Geburt Sohn 08/2011
Schwere PPD mit psychotischen Episoden direkt nach Geburt
Venlafaxin 225 mg
Seroquel/Quetiapin 225 mg
Zyprexa 1,25 mg (wird ausgeschlichen)