Amitriptylin in der Schwangerschaft

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inga1983

Amitriptylin in der Schwangerschaft

Beitrag von inga1983 »

Hallo,

ich bin derzeit mit unserem 2. Kind in der 28 Woche schwanger.
Mein "großer" Sohn wird im Februar drei. Als ich mit ihm schwanger war, wurde ich ab der 30 SSW depressiv mit massiven Angst- und Unruhezuständen. Ich habe mich nicht getraut während der SS ein Ad einzunehmen und habe die letzten 10 SSW so rum gebracht, mir ging es echt beschissen und ich habe viel geweint. Nach der Geburt kam dann erstmal der richtige Zusammenbruch. Ich habe zwar sofort nach der Geburt ein AD genommen, aber bis es gewirkt hat, hat es ziemlich lange gedauert.

Nun erwarten wir in 12 Wochen unseren 2 Sohn. Ich habe zu Beginn der SS mein AD (Clomipramin) abgesetzt und ich kam bis jetzt gut ohne klar. Doch seit 6 Tagen merke ich, wie es stetig bergab geht. Diese extreme Nervosität macht sich wieder breit, ich bekomme besonders abends, wenn es ins Bett geht, Angstzustände, alles demnächst nicht mehr zu packen. Die depressive Stiimung nimmt leider auch zu.

Diesmal möchte und kann ich es aber nicht wieder 12 Wochen bis zur Geburt aushalten ohne medikamentöse Unterstützung. Nicht zuletzt wegen meines 1. Sohnes, der hier kein Trauerspiel mit mir erleben soll. Außerdem möchte ich wenn es denn geht wieder so einen Absturz nach der Geburt möglichst vermeiden bzw. abpuffern.

Mit hat meine Psychiaterin heute Amitriptylin verschrieben. Ich soll je nach Bedarf zw. 12,5 und 50 mg nehmen. Würde es gerne nehmen, habe aber auch Angst um mein Baby, obwohl mir die Berater von embryotox Entwarnung gegeben haben.

Hat jemand von euch Erfahrungen mit dem AD in der SS? Habt ihr es vor der Geburt wieder ausgeschlichen? Hatte euer Kind Anpassungsstörungen?

LG Inga
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Marika
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Re: Amitriptylin in der Schwangerschaft

Beitrag von Marika »

Hallo,

ich war zwar nicht in dieser Situation, kann dir aber schon mal sagen, dass es viele Frauen hier gibt, die wissen was du grad durchmachst. Du bekommst sicher noch sehr gute, hilfreiche Antworten.

Habe schon oft gelesen, dass die meisten Babys gar keine Anpassungsstörung hatten, obwohl die Mama das AD durch genommen hat. An deiner Stelle würde ich auf jeden Fall das AD nehmen und zwar in der Dosis, bei der du wieder richtig STABIL bist - also nicht zuwenig, wegen der Angst um dein Baby. Denn das bringt auch nix: ein bissl AD das trotzdem in deinem Blutkreislauf ist und somit auch in dem des Babys, aber dir gehts schlecht.

Ich verstehe absolut deine Sorgen, das geht hier sicher jeder Frau so. Aber denk auch daran: wenn es dir psych. schlecht geht, setzt dein Körper eine enorm große Menge Stresshormone frei, die dein Baby genau so abbekommt. Diese Stresshormone sind für das Ungeborne ein nachweislicher Risikofaktor später eher an Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken, als andere. Dieser psychosoziale Stress der werdenden Mama in der Schwangerschaft ist sehr schlecht für das Baby - das weiß man heute! Lieber das AD nehmen - ich würde es auf jeden Fall so machen.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
inga1983

Re: Amitriptylin in der Schwangerschaft

Beitrag von inga1983 »

Hallo marika,
Danke für deine Nachricht. Ich habe gestern die ersten 12,5 mg genommen. Geschlafen habe ich damit gut. Heute fühle mich aber total neben der Spur.

Nimmst du schon seit 2005 das cipralex? Lg inga
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Marika
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Re: Amitriptylin in der Schwangerschaft

Beitrag von Marika »

Hallo,

ich glaube ganz fest, dass du richtig entschieden hast mit den 12,5 mg. Eine psych. Stabilität in der SS ist sehr wichtig, daher würde ich genau so handeln wie du jetzt!

Ja, ich nehme mein AD seit 2005 - aber ich konnte schon ganz viel von ehem. 3 Medikamenten weglassen. Allerdings wird mir das Cipralex in der 10 mg Dosis wohl für immer bleiben - meine Depression ist ziemlich sicher chronisch gewordne. Aber mit den 10 mg Cipalex habe ich absolut KEINE Symptome, also keine Tiefs. Ich fühle mich einfach nur GESUND und ich kann dir nicht sagen, was das für mich bedeutet - auch wenn es mit AD ist!
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
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inga1983

Re: Amitriptylin in der Schwangerschaft

Beitrag von inga1983 »

Hallo,

ich kann mir gut vorstellen, was "Gesundheit" für dich bedeutet. Mir geht es genau so. Ich habe jeden Tag, an dem es mir in den letzten 3 Jahren gut ging genossen und die guten Zeiten schätzen gelernt.

Hattest du denn vor 2005 auch schon Probleme mit Depressionen? Fing es bei dir auch in der SS an oder erst nach der Geburt?

LG
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Marika
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Re: Amitriptylin in der Schwangerschaft

Beitrag von Marika »

Hallo,

nein, in der SS war alles super gut - es ging mir sogar besser als vor der SS. Allerdings war ich schon lange davor immer eher "labil" und hatte bereits in meiner Jugend erstmals mit Zwangsgedanken zu kämpfen. Aber da wußte ich nicht, dass das eine Krankheit ist, traute mich auch nicht mich jemandem anzuvertrauen - ich war damals so ca. 11 Jahre alt. Kurz nach der Geburt - genau gesagt 5 Wochen danach - brach dann quasi über Nacht die Zwangserkrankung mit heftigsten Zwangsgedanken wieder über mich herein. Darauf folgte eine schwere Depression mit Angst- und Panikattacken und natürlich weiterhin Zwangsgedanken.

Genau gesagt leide ich eigentlich an einer Zwangserkrankung, wie gesagt seit meiner Jugend. Wenn Zwänge und Zwangsgedanken da bereits auftauchen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass man ein Leben lang damit konfrontiert sein wird. Bei mir war die Geburt dann der Auslöser, dass sie wieder kehrten und in 2. Linie die Depression verursachten. Ich bin bzw. war also "vorbelastet". Das alles erfuhr ich dann aber erst mit der schweren PPD kurz nach der Geburt meines Sohnes und endlich wurde mir geholfen!

Da wir beide wissen, was bedeutet sich GESUND zu fühlen, darfst DU dir ganz sicher sein, dass du das richtige getan hast und ich bin es mir sowieso!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
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