Plötzlich wieder traurig und hoffnungslos...

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Melissa19122024
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Plötzlich wieder traurig und hoffnungslos...

Beitrag von Melissa19122024 »

Hallo,

ich melde mich nach einiger Zeit wieder bei euch. Nachdem es mir ja von April bis Juni diesen Jahres ziemlich schlecht ging, hatte ich nun ein paar ganz tolle Wochen. Das Escitalopram (10 mg) hat gut gewirkt und mich aus dem finsteren Loch heraus geholt. Die Therapie musste ich pausieren, weil sie mir zu teuer geworden ist und ich keinen wirklichen Nutzen mehr darin gesehen hatte. Eigentlich wollte ich mich um eine Therapie auf Kassenbasis kümmern, aber irgendwie hab ich das nicht gemacht. Naja...hätte ich mal lieber.

Jedenfalls geht es mir seit einer Woche überhaupt nicht mehr gut und plötzlich habe ich wieder Ängste. Klar, ich hatte die letzte Zeit wieder mehr Stress und war dazwischen auch ziemlich erkältet - aber psychisch ging es mir trotzdem gut. Nun sind Ferien und ich habe beide Kinder zu Hause. Das belastet mich sehr. Vor allem mein 4 Jähriger ist enorm anstrengend und herausfordernd. Übers Wochenende ist er nun bei den Großeltern über Nacht und wir haben nur den Kleinen daheim. Eigentlich müsste ich jetzt entspannt sein, aber ich kann momentan gar nichts genießen. Ich will nur meine Ruhe. Aber wenn ich die habe, dann weiß ich gar nichts mit mir anzufangen und beginne wieder zu grübeln. Dann denke ich wieder, warum ich eigentlich kämpfe, wenn wir am Ende sowieso alle sterben müssen. Ich weiß, dass das abstrakte Gedanken sind, aber die kommen so über mich.

Bei meiner ersten PPD hatte ich keine Tiefs mehr, nachdem es mir schließlich wieder gut ging. Jetzt habe ich Angst nie wieder ganz gesund zu werden. Ich bin plötzlich wieder so traurig und hoffnungslos.

Was kann ich tun? Wer hat Tipps für mich?

Liebe Grüße
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Marika
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Re: Plötzlich wieder traurig und hoffnungslos...

Beitrag von Marika »

Hallo Melissa!

Du hast viel Stress gehabt, die Kinder daheim... du sagst selbst wie anstrengend gerade alles ist. Für mich ist es ziemlich klar, dass da die Gründe liegen. Du hast durch Escitalopram eine erste Grundlage gelegt, aber das ist ziemlich sicher noch viel zu kurz und instabil meiner Meinung nach. Es ist ganz wichtig zu verstehen, dass man Stress wirklich ernst nehmen und damit ganz anders umgehen muss als vielleicht vor der PPD. Dass du bei der ersten Episode keine Tiefs mehr hattest, ist ein Glücksfall, den wenigsten geht es so. Viel eher ist so ein Verlauf mit Hochs und Tiefs wie du ihn jetzt erlebst.

Ich denke du bist massiv über deine Grenzen gegangen, dein System reagiert ganz klar. Und weil die Kinder gerade anderweitig versorgt sind, heißt das nicht, dass es dir gleich besser geht und du genießen kannst. Nach solchen anstrengenden Phasen braucht das System oft länger, um sich wieder zu erholen. So ging es mir damals recht lange. Ich musste lernen eine gute Life Balance zu entwickeln und nicht ständig alles und sofort stemmen zu wollen. Man muss akzeptieren, dass man viel vorsichtiger mit sich dein muss, liebevoll und rücksichtig. Die Grenzen haben sich verschoben und du bist noch nicht gesund. Bitte gib dir Zeit, nimm Tempo raus und Hilfe an.

Du wirst auf jeden Fall gesund, aber das jetzt zeigt dir klar: so nicht, es war zu viel für dein noch sensibles System. Aber auch dieses Tief wird verschwinden, ganz sicher. ❤️
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Melissa19122024
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Re: Plötzlich wieder traurig und hoffnungslos...

Beitrag von Melissa19122024 »

Vielen Dank für deine liebe Nachricht und die aufmunternden Worte.

Es ist so schwer zu akzeptieren, dass man krank ist und nicht mehr so leistungsfähig wie früher. Ich finde es auch sehr schwierig meiner Familie zu vermitteln, dass ich noch mehr Hilfe benötige. Die denken alle, dass ich wieder komplett gesund bin, weil das große Tief jetzt überwunden scheint und weil es nach der ersten Geburt zufällig so war.

Ich schäme mich auch irgendwie noch immer dafür, dass ich es "schon wieder" oder "noch immer nicht" ohne Unterstützung schaffe. Meine Mutter musste es schließlich auch alleine schaffen und meine Schwiegermutter auch. Ich fühle mich ständig so, als hätte ich versagt.

Das Schlimmste ist aber nach wie vor, dass ich ständig daran zweifle, ob die Entscheidung Kinder zu bekommen nicht doch ein großer Fehler war. Obwohl der Große schon 4 Jahre alt ist, hadere ich immer wieder damit. In den Zeiten un denen es leichter war habe ich die Entscheidung nie in Frage gestellt. Aber jetzt mit zwei kleinen Kindern und dem ganzen Stress...es ist so anstrengend und manchmal weiß ich gar nicht mehr wer ich selbst eigentlich bin. Immer muss ich funktionieren und meine eigenen Bedürfnisse hinten anstellen.

Ich weiß das mein Klagen mich nicht weiter bringt, aber vielleicht hilft es ja darüber zu schreiben.

Momentan hab ich nach dem Aufwachen auch wieder Ängste und am Tag oft dieses seltsame Gefühl, dass etwas "nicht richtig" ist. Kennt das jemand? Das ist ein ganz beklemmendes Gefühl, das ich nicht richtig greifen kann.

Ich weiß auch nicht...alles fühlt sich so schwer an. Wann wird das wieder besser?

Danke fürs Zuhören.
alibo79
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Re: Plötzlich wieder traurig und hoffnungslos...

Beitrag von alibo79 »

Hey, ich wollte dir sagen, dass Ferien von der Kita oder auch Schule für mich auch immer Herausforderungen waren, besonders während der Depression war es ganz schwer für mich. Ich habe die Kinder dann in eine Ferien Betreuung angemeldet, sodass ich sie nicht permanent zu Hause hatte. Je gesünder ich wurde und je älter meine Kinder sind, desto einfacher sind Ferien. Aber auch jetzt ist es für mich trotzdem noch manchmal anstrengend und das ist auch völlig normal, das geht ganz vielen Eltern so.
Du darfst da Hilfe annehmen und man muss und kann auch nicht immer alles alleine stemmen.
Gibt es bei euch sowas wie eine Ferien Betreuung? Oder Eltern die sich gegenseitig unterstützen?
Und was ich dir auch noch sagen möchte, dass gerade ist nur ein Tief, das bleibt nicht so, es geht auch wieder vorbei!!
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
Melissa19122024
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Re: Plötzlich wieder traurig und hoffnungslos...

Beitrag von Melissa19122024 »

Vielen lieben Dank für die nette Antwort 😊.

Leider gibt es bei uns nicht so viele Angebote. Ich habe schon nach diesen Mütterpflegerinnen gesucht, die Unterstützung anbieten. Leider gibt es da im Umkreis niemanden.

Ferienbetreuung wäre gut. Gerade für den Großen, aber der hat leider gar kein Interesse an anderen Kindern. Hier sind wir gerade in Abklärung, ob er eventuell autistische Züge hat. Mit dem Kleinen würde ich ohne Probleme zurecht kommen. Nur zusammen mit den Kindern ist es schwierig. Baby Kurse gibt es viele, aber für einen 4 Jährigen, der nur mit Erwachsenen spielen möchte, wird es schwierig...
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