Zwangsgedanken

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Simone16
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Zwangsgedanken

Beitrag von Simone16 »

Hallo Zusammen, ich bin im Mai 25 zum ersten Mal Mama geworden und hatte eine wunderschöne Schwangerschaft und war voller Vorfreude. Auch die Geburt verlief komplikationslos und ich denke immer gerne zurück und würde alles wieder so machen. Danach folgten wunderschöne 11 Wochen, Anfangs war meine Hebamme regelmäßig zu Besuch, aber es gab nie irgendwelche großartigen Beschwerden. Ich war überglücklich, total verliebt in meinen kleinen und habe die Zeit nur so aufgesaugt. Meine Freundinnen meinten zu mir, ich bin förmlich aufgeblüht. Umso schlimmer und unbegreiflicher ist es für mich, warum ich plötzlich nach 11 Wochen, wie aus dem nichts beim stillen mit dem Gedanken, ich sei eine Kinderschänderin überrascht wurde. Seitdem ist nichts mehr wie es war, das war der Anfang meiner persönlichen Hölle. Ich leide seitdem unter sexuellen Zwangsgedanken. Nach einer Woche habe ich mich meinem Partner anvertraut, ich konnte plötzlich meinem Kind nicht mehr in die Augen schauen, ständig hatte ich Angst ich könnte ihn anziehend finden. Ich hatte keine Appetit mehr und war dauerhaft angespannt. An einem Tag im August hat es seinen Höhepunkt erreicht, ich hatte den ganzen Tag über Angst ich könnte meinem Kind etwas antuen, ich habe meiner Hebamme geschrieben, dass ich Gedanken habe, die ich nicht möchte und nicht steuern kann, leider hatte ich dann an diesem Tag nich eine massive Panikattacke, seitdem ist nichts mehr wie es wahr. Mein Leben ist geteilt in ein davor und in ein danach. Ich bin in Therapie, nehme aber keine Medikamente.
Aktuell sind es nicht die Zwangsgedanken, bzw. Nicht mehr so stark, sondern massive Schuldgefühle, ständiges Grübeln, das Gefühl schlecht für meinen Sohn zu sein und eine unwahrscheinliche Trauer über all das was ich verloren habe. Ich beschreibe es immer so, als wäre ich vom Himmel in die Hölle gefallen. Und versteht mich nicht falsch, ich bin unwahrscheinlich dankbar für mein Kind, ich denke es geht jeder Mama hier so, und er bringt mich jeden Tag zum lachen, niemals würde ich ihn wieder hergeben, aber die Krankheit ist die Hölle.

Es geht einfach nicht in meinen Kopf wie das passieren konnte, warum ich, warum nach dieser schönen Zeit. Ich habe Angst nie wieder unbeschwert zu sein, nie wieder ich zu sein.
Einfach unbegreiflich.

Ich würde mich sehr über einen Austausch freuen.

Fühlt euch alle gedrückt.

Liebe Grüße
Zaubernuss
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Re: Zwangsgedanken

Beitrag von Zaubernuss »

Hallo liebe simone
Ich habe mich teilweise in deinem text wiedergefunden. Ich hatte vor ca 1,5 Jahren beim stillen auch plötzlich den gedanken, was wenn ich dadurch erregt werde? Mein körper war durch die angst wie gelähmt. Es hat sich dann selbst gelegt, aber ich kann total nachempfinden, wie belastend und qualvoll das sein kann. Ich bin vor 4 Monaten wieder in eine Depression gerutscht und habe erneut diese Zwangsgedanken bzw. Ängste bekommen. Diesmal war es erträglicher, weil ich wusste, dass dies nicht der Realität entspricht. Es sind die tiefsten Ängste, die da durchkommen. Es ist paradox. Man möchte das eigene Kind, was man über alles liebt vor Pädophilen schützen und dann kommt der Gedanke, was wenn ich die Person bin, vor der ich mein Kind schützen muss. Die Angst vor Kontrollverlust fühlt sich real an, aber das würde niemals passieren. Menschen, die tatsächlich Kinder schänden, würden diese Angst und Schuldgefühle niemals verspüren. Aber das weisst du bestimmt aus der Therapie.
Du hast alles richtig gemacht, dich deinem Mann anvertraut, an deine Hebamme gewendet und die Therapie:) es wird besser, man braucht leider manchmal viel Geduld, aber es bleibt nicht so wie jetzt. Du hast ein ganzes Leben mit deinem Kind vor dir! Ihr werdet die Zeit nachholen und ich bin mir sicher, dass du eine tolle, sehr fürsorgliche und liebevolle Mama bist!!! Das liest man aus den Zeilen raus. Ich wünsche dir alles Gute!
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Marika
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Re: Zwangsgedanken

Beitrag von Marika »

Herzlich Willkommen hier in unserer Runde!

Ich kann sehr mit dir fühlen, auch ich bekam wenige Wochen nach der Geburt plötzlich die grauenhaftesten ZG gegen mein Kind. Darauf folgten schwere Angst und Panikattacken. Ich weiß also sehr gut, wie du gerade leidest.

Sehr gut, dass du dir bereits Hilfe geholt hast. Mir hat damals auch die Therapie sehr geholfen, zusätzlich brauchte ich aber Medikamente. Du hast also alles richtig gemacht und arbeitest bereits in der Therapie. Und wir hier werden dir ebenfalls helfen. Frag alles, was dir auf der Seele brennt.❤️
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Simone16
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Re: Zwangsgedanken

Beitrag von Simone16 »

Hallo, darf ich fragen wann es bei dir wieder gut wurde? Und mir fällt es sehr schwer mir nicht die Schuld an allem zu geben, ich frage mich was mein Sohn wohl von mir denken würde, wenn er mal älter ist und das alles wüsste.
Die Panikattacke war bei mir zum Glück eine einmalige Sache, weil ich dann bald wusste was ich habe, aber diese eine war so schlimm, dass ich heute noch darunter leide wenn ich daran zurückdenke 😔

Danke für deine lieben Worte, ich hoffe dir geht es heute gut
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Marika
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Re: Zwangsgedanken

Beitrag von Marika »

Hallo!

Ich hatte einen langwierigen und schweren Verlauf. Das aber sicher deshalb, weil ich schon davor latent ZG hatte, aber nicht wusste was es war.

So dauerte es bei mir 2,5 Jahre mit Therapie und Medikament, bis ich soweit stabil war, um die Therapie zu beenden und das Medikament zu reduzieren. Innerhalb dieser Zeit wurde es natürlich immer besser, ich musste aber auch Tiefs aushalten. Auch mein Medikament musste ein paar Mal angepasst werden, bis ich richtig gut drauf angesprochen habe. Heute bin ich schon lange gesund und Beschwerde frei, allerdings brauche ich dazu dauerhaft eine kleine Medikamenten Dosis. Ohne bekomme ich Rückfälle. Aber ich habe tatsächlich schon viele Jahre eine tolle Lebensqualität.

Es ist sehr individuell wie schnell die Genesung verläuft. Es lässt sich nicht wirklich vergleichen. ❤️
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
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Simone16
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Re: Zwangsgedanken

Beitrag von Simone16 »

@Zaubernuss ich hatte auch schon einmal beim stillen einen Moment wo ich wie festgefroren war und meinen Körper gescannt habe ob ich das gut finden könnte. Ich konnte irgendwie nicht sofort aufstehen und mache mir große Vorwürfe deshalb.
Es gibt Tage da weiß ich, ich bin das nicht, aber manchmal hat die Krankheit so eine Macht, dass ich nicht mehr weiß was wahr ist.
Es ist alles kein Vergleich mehr zum Sommer, also ich habe schon riesige Fortschritte gemacht, aber ich bin einfach tief traurig und oft verzweifelt.

Mir fällt es oft schwer mich als gute Mama zu sehen, obwohl ich nichts für all das kann. Danke für deine Lieben Worte, ich bin sehr froh, dass es dieses Forum gibt, man fühlt sich gleich weniger allein. Man sieht ja sonst nur immer die perfekten Familien, ohne Probleme.

Ganz liebe Grüße und alles gute für dich und deine Familie 🥰
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