die guten und schlechten tage

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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lino

die guten und schlechten tage

Beitrag von lino »

hi... muss mich mal wider ausheulen.

allso die lete woche war super ich hatte so gar keine gedanken,ich konnte mit meiner tochter alleine bleiben und konnte es richtig geniessen. dachte huchu es geht bergauf...es wird wieder.

am freitag morgens ging es mir schon komisch....und dann ging es los samstag wider ein zusammen bruch die gedanken ganz stark ich musste mich zusammen reissen um sie nicht doch zu erwürden.

ich leibe sie so..ich vermisse die ..ich habe angst um sie aber wieso diese angst vor mir selber?

ich habe wider so druck und aufregung ...suchen ein eigenheim und sind am planen und besprechen und es kommt viel auf uns zu...und da bin ich so nervösund dann kommen die gedanken.

sonst geht es es ist auch nicht so schlimm wie vor weihnachten aber sie sind da.

LG nelli

wollte mich nur mal ausheulen
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Marika
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Beitrag von Marika »

Liebe Nelli!

Ja, das sind diese gemeinen Tiefs die soooo weh tun - besonders wenn man schon eine Besserung bemerkt hat. Ich kann ich soooo gut verstehen, mir ging es auch so im ersten Jahr nach Noahs Geburt. Die PPD verläuft in Wellen - Hochs und Tiefs wechseln sich ab, auch trotz AD und Therapie. Das ist (leider) ganz normal - auch was die Zwangsgedanken abelangt. Die gehen wenn du ein Hoch hast und kehren mit einem Tief dann aber wieder zurück.

Aber trotz diesen Wellengängen die oft schwer zu ertragen sind, darfst du auf jeden Fall und unbedingt Hoffnung haben: Es geht vorbei, es wird mit der Zeit immer besser. Die Tiefs werden immer weniger heftig und kürzer, die Hochs dafür spürbar länger und intensiver. Das konntest du eh schon merken in der letzten Woche und das ist der Beweis dafür, dass du auf dem richtigen Weg bist.

Wegen der Zwangsgedanken: Ich weiß, wie quälend die sind, ich habe auch unglaublich gelitten in den schlimmen Phasen. Mir hat dann immer geholfen, darüber zu lesen und mich zu informieren - also was ZG sind, woher sie kommen, was man tun kann um sie zu zähmen... usw. Das hat mir immer Mut gemacht und Kraft gegeben, weiter zu machen weil ich defintiv sah, dass man wieder gesund werden kann. Daher kopier dir jetzt mal hier einen Ausschnitt aus einem anderen Beitrag von mir hier rein:

Hier die Erklärung, dich ich in 2,5 Jahren Psychotherpie gelernt habe:

Nicht anders habe ich die Zeit mit den ZG damals erlebt. Es gab Phasen, da ging es gut und ich hatte fast keine ZG, dann kam es aber wieder doppelt so schlimm hoch und ich dachte wirklich, ich tue gleich was schlimmes. Das ist das Grausame und Schreckliche an den ZG - ich weiß sooo gut, wie du dich fühlst. Ich kenne diese Angst und diese Scham und das schreckliche Gefüh, wirklich "irre" zu sein. Diese tiefe Verzweiflung und diese lähmende Angst ist so Vernichtend, dass ich mir oft gewünscht habe, mein Herz solle einfach aufhören zu schlagen - dann wäre mein Kind von mir erlöst und ich von diesen Qualen.

Aber diese Gedanken werden nie ausgeführt. Das wird dir jeder Arzt bzw. Therapeut bestättigen, der sich mit Zwangserkrankungen auskennt.
So schrecklich sich das alles anfühlt - genauso HARMLOS ist es in Wirklichkeit. Diese Gedanken sind ganz normale Gedankengänge die jeder Mensch hin und wieder hat, das hat mir mein Psychiater immer und immer wieder gesagt. Nur wir bleiben an diesen Gedanken hängen, kontrollieren und bewerten sie, befinden sie für "abnormal und krank" und wollen sie nicht haben - wir versuchen also instiktiv sie zu unterdrücken. Aber genau das ist der Schuß nach hinten - durch das Unterdrücken kommen sie dann in noch geballterer Ladung wieder. Und der Zwang ist somit geboren.

Bei ZG spielt der "orbitofrontale Kortex" (= Gehirnareal hinter der Stirn) eine sehr große Rolle. Dieses Gehirnareal ist für das Ausfiltern und Bewerten von jedem unserer Gedankengänge zuständig. Wir denken ja in jeder Sekunde viel mehr Gedanken, als dass uns wirklich bewußt ist. Denn normaler Weise wird eben jeder aufkommende Gedankengang von diesem Gehirnareal kurz auf "Wichtig oder Unwichtig" geprüft und dann entweder ins Bewußtsein durchgelassen (bei "Wichtig") oder nicht durchgelassen und auf die "Gehirnmüllhalde" (sprich diese Gedanken werden vergessen) geworfen (bei "Unwichtig"). Dieser Vorgang funktioniert bei Gesunden auch einwandfrei, deshalb können wir uns im Normalfall gar nicht an komische oder gar abartige Gedanken erinnern. Bei uns "Zwänglern" allerdings arbeitet dieser "orbitofrontale Kortex" zu viel - er ist überaktiv und bewertet JEDEN GEDANKEN als "Wichtig" bzw. bewertet falsch - also unwichtige Gedanken werden fälschlicher Weise als "Wichtig" eingestuft und somit in unser Bewußtsein durchgelassen. Wir erschrecken dann natürlich vor diesem Gedanken und wollen ihn nicht haben - ist ja klar. Wir versuchen ihn zu unterdrücken, aber dieser orbitofrontale Kortex arbeitet immer weiter an diesem Gedanken, weil er ihn einfach nicht als unwichtig erkennen kann. Und deshalb kommen die Gedanken immer wieder durch und das ist dann der Zwangsgedanke.

Den überaktiven orbitofrontalen Kortex kann man aber wieder "heil" werden lassen. Das gelingt am besten mit einer Psycho-/Verhaltenstherapie in Kombi mit einem höher dosierten AD. Denn bei dieser Überfunktion spielen auch die Botenstoffe im Gehirn eine große Rolle, die wiederrum durch den Hormonsturz nach der Geburt aus dem Gleichgewicht geworfen wurden. So funktioniert dieser Kreislauf. ZG können natürlich auch durch ein Trauma hervorgerufen werden. Daher ist eine Therapie sehr ratsam um zu sehen, ob es ein Trauma gibt. Wenn nicht, ist dann die Verhaltenstherapie super, da du dort lernst, die ZG auszuhalten (statt zu verdrängen) und dich direkt mit ihnen zu konfrontieren. Die dabei entstehende Angst ist natürlich am Anfang schrecklich, aber sie wird immer weniger, weil dein Gehirn lernt, dass NIX passiert!!!! Es wird duch die Therapie also sozusagen ein bissl umprogrammiert in deinem Gehirnkastel!!! Und das funktioniert wirklich!!!! Das AD soll eigentlich nur eine Krücke darstellen, um besser und etwas gelassener arbeiten zu können und natürlich um die depressiven Symptome zu lindern. Es gibt auch Frauen hier, die ihre ZG alleine durch eine Therapie zähmen konnten.

Es geht nämlich nicht darum, keine solchen Gedanken mehr zu haben, sondern diese zu zähmen und sie wieder im HINTERGRUND ablaufen zu lassen, so dass wir sie gar nicht mehr merken. Diese Gedanken sind nämlich normal und naturgegeben. JEDER HAT SIE - auch mein Psychiater, die Wurstverkäuferin, der Polizist, der Pfarrer ..... nur die merken sie gar nicht - verstehst du?

Unbedingt lesen:
"Der Kobold im Kopf - die Zähmung der Zwangsgedanken" von Lee Bear

Da wird alles genau erklärt, was ZG sind, warum sie kommen und wie man sie wieder zähmen kann. Mir hat das Buch sooo geholfen und ich nenne es mittlerweile "die Bibel" für alle Zwangserkrankten.

Liebe Nelli, warst du in der Zwischenzeit schon beim Arzt? Ich weiß ja, dass du große Angst davor hattest, weil du befürchtet hast, man könnte dir deine Kleine weg nehmen. Du brauchst dich aber nicht zu fürchten, das wird nicht passieren. Aber ich weiß schon dass man große Angst hat, sich jemandem anzuvertrauen, gerade wenn es um die ZG geht. Ich habe auch gezittert vor meinem ersten Arztbesuch, glaub mir. Aber es war total unnötig, denn mein Arzt konnte mich sofort ein wenig beruhigen, weil er mir klar sagte, dass ZG eigenentlich total harmlos sind und NIE ausgeführt werden. Sie tun "nur" so unendlich weh und dieses Gefühl dabei ist einfach ganz schrecklich.

Aber es gibt Mittel und Wege, um wieder gesund - ich sage immer "heil" - zu werden. Nimm alle Hilfe in Anspruch die du bekommen kannst - auch und vor allem ärztliche. Versuch wenn möglich irgendwie, den Stress zu reduzieren und dir Freiräume für dich zu nehmen. Das ist ganz wichtig. Du siehst eh, dass du noch sehr anfällig für Stresszeiten bist und da heftig drauf reagierst.

So, jetzt habe ich einen ziemlichen Roman geschrieben und hoffe, dass ich dir ein wenig helfen konnte!

Wäre schön, wenn du uns wissen läßt, wie es dir heute geht!

Liebe Grüße von
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
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