Ich bin auch neu hier
Verfasst: 09:08:2009 16:27
Hallo zusammen,
endlich habe ich mich getraut und mich in diesem Forum angemeldet. Gott sei Dank gibt es dieses Forum.
Ich weiß nicht wo und wie ich anfangen soll, und bitte um Verständnis falls ich zu lang und durcheinander schreibe. In der Tat bin ich zur Zeit durcheinander.
Als ich vor 10 Jahren meinen Mann kennengelernt habe war das Liebe auf den ersten Blick, von beiden Seiten- wir waren wie vom Blitz getroffen. Wir sind eine Woche später zusammengezogen, obwohl das keiner verstehen konnte. Es war uns egal, wir erlebten eine wunderschöne Zeit zusammen sind viel verreist. Er hat Gefühle in mir geweckt die ich vorher nicht kannte.
Als er mich paar Jahre später gefragt hat ob ich seine Frau werden möchte, war unser Glück Perfekt. Mit dem Heiratsantrag kam dann auch der Wunsch nach einem Baby. Nun, es war Oktober 2003 und wir haben aufgehört zu Verhüten und ich dachte doch tatsächlich das ich sofort Schwanger werde, wenn wir nicht verhüten- welch ein naiver Gedanke. Die Zeit bis zu unserer Hochzeit im Mai 2004 haben wir ganz normal Sex gehabt ohne uns verrückt zu machen. Wir dachten bestimmt kommen wir von den Flitterwochen Schwanger zurück. So wie man das doch oft hört, von wegen- es war wieder zu naiv. Bis 2007 haben wir Sex nach Plan gemacht, und unsere Stimmung war sehr getrübt, klar wir haben angefangen uns reinzusteigern.
Anfang 2007 sind wir dann endlich in eine Kinderwunschklinik. Wir wurden komplett untersucht, wobei ich sagen muss das ich mehr "unangenehme" Untersuchungen über mich hab ergehen lassen. Für unseren Wunsch wollten wir alles tun. Die Ergebnisse haben ergeben das bei uns beiden alles in Ordnung ist.
Wir begangen mit 2 Stimulierten Versuchen, beide negativ. Also meinte der Arzt wir sollen einen Schritt weitergehen, also haben wir 4 IUI´s gemacht alle negativ. Mit jedem negativ sank mein Selbstbewusstsein immer tiefer. Der nächste Schritt war dann die IVF, wir waren uns sicher diesmal klappt es. 2 IVF´s und eine Kryo waren auch negativ. Während mein Mann traurig war warum es nicht klappt, machte ich mir Vorwürfe das ich nicht FÄHIG bin ihm ein Kind zu schenken, ich fühlte mich wie ein halber Mensch- nicht Frau genug. Während der Zeit haben wir uns aber immer wieder gegenseitig aufgebaut und sind unseren Jobs und Hobbys nachgegangen.
Im Mai 2008 ging es dann in die dritte IVF Runde. Ich habe mich die Zeit nach dem Transfer komisch gefühlt, anders wie bei den anderen Versuchen, aber ich hatte Angst mich zu sehr reinzusteigern und zu freuen- ich merkte es tut sich was in meinem Körper was mich Glücklich stimmt. Der Tag X kam, und wir fuhren in die Klinik um für den SST Blut abzugeben, es hieß wir würden das Ergebnis am gleichen Tag bekommen. Mein Mann hat mich zuhause rausgelassen und ist zur Arbeit gefahren. Erst wusste ich nicht wie ich die Zeit bis 14 Uhr rumkriegen soll, und bin ins Bett. Ich habe von 10-14 Uhr tief geschlafen, das sagte schon alles, diese Müdigkeit.
Um 14 Uhr rief ich in der Klinik an, meine Beine zitterten, ich hatte Angst vor dem Ergebnis. Dieser Tag sollte der schönste in unserem Leben werden aber nicht halten, ich hörte nur noch wie die Arzthelferin zu mir sagte "Frau ... ich darf ihnen Gratulieren, sie sind Schwanger"! Ich bin in Tränen ausgebrochen und wollte nur noch meinen Mann erreichen. Ich muss so durcheinander gewesen sein, das ich seine Nummer immer wieder falsch getippt habe. Zum Glück rief er an und ich habe nur noch ins Telefon geschrien, es hat geklappt wir sind Schwanger. Mein Mann muss nach hause geflogen sei, er kam sofort und wir umarmten uns sehr lang, und haben meinen Bauch angestarrt, es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Wie im siebten Himmel... Endlich, wir glückliches Ehepaar sollten glückliche Eltern werden. Von wegen.
Diese Glücksgefühl sollte nicht lang halten, denn 3 tage später bekam ich Blutungen, mir war als würde mir jemand mit voller Wucht in den Magen treten, wie als würde man mir den Boden unter den Füßen ziehen- ich musste mich festhalten. Was aber für mich noch viel schlimmer war, das mein geliebter Mann meine Angst und Hysterie nicht verstehen konnte. Er ist "cool" geblieben, eigentlich typisch Mann. Meine Schwangerschaft war intakt, die Blutungen kamen von einem Hämatom in der Gebärmutter. Ich hatte bis zur 20 SSW Blutungen, all die Freude war verflogen, ich hatte nur noch Angst mein Baby zu verlieren. Arbeiten dufte ich ab sofort nicht mehr. Ich habe mich nicht mehr bewegt, bin nicht aus dem Haus, ich lag die ganze Zeit einsam zuhause. Ich konnte mit niemandem darüber reden, da wir unseren Familien noch nichts von der Schwangerschaft erzählt hatten (ich hab immer damit gerechnet das ich mein Baby verliere, also warum allen erzählen). Ich wollte nicht glauben das ich ein Kind bekommen werde, die Angst war im Vordergrund. Wir sind tag für tag und nacht für nacht ins Krankenhaus. Mein Mann hat wenig Verständnis gezeigt, er meinte ich solle den Ärzten vertrauen und ihnen glauben das die Blutungen von dem Hämatom kommen. Wie einfach gesagt von ihm, aber ich war hier die Hormonbombe und nicht er! Ich wollte das alles nicht hören.
Irgendwas passierte mit mir, so das ich anfing mich von meinem Mann zu distanzieren, er konnte es mir nicht mehr recht machen. Auf der einen Seite habe ich gesehen das er im Dreieck läuft um mich glücklich zu machen (er hat mir alles gekocht, gebracht besorgt worauf ich Lust hatte) auf der anderen Seite hat mich plötzlich alles an ihm genervt. Ich habe mich über seine Geduld und Ruhe gewundert, egal was ich ihm böses gesagt habe, er hat alles runtergeschluckt. Alle Versuche um mir näher zu kommen, habe ich blockiert. Ich habe die gesamte Schwangerschaft im Gästezimmer geschlafen, während er im Ehebett schlief. An Sex war nicht zu denken, aber selbst einen Kuss habe ich verweigert. Ich mochte meinen Mann nicht mehr, mit dem ich durch dick und dünn gegangen war, während der Kinderwunschzeit hatten wir zusammen gehalten und jetzt das. Ich hasste mich für meine Sturheit, aber ich hatte es nicht in der Hand, die Hormone führten mich. Ich machte ihn für meine schlechten Gefühle verantwortlich. In dieser zeit habe ich sehr sehr viel geweint. Ab der 20 SSW hörten die Blutungen auf, doch dann merkte ich wie ich ganz plötzlich ohne Vorahnung in ein tiefes Loch falle, es war so das ich das Gefühl hatte keine Luft mehr zu bekommen (ganz schlimmer Zustand). Es war merkwürdig, einerseits hatte ich große Angst mein Baby zu verlieren, anderseits kam ein Gefühl in mir hoch, ob es richtig ist das ich Mutter werde, ich hatte Angst vor meinem ungeborenen Baby. Diese Tiefs waren ganz schlimm, ich habe mich von jedem distanziert, ich wollte allein sein und fühlte mich Gefangen im eigenen Körper. Wenn die Tiefs kamen, wollte ich mein Baby nicht mehr, ich habe es bereut Schwanger geworden zu sein. Dann wenn dieses Gefühl vorbei war, konnte ich mich wieder freuen. Dieses Auf und Ab hat dazu beigetragen das ich weder Tagsüber noch Nachts schlafen konnte. Meine Gedanken drehten sich darum, was ich für eine großen Fehler begangen hatte.
Da bin ich das erste mal zu einer Psychotherapeutin und hab ihr von meine Ängsten und von den Tiefs erzählt. Die Gespräche haben mir gut getan, so das ich dachte wenn mein Baby erst mal auf der Welt ist wird bestimmt alles gut werden. Nein das sollte es nicht. Ich habe jede Nacht zu Gott gebetet, er solle mir ein gesundes Baby schenken, und das ich mir nichts mehr wünsche als das.
Gott schenkte mir im Februar dieses Jahres einen gesunden, munteren und zuckersüßen Jungen. Die Geburt verlief normal, ich empfand die Eröffnungswehen als sehr schmerzhaft und bekam eine PDA, danach fühlte ich mich gut. Mein Mann wich mir nicht von der Seite. Allerdings konnte ich wegen der PDA nicht richtig pressen, so das die Herztöne von meinem Baby immer schlechter wurden. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor und schon wieder durchlebte ich große Ängste. Als es hieß wir holen die Saugglocke, habe ich mir einen Ruck gegeben und so kam unser Langersehntes Wunschbaby zur Welt.
Die Glücksgefühle in den ersten Tagen haben mich überwältigt, mein Mann und ich waren verliebt in unser Baby. Auch diese Glücksgefühle sollten nicht länger halten. Das Stillen klappte nicht, im Kreißsaal hatte die Hebamme versäumt den kleinen sofort anzulegen, ich dachte auch nicht dran. Drei Tage haben die Hebammen im Krankenhaus versucht ihn anzulegen, mein Kind hat die Brust verweigert. Ich habe angefangen zu pumpen, dachte mir wenn wir zuhause sind werde ich das mit Hilfe meiner Hebamme schaffen- aber es klappte nicht. Leider mussten wir ihn zufüttern was das ganze noch schwieriger gemacht hat.
Ich weiß noch genau wie ich 6 Tage nach der Geburt zu meiner Hebamme gesagt habe " mir geht es so gut, ich glaube ich kriege keine Baby-Blues". Meine Hebamme hat mit einem verhaltenen Lächeln nur gemeint, "schön, aber vielleicht kommt es später".
Es kam später, nämlich genau dann als mein Mann wieder arbeiten musste. Ich war plötzlich ganz allein mit meinen winzigen Baby, keine Eltern oder Oma in der Nähe, sondern ganz allein. Der Alltag war sehr anstrengend, da ich alle 2 Std auch noch Milch abpumpen musste, so hatte ich für mich überhaupt keine Zeit mehr. Ich habe eine Stillberaterin für viel Geld zu uns nach hause bestellt, selbst sie hat es nicht geschafft das mein Baby an die Brust geht. Der Kleine hat gebrüllt wie am Spieß, sobald er meine Brust gesehen hat. Es machte mich fertig, ich hatte mir doch so sehr gewünscht meinem Kind die gute Muttermilch zu geben, wieso musste ich es schon wieder schwer haben??!! Ich dachte wenn es mit dem Stillen klappt, bin ich weniger gestresst. Ich habe 3 Monate Tag und Nacht alle 2-3 Std gepumpt, und wurde dadurch immer aggressiver. Ich entwickelte eine Wut auf mein Baby, das er an allem Schuld ist, mit meinem Mann habe ich teilweise Tagelang kein Wort geredet. Das Stillen hat nicht geklappt.
Dann kamen Panikattacken dazu, ich hatte Angst das ich allein durchdrehe. Klar tue ich alles für meinen Kleinen, ich versorge ihn, ich trage ihn viel versuche ihn nicht schreien zu lassen, aber dennoch werde ich den Gedanken nicht los, das er an allem Schuld ist- hätte ich ihn nicht bekommen, dann hätte ich weder eine Ehekrise noch hätte ich diese ganzen Probleme. Im gleichen Moment wenn ich solche Gedanken habe, bekomme ich eine schlechtes Gewissen meinem Baby gegenüber.
Das abstillen hat mir letztendlich den Rest gegeben- ich bin Kraftlos, Lustlos, Aggressiv und habe Angst mit meinem Baby allein zu sein. Wenn mein Mann da ist, kann ich mit dem kleinen gut umgehen, bin ich allein mit ihm geht es mir sehr schlecht. Ich habe manchmal Angst ich könne ihm was tun. Ich denke das ich nie hätte Mutter werden sollen, ich bin nicht fähig dazu. Die letzte Zeit war sehr schlimm für uns alle, meinem Mann habe ich Dinge gesagt, was ich ihm nie sagen wollte-nämlich das ich ihn überhaupt nicht mehr liebe und das ich mich Scheiden lassen will und das er unseren Sohn gerne haben darf. Schlimm oder???!!! Wie kann eine Mutter sich von Ihrem Baby trennen?? Mein Mann muss in seinem Leben vorher ein Prophet gewesen sein, denn alles was ich ihm sage überhört er und versucht mir zu helfen. Ich gebe es hier euch zu, ich war/bin echt sehr gemein zu ihm, kann mich aber überhaupt nicht kontrollieren. Ich sehe was er tut, wie gut er zu unserem Baby ist, und das er versucht unsere Familie zu retten, trotzdem hasse ich ihn manchmal. Warum bin ich so?? Werde ich je wieder "normal"??
Ich schreie mein kleines Baby sehr oft an, vor kurzem als mein Mann beruflich über Nacht weg war, war ich kurz davor meinem Baby die Hand auf den Mund zu drücken um dem ganzen ein Ende zu geben (ich muss weinen wenn ich daran denke). Dann wenn er schläft sitze ich hier und weine stundenlang, weil ich traurig bin so böse zu meinem Kind zu sein. Es ist ein Teufelskreis aus dem ich allein nicht rauskomme. Seit knapp 6 Monaten habe ich nicht mehr mit Genuss gegessen, egal wann ich mich kurz hinsetze um was zu essen, fängt er an zu schreien oder meckern. Dann werde ich total aggressiv und laut zu ihm.
Ich hatte keine schöne Kindheit, meine Mutter ist sehr dominant gewesen und sehr streng. Meine Kinder werde ich NIE so behandeln, dachte ich damals. Und was mache ich?? Ich bin kein Stück besser wie meine Mutter, sogar noch schlimmer. Ich bin restlos überfordert, und hätte es nie gedacht, das ich dazu fähig bin so böse zu sein. Ich sehe mich als schlechte Mutter, weil ich das nicht schaffe was andere mit 2 oder3 Kindern hinkriegen.
Manchmal wünsche ich mir die Zeit zurück, wo ich mich frei bewegen konnte, abends ausgehen konnte und in den armen meines Mannes eingeschlafen bin. Wo ich meinem Job nachgehen konnte und etwas Wert war. Mein Leben war so schön, denke ich, gleichzeitig hasse ich mich dafür das ich mein Kind für alles verantwortlich mache.
Ich hab den kleinen oft vor Wut etwas unsanft in sein Bett gelegt, so das er ganz schlimm geschrien hat. Leider ist es passiert und ich kann die Momente wo ich ihn angeschrien habe nicht zurückdrehen bzw gut machen. Er ist unser Engel, für ihn habe ich doch die ganzen Behandlungen gemacht, wieso kann ich nicht gut zu meinem Kind sein?? Die Zeit vergeht und ich denke oft an die erste Nacht im Krankenhaus, im Kreißsaal der erste Blick wie er uns angeschaut hat..oder wo mein süßer ganz eng an meinem Körper stundenlang geschlafen hat, es war ein sehr schöner Moment und wie gern würde ich die Zeit doch zurückdrehen und alles besser machen. Ich bin unendlich traurig.
Meine Psychotherapeutin hat mich zu einem Psychiater geschickt, er hat mir Fluoxetin verschrieben. Da ich Angst vor Nebenwirkungen habe, konnte ich noch nicht damit anfangen. Aber ich sehe das es ohne AD nicht klappen wird, ich muss mir/uns helfen.
Niemand ahnt oder weiß wie schlecht es mir geht. Alle sehen nur unsere kleine Familie und denken sich wie glücklich wir sind. Aber die Fassade trügt, ich glaube meine Familie wäre entsetzt wenn sie wüssten wie es mir geht. Das ich mein Baby abweise und mich gefangen fühle.
Ich glaube das meine "Krankheit" schon vor meiner Schwangerschaft angefangen hat. Ich hätte mir und meinem Körper mehr Pausen zwischen den Versuchen legen sollen, um die gespritzten Hormone besser abzubauen. Aber man wird ja nicht jünger, so wollten wir auch endlich ein Baby. Der Preis ist hoch den wir für unser Kind gezahlt haben.
Ob ich meinen Mann liebe?? Ich weiß es nicht. Wir sind uns einmal näher gekommen, es war schön aber am nächsten Tag habe ich mich nicht gut gefühlt- ich will mich ihm nicht öffnen und brauche Abstand. Es ist schade was aus der großen Liebe geworden ist.
Das Leben ist unberechenbar- vor Jahren konnte ich meine Schwester nicht verstehen warum sie ihre Tochter immer wieder meiner Mutter zuschiebt, jetzt weiß ich warum.
Danke fürs zuhören.
Liebe Grüße
kiki
endlich habe ich mich getraut und mich in diesem Forum angemeldet. Gott sei Dank gibt es dieses Forum.
Ich weiß nicht wo und wie ich anfangen soll, und bitte um Verständnis falls ich zu lang und durcheinander schreibe. In der Tat bin ich zur Zeit durcheinander.
Als ich vor 10 Jahren meinen Mann kennengelernt habe war das Liebe auf den ersten Blick, von beiden Seiten- wir waren wie vom Blitz getroffen. Wir sind eine Woche später zusammengezogen, obwohl das keiner verstehen konnte. Es war uns egal, wir erlebten eine wunderschöne Zeit zusammen sind viel verreist. Er hat Gefühle in mir geweckt die ich vorher nicht kannte.
Als er mich paar Jahre später gefragt hat ob ich seine Frau werden möchte, war unser Glück Perfekt. Mit dem Heiratsantrag kam dann auch der Wunsch nach einem Baby. Nun, es war Oktober 2003 und wir haben aufgehört zu Verhüten und ich dachte doch tatsächlich das ich sofort Schwanger werde, wenn wir nicht verhüten- welch ein naiver Gedanke. Die Zeit bis zu unserer Hochzeit im Mai 2004 haben wir ganz normal Sex gehabt ohne uns verrückt zu machen. Wir dachten bestimmt kommen wir von den Flitterwochen Schwanger zurück. So wie man das doch oft hört, von wegen- es war wieder zu naiv. Bis 2007 haben wir Sex nach Plan gemacht, und unsere Stimmung war sehr getrübt, klar wir haben angefangen uns reinzusteigern.
Anfang 2007 sind wir dann endlich in eine Kinderwunschklinik. Wir wurden komplett untersucht, wobei ich sagen muss das ich mehr "unangenehme" Untersuchungen über mich hab ergehen lassen. Für unseren Wunsch wollten wir alles tun. Die Ergebnisse haben ergeben das bei uns beiden alles in Ordnung ist.
Wir begangen mit 2 Stimulierten Versuchen, beide negativ. Also meinte der Arzt wir sollen einen Schritt weitergehen, also haben wir 4 IUI´s gemacht alle negativ. Mit jedem negativ sank mein Selbstbewusstsein immer tiefer. Der nächste Schritt war dann die IVF, wir waren uns sicher diesmal klappt es. 2 IVF´s und eine Kryo waren auch negativ. Während mein Mann traurig war warum es nicht klappt, machte ich mir Vorwürfe das ich nicht FÄHIG bin ihm ein Kind zu schenken, ich fühlte mich wie ein halber Mensch- nicht Frau genug. Während der Zeit haben wir uns aber immer wieder gegenseitig aufgebaut und sind unseren Jobs und Hobbys nachgegangen.
Im Mai 2008 ging es dann in die dritte IVF Runde. Ich habe mich die Zeit nach dem Transfer komisch gefühlt, anders wie bei den anderen Versuchen, aber ich hatte Angst mich zu sehr reinzusteigern und zu freuen- ich merkte es tut sich was in meinem Körper was mich Glücklich stimmt. Der Tag X kam, und wir fuhren in die Klinik um für den SST Blut abzugeben, es hieß wir würden das Ergebnis am gleichen Tag bekommen. Mein Mann hat mich zuhause rausgelassen und ist zur Arbeit gefahren. Erst wusste ich nicht wie ich die Zeit bis 14 Uhr rumkriegen soll, und bin ins Bett. Ich habe von 10-14 Uhr tief geschlafen, das sagte schon alles, diese Müdigkeit.
Um 14 Uhr rief ich in der Klinik an, meine Beine zitterten, ich hatte Angst vor dem Ergebnis. Dieser Tag sollte der schönste in unserem Leben werden aber nicht halten, ich hörte nur noch wie die Arzthelferin zu mir sagte "Frau ... ich darf ihnen Gratulieren, sie sind Schwanger"! Ich bin in Tränen ausgebrochen und wollte nur noch meinen Mann erreichen. Ich muss so durcheinander gewesen sein, das ich seine Nummer immer wieder falsch getippt habe. Zum Glück rief er an und ich habe nur noch ins Telefon geschrien, es hat geklappt wir sind Schwanger. Mein Mann muss nach hause geflogen sei, er kam sofort und wir umarmten uns sehr lang, und haben meinen Bauch angestarrt, es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Wie im siebten Himmel... Endlich, wir glückliches Ehepaar sollten glückliche Eltern werden. Von wegen.
Diese Glücksgefühl sollte nicht lang halten, denn 3 tage später bekam ich Blutungen, mir war als würde mir jemand mit voller Wucht in den Magen treten, wie als würde man mir den Boden unter den Füßen ziehen- ich musste mich festhalten. Was aber für mich noch viel schlimmer war, das mein geliebter Mann meine Angst und Hysterie nicht verstehen konnte. Er ist "cool" geblieben, eigentlich typisch Mann. Meine Schwangerschaft war intakt, die Blutungen kamen von einem Hämatom in der Gebärmutter. Ich hatte bis zur 20 SSW Blutungen, all die Freude war verflogen, ich hatte nur noch Angst mein Baby zu verlieren. Arbeiten dufte ich ab sofort nicht mehr. Ich habe mich nicht mehr bewegt, bin nicht aus dem Haus, ich lag die ganze Zeit einsam zuhause. Ich konnte mit niemandem darüber reden, da wir unseren Familien noch nichts von der Schwangerschaft erzählt hatten (ich hab immer damit gerechnet das ich mein Baby verliere, also warum allen erzählen). Ich wollte nicht glauben das ich ein Kind bekommen werde, die Angst war im Vordergrund. Wir sind tag für tag und nacht für nacht ins Krankenhaus. Mein Mann hat wenig Verständnis gezeigt, er meinte ich solle den Ärzten vertrauen und ihnen glauben das die Blutungen von dem Hämatom kommen. Wie einfach gesagt von ihm, aber ich war hier die Hormonbombe und nicht er! Ich wollte das alles nicht hören.
Irgendwas passierte mit mir, so das ich anfing mich von meinem Mann zu distanzieren, er konnte es mir nicht mehr recht machen. Auf der einen Seite habe ich gesehen das er im Dreieck läuft um mich glücklich zu machen (er hat mir alles gekocht, gebracht besorgt worauf ich Lust hatte) auf der anderen Seite hat mich plötzlich alles an ihm genervt. Ich habe mich über seine Geduld und Ruhe gewundert, egal was ich ihm böses gesagt habe, er hat alles runtergeschluckt. Alle Versuche um mir näher zu kommen, habe ich blockiert. Ich habe die gesamte Schwangerschaft im Gästezimmer geschlafen, während er im Ehebett schlief. An Sex war nicht zu denken, aber selbst einen Kuss habe ich verweigert. Ich mochte meinen Mann nicht mehr, mit dem ich durch dick und dünn gegangen war, während der Kinderwunschzeit hatten wir zusammen gehalten und jetzt das. Ich hasste mich für meine Sturheit, aber ich hatte es nicht in der Hand, die Hormone führten mich. Ich machte ihn für meine schlechten Gefühle verantwortlich. In dieser zeit habe ich sehr sehr viel geweint. Ab der 20 SSW hörten die Blutungen auf, doch dann merkte ich wie ich ganz plötzlich ohne Vorahnung in ein tiefes Loch falle, es war so das ich das Gefühl hatte keine Luft mehr zu bekommen (ganz schlimmer Zustand). Es war merkwürdig, einerseits hatte ich große Angst mein Baby zu verlieren, anderseits kam ein Gefühl in mir hoch, ob es richtig ist das ich Mutter werde, ich hatte Angst vor meinem ungeborenen Baby. Diese Tiefs waren ganz schlimm, ich habe mich von jedem distanziert, ich wollte allein sein und fühlte mich Gefangen im eigenen Körper. Wenn die Tiefs kamen, wollte ich mein Baby nicht mehr, ich habe es bereut Schwanger geworden zu sein. Dann wenn dieses Gefühl vorbei war, konnte ich mich wieder freuen. Dieses Auf und Ab hat dazu beigetragen das ich weder Tagsüber noch Nachts schlafen konnte. Meine Gedanken drehten sich darum, was ich für eine großen Fehler begangen hatte.
Da bin ich das erste mal zu einer Psychotherapeutin und hab ihr von meine Ängsten und von den Tiefs erzählt. Die Gespräche haben mir gut getan, so das ich dachte wenn mein Baby erst mal auf der Welt ist wird bestimmt alles gut werden. Nein das sollte es nicht. Ich habe jede Nacht zu Gott gebetet, er solle mir ein gesundes Baby schenken, und das ich mir nichts mehr wünsche als das.
Gott schenkte mir im Februar dieses Jahres einen gesunden, munteren und zuckersüßen Jungen. Die Geburt verlief normal, ich empfand die Eröffnungswehen als sehr schmerzhaft und bekam eine PDA, danach fühlte ich mich gut. Mein Mann wich mir nicht von der Seite. Allerdings konnte ich wegen der PDA nicht richtig pressen, so das die Herztöne von meinem Baby immer schlechter wurden. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor und schon wieder durchlebte ich große Ängste. Als es hieß wir holen die Saugglocke, habe ich mir einen Ruck gegeben und so kam unser Langersehntes Wunschbaby zur Welt.
Die Glücksgefühle in den ersten Tagen haben mich überwältigt, mein Mann und ich waren verliebt in unser Baby. Auch diese Glücksgefühle sollten nicht länger halten. Das Stillen klappte nicht, im Kreißsaal hatte die Hebamme versäumt den kleinen sofort anzulegen, ich dachte auch nicht dran. Drei Tage haben die Hebammen im Krankenhaus versucht ihn anzulegen, mein Kind hat die Brust verweigert. Ich habe angefangen zu pumpen, dachte mir wenn wir zuhause sind werde ich das mit Hilfe meiner Hebamme schaffen- aber es klappte nicht. Leider mussten wir ihn zufüttern was das ganze noch schwieriger gemacht hat.
Ich weiß noch genau wie ich 6 Tage nach der Geburt zu meiner Hebamme gesagt habe " mir geht es so gut, ich glaube ich kriege keine Baby-Blues". Meine Hebamme hat mit einem verhaltenen Lächeln nur gemeint, "schön, aber vielleicht kommt es später".
Es kam später, nämlich genau dann als mein Mann wieder arbeiten musste. Ich war plötzlich ganz allein mit meinen winzigen Baby, keine Eltern oder Oma in der Nähe, sondern ganz allein. Der Alltag war sehr anstrengend, da ich alle 2 Std auch noch Milch abpumpen musste, so hatte ich für mich überhaupt keine Zeit mehr. Ich habe eine Stillberaterin für viel Geld zu uns nach hause bestellt, selbst sie hat es nicht geschafft das mein Baby an die Brust geht. Der Kleine hat gebrüllt wie am Spieß, sobald er meine Brust gesehen hat. Es machte mich fertig, ich hatte mir doch so sehr gewünscht meinem Kind die gute Muttermilch zu geben, wieso musste ich es schon wieder schwer haben??!! Ich dachte wenn es mit dem Stillen klappt, bin ich weniger gestresst. Ich habe 3 Monate Tag und Nacht alle 2-3 Std gepumpt, und wurde dadurch immer aggressiver. Ich entwickelte eine Wut auf mein Baby, das er an allem Schuld ist, mit meinem Mann habe ich teilweise Tagelang kein Wort geredet. Das Stillen hat nicht geklappt.
Dann kamen Panikattacken dazu, ich hatte Angst das ich allein durchdrehe. Klar tue ich alles für meinen Kleinen, ich versorge ihn, ich trage ihn viel versuche ihn nicht schreien zu lassen, aber dennoch werde ich den Gedanken nicht los, das er an allem Schuld ist- hätte ich ihn nicht bekommen, dann hätte ich weder eine Ehekrise noch hätte ich diese ganzen Probleme. Im gleichen Moment wenn ich solche Gedanken habe, bekomme ich eine schlechtes Gewissen meinem Baby gegenüber.
Das abstillen hat mir letztendlich den Rest gegeben- ich bin Kraftlos, Lustlos, Aggressiv und habe Angst mit meinem Baby allein zu sein. Wenn mein Mann da ist, kann ich mit dem kleinen gut umgehen, bin ich allein mit ihm geht es mir sehr schlecht. Ich habe manchmal Angst ich könne ihm was tun. Ich denke das ich nie hätte Mutter werden sollen, ich bin nicht fähig dazu. Die letzte Zeit war sehr schlimm für uns alle, meinem Mann habe ich Dinge gesagt, was ich ihm nie sagen wollte-nämlich das ich ihn überhaupt nicht mehr liebe und das ich mich Scheiden lassen will und das er unseren Sohn gerne haben darf. Schlimm oder???!!! Wie kann eine Mutter sich von Ihrem Baby trennen?? Mein Mann muss in seinem Leben vorher ein Prophet gewesen sein, denn alles was ich ihm sage überhört er und versucht mir zu helfen. Ich gebe es hier euch zu, ich war/bin echt sehr gemein zu ihm, kann mich aber überhaupt nicht kontrollieren. Ich sehe was er tut, wie gut er zu unserem Baby ist, und das er versucht unsere Familie zu retten, trotzdem hasse ich ihn manchmal. Warum bin ich so?? Werde ich je wieder "normal"??
Ich schreie mein kleines Baby sehr oft an, vor kurzem als mein Mann beruflich über Nacht weg war, war ich kurz davor meinem Baby die Hand auf den Mund zu drücken um dem ganzen ein Ende zu geben (ich muss weinen wenn ich daran denke). Dann wenn er schläft sitze ich hier und weine stundenlang, weil ich traurig bin so böse zu meinem Kind zu sein. Es ist ein Teufelskreis aus dem ich allein nicht rauskomme. Seit knapp 6 Monaten habe ich nicht mehr mit Genuss gegessen, egal wann ich mich kurz hinsetze um was zu essen, fängt er an zu schreien oder meckern. Dann werde ich total aggressiv und laut zu ihm.
Ich hatte keine schöne Kindheit, meine Mutter ist sehr dominant gewesen und sehr streng. Meine Kinder werde ich NIE so behandeln, dachte ich damals. Und was mache ich?? Ich bin kein Stück besser wie meine Mutter, sogar noch schlimmer. Ich bin restlos überfordert, und hätte es nie gedacht, das ich dazu fähig bin so böse zu sein. Ich sehe mich als schlechte Mutter, weil ich das nicht schaffe was andere mit 2 oder3 Kindern hinkriegen.
Manchmal wünsche ich mir die Zeit zurück, wo ich mich frei bewegen konnte, abends ausgehen konnte und in den armen meines Mannes eingeschlafen bin. Wo ich meinem Job nachgehen konnte und etwas Wert war. Mein Leben war so schön, denke ich, gleichzeitig hasse ich mich dafür das ich mein Kind für alles verantwortlich mache.
Ich hab den kleinen oft vor Wut etwas unsanft in sein Bett gelegt, so das er ganz schlimm geschrien hat. Leider ist es passiert und ich kann die Momente wo ich ihn angeschrien habe nicht zurückdrehen bzw gut machen. Er ist unser Engel, für ihn habe ich doch die ganzen Behandlungen gemacht, wieso kann ich nicht gut zu meinem Kind sein?? Die Zeit vergeht und ich denke oft an die erste Nacht im Krankenhaus, im Kreißsaal der erste Blick wie er uns angeschaut hat..oder wo mein süßer ganz eng an meinem Körper stundenlang geschlafen hat, es war ein sehr schöner Moment und wie gern würde ich die Zeit doch zurückdrehen und alles besser machen. Ich bin unendlich traurig.
Meine Psychotherapeutin hat mich zu einem Psychiater geschickt, er hat mir Fluoxetin verschrieben. Da ich Angst vor Nebenwirkungen habe, konnte ich noch nicht damit anfangen. Aber ich sehe das es ohne AD nicht klappen wird, ich muss mir/uns helfen.
Niemand ahnt oder weiß wie schlecht es mir geht. Alle sehen nur unsere kleine Familie und denken sich wie glücklich wir sind. Aber die Fassade trügt, ich glaube meine Familie wäre entsetzt wenn sie wüssten wie es mir geht. Das ich mein Baby abweise und mich gefangen fühle.
Ich glaube das meine "Krankheit" schon vor meiner Schwangerschaft angefangen hat. Ich hätte mir und meinem Körper mehr Pausen zwischen den Versuchen legen sollen, um die gespritzten Hormone besser abzubauen. Aber man wird ja nicht jünger, so wollten wir auch endlich ein Baby. Der Preis ist hoch den wir für unser Kind gezahlt haben.
Ob ich meinen Mann liebe?? Ich weiß es nicht. Wir sind uns einmal näher gekommen, es war schön aber am nächsten Tag habe ich mich nicht gut gefühlt- ich will mich ihm nicht öffnen und brauche Abstand. Es ist schade was aus der großen Liebe geworden ist.
Das Leben ist unberechenbar- vor Jahren konnte ich meine Schwester nicht verstehen warum sie ihre Tochter immer wieder meiner Mutter zuschiebt, jetzt weiß ich warum.
Danke fürs zuhören.
Liebe Grüße
kiki