Neu hier...
Verfasst: 16:05:2010 12:02
Hallo Mädels,
ich bin neu hier und stelle mich gleich mal vor:
Mein Kind ist Anfang 2009 geboren und es wurde ziemlich schnell klar, dass ich eine Wochenbettdepression habe. Meine Hebamme, mein Frauenarzt, mein Mann und ich haben schnell gemerkt, dass mir mir etwas nicht stimmt.
Ich war traurig, ängstlich, fühlte mich leer und hatte Angst. Gefühle für mein Kind hatte ich keine Gefühlen. Kein Hass, aber auch keine Liebe. Ich wusste nicht, was ich den ganzen Tag mit meinem Kind anfangen sollte und hatte Angst, alleine mit meinem Kind zu sein. Nachts schwitze ich und wollte morgens nicht aus dem Bett kommen. Ich hatte keinen Appetit und habe einigen Wochen nach der Geburt weniger gewogen als je zuvor. Ich wollte einfach nur mein altes Leben zurück.
Ich habe mir dann schon relativ bald ärztliche Hilfe geholt und bin dann bei einem Psychiater gelandet. Anfangs wollte ich keine Medikamente, wollte es ohne schaffen, hatte Angst, Tablettensüchtig zu werden (obwohl ich noch nie Probleme mit Tabletten gehabt hatte). Irgendwann habe ich es dann nicht mehr ausgehalten und mit Cipralex angefangen. Das habe ich überhaupt nicht ertragen, ich wurde davon innerlich noch viel unruhiger und nervöser. Dann habe ich Aponal bekommen und innerhalb von 4 Wochen habe ich mich wesentlich ruhiger gefühlt. Das war ca. 3 Monate nach der Entbindung.
Ich habe übrigens auch eine Therapie gemacht aber irgendwie fand ich das nicht so hilfreich. Ich hatte einige Gespräche mit eine ganz lieben Psychologin, die ich von meinem Psychiater empfohlen bekommen hatte. Wir kamen gemeinsam zum Ergebnis, dass eine Verhaltenstherapie wohl nicht so sinnvoll sein soll. Sie und ich waren der Meinung, dass z.B. eine Verhaltenstherapie mich mehr aufwühlen bzw. "nerven" würde, als das ich etwas davon hätte.
Sowohl mein Psychiater als meine Psychologin waren der Meinung, dass die PPD hauptsächlich eine Hormonsache und Umstellungssache sind. Ich habe keine schwere Vergangenheit, bis zur Entbindung war ich ganz "normal". Mein Psychiater meinte sogar, dass meine Erkrankung aufgrund des Zeitpunktes zwar als PPD einzustufen sei, aber im Vergleich zu anderen PPD Fällen sei es eher eine "normale" Depression, die aus seiner Sicht zum größten Teil aufgrund der enormen Umstellung entstanden sei. Er ist der Meinung, dass ich kein größeres Risiko als andere Frauen hätte, bei einer eventuellen weiteren Schwangerschaft wieder an PPD zu erkranken.
Ich war schon immer ein sehr selbständiger und organisierter Mensch, habe viel gearbeitet, stand mitten im Leben, war immer unterwegs und habe alles geschafft, was ich angepackt habe. Mein Kind hat das alles geändert... ich war nicht mehr der, der ich vorher war und das fand ich schrecklich, ich habe es (aber nicht mein Kind) gehasst, dass alles auf einmal vorbei sei. Ich wollte das zunächst nicht akzeptieren. Mittlerweile habe ich es zwar akzeptiert, aber es stört und nervt mich immer noch. Ich weiss, dass diese Gefühle vorbei gehen, aber dieses "genervt sein" hat momentan noch überhand. Wenn ich meine Situation momentan umschreiben soll, dann würde ich sagen, dass sie sehr gut auszuhalten ist. Irgendwann wird es nicht mehr "aushalten" sondern leben bzw. geniessen sein.
Kurz und gut, im Rahmen meiner ärztlichen Behandlung war mir schnell klar, woran ich leide, wo die PPD herkommt und was ich machen soll, um mir selber zu helfen und mich besser zu fühlen. Ich habe schon immer viel unternommen und mich mit Freundinnen getroffen. Ich musste bzw. muss mich oft dazu zwingen, aber danach geht es mir immer besser. Auch die Arbeit hilft mir sehr. iich habe gelernt, dass man seine Emotionen und Gedanken nicht wirklich beeinflussen kann. Was man selbst machen kann, ist Aktivitäten unternehmen und das sollte man nach Möglichkeit auch machen. Anfangs konnte ich das nicht, erst durch die AD ging es mir gut genug, um mich aus dem Haus und unter den Leuten zu trauen.
Seitdem ich mit der ärztlichen Behandlung geht es mir wahrscheinlich immer ein bisschen besser, obwohl ich davon selbst nicht viel merke. Ich konnte mich diesbezüglich, vor allem am Anfang nur auf die Aussagen meines Mannes und meiner Eltern verlassen. Die Nervosität, Unruhe und Angst waren nach Beginn der AD gut auszuhalten.
Aber Lebenslust, Energie, Freunde und Ausgeglichenheit waren und sind immer noch nicht optimal. Ich fühle mich immer noch nicht normal oder so wie ich meine mich fühlen zu müssen oder zu können. Meine AD habe ich abgesetzt und mittlerweile nehme ich nur noch Johanniskraut und Omega 3, bin mit dem Johanniskraut am abbauen. Mein Psychiater hat mich vor einiger Zeit für "gesund" erklärt, er meinte dass mein Zustand vielleicht noch nicht perfekt ist, aber seit einiger Zeit nicht mehr im ungesunden Bereich. Er meint, dass es ich zu viel nachdenke und dass es vor allem die Angst ist, dass "es" wieder zurückkommt, die mich belastet und verhindert, dass ich mich glücklich fühlen kann. Ich sollte mir weniger Gedanken machen und Geduld haben. Mein Sohn finde ich süss, aber diese Mutterliebe fühle ich noch nicht. Ich bin davon überzeugt, dass ich mich irgendwann wieder normal fühlen werde, aber bin auch ungeduldig... Man kann das nicht erzwingen, leider. Ich kann den Tag gut meistern, gehe Teilzeit arbeiten. Das tut mir sehr sehr gut und zum Glück läuft es in der Krippe auch ganz gut. Ohne arbeiten wäre ich zuhause vielleicht verrückt gewerden. Ich finde es immer noch schwer, einen ganzen Tag alleine mit meinem Kind zu gestalten. Eigentlich ohne Grund, denn mein Kind war und ist eigentlich nicht kompliziert. Irgendwie habe ich immer ein bisschen Angst vor dem Tag, obwohl noch nie etwas "Schlimmes" passiert ist. Ich unternehme immer etwas und treffe mich mit Freundinnen, brauche die Ablenkung.
Das Komische bei mir ist, dass es mir - abgesehen von den ersten Tagen / Wochen - schon immer abends (wenn mein Kind schläft... es schläft zum Glück gut!) relativ gut geht. Abends fühle ich mich "normal" und bin nicht angespannt. Wenn ich ins Bett gehe, sehe ich immer mit einem guten Gefühl auf den Tag zurück, bin zufrieden, wie der Tag gelaufen ist und bin hoffnungsvoll auf den nächsten Tag. Ich freue mich dann objektiv darüber, ein Kind, mein Kind zu haben, ich spüre es nur nicht... Ich hoffe, dass ich dieses letzte Bisschen, die Freude und Lebenslust bald auch erfahren darf und bald auch richtige Mutterliebe spüren darf.
Eine sehr gute Freundin von mir hatte auch eine Wochenbettdepression, anfangs sogar eine Psychose und sie meinte, dass sie sich erst nach 3 Jahren wieder wirklich gut gefühlt hat. Ich stelle mich also auch darauf ein, dass es noch ein bisschen dauern kann. Abwarten und Tee trinken...
Wie ist eure Erfahrung, wie lange es dauern kann, bis alles wirklich ganz vorbei ist?
Ich freue mich auf einen netten Austausch...
LG
Qwerty
ich bin neu hier und stelle mich gleich mal vor:
Mein Kind ist Anfang 2009 geboren und es wurde ziemlich schnell klar, dass ich eine Wochenbettdepression habe. Meine Hebamme, mein Frauenarzt, mein Mann und ich haben schnell gemerkt, dass mir mir etwas nicht stimmt.
Ich war traurig, ängstlich, fühlte mich leer und hatte Angst. Gefühle für mein Kind hatte ich keine Gefühlen. Kein Hass, aber auch keine Liebe. Ich wusste nicht, was ich den ganzen Tag mit meinem Kind anfangen sollte und hatte Angst, alleine mit meinem Kind zu sein. Nachts schwitze ich und wollte morgens nicht aus dem Bett kommen. Ich hatte keinen Appetit und habe einigen Wochen nach der Geburt weniger gewogen als je zuvor. Ich wollte einfach nur mein altes Leben zurück.
Ich habe mir dann schon relativ bald ärztliche Hilfe geholt und bin dann bei einem Psychiater gelandet. Anfangs wollte ich keine Medikamente, wollte es ohne schaffen, hatte Angst, Tablettensüchtig zu werden (obwohl ich noch nie Probleme mit Tabletten gehabt hatte). Irgendwann habe ich es dann nicht mehr ausgehalten und mit Cipralex angefangen. Das habe ich überhaupt nicht ertragen, ich wurde davon innerlich noch viel unruhiger und nervöser. Dann habe ich Aponal bekommen und innerhalb von 4 Wochen habe ich mich wesentlich ruhiger gefühlt. Das war ca. 3 Monate nach der Entbindung.
Ich habe übrigens auch eine Therapie gemacht aber irgendwie fand ich das nicht so hilfreich. Ich hatte einige Gespräche mit eine ganz lieben Psychologin, die ich von meinem Psychiater empfohlen bekommen hatte. Wir kamen gemeinsam zum Ergebnis, dass eine Verhaltenstherapie wohl nicht so sinnvoll sein soll. Sie und ich waren der Meinung, dass z.B. eine Verhaltenstherapie mich mehr aufwühlen bzw. "nerven" würde, als das ich etwas davon hätte.
Sowohl mein Psychiater als meine Psychologin waren der Meinung, dass die PPD hauptsächlich eine Hormonsache und Umstellungssache sind. Ich habe keine schwere Vergangenheit, bis zur Entbindung war ich ganz "normal". Mein Psychiater meinte sogar, dass meine Erkrankung aufgrund des Zeitpunktes zwar als PPD einzustufen sei, aber im Vergleich zu anderen PPD Fällen sei es eher eine "normale" Depression, die aus seiner Sicht zum größten Teil aufgrund der enormen Umstellung entstanden sei. Er ist der Meinung, dass ich kein größeres Risiko als andere Frauen hätte, bei einer eventuellen weiteren Schwangerschaft wieder an PPD zu erkranken.
Ich war schon immer ein sehr selbständiger und organisierter Mensch, habe viel gearbeitet, stand mitten im Leben, war immer unterwegs und habe alles geschafft, was ich angepackt habe. Mein Kind hat das alles geändert... ich war nicht mehr der, der ich vorher war und das fand ich schrecklich, ich habe es (aber nicht mein Kind) gehasst, dass alles auf einmal vorbei sei. Ich wollte das zunächst nicht akzeptieren. Mittlerweile habe ich es zwar akzeptiert, aber es stört und nervt mich immer noch. Ich weiss, dass diese Gefühle vorbei gehen, aber dieses "genervt sein" hat momentan noch überhand. Wenn ich meine Situation momentan umschreiben soll, dann würde ich sagen, dass sie sehr gut auszuhalten ist. Irgendwann wird es nicht mehr "aushalten" sondern leben bzw. geniessen sein.
Kurz und gut, im Rahmen meiner ärztlichen Behandlung war mir schnell klar, woran ich leide, wo die PPD herkommt und was ich machen soll, um mir selber zu helfen und mich besser zu fühlen. Ich habe schon immer viel unternommen und mich mit Freundinnen getroffen. Ich musste bzw. muss mich oft dazu zwingen, aber danach geht es mir immer besser. Auch die Arbeit hilft mir sehr. iich habe gelernt, dass man seine Emotionen und Gedanken nicht wirklich beeinflussen kann. Was man selbst machen kann, ist Aktivitäten unternehmen und das sollte man nach Möglichkeit auch machen. Anfangs konnte ich das nicht, erst durch die AD ging es mir gut genug, um mich aus dem Haus und unter den Leuten zu trauen.
Seitdem ich mit der ärztlichen Behandlung geht es mir wahrscheinlich immer ein bisschen besser, obwohl ich davon selbst nicht viel merke. Ich konnte mich diesbezüglich, vor allem am Anfang nur auf die Aussagen meines Mannes und meiner Eltern verlassen. Die Nervosität, Unruhe und Angst waren nach Beginn der AD gut auszuhalten.
Aber Lebenslust, Energie, Freunde und Ausgeglichenheit waren und sind immer noch nicht optimal. Ich fühle mich immer noch nicht normal oder so wie ich meine mich fühlen zu müssen oder zu können. Meine AD habe ich abgesetzt und mittlerweile nehme ich nur noch Johanniskraut und Omega 3, bin mit dem Johanniskraut am abbauen. Mein Psychiater hat mich vor einiger Zeit für "gesund" erklärt, er meinte dass mein Zustand vielleicht noch nicht perfekt ist, aber seit einiger Zeit nicht mehr im ungesunden Bereich. Er meint, dass es ich zu viel nachdenke und dass es vor allem die Angst ist, dass "es" wieder zurückkommt, die mich belastet und verhindert, dass ich mich glücklich fühlen kann. Ich sollte mir weniger Gedanken machen und Geduld haben. Mein Sohn finde ich süss, aber diese Mutterliebe fühle ich noch nicht. Ich bin davon überzeugt, dass ich mich irgendwann wieder normal fühlen werde, aber bin auch ungeduldig... Man kann das nicht erzwingen, leider. Ich kann den Tag gut meistern, gehe Teilzeit arbeiten. Das tut mir sehr sehr gut und zum Glück läuft es in der Krippe auch ganz gut. Ohne arbeiten wäre ich zuhause vielleicht verrückt gewerden. Ich finde es immer noch schwer, einen ganzen Tag alleine mit meinem Kind zu gestalten. Eigentlich ohne Grund, denn mein Kind war und ist eigentlich nicht kompliziert. Irgendwie habe ich immer ein bisschen Angst vor dem Tag, obwohl noch nie etwas "Schlimmes" passiert ist. Ich unternehme immer etwas und treffe mich mit Freundinnen, brauche die Ablenkung.
Das Komische bei mir ist, dass es mir - abgesehen von den ersten Tagen / Wochen - schon immer abends (wenn mein Kind schläft... es schläft zum Glück gut!) relativ gut geht. Abends fühle ich mich "normal" und bin nicht angespannt. Wenn ich ins Bett gehe, sehe ich immer mit einem guten Gefühl auf den Tag zurück, bin zufrieden, wie der Tag gelaufen ist und bin hoffnungsvoll auf den nächsten Tag. Ich freue mich dann objektiv darüber, ein Kind, mein Kind zu haben, ich spüre es nur nicht... Ich hoffe, dass ich dieses letzte Bisschen, die Freude und Lebenslust bald auch erfahren darf und bald auch richtige Mutterliebe spüren darf.
Eine sehr gute Freundin von mir hatte auch eine Wochenbettdepression, anfangs sogar eine Psychose und sie meinte, dass sie sich erst nach 3 Jahren wieder wirklich gut gefühlt hat. Ich stelle mich also auch darauf ein, dass es noch ein bisschen dauern kann. Abwarten und Tee trinken...
Wie ist eure Erfahrung, wie lange es dauern kann, bis alles wirklich ganz vorbei ist?
Ich freue mich auf einen netten Austausch...
LG
Qwerty