Bin total verzweifelt und am Ende...

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Libelle80

Bin total verzweifelt und am Ende...

Beitrag von Libelle80 »

Hallo,

ich habe schon sehr lange und überhaupt sehr wenig hier geschrieben, lese aber immer wieder interessiert Eure Beiträge.

Oft habe ich gedacht, ich hätte meine Krankheit überwunden, nun habe ich aber das Gefühl, dass ich nicht mehr kann und ich nicht mehr weiss, wie es noch mit mir weitergehen soll, bzw. an wen ich mich bez. Hilfe wenden soll.

Der Auslöser aktuell heute morgen war eigentlich ein ganz banaler: Meine Kleine hat wohl einen leichten Magen-Darm-Infekt, den ich mir auch gefangen habe. Habe leicht erhöhte Temperatur und Krämpfe im Darm.

Problem Nummer eins für mich in einer solchen Situation: Ich muss mich dann auf der Arbeit krank melden und das mache ich nicht gerne, zumal ich erst seit letzter Woche wieder arbeite und davor 3 Wochen Urlaub hatte.

Ich habe immer schon Probleme, Dinge für mich einzufordern und lasse mich unglaublich leicht verunsichern, insofern ist es mir schon immer unangenehm gewesen, mich krank zu melden und anderen zur Last zu fallen.

Eigentlich wollte ich unsere Tochter vom Kiga auch Daheim lassen, aber dann ging das Kopfkino los: Was mache ich mit ihr den ganzen Tag? Sie ist sehr aktiv, will dann auf den Spielplatz, etc. und permanent beschäftigt werden, was ich heute nicht gewährleisten könnte.

Mein Mann ist selbstständig und heute vor 19:00 Uhr nicht Daheim. Tja, er ist auch sehr hilflos mit meinen Befindlichkeiten.

Also das Ende vom Lied war, dass ich total ausgeflippt bin, rumgeschrien habe, bis meine Tochter geweint hat und ich schäme mich jetzt sehr.

Mein Mann hat sie dann doch in den Kiga gebracht, weil ich absolut nicht in der Lage bin, mich um sie zu kümmern.

Mir geht es auch oft so, wenn ich mit meinem Kind alleine bin, dann fühle ich so einen Druck innerlich. Ich weiss gar nicht warum, und habe dann das Gefühl, dass alle meine Bemühungen umsonst waren.

Ich war schon vor der Schwangerschaft in einer Verhaltens-Therapie, dann nach diesem grauenhaften Geburtserlebnis mit ihr ein tiefenpsych. Verfahren über insg. knapp zwei Jahre.

Ich habe Citalopram hinter mir; zwischenzeitlich wurde bei mir ein SD-Knoten diagnostiziert und ich nehme nun L-Thyroxin.

Leider muss ich dazu sagen, dass ich das Gefühl habe, dass ich nicht richtig eingestellt bin mit der SD.

Die Diagnose wurde eh nur auf meine Initiative hin erstellt; ich bin zu meiner Ärztin gegangen, weil meine Schwester Hashimoto hat und meine Mutter ebenfalls immer wieder mit SD-Problemen zu tun hat.

Keiner der Ärzte ist auf die Idee gekommen, das mal von sich aus zu veranlassen!

Jedenfalls bin ich super verwirrt im Moment. Fühle mich ausgelaugt, verwirrt, niedergeschlagen und vor allem sehr einsam.

Trotz Therapien konnte ich vieles für mich nicht lösen, habe das Gefühl, ich bin als Mutter oftmals eine Niete und mache mein Kind krank durch meine Befindlichkeiten.

Bin nicht in der Lage, mich selbst zu füttern, sondern fühle mich wie gelähmt.

Sorry für meinen Roman, aber ich weiss nicht mehr weiter.
scaramouch

Beitrag von scaramouch »

Hey...
jetzt erstmal tief durchatmen und versuch dich zu beruhigen, ok?

Du bist keine Niete als Mutter, da bin ich mir ziemlich sicher.
Und das du rumgeschrien hast als deine Kleine dabei war...mach dir deswegen keine Vorwürfe.
Sie hat geweint weil sie sich erschreckt hat und weil sie spürt das du verzweifelt bist.
Aber warum soll man den Kindern immer vorspielen, dass alles wunderbar und ok ist?
Sie haben so feine Antennen das sie es ohnehin spüren wenn bei der Mama was nicht in Ordnung ist.
Sag mal, kann es sein, dass es vielleicht noch zu früh war, wieder mit arbeiten anzufangen?
Du klingst müde und überfordert und das ist nicht gerade förderlich damit es dir besser geht.
Ich weiss leider nicht über deine Umstände Bescheid, aber bitte sei dir sicher, dass du nicht alleine bist.
Wir alle hier sitzen genauso da, nur jeder mit anderen Umständen und Beschwerden.
du darfst nicht aufgeben. Heute ist ein besch... Tag, ok, aber vielleicht wird der morgige Tag besser!?
Und fang an, Dinge für dich einzufordern, auch, wenn es die Arbeit betrifft.
Gesundheit geht über alles!!!

Ganz liebe Grüsse
scaramouch
Libelle80

Beitrag von Libelle80 »

Hallo Scaramouch,

erstmal Danke für Deine liebe Antwort.

Ich habe sehr früh wieder mit der Arbeit angefangen; ich war "nur " insg.
7 Monate Daheim. Als unsere Kleine 5 Monate alt war, bin ich wieder 20 Std. pro Woche arbeiten gegangen.

Das lag zum Einen daran, dass mein Mann erst mit seinem Studium fertig geworden ist, als die Kleine auf der Welt war und sich dann selbstständig gemacht hat und wir finanziell nicht wirklich auf der sicheren Seite waren.

Zum Anderen wurde in meiner Firma umstrukturiert und meine Abteilung an einen anderen Ort verlegt. Somit musste ich mich neu intern orientieren, was auch gut geklappt hat.

Ich bin damals auch so früh wieder arbeiten gegangen, weil ich das Gefühl hatte, hier Daheim verrückt zu werden. Ich fühlte mich überhaupt nicht wohl und vermisste meine alte Struktur.

Klair ist es nicht immer einfach, ich arbeite 80% und habe oft viel Gerenne, weil mein Mann auch nachmittags/abends weg ist; somit hängt die Betreuung an mir.

Und das überfordert mich sehr oft, weil mir vor Erschöpftheit die Ideen fehlen, wie ich mich noch mit ihr beschäftigen soll.
Aber vielleicht mache ich mir da auch selbst zu viel Druck. Ganz bestimmt sogar.

Klar ist es besser, man spielt den Kindern nichts vor, aber ich denke, ich überfordere sie. Meine Eltern haben sich sehr viel gestritten, als ich klein war und ich hatte immer Angst.

Und die gleiche Angst sehe ich jetzt in ihren Augen und deshalb habe ich solche Schuldgefühle.

Manchmal ist mir auch schon die Hand ausgerutscht und ich habe mir auch immer schnell von meiner Mutter eine gefangen.

Ich frage mich dann immer, was ich eigentlich besser mache als meine Mutter, über deren Verhalten ich mich schon oft aufgeregt habe.

Abgesehen davon merke ich, dass mir meine Aggressionen selbst nicht gut tun. Habe auch oft einen hohen Puls bei niedrigem Blutdruck und muss das wohl nochmal abklären lassen, auch wegen der Schilddrüse.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass es einfach puff macht und ich platze vor lauter Wut.

Ich habe überhaupt so viel Wut in mir und bin sehr jähzornig. Ich schreie dann, mache manchmal auch Sachen kaputt und benehme mich, als wäre ich wahnsinnig.

Ja, ich merke dann auch immer, dass ich viell. mit manchen, vielen Sachen noch nicht so weit bin, aber ich weiss nicht, was ich tun soll. Gegen eine Therapie sperre ich mich (würde eh keine bezahlt kriegen momentan), habe ja schon zwei hinter mir.

Ebenso möchte ich äusserst ungern ein AD oder ähnliches wieder nehmen.

Ich glaube auch, diese Schilddrüse macht mich verrückt, empfinde es aber so, dass viele Ärzte das nicht ernst nehmen.

Habe Angst, dass ich auch Hashimoto habe wie meine Schwester, aber hier müssen erstmal die Antikörper bestimmt werden.

Wie auch immer, ich stecke fest und drehe mich im Kreis und falle immer wieder in uralte Verhaltensmuster.
scaramouch

Beitrag von scaramouch »

Hab dir eine PN geschickt :-)
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