Gute Erfahrung mit Hebamme? Suche Erfahrungsberichte

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

Moderator: Moderatoren

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SandraV

Gute Erfahrung mit Hebamme? Suche Erfahrungsberichte

Beitrag von SandraV »

Liebe Forums-Leser,
in Kürze habe ich (in meiner Funktion als Beraterin und SHG-Leiterin) die Gelegenheit, vor einer größeren Runde von Hebammen über die Arbeit von Schatten und Licht und natürlich über PPD zu sprechen. Dies möchte ich möglichst mit authentischen Berichten im Zusammenhang mit der Arbeit von Hebammen untermalen.

Meine Fragen an euch sind in etwa, ob die Hebamme euch gut unterstützen konnte, gemerkt hat, dass es es euch schlecht ging, die PPD evtl. erkannt hat, Ideen von Hilfen gehabt hat, im Vorfeld (bei der Vorsorge und/oder im Kurs) auf die Möglichkeit, PPD zu bekommen, hingewiesen hat...

Mir geht es in erster Linie um "positive Erfahrungen", um möglichst transparent zu machen, dass es den Hebammen (mit adäquatem Vorwissen) trotz der knappen Zeit, die sie bei den Frauen nur haben, Möglichkeiten haben, die Frauen gut zu unterstützen bzw. vorzubereiten.

Auf eure Antworten freue ich mich. Vielen Dank. :-)

Liebe Grüße von Sandra
(auch ehemals Betroffene)
Leuchtkäfer

Beitrag von Leuchtkäfer »

Hallo Sandra,

das ist ein wichtiges Thema, toll, daß Du so einen Vortrag machen wirst.

Ich hatte eine sehr gute Hebamme.

Ihr habe ich nach ein paar Tagen gesagt, wie schlecht es mir ging. Sie hat dann gesagt, sie kommt jetzt täglich und ich soll sagen, wenn ich nicht mehr kann.

Ich habe ihr gegen über dann allerdings Theater vorgespielt, weil ich nicht wahrhaben wollte, krank zu sein.
Alles, was das Kind an ging, hat "geklappt" von daher kam sie bald nicht mehr.

Nach fünf Monaten habe ich sie weinend angerufen und erzählt, wie es wirklich aussieht.
Sie hat mir dann die Nummer von einer auf PPD spezialisierten Ärztin gegeben und angeboten, anzurufen, wenn ich es nicht schaffe.
Am nächsten Tag hat die Hebamme sich gemeldet und gefragt, ob ich die Ärztin erreicht habe.

Mir hätte es geholfen, wenn irgendwer vorher (also z.B. die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs, das war eine andere) gesagt hätte, daß es sowas wie eine PPD gibt. Es kommt dann oft das Argument, das erschrecke die Frauen. Man muß es ja nicht so krass formulieren und außerdem sind glückliche Schwangere so hormongesteuert, daß sie das für sich gar nicht in Betracht ziehen. Wenn es dann doch so kommt, dann klingelt vielleicht was im Kopf. Andere Frauen, denen es in der SS schon nicht gut geht fühlen sich vielleicht ermutigt, sich vor der Geburt schon an die Hebamme zu wenden.

Man kann ja auch sagen, daß die Mutterlieben eben oft nicht auf einen Schlag kommt und man eben auch kaputt ist von der Geburt und sich Zeit geben darf mit dem Baby. Es muß nicht alles rosarot sein, könnte die Hebamme sagen und dann vielleicht einflechten, daß es auch Hilfe gibt, wenn dieses Gefühl länger anhält.
Das hat zu mir keine gesagt. Alle meinten, das ist der babyblues, das geht vorbei.

So, das war ein erstes Brainstorming,
Grüße von Leuchtkäfer
nic

Beitrag von nic »

Hallo Sandra...

schön, dass Du die positiven Seiten beleuchten willst, aber ich hoffe, Dir ist dennoch klar, dass die meisten Hebammen mit der Thematik nicht vertraut sind, oder?

Meine war eine tolle Geburtshelferin, aber die blickte rein gar nix, selbst als ich sie nach einer Depression gefragt habe.

Und Infomaterial von Schatten und Licht wird auch angeschaut als wäre es infektiös...

Bitte bedenke bei Deinem Vortrag auch, dass ganz viele Hebammen die Frauen viel früher auffangen könnten, wenn sie die Zeichen besser zu verstehen wissen und die Frauen dazu animieren, sich adäquate Hilfe zu holen... Naja, aber das wird wahrscheinlich eh Dein Ziel sein, richtig? :-)

Liebe Grüße und lass uns mal wissen, wie das da so lief, ja?

N!c
Kika30

Beitrag von Kika30 »

Hallo Sandra,

meine Hebamme, hat mich am 5. Besuchstag direkt gefragt ob ich nicht das Gefühl habe eine PPD zu haben.

Die direkte Frage hat es mir sehr viel leichter gemacht ihr meine negativen Gefühle bzw. Gedanken anzuvertrauen.

Als das geklärt war, hat sie sich immer viel Zeit genommen und ich konnte sie immer anrufen. Ihre Einstellung war, besondere Situationen braucht besonderen einsatz und da kann ein Besuch nicht in 15 Min abgefertigt werden.

Gut fand ich auch, dass sie nicht bei jedem Besuch die Depression Thematisiert hat und mich in vielen Bereichen positiv bestärt hat.

Sie hat nicht PPD und mich als Person in einen Topf geschmissen, sondern auch hin und wieder nur mich als Person gesehen und meine pers. Stärken erkannt.

Ich hoffe du verstehst was ich meine und wünsche dir viel Erfolg bei deinem Vortrag.
manuela

Beitrag von manuela »

Hallo Sandra,

ich hatte mit zwei Hebammen zu zun, und beide haben es gleich erkannt. Die erste hatte ich zur Nachsorge, sie war aber nur Eingesprungen, weil meine eigentliche Hebamme natürlich krank war nach der Entbindung. Ihr habe ich von meinen Einschlafschwierigkeiten erzählt, und das ich Tagsüber garnicht schlafen kann, sie hat sofort gesagt, man muss aufpassen wegen einer PPD, ich solle mich melden wenn es schlimmer wird, sie hatte auch gute Tipps für mich. Leider hab ich sie nicht angerufen als es schlimmer wurde. Erst nach 10 Wochen konnte ich nicht mehr und dann war sie im Urlaub. Hab dann die ursprünglich Hebamme angerufen und sie hat mich sofort zum arzt geschickt. ich musste gleich abstillen (wegen Medis), dabei hat sie mich gut unterstützt, und mich bestärkt das es die richtige Entscheidung ist, alle Fragen 10 Mal beantwortet und mich regelmäßig gefragt wie es mir geht.

Ich selbst war damals nicht so offen für die Unterstützng, musste mich erst damit abfinden das es so ist wie es ist.

lg manuela
Feuervogel

Beitrag von Feuervogel »

Zur Zeit bin ich schwanger mit unserem dritten Kind und gehe meiner Hebamme gegenüber sehr offen mit dem Thema Depression um. Sie macht bei mir die Vorsorge, wenn es hoffentlich klappt die Hausgeburt und die Nachsorge, sie ist und wird also sehr nah an mir dran sein.
Deshalb war es mir von Anfang an sehr wichtig ihr gegenüber sehr offen zu sein.
Gestern bat sie mich dann um Infomaterial über dieses Thema, für sich, ihre Kolleginnen und auch um etwas für die betreuten Mütter zum Weiterreichen zu haben. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn es geht mir nicht nur allein um mich, sondern auch um meine Familie und um jede weitere Schwangere mit ihrer Familie, die dadurch erreicht werden kann. Es ist einfach klasse, dass meine Hebamme das Thema Depression so ernst nimmt und von sich aus Infos weiterreichen mag!
SandraV

Vielen Dank.

Beitrag von SandraV »

Vielen Dank für eure Antworten. Das hilft mir sehr weiter.

LG
Sandra
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