Starke Depressionen im 5. Monat - Wem ging es ähnlich?

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Mara

Starke Depressionen im 5. Monat - Wem ging es ähnlich?

Beitrag von Mara »

hallo liebe forumsmitglieder,

habe lange keine kraft gefunden hier zu schreiben, dabei würde es es sie derzeitige situation vielleicht erleichtern. weiß auch nicht so recht wo ich anfangen soll, ohne zuviel zu schreiben.

ich heiße mara und bin 30 jahre alt. ich erwarte im sommer mein erstes kind. ich leide seit ca. 10 jahren an depressionen mit den dazugehörigen begleit oder auch zusatzerscheinungen, wie z.b. leicht psychotische abwandlungen, angszuständen und oftmals heftiger innerer unruhe.

ich habe seit dem ich schwanger bin mein ad "fluoxetin" abgesetzt und nur noch eine minimaldosis seroquel abends genommen, wegen den schlafstörungen. die ersten drei monate ging es mir gut und ich dachte es läuft alles ganz gut, doch seit wochen rutsche ich immer tiefer zurück in die krankheit.

ich breche alle paar tage mit heulkrämpfen zusammen und empfinde die schwangerschaft nur noch als qual, obwohl ich das doch nicht will. ich habbe diffuse angstzustände und weiß einfach nicht mehr weiter.
ich stelle mir immerwieder vor, dass es besser gewesen wäre schon vor einem jahr tot zu sein.

meine frauenärztin möchte und wollte auch, dass ich das fluoxetin weiternehme, mein psychiater ist strikt dagegen und meine therapeutein weiß nicht mehr weiter. jeder sagt was anderes und ich selber bin am verzweifeln. mein freund ist auch gegen medikamente, versucht mir zwar beizustehen, aber es setzt mich unter druck.
meine ärztin würde mich am liebsten wieder in die klappse stecken, dabei würde ich es dort wohl auch nicht aushalten.

ich dachte ich pack das, aber ich kann nicht mehr. ich würde mich super freuen, wenn es jemanden hier gibt, der vielleicht ähnliches in der schwangerschaft durchgemacht hat. ich mache mir zudem auch solche vorwürfe, das arme kind :-( es sollte doch eine stabile mutter haben und nicht so ein hilfloses psychisches wrack.

es grüßt euch herzlich
mara
janajulia

Beitrag von janajulia »

Lass dich mal drücken, ich weiß wie du dich fühlst auch ich habe vor meiner ersten SS an Depressionen gelitten und musste mein Medikament absetzen. zuerst gings aber dann nach ein paar monaten nicht mehr. ZG qäulten mich ich war nciht mehr glücklich konnte mich garnciht mehr auf die SS freuen. Mein Tip rede bitte nochmal mit deinem Psychologen es gibt auch AD´s die du in der SS nehmen kannst. Schau mal auf die Seite Embryotox. Da gibt es erfahrungsberichte über evtl. NW. und ob es sich auf das Kind auswirkt. Ich musste jetzt in der zweiten SS auch Medis nehmen die leider auch nicht ganz ungefährlich waren und meine Kleine ist bis auf das sie nach der Geburt auf die Intensiv kam zur Vorsorge und Beobachtung ganz gesund.
Libelle1

Beitrag von Libelle1 »

Hallo liebe Mara, ich weiß genau wie es Dir geht.Ich hatte in der 1. SS auch ganz starke Depressionen.Da ging es mir auch ganz schlecht.Hab aber vorher keine Medis genommen, ich hatte vorher zwar auch Probleme und Zwangsgedanken aber das ging halt so.War auch nicht in Therapie.In der SS ist dann alles über mich zusammen gebrochen.Ich habe mich selbst gehasst, hab das Kind mal gehasst, mal geliebt-hab mich ständig selbst verletzt--.Es war der Horror.Hab mich nicht getraut in Therapie zu gehen, hab keinem Arzt was gesagt.Ich hab mir immer eingeredet du mußt dich freuen.Nach der Geburt war dann das schlimmste vorbei.Als die kleine 6 Monat alt war hatte ich nochmal nen tief, aber da bin ich dann zum Arzt gegangen und hab Doxepin bekommen.Danach wurde alles besser.
So und jetzt bin ich wieder schwanger.(Ungeplant und trotz Verhütung...)Ich hab gleich zum FA gesagt, so eine SS mach ich nicht nochmal mit!Die Panik dass es nochmal so wird wie bei der 1.SS hat sofort eine Depresson ausgelöst.Nach einigem Hin und Her- die Psychaterin wollte auch nicht so richtig! hab ich dann Citalopram bekommen.Das hab ich aber nach ca. 4 Wochen wieder abgesetzt weil die NW zu heftig waren.Jetzt nehm ich Sertralin und mir gehts viiiiel besser!Ich habs auch 1 Woche ohne Ad versucht aber das ging gar nicht.ich saß heulend in der Ecke und wollte da auch nicht mehr weggehen....Ja ich hatte anfangs auch ein schlechtes Gewissen wegen dem AD und dem Baby.Aber hier haben mir auch die Leute Mut gemacht dass es so besser ist.Wenns mir gut geht gehts dem Kind auch besser! Wenn du das Fluoxetin nicht nehmen kannst, versuch es mit Sertralin oder Citalopram.Das sind die Mittel die man bedenkenlos nehmen kann.
Libelle1

Beitrag von Libelle1 »

Hallo nochmal, wollte Dir noch was sagen: Lass dich nicht unter Druck setzen, ich weiß das ist schwer.Mir hat mal jemand gesagt: Du bist selbst der einzigste Mensch auf den du dich 100 %ig verlassen kannst.Die Konstante die immer da bleibt und gleich bleibt.Und wenn das durch die Krankheit nicht mehr sicher ist, dann ist es echt schwer.Also sorg dafür dass es wieder so ist.Nimm ein AD, das ist mein Rat.Und lass dir von keinem anderen ein schlechtes Gewissen einreden.Ich hoffe dir geht es bald besser.Machst du denn auch eine Gesprächstherapie?
Kika30

Beitrag von Kika30 »

Liebe Mara,

erst mal ein herzliches Hallo. Schön, dass du hier bist und ich hoffe dir hilft der austausch hier im Forum.

VORSICHT SEHR LANG!!
Deine Gedanken und Gefühle kenne ich selbst nur zu gut. In meiner ersten SS habe ich einige Medikamente genommen und die ständige Angst sie könnten meinem Kind schaden und dann die Selbstvorwürfe ein Kind braucht eine stabile Mutter....
Mein Sohn ist jetzt fast 20 Monate alt und ich bin sehr froh und glücklich, dass der kleine Mann da ist. Aber die ersten 12 Monate waren sehr schwer für mich weil ich immer wieder Phasen hatte in denen ich dachte mein Kind hat was besseres verdient. Aber durch liebe Menschen an meiner Seite habe ich gelernt, dass ich so wie ich bin die richtige Mutter für mein Kind bin. Als der kleine so 16 Monate war, hat er mir auch immer mehr zeigen können dass er mich liebt. Er ist Tagsüber auch für 5 Std bei einer Tagesmutter, aber wenn ich ihn abhole lacht und jauchzt er und läuft auf mich zu. Das ist ein Zeichen dafür, dass wir eine tolle Mutter-Kindbeziehung haben und das obwohl ich mit Depressionen zu kämpfen habe. Ich war mit dem kleinen zweimal in der Psychiaitrie sowohl auch in einer Mutter-Kind-Kur, aber er hat dadurch keinen Schaden genommen. Im Gegenteil, Kinder spüren wenn man sich als Mutter etwas gutes tut. Ich schreib dir das, weil ich dir wünsche, dass du nicht zu streng zu dir als Mama bist. Fakt ist, dass Menschen mit einer psychischen Erkrankung sehr sensibel sind und gut auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen können.

Meine jetztige SS (war NICHT geplant) hat mich da auch wieder ganz schön umgehauen. eine "kranke" Mutter mit zwei kleinen Kindern. Ich bin jetzt in der 23. SSW und ich hatte bis vor ca. drei Wochen überhaupt kein Bezug zu dem kleinen im Bauch, fand alles nur schrecklich und schlimm. Mir haben die Erfahrungen der anderen Frauen hier sehr sehr geholfen und ich bin sehr zuversichtlich meine neue Herausforderung nach meinen Möglichkeiten zu meistern.

Falls du fragen hast oder auch wenn dein Kind da ist dann melde dich. Du musst dich nicht alleine quälen und hier gibt es sehr viele liebe Menschen die gerne helfen.

Ich drück dich jetzt einfach mal ganz fest und schicke dir eine Portion Kraft und Mut.

Liebe Grüße
Kika30
Vicky

Beitrag von Vicky »

Liebe Mara,

dem Kind ist es am wichtigsten, das es Dir gut geht, dann geht es Deinem Kind auch gut!!!

Schau, daß Du Deine Medis oder aber Alternativmedis bekommst.

Apropos, Frau Prof. Rhode in Bonn (hat Embryotox mit aufgezogen), hat auch ein Buch über Psychopharmaka in der SS verfaßt und forscht in den Bereich würde ich an Deiner Stelle evtl. kontaktieren.

Ich habe mir eine Zweitmeinung von ihr eingeholt.
Meinen Psychiater entlastet das auch, denn er ist nicht mehr allein verantwortlich, nun kann er sich auf sie stützen und wir ziehen es so durch, wie sie es empfohlen hat.
(Bin übrigens kassenversichert)

Noch etwas:
Die Beziehung zwischen meinem Kind und mir ist klasse. Ich denke, er weiß, daß es immer nur eine KRankheit war, die uns den Start so schwer gemacht hat.
Ich gehe auch sehr offen mit ihm damit um und werde dies später auch noch mit ihm besprechen (wenn er groß ist).
Ich bin mir inzwischen sicher, dass diese Krankheit es mir ermöglicht hat, die Zeit nach der Krankheit mit ihm besonders zu geniessen.

Viel Erfolg wünscht Vicky
Mara

Beitrag von Mara »

Ich danke euch vielmals, es ist ein so gutes Gefühl nicht allein zu sein. Gerade in der Schwangerschaft haben psychische Problem eine teilweise ganz andere Dimension. Ich werde aufjedenfall nochmal mit meinem Psychiater sprechen und auch nochmal mit meiner Frauenärztin. Ich hoffe ich schaffe das irgendwie.

Ganz liebe Grüße
Mara
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