Fängt es wieder von vorne an?

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Mirabel
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von Mirabel »

Heute war ich so verzweifelt, dass ich in der Klinik bei der Warteliste-Verwaltung angerufen habe und gefragt, ob sie mich zeitnah aufnehmen können. Die Antwort war: aktuelle Wartezeit beträgt sechs Monate.
Mein Mann versteht es nicht, wie ernst die Lage ist. Und ich weiß nicht mehr, mit welchen Worten ich es ihm (zum Tausendsten Mal) erklären soll. Dass ich jedes Mal, wenn er mich alleine mit den Kindern lässt, Panik bekomme. Auch wenn es nur 20 Minuten sind. Seine Antwort war: so ganz wird es sich aber nicht vermeiden lassen.
Ich bin erschöpft, überlastet und habe Null Kraft mehr zum sich erklären. Es ist mir inzwischen egal, ob ich auf die Akutstation in die Klinik komme. Ich kämpfe, und kämpfe, und kämpfe. Und es ist kein Ende in Sicht. Bin jetzt nur noch verzweifelt.
Wie habt ihr es euren Partnern erklärt? Waren sie verständnisvoll?
alibo79
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von alibo79 »

Guten Morgen,
Wie geht es dir aktuell? Kommst du mit dem Lithium klar?
Es ist manchmal sehr schwierig, dem Umfeld zu erklären, wie schlecht es einem geht. Weil man ja unsere Erkrankung körperlich nicht unbedingt sofort zieht. Außer man hat zum Beispiel sehr viel abgenommen oder sehr lange schlecht geschlafen, dann sieht man es ja doch am äußeren.
Wäre es eine Möglichkeit deinen Mann mal mit zu einem therapiegespräch zu nehmen oder zu einem arzttermin? Das wird ja schon zwischendurch gemacht. Ich weiß, dass mein Mann damals in der Tagesklinik auch ein oder zweimal mit musste und als es mir sehr schlecht ging. In der zweiten Episode habe ich ihn auch einmal zu meinem Psychiater mitgenommen, um zu verdeutlichen, wie schlecht es mir geht.
Es ist gut auf jeden Fall die Klinik im hinterkopf zu behalten und genau wie du sagst, dass du rechtzeitig ins handeln kommst. Und ich sehe es auch so, wenn ich das richtig verstehe, dass die Klinik keine Flucht vor deiner Familie oder den Aufgaben mit den Kindern ist, sondern dass dir das ganze aktuell einfach noch viel zu viel ist, dass dein Akku diese Belastung nicht stemmen kann.
Wäre es eine Möglichkeit deine Kinder noch mehr in eine Betreuung zu geben? Wie längere kitazeiten oder in der Schule einen nachmittagsbetreuung, damit du mehr Auszeiten hast, in denen du besser Reserven aufbauen kannst?
Ich habe auf Instagram einen Mann entdeckt, der viel über seine Depression berichtet und vor allen Dingen auch viel über psychische Erkrankung und wie man als Angehöriger sich verhalten kann und auch Aufklärung für Angehörige macht, damit die die Situation besser verstehen.
Ich weiß nicht, ob ich das hier Teilen darf aufgrund der Regeln hier im Forum, aber ansonsten kannst du mich ja auch direkt Anschreiben, wenn du möchtest.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
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Marika
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von Marika »

Hallo zusammen!

Wer Interesse am Link von Alibo hat, bitte per PN anfragen und weiterleiten. ❤️
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
alibo79
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von alibo79 »

👍👋
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
Mirabel
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von Mirabel »

Ihr Lieben,

hier ein Update zu mir.
Die letzten zwei Wochen ging es mir wieder zunehmend schlechter. Und am Mittwoch habe ich beschlossen, nicht zu warten, bis gar nichts mehr geht. Dann bin ich mit meinem Mann zur Ärztin. Und- es grenzt für mich wieder an Wunder- ich konnte sofort auf einer offenen Station aufgenommen werden. Das war wieder- so wie letztens beim Lithium- eine Entscheidung aus Selbstfürsorge, aus dem Gefühl „ich kümmere mich um mich und nehme mich ernst“. Früher habe ich oft gehandelt, wenn gar nichts mehr ging und die stationäre Behandlung wie der letzte Ausweg und Katastrophe vorkam. Es fühlt sich jetzt richtig, hier zu sein. Ist die selbe Klinik wie letztes Mal. Nur eine andere Station.
Ich möchte jetzt zur Ruhe kommen und hoffe, dass mir die Lithium Therapie hilft. ❤️‍🩹
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