Starker Angstrückfall nach aktuellen Medienberichten (Achtung: Triggerwarnung)

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Sarash
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Starker Angstrückfall nach aktuellen Medienberichten (Achtung: Triggerwarnung)

Beitrag von Sarash »

Hallo ihr lieben,

Erst einmal eine Triggerwarnung. Menschen mit akuter Angst- und Zwangsproblematik, besonders in Bezug auf Angst das eigene Kind zu verletzen sollten am besten nicht weiterlesen.

ich wollte euch mal fragen, wie ihr mit Angst- und Zwangssymptomatik mit den aktiellen Berichten von der Gerichtsverhandlung von Lindsay Clancy zurechtkommt? Der ganze Fall hat mich so entsetzt und nachdem ich wochenlang in keiner Angst- und Zwangsspirale drin war, bin ich es jetzt wieder. Ich habe Angst, dass ich gefährlich werden könnte für meine Tochter, möchte ungern Zeit mit ihr alleine verbringen, nachdem ich stundenlang (ja, war sehr blöd) mich mit diesem Fall beschäftig habe. Ich bin überrascht, dass hier noch gar nicht thematisiert wurde. Es heißt ja immer, Menschen mit Zwangsgedanken führen ihre Handlungen nicht durch, der Weg zur Psychose etc ist noch weit weg. Dieser Fall beweist für mich das Gegenteil und macht mir wahnsinnige Angst. Es hat mir irgendwie völlig die mühsam aufgebaute Sicherheit wieder genommen. Wie geht ihr damit um?
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Marika
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Re: Starker Angstrückfall nach aktuellen Medienberichten (Achtung: Triggerwarnung)

Beitrag von Marika »

Hallo Sarah!

Wie ich lese, litt sie an einer Wochenbettpsychose und die Behandlung scheint auch sehr lückenhaft gewesen zu sein. Eine Psychose ist anders, das hat mit unseren Zwangsgedanken nichts zu tun. Da kann es zu wahnhaften Gedanken kommen, Gewalt aus einem inneren Druck, Drang oder Stimmen auszuführen, muss aber nicht. Das hat aber mit klassischen Zwangsgedanken (Zwangsstörung oder Angststörung) nichts zu tun.

Leider gibt es solche Fälle. Lt. meinem Psychiater sind solche Zwangsgedanken wie ich sie z.b. hatte KEINE Vorstufe zu einer Psychose. Das darf man nicht vermischen. Somit sehe ich weder einen Zusammenhang, noch eine Bestätigung dass ZG doch ausgeführt werden.

Mich triggern solche Meldungen nicht mehr, ich bin aber auch schon lange stabil. Du darfst nicht den Fehler machen und alles vermischen und in einen Topf werfen. Schon gar nicht kannst du das mit deiner Situation vergleichen.

Dass es hier nicht Thema ist, könnte daran liegen dass es ja immer wieder mal solche Meldungen gibt und vielen bereits bewusst ist, was das eine und was das andere ist. Zusätzlich muss man sehr aufpassen, in den Medien wird immer viel spekuliert, vermischt usw... am Schluss kommt dann was ganz anderes raus.

Evtl könnte dein Therapeut dir helfen, aus dieser Spirale wieder heraus zu kommen.

Hier zur Einordnung meine KI Recherche:


Zwangsgedanken im Rahmen einer Psychose:

Vorkommen: Bei manchen Patienten mit psychotischen Erkrankungen treten parallel oder im Verlauf zwangshaft anmutende Symptome auf.

Fließende Übergänge: Oft ist die Grenze zwischen einem echten Zwangsgedanken und einem Wahn(gedanken) fließend. [1, 2, 3]

[]Sind es dieselben Zwangsgedanken wie bei einer Zwangsstörung?

NEIN, es gibt einen entscheidenden psychopathologischen Unterschied in der Art, wie die Betroffenen diese Gedanken erleben: [1]

Bei einer reinen Zwangsstörung (OCD):Die Person weiß, dass die aufdringlichen Gedanken von ihr selbst stammen.Sie erkennt die Gedanken als unsinnig, übertrieben oder unvernünftig an, leidet aber stark darunter, dass sie sich nicht abstellen lassen. [1, 2, 3]

Im Rahmen einer Psychose:Die Gedanken werden oft nicht als die eigenen erkannt.Betroffene erleben sie häufig als von außen eingegeben oder von anderen gesteuert (sogenannte Gedankeneingebung oder Beeinflussungserleben).Es fehlt meist die Einsicht, dass der Gedanke „unsinnig“ oder übertrieben ist; stattdessen wird er in den Wahnkontext integriert. [1, 2, 3]
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Starker Angstrückfall nach aktuellen Medienberichten (Achtung: Triggerwarnung)

Beitrag von Nat86 »

Liebe Sara,

ich habe diesen tragischen Fall nicht mitbekommen und habe soeben erst dazu quer gelesen. Ich kann mich erinnern, dass es in meiner Akutzeit auch in Deutschland einen Fall gab, in dem eine Mutter wegen einen Wochenbettpsychose eine solche Tat beging und in den Nachrichten war. Mich hat es damals auch sehr aufgewühlt und mitgenommen. Solche Fälle sind sehr tragisch, aber zum Glück auch sehr selten.

Ich hatte in meiner Krankheitszeit keine Zwangsgedanken und auch keine Psychose, aber auch ich hatte solche Gedanken, alles zu beenden, weil ich keine Zukunft mehr gesehen habe und es einfach nicht mehr ertragen habe jeden Tag zu leiden. Das waren Gedanke einer schwer depressiven Person, die zutiefst verzweifelt war. Diese Gedanken kann niemand nachvollziehen, der nicht selbst betroffen war. Für mich waren sie vor der Krankheit auch nicht denkbar. Insofern finde ich es unwichtig, ob diese Frau nun psychotisch oder schwer depressiv war. Es war ein Akt tiefster Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Sie muss mit ihrer Tat leben und das ist die schlimmste Strafe, unabhängig von der strafrechtlichen Betrachtung.

Ich finde es auch so tragisch, dass ihr Umfeld von ihren Gedanken wusste und sie auch in Behandlung war und es dennoch passiert ist. Da sieht man wie unzureichend psychiatrische Behandlungen laufen können. Einfach nur schlimm für die gesamte Familie.

Mich werfen solche Fälle nicht zurück, aber sie erinnern mich an die dunkelste Zeit in meinem Leben und ich bin einfach nur dankbar, dass es mir wieder gut geht. Du musst dir klarmachen, dass der Fall nichts mit dir zu tun hat und solche Fälle sehr sehr selten sind. Hier haben auch das Umfeld und die medizinische Versorgung aus meiner Sicht versagt. Die Gegebenheiten bei dir sind ja ganz anders. Versuch die erlernten Dinge zum Umgang mit Angst umzusetzen. Wenn du merkst, dass dich solche Fälle krank machen, solltest du künftig darauf verzichten, darüber zu lesen. So wäre zumindest mein Ansatz.


Ich wünsche dir alles, alles Gute!
Viele Grüße von Nat
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Marika
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Re: Starker Angstrückfall nach aktuellen Medienberichten (Achtung: Triggerwarnung)

Beitrag von Marika »

Hallo nochmal!

Ich habe ganz bewusst die Unterschiede von Zwangsgedanken innerhalb einer Psychose zu reinen Zwangsgedanken innerhalb einer PPD dargestellt, weil das wirklich 2 Paar Schuhe sind. So wie Sarah und ich sie hatten, ist es absolut nicht das was diese Frau erlebt hat. Viele Frauen mit Zwangsgedanken hier haben die Angst sie auszuführen, wenn dann sowas in den Medien kommt, kommt da natürlich Panik auf. Daher ist es mir so wichtig immer wieder zu betonen, dass es sich hier um verschiedene Symptome handelt.

Klassische Zwangsgedanken sind auch nicht mit Suizid Gedanken zu vergleichen. Es ist wichtig, dass wir klar unterscheiden, damit Ängste und Unsicherheiten genommen werden können. Sehr oft werden auch hier Zwangsgedanken mit anderen negativen und destruktiven Gedanken während einer depressiven Episode gleichgesetzt. Es sind aber wirklich 2 verschiedenen Dinge. Klassische Zwangsgedanken haben Ängste als Grund, man will sie nicht haben, aber sie drängen sich einem ständig auf. Meist dreht es sich dabei um das Verletzen des eigenen Kindes wenn sie im Rahmen einer PPD auftreten. Es gibt aber auch Zwangsgedanken, in der die Betroffene Angst hat, sich das Leben zu nehmen. Das sind dann trotzdem keine klassischen Suizid Gedanken, weil der Gedanke Angst macht. Sie werden NICHT ausgeführt. Depressive Gedanken bis hin zu Suizid Gedanken in einer Depression werden oft als "erlösend" erlebt... sie haben nichts mit dem Zwangscharakter gemeinsam und es besteht die Gefahr, dass sie tatsächlich ausgeführt werden. Der Unterschied ist: Klassische Zwangsgedanken machen Angst, die anderen Gedanken nicht, sie werden als befreiend oder erlösend beschrieben. Durch klassische Zwangsgedanken wird man meist erst depressiv, bei den anderen negativen Gedanken ist meistens die Depression schon verhanden.

Zwangsgedanken können im Rahmen einer Zwangsstörung auftreten, aber auch innerhalb einer PPD. Sie werden nicht ausgeführt.

Daher ist es mir sehr, sehr wichtig das gut zu unterscheiden.
Liebe Grüße von
Marika

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Sarash
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Re: Starker Angstrückfall nach aktuellen Medienberichten (Achtung: Triggerwarnung)

Beitrag von Sarash »

Hallo Marika und Nat,

vielen Dank an euch beide, dass ihr euch nochmal Zeit genommen habt um mir so ausführlich zu antworten. Ich finde deine Klarstellung zu Zwangsgedanken und depressiven Gedanken hilfreich, Marika. Bei mir war und ist es immer das Problem, dass ich einen komischen Gedanken bekomme und dann große Angst davor bekomme, was dieser Gedanke über mich etc aussagt. Die größte Angst für mich ist es nach wie vor psychotisch zu werden und mir oder meinem Kind etwas anzutun.

Ich war heute nach einer Therapiepause auch wieder bei meiner Psychologin. Sie hat mir gesagt, dass sie sehr sicher ist das ich zu keinem Zeitpunkt psychotisch war und es auch nicht werde. Sie sagt ich neige zu Angst und Depression, aber nicht zu Psychosen. Kurz beruhigt mich das natürlich, aber das Ziel ist es ja ultimativ, dass ich selbst erkenne und nicht ständig die Bestätigung von außen brauche.

Nat, darf ich fragen, ob dir deine „schlimmen“ und lebensmüden Gedanken damals Angst gemacht haben, oder ob es sich eher wie eine Erlösung anfühlte?
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Marika
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Re: Starker Angstrückfall nach aktuellen Medienberichten (Achtung: Triggerwarnung)

Beitrag von Marika »

Hey Sarah!

Ganz genau so waren meine ZG auch für mich. Ich hatte schreckliche Angst, ich könnte sie ausführen. Dann: was sagen sie über mich aus... bin ich ein abartiges Monster? Und danach kam, wenn mein Psychiater das alles vollkommen ausgeschlossen hatte: Aber was ist, wenn ich eine Psychose bekomme und etwas tue, ohne mich nachher zu erinnern? (was bei ZG auch typisch ist so zu denken) Auch da hat mein Psychiater das selbe wieder geantwortet, nämlich "nein". Das hat mich kurz beruhigt, bis das ZG - Karussell von vorne begonnen hat. Und genau dieser Kreislauf ist zu 100 % wie aus dem Lehrbuch, was ZG sind. Diese nur kurzzeitige Beruhigung, bis alles wieder von vorne anfängt mit "ja aber was wäre, wenn...."

Mir hat sehr geholfen, die Hintergründe hinter den ZG zu verstehen, ich habe viel gelesen dazu. Und irgendwann sind die Erklärungen wie und warum ZG entstehen einfach als Gefühl auch bei mir angekommen. Da kam diese "Sicherheit" plötzlich. Es ist schwer zu beschreiben und ist natürlich auch ein Prozess. Auch die Erklärung der Überfunktion des frontalen Kortex, die Zwängler haben, hat mir Sicherheit gegeben. Durch diese können wir solche Gedanken gar nicht ausführen, aber blöderweise werden diese Gedanken wiederum durch diese Überfunktion erst erzeugt. Das ist ein Paradxon, dass sich dann auch im Erleben der ZG, unserem Selbstbild und der Realität wieder spiegelt.

Es ist mit ZG nicht einfach und es dauert. Ich habe viel und lange Übungen aus er kognitiven Verhaltenstherapie gemacht + Konfrontation.
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Starker Angstrückfall nach aktuellen Medienberichten (Achtung: Triggerwarnung)

Beitrag von Nat86 »

Hallo zusammen,

danke Marika, ich finde die Unterschiede auch wichtig in diesem Zusammenhang und kann mein erkranktes Ich da auch klar zuordnen.

@sara: zu deiner Frage: beim 1. Mal hat mir dieser Gedanke natürlich Angst gemacht, da ich mir der Tragweite einer solchen Tat, auch für meine Angehörigen, bewusst war. Ich hatte solche Gedanken auch nie zuvor, sodass sie mich ängstigten, aber das änderte sich dann schnell. Irgendwann waren die Gedanken befreiend und erlösend, weil sie einen Ausweg aus meinen täglichen Seelenqualen darstellten. Insofern hat Marika mit ihren Ausführungen recht. Die Gedanken waren Ausdruck einer schweren Depression und wirkten auf mich befreiend.


Ich finde gut, dass du dieses Thema auch mit deiner Psychologin besprichst und sie dir da nochmal den Rücken stärkt, indem sie dich als nicht gefährdet ansieht. Wenn es einem schlecht geht, hilft externer Zuspruch immer viel, finde ich.
Viele Grüße von Nat
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