Wie viel Unterstützung bekommt ihr im Alltag von eurer Familie? Was ist für euch normal? ❤️

Austausch alltäglicher Sorgen oder Freuden

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Ramona_Maria89
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Wie viel Unterstützung bekommt ihr im Alltag von eurer Familie? Was ist für euch normal? ❤️

Beitrag von Ramona_Maria89 »

Ich würde gerne mal etwas in die Runde fragen, weil mich das Thema gerade sehr beschäftigt und ich gerne wissen würde, wie das bei anderen Familien aussieht.

Mich interessiert, wie viel Unterstützung ihr im Alltag von euren Eltern, Geschwistern oder anderen Familienangehörigen bekommt. Sowohl in ganz normalen, stabilen Lebensphasen als auch dann, wenn es euch vielleicht einmal nicht so gut geht oder ihr besonders viel um die Ohren habt.

Kommt eure Mutter beispielsweise auch mal vorbei und macht eine Ladung Wäsche, saugt durch, räumt etwas auf oder bringt Essen mit? Oder besteht die Unterstützung eher darin, dass sie die Kinder mal nimmt, damit ihr Zeit für euch habt oder Dinge erledigen könnt? Vielleicht ist es bei euch auch ganz anders.

Ich frage mich auch, wie das bei euch ist, wenn ihr psychisch oder körperlich gerade nicht so belastbar seid. Könnt ihr dann selbstverständlich mehr Hilfe in Anspruch nehmen, oder versucht ihr trotzdem, Haushalt und Kinderbetreuung weitgehend allein zu stemmen?

Ich bin selbst Mutter von zwei kleinen Kindern und alleinerziehend. Aktuell geht es mir aufgrund der postpartalen Depression psychisch nicht so gut, weshalb ich momentan deutlich mehr Unterstützung bekomme als sonst. Meine Mutter hilft mir häufiger, und ich habe eine Haushaltshilfe, die mir viel im Haushalt abnimmt.

Einerseits bin ich unglaublich dankbar für diese Entlastung. Andererseits merke ich, dass ich mich immer wieder frage, ob es normal ist, so viel Hilfe zu brauchen, und ob ich irgendwann wieder alles allein schaffen werde.

Ich reflektiere momentan sehr viel, vielleicht manchmal sogar zu viel, und merke dabei, dass ich vermutlich schon früh gelernt habe, Hilfe zu brauchen oder anzunehmen mit Schwäche und Versagen zu verbinden. Vielleicht habe ich irgendwann verinnerlicht, dass man etwas nicht richtig auf die Reihe bekommt, wenn man es nicht allein schafft.

Das Interessante ist, dass ich diesen Maßstab überhaupt nicht an andere Menschen anlege. Wenn eine andere Mutter erzählt, dass ihre Familie sie unterstützt oder dass sie eine Haushaltshilfe hat, würde ich niemals denken, dass sie deshalb versagt hat. Im Gegenteil, ich würde mich für sie freuen, dass sie Entlastung bekommt.

Nur bei mir selbst fällt mir das unfassbar schwer. Ich kann rational verstehen, dass Unterstützung etwas Normales ist und dass man nicht alles allein schaffen muss. Emotional fühlt es sich für mich aber oft so an, als würde ich damit beweisen, dass ich es nicht hinbekomme. Ich fühle mich, als hätte ich versagt und hab starke Schuldgefühle und Ängste, es NIEMALS WIEDER ZU SCHAFFEN.... dann stellt sich mir auf die Frage kriegen manche vielleicht sogar auch Unterstützung auch wenn sie stabil sind, ist das nur mein Gedanke mein Glaubenssatz?

Deshalb würde ich gerne einmal von euren Erfahrungen hören, um meinen eigenen Blick darauf vielleicht ein bisschen zu erweitern.

- Wie viel Unterstützung bekommt ihr im Alltag, wenn es euch gut geht und ihr psychisch stabil seid?
- Wie verändert sich das, wenn ihr krank seid, erschöpft seid oder eine schwierige Phase durchmacht?
- Ist es für euch selbstverständlich, dass eure Eltern auch mal im Haushalt mithelfen, Wäsche machen oder Essen vorbeibringen? Oder besteht die Unterstützung eher in der Kinderbetreuung?
- Wie ist es bei euch, wenn ihr alleinerziehend seid oder keinen Partner habt, mit dem ihr euch die alltäglichen Aufgaben teilen könnt?
- Und wie fühlt es sich für euch an, Hilfe anzunehmen? Könnt ihr das selbstverständlich tun, oder müsst ihr euch manchmal auch erst überwinden?

Mir geht es ausdrücklich nicht darum, zu bewerten, welches Familienmodell besser ist oder wie viel Hilfe jemand bekommen sollte. Ich weiß auch, dass jede Familie anders ist und unterschiedliche Möglichkeiten hat.

Ich würde einfach gerne verstehen, was in anderen Familien gelebt wird, und mir selbst erlauben lernen, Unterstützung nicht automatisch als persönliches Versagen zu betrachten.

Ich freue mich über ehrliche Erfahrungen, ganz egal, wie es bei euch aussieht. ❤️
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Marika
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Re: Wie viel Unterstützung bekommt ihr im Alltag von eurer Familie? Was ist für euch normal? ❤️

Beitrag von Marika »

Halli Hallo!

Ich kann dir gerne von mir berichten. Meine PPD ist zwar schon 21 Jahre her und so alt ist auch mein "Baby"... aber trotzdem ist mir diese Zeit noch gut in Erinnerung. Tatsächlich habe ich unglaublich viel Hilfe von meiner Familie erhalten. Meine Eltern, meine Tante, meine Cousinen, mein Mann, mein Hausarzt, mein Psychiater.

Es fiel mir damals zuerst "leicht" Hilfe anzunehmen, weil absolut gar nichts mehr ging. Ich war völlig erstarrt innerlich, unfähig auch nur alleine zu duschen usw. Allen voran war es meine Mama, die jeden Tag bei mir war. Sie hat mich gestützt, sich aber auch um den Kleinen gekümmert, den Haushalt gemacht. Mein Papa war der Bote - Ämter, Einkäufe, Medikamente holen usw. Meine Tante und Cousinen kamen oft um den Kleinen zu nehmen, aber auch um den Haushalt zu machen. Mein Mann musste arbeiten (er war und ist noch immer selbständig), war dann aber immer die wichtigste Schulter zum ausweinen für mich. Er hat mir unglaublich viel emotionale Unterstützung und Kraft gegeben. Im Haushalt hat er auch viel mitgemacht. Mein Hausarzt hat mehrere außertourliche Hausbesuche gemacht und mir die Termine beim Psychiater telefonisch vereinbart. Und mein Psychiater hat 2x wöchentlich Termine für mich freigeschaufelt. Ich war also die ersten 3 Monate in einer absoluten geschützten Atmosphäre. Aber auch danach war immer jemand da, wenn es nötig war.

Rückblicken war das ein erstes stabiles Fundament dass ich so nötig gebraucht habe um Schritt für Schritt gesund zu werden und bin auch heute noch unendlich dankbar so einen Rückhalt gehabt zu haben. Auch später als ich wieder Arbeiten ging waren es meine Eltern und auch Tante und Onkel die meinen Süßen immer gut betreut haben. Wenn ich von der Arbeit heim kam, war zusätzlich auch noch gekocht und aufgeräumt... Danke Mama! :P

Beachtlicher Weise kam dieses "alles alleine schaffen zu müssen und zu wollen" erst viel später, als ich wieder gesund war. Da bin ich in diese Falle getappt, die wir Frauen wohl fast alle kennen. Dadurch musste ich oft feststellen, dass meine Grenzen schneller erreicht sind, als vielleicht bei anderen und das ich sehr gut auf mich aufpassen muss - mein Leben lang. Und auch heute noch kann es passieren, dass ich meine Grenzen zu spät erkenne und drüber gehe... was mir mein Körper dann recht schnell zeigt. Aber ich bin schon viel besser darin geworden. :wink:

Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen bei deinen Fragen helfen!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Ramona_Maria89
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Re: Wie viel Unterstützung bekommt ihr im Alltag von eurer Familie? Was ist für euch normal? ❤️

Beitrag von Ramona_Maria89 »

Danke schön für deine Antwort. Ich habe blöderweise in einem anderen mutter-forum auch dieselbe Umfrage gemacht, wahrscheinlich wollte ich einfach nur hören, dass es normal ist, auch wenn man gesund ist, ab und zu Hilfe zu brauchen. Ich schäme mich und habe Angst, dass ich es nie wieder alleine hinbekommen werde und immer auf irgendeine Hilfe angewiesen sein werde in dem anderen Mütter warum ist es ausgeartet, es wurde irgendwann ein Kampf darum, wer am meisten schafft und am wenigsten Hilfe hat und das hat mich natürlich sehr geknickt. Liebe Grüße
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Marika
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Re: Wie viel Unterstützung bekommt ihr im Alltag von eurer Familie? Was ist für euch normal? ❤️

Beitrag von Marika »

Oh je, das kann ich mir vorstellen... dieses Vergleichen unter den Frauen... wer ist nun die beste Mama, Frau, wer schafft am meisten. Es ist so unnötig wie ein Kropf und doch fallen noch heute so viele junge Mütter in diese Spirale.

Nun, ich bin eine "alte Mama" und sag dir klar: schau auf DICH, hör auf DEINE Signale und Bedürfnisse. DU zählst, was und wie andere es machen muss dir tatsächlich Sch....s egal sein. Denn niemand wird dir dankbar sein weil du dich aufopferst und in diesem kranken Wettstreit mitmachst.

Du wirst wenn es dir nach und nach besser geht, immer mehr wieder machen können und deinen Alltag leben. Das Ziel sollte aber nicht sein "wieder alles alleine zu schaffen"... ich finde das unnatürlich und es macht krank. Geh deinen Weg in deinem Tempo, die Hilfe die du jetzt bekommst ist der Grundstein zum Gesund werden. ❤️
Liebe Grüße von
Marika

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alibo79
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Re: Wie viel Unterstützung bekommt ihr im Alltag von eurer Familie? Was ist für euch normal? ❤️

Beitrag von alibo79 »

Guten Morgen
Ich möchte dir auch zu diesem Thema Antworten.
Genauso wie du bin ich eine Person, die sehr schlecht Hilfe annehmen kann, die nicht gerne nach Hilfe fragt. Und es als persönliches Versagen sehe, wenn ich etwas nicht alleine schaffe . Für mich ist es zum Beispiel kein versagen. Wenn ich nach etwas Frage oder um Hilfe bitte bei Dingen, die ich nun wirklich gar nicht kann. Aber bei Dingen, die ich eigentlich selber machen könnte und sie nicht mache, weil ich die Kraft dafür nicht habe, die Geduld nicht habe oder die Zeit nicht habe, ist das schon immer schwierig für mich.
Damals als ich an der PPD erkrankt bin, brauchte ich aber ganz viel Hilfe. Ich hatte eine haushaltshilfe. Meine Eltern kamen regelmäßig, um mir bei den Kindern zu helfen. In der klinikzeit war wirklich jeden Abend jemand da gewesen und hat Abendbrot gemacht und die kinderbett fertig, so dass ich nur bisschen dabei sein musste. Als ich dann stabiler wurde, benötigte ich nicht mehr ständig Unterstützung, aber auch da haben meine Eltern meistens einmal die Woche auf die Kinder aufgepasst und meine Schwiegermutter die nebenan wohnt, hat regelmäßig für uns Mittagessen mitgekocht. Inzwischen sind meine Kinder ja schon größer und brauche nicht mehr so viel Aufmerksamkeit und Zeit, da sie einfach selbstständig sind. Deswegen ist die Hilfe, die ich erfrage sehr gering. Meistens einmal im Jahr kommen meine Eltern und schneiden bei uns im Garten Die Hecke, weil sie das einerseits gerne machen und weil sie genau wissen, dass ich für solche Dinge gar keine Zeit habe.
Ich muss dazu sagen, dadurch, dass wir Landwirtschaft zu Hause haben und mein Mann arbeitstechnisch sehr stark eingespannt ist. War es so, dass ich in der Regel sehr viel alleine mit den Kindern gewesen bin, Das heißt morgens und abends war ich immer zuständig für fertig machen. In die Kita bringen zur Schule und auch das ganze abendprogramm. Ich hätte mir manchmal wirklich gewünscht da Hilfe zu haben und habe immer ganz neidisch auf die Frauen geschaut. Die sich die Arbeit mit ihrem Mann teilen oder wo eine Oma oder Opa da ist, die die Kinder mal ins Bett bringen.
Dadurch, dass ich jetzt älter bin und vielleicht auch eine andere sichtweise auf die Dinge habe, denke ich mir, es ist völlig in Ordnung. Hilfe anzunehmen. Und ich möchte dir einen Satz mitgeben, den mir mein Psychologe immer wieder gesagt hat.
Es ist in Ordnung, die großeltern, um Unterstützung mit den enkelkindern zu fragen, denn es profitieren alle davon. Die Mutter wird entlastet. Die Kinder freuen sich über die großeltern und die großeltern Wiederum, bleiben dadurch fit und jung.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
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