Fängt es wieder von vorne an?

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Mayte
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von Mayte »

Hallo Mirabel!
Das haben sehr viele - und ja es ist total mit Scham aufgeladen, hat aber mit Liebe gar nichts zu tun. Ich glaube bei mir war es auch so dass der Übergang zum alleine sein in der Elternzeit ein Katalysator für meine Angstsymptomatik war. Ich ich erkläre mir das so, dass das Nervensystem eine Überforderung anzeigt. Es ist Zuviel. Die riesige Verantwortung, für jede Ansprache sofort und die einzige Adressatin zu sein, das ist ja auf eine bestimmte Weise betrachtet Terror… also mag ich dich ganz gar bestärken dich dafür nicht in dem Sinne zu geißeln, dass es was über deine Liebe sagt. Und wenn der Druck weggeht, dann kannst du vielleicht schon besser verstehen warum dein System, dass erstmal für dich da ist dich an der Stelle gerade warnt. Du brauchst dich wirklich nicht schämen!
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Marika
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von Marika »

Hallo!

Da erlebst du ein typisches Symptom. Das kennen hier glaube ich so gut wie alle, ich hatte das sehr stark. Bei mir war es die Erwartungshaltung an mich selber, jetzt alles richtig zu machen. Diese riesige Verantwortung hat mir wahnsinnig Angst gemacht, aber ich konnte aus der Situation nicht raus. Auch bei mir hat der Körper reagiert, u.a. mit Panikattacken. Viele erleben das so, es ist wie gesagt typisch. Das alles war mir natürlich überhaupt nicht bewusst, das habe ich in der Therapie erarbeitet.

Sprich das auf jeden Fall in der nächsten Sitzung an. Wenn die Medikamente gut wirken, wird das ebenfalls sehr positiv auf dieses Symptome auswirken.
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Jen
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von Jen »

Hallo du Liebe, ich kenne das auch sehr gut und es begleitet mich heute noch hin und wieder.

Ich bin auch dabei dieses Verantwortungsgefühl zu durchleuchten um für mich einen gesunden Weg zu finden.

Als du bist damit nicht alleine!

Fühl dich umarmt!
12/20 1. Geburt PTBS / Ängste
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Marina_Marina
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von Marina_Marina »

Ich kann aktuell auch nur schwer mit meinen Sohn alleine sein. Bei mir ist es dann die Angst, dass ich irgendwie funktionieren muss, weil ja nur ich da bin, um mich um ihn zu kümmern. Was wenn wieder eine Panikattacke kommt und er mich aber in dem Moment braucht ? Ich kann nicht einfach raus gehen und frische Luft atmen und spazieren gehen, weil er mich ja braucht. Irgendwie engt mich das ein und macht mir Druck, wenn ich mit ihm alleine bin.
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Marika
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von Marika »

Ja so hat sich für mich auch angefühlt. Deswegen war die ersten 3 Monate immer jemand bei mir. Als die Medikamente dann etwas gewirkt haben, bin ich tatsächlich jeden Morgen konsequent raus mit dem Kinderwagen, unter Leute in die Stadt. Das hat sehr geholfen. Ich habe mich also sehr langsam an das alleine sein mit Kind gewöhnt.
Liebe Grüße von
Marika

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Mirabel
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von Mirabel »

Ihr Lieben,

es entlastet mich, wenn ich eure Antworten lese.
Das sind diese Gedanken wie „Ich muss funktionieren“, die diese Angst aufrechterhalten.
Und ich merke, da meine Kinder ja bereits aus dem Babyalter raus sind (mein Jüngster ist vier), es gesellen sich die Gedanken dazu wie „meine Kinder werden denken, dass ich komisch bin“ oder „ich muss mich stark zeigen. Meine Kinder werden sich sonst für mich schämen/mich ablehnen“.
So ein Käse!
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Marika
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von Marika »

Hey Mirabel!

Gerade dieser Druck zu funktionieren, "stark" zu sein, fröhlich zu wirken obwohl man schreien möchte vor Angst... gerade das ist Gift für unser System. Und so erklären sich dann auch die Symptome. Weil wir uns in diesen Momenten verstellen, kommt es zu einer Überlastung und der Körper signalisiert das klar.

Ich habe mich immer mehr getraut, authentisch zu sein. Also zu sagen "es geht mir nicht gut, ich bin überfordert...." zuerst zu meinem Mann, aber auch zu meinem Umfeld. Aber auch meinem Sohn habe ich Schritt für Schritt altersgemäß erklärt, dass Mama jetzt müde ist, eine Pause braucht usw. und er sich ein bisschen selbst beschäftigt... das hat geholfen, es hat den Druck etwas genommen.

Übrigens hat mich mein Sohn nie abgelehnt, im Gegenteil wir hatten und haben ein extrem starkes Band zwischen uns. Ich spüre seine Liebe, sein Vertrauen in mich... sehr oft sagt er, ich sei ein Vorbild für ihn. Manchmal bin ich selber erstaunt, dass es so ist, trotz PPD.... aber ich glaube es hat mit meiner Offenheit zu tun bzgl meiner Erkrankung. Mein Sohn ist schon 20 und er sagt heute, es gäbe keinen Menschen den er mehr liebt und bewundert als mich...🥹🥹🥹
Liebe Grüße von
Marika

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Mirabel
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von Mirabel »

Liebe Marika,

wie wohltuend und wie ermutigend ist es, deine Zeilen zu lesen! Denn es ist auch das, was ich meinen Kindern vorleben möchte: authentisch zu sein, kongruent zu sein, zu sich und eigenen Gefühlen zu stehen. Denn sie sind nicht falsch, auch wenn sie sich schmerzvoll und wie eine Qual anfühlen. Sie sind unsere Wegweiser.
alibo79
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von alibo79 »

Hey ,
Ich wollte dir auch kurz mitteilen, dass ich auch große Probleme hatte, mit meinen Kindern alleine zu sein. Es fühlte sich wie eine schwere Last an so viel Verantwortung zu tragen. Am schlimmsten war es für mich, wenn ich alleine mit den Kindern irgendwo hin musste und ich das Gefühl hatte. Ich muss jetzt funktionieren. Nur, dass ich in meinem inneren gar nicht funktioniert habe und das hat mich wahnsinnig gestresst. Ich habe dann im Vorfeld nächtelang nicht gut geschlafen oder war sehr angespannt. Teilweise wenn ich dann mit den Kindern irgendwo hingefahren bin richtig, richtig Schwindel und gefühlt war mein Kreislauf völlig durcheinander. Das war sehr unangenehm. Das konnte schon ein kinderarztbesuch in der nächstgrößeren Stadt sein oder auch mit Kindern einkaufen. Was mich auch immer belastet hat, wenn ich wusste, dass mein Mann nicht ansprechbar ist und er mir nicht unter die Arme greifen kann. Oder anfangs war es sogar schlimm, wenn meine Eltern in den Urlaub gefahren sind. Und dann hatte ich ganz starke Ängste. Die mit verlassen werden zu tun hatte und das auch der Rückhalt fehlte um mich bei Bedarf bei den Kindern zu unterstützen.
Das ist aber mit der Zeit viel besser geworden, vor allen Dingen dadurch, dass die Medikamente wirkten und ich mich immer wieder diesen Angst behafteten Situation gestellt habe und gemerkt habe. Es passiert eigentlich gar nichts schlimmes.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
Mirabel
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Re: Fängt es wieder von vorne an?

Beitrag von Mirabel »

Ihr Lieben,

gestern ist mir eine Sache klar geworden. Ich war vier Monate in der Klinik. Nun bin ich seit sechs Wochen wieder zu Hause. Und wenn ich auf die Zeit zurück blicke, sehe ich, dass ich von der Stabilität noch weit entfernt bin. Jede Woche kommt ein Tief. Und dann dauert es ein paar Tage, bis ich auf den Niveau „einigermaßen ok“ komme. Und dann kommt der nächste Tief. Und die letzten Tage geht es tendenziell den Berg ab. Ich bin hoch angespannt, ängstlich und der Schlaf wird immer schlechter.
Gestern habe ich die Entscheidung getroffen, mit dem Lithium zu starten. Das hat mir die ganze Zeit große Angst gemacht. Und jetzt sehe ich, dass ich etwas verändern muss und möchte. Ich mache bereits alles, was es nur gibt, um wieder gesund zu werden. Klinik, Medikamente, Psychotherapie. Und trotzdem reicht es momentan nicht aus.
Heute Morgen bin ich direkt zu meiner Psychiaterin. Sie hat die Aufklärung bzgl. Lithium gemacht. Da muss man sehr auf die Wasserzufuhr achten. Und in der Aufdosierungsphase wöchentlich zur Blutentnahme. Es wurde Blut abgenommen. Heute Nachmittag müssten die Werte da sein und wenn sie in Ordnung sind, werde ich heute Abend mit der Einnahme starten. Gleichzeitig wurde ich auf die Warteliste für die Station gesetzt.
Ich möchte einfach wieder gesund werden. Und dass ich Lithium vertrage und er mir hilft. ❤️‍🩹
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